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9.03m

Entwickler:         Space Budgie
Publisher:          Space Budgie
Genre:              Indie
Multiplayer:        nein
Plattformen:        PC
Preis:              ca. 1,99 Euro
Offizielle Website: http://spacebudgie.com/

Erinnerungen

Habt ihr jemals etwas von 9.03m gehört oder gelesen? Ich hatte bis vor wenigen Tagen nie Notiz von dem Projekt genommen. 9.03m ist eines dieser Spiele, welches ich durch Zufall entdeckt habe. Für gewöhnlich schaue ich jeden Abend bei Steam, welche Spiele neu erschienen sind und sehe mir jene Titel an, die mir interessant erscheinen. Auch 9.03m ist eines dieser Spiele gewesen, die ich so gefunden habe. Ohne zu wissen, was sich dahinter eigentlich verbirgt, habe ich die 1,99 Euro investiert, nachdem ich mir die vorhandenen Bilder angeschaut habe.

Die Handlung – wenn man sie als solche bezeichnen mag – ist am Baker Beach in San Francisco angesiedelt. Dort begibt man sich auf die Suche nach Schmetterlingen. Klingt simpel? Ist es auch. Es braucht nicht mehr als W, E und die linke Maustaste, um das Spiel zu beenden. Eine kurze Sequenz zeigt den Strand und lässt eine schemenhafte Gestalt in der Ferne erkennen. Nähert man sich ihr, löst sie sich auf und es bleibt ein Gegenstand zurück. Diesen müsst ihr mit der Maus drehen, bis ihr einen Schmetterling findet, den ihr anklickt, um eine Sequenz auszulösen. Der Schmetterling fliegt davon, hinterlässt eine feine Spur aus Lichtkügelchen und eine neue Gestalt erscheint am Strand, von dem ein kleines Stück mehr begehbar ist. Dieser Ablauf wiederholt sich einige Male, bis man schließlich die Endsequenz erreicht.

9.03m_02Bis zum kurzen Abspann des Spiels benötigt es kaum mehr als 10 Minuten, womit das Spiel eines der kürzesten ist, die ich jemals gespielt habe. Zunächst mag das alles sehr unspektakulär, geradezu langweilig, erscheinen. Hinter dem Projekt verbirgt sich allerdings eine berührende Geschichte. Das Spiel erinnert an die Opfer des Tsunamis, der 2011 durch das Tōhoku-Erdbeben ausgelöst wurde und Teile von Japan zerstörte.  Die Katastrophe beherrschte wochenlang die Medien, was nicht zuletzt der Tatsache zuzuschreiben ist, dass es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zu einer der größten Nuklearkatastrophen aller Zeiten kam.

Was aber hat ein Strand in San Francisco mit einer Naturkatastrophe in Japan zu tun? Die zerstörerische Kraft des Tsunamis war so gewaltig, dass zahlreiche Trümmer bis an die Küsten der USA und Kanada gespült wurden. Was ihr dort am Strand findet, sind also letztlich Erinnerungen. Erinnerungen an die Opfer des verheerenden Tsunamis.

Während viele Regisseure Katastrophen wie die in Japan 2011 gern in Actionfilmen verarbeiten, setzt 9.03m auf einen minimalistischen Stil. Rein optisch beschränkt sich das Spiel größtenteils auf Blautöne. Die Landschaft ist ausgesprochen schlicht gestaltet und auch die wenigen Animationen fallen einfach aus. Unterstrichen wird die kurze, aber rührende Handlung durch eine leise, ebenfalls sehr schlichte und traurige Pianomusik.

Mein Fazit:

Muss man 9.03m mögen? Nein, aber man kann. Bei dem Spiel – so mancher würde es wohl nicht einmal als solches bezeichnen – streiten sich mit Sicherheit die Gemüter. Für 1,99 Euro kann man an anderer Stelle ohne Frage deutlich mehr Content erhalten. Nichtsdestotrotz hat sich die Investition für mich gelohnt. Die kurze Geschichte von 9.03m hat mich berührt und zum Nachdenken gebracht.

9.03m ist ein sehr eigenwilliges Spiel und eine interessante Art, den Tsunami der 2011 Japan traf zu thematisieren. Mögen muss man das Projekt freilich nicht, das wohl eher für Individualisten interessant ist, die dazu bereit sind, sich auf dieses kurze und minimalistische „Abenteuer“ einzulassen. Für die meisten Gamer – vor allem jene, die actionverliebt sind – ist 9.03m sicher nicht weiter beachtenswert. Wer meine Experimentierfreudigkeit teilt, unterstützt mit dem Kauf Aid For Japan. Entwickler Space Budgie spendet einen Teil der Einnahmen an die Hilfsorganisation, die Kindern hilft, die aufgrund des Tsunamis ihre Eltern verloren haben.

Wer sich auf diese simple Art von Spiel einlassen kann, erlebt einen kurzen und berührenden Ausflug an den Strand von Baker Beach. Ihr könnt bei Büchern und Filmen hemmungslos heulen und zählt euch selbst zu den eher gefühlsduseligen Menschen? Dann könnt ihr getrost einen Blick riskieren. Alle anderen lassen lieber die Finger vom Spiel und ersparen sich eine Enttäuschung.

9.03m_01

Bildquelle: Space Budgie

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