Gears of War

52 Games #9: WTF?

Bei 52 Games widmet man sich in dieser Woche dem Thema „WTF?“  WTF-Momente gibt´s in Spielen viele. Nicht selten sind diese aber auch Schlüsselmomente. So auch die Szenen, für die ich mich entschieden habe. Daher fange ich direkt mit einer Warnung an. Habt ihr schon Gears of War, Gears of War 2 und Gears of War 3 gespielt? Wenn ihr diese Frage bejahen könnt, ist alles gut. Lest ruhig weiter – ich erzähle euch da unten nix, was ihr nicht eh kennen solltet. Ihr kennt die Reihe noch nicht? Dann solltet ihr lieber aufhören zu  lesen – jedenfalls wenn ihr sie noch kennenlernen möchtet. Ich werde nämlich unten einige entscheidende Momente der Reihe spoilern.

Noch immer da? Kein Problem mit den kommenden Spoilern? O.k. … sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! Doch nun zum WTF-Moment. Den Grundstein dafür legt Gears of War. In diesem verschlägt es euch auf den Planeten Sera, wo ein erbitterter Krieg zwischen Locust und Menschen tobt. Mittendrin sind Marcus Fenix und Dominic Santiago. Am Rande bekommt der Spieler mit, dass Dom verheiratet ist und seine Frau sucht. Viel Gelegenheit bleibt dafür in den Wirren des Krieges nicht. Nichtsdestotrotz ist er mit den Gedanken immer bei Maria – so heißt seine Frau – und hofft eine Spur zu finden.

Finden wird man diese allerdings erst im zweiten Teil. In Gears of War 2 gibt es endlich ein Wiedersehen zwischen Dom und Maria. Diese befand sich in Gefangenschaft der Locust. Die anfängliche Euphorie ist allerdings schnell dahin. Nachdem JACK ihr Gefängnis geöffnet hat, scheint zunächst alles normal. Dom wirkt überglücklich und Maria scheint das strahlende Leben. Erst als Marcus – der sich bis hierhin dezent im Hintergrund hielt – sich bemerkbar macht, verfliegt die Illusion und der Spieler sieht Maria in ihrem tatsächlichen Zustand. Gebrochen, ausgemergelt und wohl auch ohne jegliche Erinnerung an ihren Mann. Nachdem Marcus die beiden ein letztes Mal allein lässt, erschießt Dominic schließlich seine Frau und erlöst sie von ihren Qualen.

Die Szene ist – wenn man auf die deutsche Synchronisation verzichtet – wahnsinnig emotional und wird bis heute gern zu den emotionalsten Szenen der Videospielgeschichte gezählt. Man findet sie in zahlreichen Listen, die sich diesem Thema widmen. Tatsächlich hatte ich beim Spielen Tränen in den Augen. Die Szene mit dem Wiedersehen dauert zwar nicht sonderlich lang, aber sie ist gut gemacht. Der Wandel zwischen dem was Dom gern sehen möchte und was Maria wirklich ist entsetzt und die Art des Wiedersehens ist nach der langen Suche doch irgendwie unerwartet. Ich habe den beiden so sehr ein anderes Wiedersehen gegönnt. Obwohl der Ausgang durchaus zu erwarten war, kam er dann doch unerwartet.

Darüber hinaus hat man zur Zeit von Gears of War 2 derlei Szenen von Shootern nicht erwartet. Vorher galten Shooter als Spiele ohne Story. Es gibt zwar viele, die uns einen Besseren belehren, dennoch war der Moment etwas Besonderes. Anschließend entbrannten regelrecht Debatten über die Storys in Shootern. Ging es künftig darum, dass Shooter durchaus eine Geschichte erzählen können, wurde stets auf Gears of War 2 verwiesen.

Doch zurück zur Geschichte von Dominic und Maria. Im zweiten Teil stirbt Maria, doch Dominic muss weiterleben. So wirklich gelingt ihm dies allerdings nicht. Mit dem Tod von Maria hat Dom nun seine gesamte Familie verloren. Seine Kinder Benedicto und Sylvia fielen bereits dem schrecklichem E-Day zum Opfer. Dom war bereits vor dem Wiedersehen mit Maria ein arg gebrochener Mann, doch dieses Ereignis hat die Sache nur noch schlimmer gemacht.

In Gears of War 3 sieht man ihn schließlich vor einer Engelsstatue knien. Ein Moment, der unterstreicht, wie sehr er noch immer leidet. Lang soll sein Leben nun allerdings nicht mehr dauern. Wenig später opfert er sich für seine Kameraden und fährt in eine Horde Feinde. Eine Aktion, die ihn wieder mit Benedicto, Sylvia und Maria zusammenbringt.

Das Leben von Dominic Santiago gleicht in den Gears of War-Spielen einem einzigem WTF-Moment. Er ist der tragische Held der Reihe, dessen privates Glück man im Verlaufe der Spiele zerbrechen sieht und dem man so sehr etwas Positives gegönnt hätte. Stattdessen lassen ihn die Entwickler am Ende sterben. Ich weiß bis heute nicht, ob ich diese Szene mag, oder hasse. Einerseits ist der Gedanke beruhigend, dass er nun immerhin wieder bei seiner Familie ist. Andererseits habe ich mir für ihn so sehr etwas wie ein Happy End gewünscht. Man leidet so lang mit Dom. Aber hätte er nach allem, was ihm wiederfahren ist, überhaupt noch glücklich werden können? Sicher ist, dass Dom eine Lücke hinterlässt, die niemand schließen kann.

Gears of War - Dominic Santiago

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