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Banished

Banished

Entwickler:         Shining Rock Software
Publisher:          Shining Rock Software
Genre:              Strategie, Simulation, Indie
Multiplayer:        nein
Plattformen:        PC
Preis:              ab 14,49 Euro (Humble Store) 
Offizielle Website: http://www.shiningrocksoftware.com/

Der Winter naht

Nicht nur in Game of Thrones sollte man sich um den nahenden Winter sorgen, der allerlei Unheil mit sich bringen kann. Auch im Strategiespiel Banished bedeutet die kalte Jahreszeit bisweilen wenig Gutes. Mit einer Handvoll Siedler finde ich mich in der Wildnis wieder, ausgerüstet mit einem kleinen Vorrat an Nahrung, Feuerholz, Kleidung und Werkzeugen. Faktisch aus dem Nichts erschaffe ich die ersten Gebäude meiner Siedlung und lege rasch ein paar Felder an, um Vorräte für den Winter zu haben. Die verbleibenden Siedler schicke ich unterdessen aus, um in der Natur Rohstoffe wie Holz und Stein zu sammeln – ohne Material, kann ich schließlich kein Dorf errichten.

Ist der erste Winter schließlich da, wird es spannend. Rasch sinken die eben noch gut gefüllten Vorräte gen null. Besonders Nahrung wird immer wieder knapp und ist im Winter kaum zu bekommen. Sind die Felder erst einmal abgeerntet, dauert es wieder ein ganzes Jahr, bis zur nächsten Erde. Natürlich gibt es auch diverse andere Nahrungsquellen, wie Fischer- und Jagdhütten. Die so beschafften Nahrungsmengen sind allerdings gering und allein kaum ausreichend, um den vorhandenen Bedarf dauerhaft zu decken. Würde ich etwa eine Siedlung nur mit Fisch ernähren wollen, müsste ich den Großteil meiner Bevölkerung als Fischer abstellen – Arbeitskraft, die schnell an anderer Stelle fehlen kann. Da nützt es nur wenig, wenn meine Fischer das ganze Jahr über ihrer Arbeit nachgehen und meine Bewohner mit frischen Nahrungsmitteln versorgen.banished_01

Zunächst wirkt Banished nicht übermäßig komplex, das Menü ist schnell erkundet und die Tutorials rasch gespielt. Schnell stellt man jedoch fest, dass es nur auf den ersten Blick ein Spaziergang ist, eine funktionierende Siedlung zu errichten. Während man in vergleichbaren Spielen wie SimCity oft im Handumdrehen eine umfangreiche Stadt aus dem Boden stampfen kann, will hier gut überlegt vorgegangen werden. Selbst im niedrigsten Schwierigkeitsgrad beginnt man mit nur wenigen Familien und kann sich schnell verkalkulieren.

Grundsätzlich wäre es ein Leichtes, die Einwohnerzahl rasch zu erhöhen. Stelle ich genug Behausungen zur Verfügung, vermehren sich die Siedler wie ein Stall voller Kaninchen. Antibabypille, Verhütungspflaster und derlei Dinge gibt es im mittelalterlichen Banished nämlich nicht. So viele hungrige Mäuler füllen sich allerdings nicht von allein und der Nachwuchs muss zunächst einige Jahre durchgebracht werden, ehe er als Arbeitskraft zu gebrauchen ist – vor allem, wenn man seine Kinder erst in die Schule schickt, damit sie später einmal effektiver ihrer Arbeit verrichten. Übertreibt man es beim Bevölkerungswachstum, hat man ziemlich fix den gegenteiligen Effekt erreicht, weil die Versorgung zusammenbricht und der Hunger Todesopfer fordert.

Selbst bei einer deutlich bedachteren Vorgehensweise bemerkt man schnell, dass Nächstenliebe ein Fremdwort zu sein scheint. Jeder meiner Dorfbewohner ist sich selbst der Nächste und hortet eifrig die vorhandenen Vorräte im eigenen Haus. Immer wieder beobachte ich, wie ein Haus in Lebensmitteln schwimmt, während die Nachbarn nur knapp am Hungertod vorbeischrammen, oder gegen die unerbittliche Kälte kämpfen, während die junge Familie nebenan einen großzügigen Vorrat an Feuerholz besitzt. Glücklicherweise kann man einen Markt errichten, der die Verteilung von Ressourcen deutlich gerechter gestaltet.

Während man bei Aufbau-Strategie oftmals mit Kriegsführung und der Verwaltung einer angemessenen Armee beschäftigt ist, sind die größten Feinde in Banished Hunger, Pest, Wirbelstürme und Co. Der einzige Kampf, den euch das Spiel führen lässt, ist der um das nackte Überleben. Auch überdimensionale Bauwerke bleiben aus. Stattdessen ist man voll und ganz damit beschäftigt, ein Dorf wachsen zu lassen. Banished zu spielen kann man ganz gut mit dem Jonglieren von Bällen vergleichen. Man hantiert mit Bällen wie Nahrungsbeschaffung, Ressourcenverwaltung und Bevölkerungswachstum und lässt im Idealfall keinen davon fallen.banished_02

Begeht ihr Fehler, werden die nur schwer verziehen – besonders dann, wenn sie eine Weile bestehen. Ist die Bevölkerungszahl erst einmal explodiert, ist die Hungersnot ohne großzügige Vorbereitung quasi vorprogrammiert. Sorgt ihr hingegen nicht für neue Unterkünfte, kommen irgendwann keine Kinder mehr nach und das Dorf veraltet. In einigen Jahrzehnten zahlt ihr schließlich den Preis für euer Versäumnis und eure Einwohner sterben nach und nach den Alterstod. Kümmert ihr euch zu spät um Schneider, Holzfäller und Schmied, gehen euch früher oder später wärmende Kleidung, Feuerholz und Arbeitsgeräte aus. Nicht selten dauert es Jahre bis Jahrzehnte, um alles wieder geradezubiegen.

Auch die Planung einer Siedlung möchte wohlüberlegt sein. Ein Markt nützt nur dort etwas, wo auch Gebäude stehen und Ressourcen verteilt werden müssen, genauso wie eine Jagdhütte in einem abgeholztem Gebiet wenig Sinn ergibt, da sich das Wild dort längst zurückgezogen hat. Idealerweise setzt man eine Jagdhütte also in ein bewaldetes Gebiet, welches man von einem Förster pflegen lässt, der Bäume abholzt und neue pflanzt. Ein kräuterkundiger Siedler kann in der Region zudem wertvolle Pflanzen sammeln, die bei der Gesundheitsversorgung helfen.

Obwohl das Spiel auf den ersten Blick sehr oberflächlich wirkt, dauert es eine Weile, bis man alle nötigen Kniffe und ideale Vorgehensweisen erspielt hat. Transportwege wollen bedacht werden, die Produktionsmenge von Gebäuden, das Alter der Bevölkerung … Banished ist in dieser Hinsicht beeindruckend gut durchdacht. Hier und dort hat das Spiel natürlich einige Fehler. Unterm Strich sind die vielen Details aber erstaunlich. Besonders wenn man bedenkt, dass das Spiel von nur einem Entwickler geschaffen wurde: Luke Hodorowicz. Vor der großen Konkurrenz wie SimCity oder Anno muss sich das Spiel keinesfalls verstecken, denn es kann spielend mithalten – auch ohne dass ein großes Entwicklerteam daran gearbeitet hat.

Hier und dort gibt es einige fragwürdige Aspekte und Fehler, die sich allerdings gut verkraften lassen. So werden die Einwohner gerne stolze 80 Jahre alt, was nicht sonderlich glaubwürdig wirkt, wenn man das mittelalterliche Setting bedenkt. Liegt eine Obstplantage im Einzugsbereich eines Forsthauses, welches den Befehl erhalten hat Bäume zu fällen, werden auch die Bäume der Plantage entfernt und bei der Feuerbekämpfung läuft wieder alles frei nach dem Motto, jeder ist sich selbst der Nächste. Wer es gern abwechslungsreich mag, dürfte sich zudem mit der geringen Anzahl an unterschiedlichen Gebäuden und den kaum vorhandenen Upgrade-Optionen schwer tun.

Letztlich kann man über die kleinen Ecken und Kanten aber sehr gut hinwegsehen.  Während das Spiel in Sachen Vielfalt nicht übermäßig viel zu bieten hat, weist es dafür umso mehr Tiefgang auf. Auch bei einem jahrzehntelang erfolgreich geführten Dorf ist es immer wieder spannend, wenn der nächste Winter an der Tür klopft. Ist die Versorgung mit allen nötigen Ressourcen gut gedeckt, um das Dorf auch weiter wachsen zu lassen, oder zeichnen sich Notstände ab? Stimmt die demografische Entwicklung, oder stirbt meine Siedlung langsam aus? Auch eine stabile Siedlung kann man schnell ins Verderben stürzen, wenn man nachlässig wird und mögliche kurz- und langfristige Probleme übersieht.banished_03

Zudem sollte man möglichst rasch für einen Überschuss an Ressourcen sorgen, denn ohne den ist Handel nicht möglich. Geld gibt es in Banished nicht. Alles, was euch zur Verfügung steht, nehmt ihr aus der Natur und produziert ihr selbst. Kleidung aus Wolle und Leder, Werkzeuge aus Stein und Eisen … Zu Beginn stehen euch nur wenige Samen und im niedrigsten Schwierigkeitsgrad ein paar Tiere zur Verfügung. Wenn ihr dauerhaft gesunde Bewohner möchtet, kommt ihr um Abwechslung jedoch nicht herum. Es ist überhaupt kein Problem, ein Dorf Jahrzehnte nur mit Kartoffeln und Fisch zu ernähren. Ein gesunder Lebensstil geht jedoch anders. Genau hier kommt der Handel ins Spiel. Habt ihr etwa einen Überschuss an Werkzeugen, die einen angenehm hohen Wert haben, könnt ihr diese gegen andere Güter eintauschen, sobald ein Schiff an eurem Handelsposten anlegt.

Alles hat dabei einen festen Wert. Einfache Felderzeugnisse sind vergleichsweise billig, hochwertige Werkzeuge, warme Kleidung und Alkohol deutlich gefragter und wertvoller. Was euch die Umgebung selbst nicht hergeben möchtet, ertauscht ihr euch also, indem ihr mittels Überschüssen notwendige Dinge ersteht. Tiere für die Viehzucht, Alkohol für die Zufriedenheit eurer Bürger, oder neue Samen, mit denen ihr Plantagen und Felder bewirtschaften könnt. Mit der Zeit könnt ihr einen abwechslungsreichen Speiseplan garantieren und Ressourcen erhalten, die euch zu Beginn gefehlt haben – etwa um in einer Brauerei den beliebten Alkohol zu produzieren.

Habt ihr euch bei der Nahrungsmenge einmal verkalkuliert, kann der Handelsposten ebenfalls Abhilfe schaffen. Sofern in Zeiten der Not gerade ein Schiff angelegt hat und ihr über das nötige Tauschmaterial verfügt, könnt ihr euch mit Lebensmitteln versorgen – sofern diese auf dem Schiff vorhanden sind. Auf die mitgebrachten Waren könnt ihr übrigens selbst Einfluss nehmen. Die Schiffe, die bei euch anlegen, kommen aus den verschiedensten Regionen und haben dementsprechend völlig unterschiedliche Dinge dabei. Liegt ein Handelsschiff an, findet ihr im hintersten Reiter immer eine Auswahl aller zur Verfügung stehenden Waren und könnt festlegen, welche beim nächsten Besuch, oder bei jedem zukünftigen, an Bord sein sollen.

Mein Fazit:

Banished ist für mich bisher der Überraschungshit des Jahres. Während mich SimCity im Frühjahr 2013 eher enttäuscht hat, hat mich das kleine Ein-Mann-Projekt von Luke Hodorowicz überzeugt. Klar, das Spiel hat einige Ecken und Kanten … die findet man allerdings auch bei der großen Konkurrenz, wie bei SimCity die Verkehrsprobleme.

Banished glänzt zwar nicht durch herausragende Optik und eine Vielfalt an Gebäuden, überzeugt dafür umso mehr im Bereich Tiefgang. Aus wenigen und einfachen Mitteln errichtet ihr ein Dorf, dessen Aufbau und Bevölkerung eine fordernde Aufgabe ist, die zunächst in einigen Spielstunden erlernt werden möchte. Eure ärgsten Feinde sind Hungersnöte und Epidemien. Denkt man, es kann gar nicht mehr schlimmer werden, kann euch zudem aus dem Nichts ein Wirbelsturm überraschen – derlei Katastrophen lassen sich auf Wunsch jedoch vor Spielbeginn deaktivieren.

Mit oder ohne Katastrophen, Banished ist fordernd und verlangt euch eine durchdachte Planung ab. Demografischer Wandel, Ressourcenverteilung und –beschaffung wollen genauso bedacht werden, wie ein abwechslungsreicher Speiseplan und die Zufriedenheit eurer Siedler, die ihr etwa mit Alkohol, einer Kirche und einem Friedhof für die Gebeine der Verstorbenen sicherstellt. Dabei begeistert das Spiel immer wieder mit seiner Detailverliebtheit und einer erstaunlich brauchbaren KI. Hat ein Farmer auf seinem Feld gerade keine Arbeit, hilft er bei der Beschaffung von Rohstoffen. Das Spiel wirkt – sieht man von einigen Schönheitsfehlern wie das erstaunlich hohe Alter, welches erreicht werden kann, einmal ab – gut durchdacht und nachvollziehbar.

Erfreulich ist zudem der angekündigte Mod-Support, der auch für die Zukunft jede Menge Content verspricht. Im Humble Store kann man das Spiel bereits für schlanke 14,49 Euro erstehen. Wer Aufbau-Strategie mag, legt sein Geld bei Banished gut an.

Anmerkung: Das Spiel ist nur in Englisch verfügbar – bitte bedenkt diese Tatsache vor dem Kauf. Entsprechende Sprachkenntnisse sollten zumindest grundlegend vorhanden sein. Tiefgreifende Kenntnisse werden euch nicht abverlangt.

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