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Von Dildos, Meerjungfrauen und anderen Kuriositäten, oder: Die Sache mit der USK …

Vor geraumer Zeit bin ich über diesen Artikel von Francis gestolpert, der sich mit der USK befasst.  Auch lange, nachdem ich den Beitrag gelesen habe, hat mich das Thema noch beschäftigt. Zu dem Zeitpunkt, als ich den Post von Francis gelesen habe, hatte ich gerade Saints Row: The Third auf meinem PC installiert. Bevor es überhaupt so weit gekommen ist, wühlte ich mich durch zahlreiche Seiten und Diskussionen im Internet. Warum eigentlich? Die Antwort darauf ist einfach. Nach fast 2 Jahrzehnten Zockerei bin ich natürlich längst selbst dazu in der Lage, ein Spiel zu installieren. Wir in Deutschland haben allerdings etwas was sich USK schimpft, oder in der Langfassung: Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle.

Saints Row: The Third ist eines von zahlreichen Spielen, die in Deutschland nur geschnitten erschienen sind. Mein Mann warnte mich also vor, wenn ich meinen Code aus dem Humble Deep Silver Bundle einlöse, müsse ich wohl bis zum Ende meiner Tage mit einer Cut-Fassung leben. Er berichtete von seinem Code, den er aus einem früheren THQ-Bundle noch rumliegen hatte und der sich erst gar nicht einlösen lassen möchte. Schockiert von der Vorstellung eine Cut-Fassung zocken zu müssen, die sogar auf einen ganzen Spielmodus verzichten muss, begab ich mich auf die Suche.

Glücklicherweise fand ich dabei heraus, dass sich der Code aus dem Bundle problemlos in Deutschland einlösen lässt und man damit die Uncut-Fassung freischaltet – ohne Verwendung von VPN. Wäre es so einfach gewesen, hätte ich vermutlich nicht weiter über das Thema USK nachgedacht. Wie für viele Gamer(innen) in Deutschland, ist die auch für mich längst eine alte Leier geworden. Ein lästiges Insekt, welches man einfach nicht loswird und mit dem man sich abgefunden hat – auch wenn man viel lieber zur Fliegenklatsche greifen möchte. Man erwischt dieses Biest einfach nicht und muss sich damit arrangieren.

Dann kam jedoch der Moment, da ich Saints Row: The Third im Koop spielen wollte. In freudiger Erwartung habe ich das Spiel gestartet, bereitwillig meinen Abend mit einem guten Freund und einer entspannten Runde Saints Row zu verbringen. Denkste! Seine Fassung des Spiels ist leider nicht ungeschnitten gewesen und machte den geplanten Abend damit völlig zunichte. Meine Uncut-Version ist mit der deutschen Fassung nicht kompatibel. Yeah, danke liebe USK, für das durchkreuzen meiner abendlichen Pläne. Nachdem wir unsere Planung durcheinandergebracht sahen, fing ich wieder an, mich mit dem Thema USK zu befassen und darüber nachzudenken, warum eigentlich im Jahr 2013 erwachsene Menschen bevormundet werden müssen. Ich könnte schwören, die Zeiten in denen man Bücher verbrannte liegen weit, weit, weit … weit zurück. Bisweilen hege ich daran jedoch große Zweifel.

Dennoch schob ich diese Gedanken zunächst wieder weit weg … sollte dieses nervige Thema doch der Teufel holen. Ich entschloss mich schließlich dazu, allein dieses Spiel zu spielen und startete den bösen Hordenmodus, denn man in der deutschen Fassung entfernt hat. Ich war neugierig – was ist so schlimm daran, dass man ihn uns Deutschen nicht zumuten kann? Die Antwort darauf suche ich bis heute noch. Wenn ihr sie kennt, dürft ihr mir gern in den Kommentaren auf die Sprünge helfen. Sind es die Zombies? Der Riesendildo, mit dem ich in der ersten Welle die Gegner erschlagen musste? Ich habe lange kein Spiel mehr gespielt, welches sich so wenig ernst nimmt.

Was daran ist so dramatisch, dass man dieses Spiel schneiden musste? Gibt es tatsächlich erwachsene Menschen – in deren Händen das Spiel ja nur sein sollte – die so etwas für voll nehmen? Meiner Meinung nach ist jemand selbst ziemlich voll, wenn er ein Spiel wie Saints Row: The Third ernst nehmen kann. Man muss schon arg tief in sein Schnapsglas geblickt haben, wenn das tatsächlich der Fall sein soll. Inzwischen weiß ich, dass das ganze Spiel einfach nur verrückt und total ausgefallen ist. Ballernde Aliens, ein gigantischer Dildo als Waffe, geile Pseudo-Nonnentrachten, die jeder Nonne beim Anblick die Schamesröte ins Gesicht steigen lassen würden und ein Fuhrpark, der vom Leichenwagen bis zum Fernsehwagen alles bereithält. Wie geil ist das denn? Ein wirklich cooler Spielplatz für erwachsene Menschen, die ein wenig Spaß haben möchten. Was hat man hier in Deutschland bloß gegen ein wenig Unterhaltung?

Ok, manchmal kann die so verteufelte USK nur indirekt etwas für Einschnitte, die wir hier in Deutschland hinnehmen müssen. Mitunter werden Spiele schon von den Entwicklern vor der Prüfung an den deutschen Markt angepasst, um einer Indizierung zu entgehen. Aber ob da nun die USK direkt ihre Finger im Spiel hatte, oder nur indirekt, macht für uns als Zocker(innen) letztlich keinen so nennenswerten Unterschied aus. Was am Ende in den deutschen Händlerregalen steht, ist ein geschnittenes Spiel.

Nachdem ich mich intensiv mit The Penetrator, Kettensägen und meiner Nonnen-Kluft beschäftigt hatte, schwirrte mir nun doch unfreiwillig die USK und deren Bewertung durch den Kopf. Mir wurde schlagartig bewusst, dass ich die Entscheidungen der USK wohl bis ans Ende meines Lebens nicht begreifen werde. Warum ist ein Dead Space 3 Uncut? Warum sind überhaupt so viele Spiele von EA in Deutschland Uncut? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ist euch auch schon einmal aufgefallen, dass die USK bestimmte Publisher scheinbar lieber mag als andere? Manchmal stelle ich mir die Frage, nach welchen Kriterien Spiele eigentlich bewertet werden.

Wie die Einschätzungen der USK zustande kommen, weiß man so wirklich wohl nur dort. Wir bösen Gamer – womöglich alle potenzielle Killerspieler – haben da eh von Tuten und Blasen keine Ahnung. Glücklicherweise beschützt uns Mama USK vor möglichen jugendgefährdenden Inhalten. Welche Jugend möchte man eigentlich bei einer auf die 30 zugehenden, erwachsenen Frau schützen? Nun gut, liebe USK, wenn ihr etwas gegen noch nicht drohende Falten habt, lasst es mich wissen – ich möchte schließlich meine Jugend nicht gefährden. Immerhin wissen wir inzwischen, dass Meerjungfrauen mit verlorenen Bikinioberteilen das personifizierte Böse sind. Bei Nintendo wurde aus dem Bikinioberteil also eine viel harmloserere Perlenkette. So kann man auch uns Deutschen The Legend of Zelda: Link‘s Awakening zumuten. Immerhin sind wir höchst sensible Gemüter. So sensibel, dass man meint, man müsse selbst Erwachsene vor bösen Dingen in Videospielen beschützen.

Auch so ein Einarmiger Bandit in Pokémon ist höchst gefährlich. Ich konnte zwar als junges Mädchen problemlos am echten Einarmigen Banditen in der Dönerbude um die Ecke Echtgeld verspielen, muss in Pokémon allerdings davor beschützt werden. Gott sei Dank haben mich all die Lose auf den zahlreichen Jahrmärkten die ich in meiner Kindheit besucht habe nicht abhängig gemacht. Die hat nämlich niemand zensieren lassen.

Versteht mich nicht falsch, der Artikel mag ein wenig zynisch klingen, aber generell habe ich gar kein Problem mit der USK. Als Mutter zweier kleiner Kinder empfinde ich die USK sogar als durchaus positiv. Aber ich selbst bin schon lange aus meinen Kinderschuhen gewachsen. Es ist völlig in Ordnung, wenn man Spiele in Altersgruppen einteilt und Empfehlungen abgibt. Dabei möge man jedoch nie die Reife des einzelnen Menschen aus dem Auge verlieren. Wir Menschen sind keine Roboter, sondern alle einzigartig. Doch warum zum Henker meint man im Jahr 2013, dass man erwachsene Menschen bevormunden muss? Muss so etwas tatsächlich sein? Ein gesunder Mensch kann Fiktion und Realität sehr gut unterscheiden. Warum also zeigt man in den Sechsuhrnachrichten abgetrennte Gliedmaßen und Explosionen, stört sich aber gleichzeitig an Inhalten in fiktiven Videospielen? Warum kann ich in der Zeitung Bilder aus dem Drogenkrieg in Mexiko bewundern, die hingerichtete Menschen präsentieren, Kriegsopfer und Bilder von Naturkatastrophen, samt Leichen natürlich? All diese Dinge sind o.k. und für Jederkind leicht zugänglich – aber in anderen Bereichen muss man Zensur ausüben? Auch Bücher und Musik werden in Deutschland selbst heute noch zensiert.

Als Mutter zweier Kinder weiß ich auch, dass gerade Verbote anziehend sind. So mancher Teenager mag es reizvoll finden, sich ein Spiel ohne Altersfreigabe in der nicht zensierten Fassung zu besorgen. Wo ein Wille, da auch ein Weg. Geschnittene Spiele schaffen in meinen Augen nur einen unnötigen Anreiz. Seien wir doch einmal ehrlich – wenn man etwas tatsächlich möchte, kommt man in den meisten Fällen auch ran. Dagegen helfen weder USK, noch Zensur. Egal ob die großen Geschwister, der Kumpel aus dem Internet oder der coole Nachbarsjunge, der lauter coole Ballerspiele im Regal hat – irgendwer wird es schon richten.

Viel hilfreicher wäre wohl ein offener Umgang mit Spielen. Die ein oder andere Aufklärungskampagne würde wohl auch nicht schaden. Für uns junge Menschen sind Computer, Spiele und Internet selbstverständlich. So manches Elternteil mag sich da jedoch überfordert sehen.

So selbstverständlich PC, Internet und all diese schönen Dinge auch sind … sie sind noch relativ jung. Ich kenne einige, meist ältere Semester, die denken: Das Internet und Computer sind Teufelswerk! In meinen Augen ist es viel wichtiger, sich offen mit all diesen Dingen zu befassen. Nun will ich damit natürlich nicht sagen, dass man künftig doch einfach Klein-Sohnemann mit Schnuller im Mund neben den Bildschirm stellen sollte, wenn man gemütlich eine Runde Saints Row: The Third spielt. Auch Call of Duty und Konsorten sind kein geeignetes Unterhaltungsprogramm für Kids. Aber zu gegebener Zeit kann man Groß-Sohnemann sicher einen Blick auf den bösen Penetrator und mein geliebtes Nonnen-Outfit werfen lassen. Tut man es nicht, tut es Groß-Sohnemann eben allein. Oder glaubt wirklich jemand, dass Groß-Sohnemann nicht irgendwann groß genug ist, um sich die Uncut-Fassung zu besorgen? Naja, irgendwer glaubt es scheinbar doch. Warum sonst gibt es die USK, mit ihren teils schwer nachvollziehbaren Einschätzungen? Halt, Moment! Ich vergas … irgendwer in Deutschland möchte ja meine Jugend beschützen.

PS: Wer sich noch nicht genug über manche Einschätzung der USK gewundert hat, findet im Beitrag von Francis noch weitere Beispiele.

PPS: Ich bin keinesfalls Fan von simplen, stumpfen Gewaltspielen, die darüber hinaus keinen Inhalt besitzen. Dennoch bin ich der Meinung, man sollte Erwachsenen die Möglichkeit lassen, diese Spiele zu spielen. Solche Dinge haben in den Händen von Kids nichts zu suchen, aber warum nicht in denen von Erwachsenen, die auf solche Dinge abfahren?

PPPS: Der missglückte Koop-Ausflug konnte nachgeholt werden. Humble Bundle und Steam-Support sei Dank. Völlig Uncut.

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Jacky

Danke, ein Mensch mit einer gesunden Einstellung zur USK. Wo kann ich unterschreiben?
Böse Menschen könnten jetzt allerdings auf deine Frage, warum auch wir Erwachsenen noch vor bestimmten Szenen und Spielen geschützt werden müssen, antworten, dass wir für die aus der USK und die Politiker ja eh alle nur gewaltbereite Amokläufer sind. So kommt es mir zumindest oft vor. Denn war irgendwo ein Amoklauf, sind wieder wir Gamer schuld. Also am besten gewaltbereite Spiele oder deren Inhalte gleich verbieten…

trackback

[…] nicht erst auf den Markt bringen. Wer hierzu mehr erfahren möchte, der findet auf der Seite von Totallygamergirl allerdings einen hervorragenden Beitrag zu dieser Problematik. Ich für meinen Teil, wollte dies nur […]

Tommy™ - the Admi!n

sehr schön geschrieben!