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BioShock Infinite – Burial at Sea

Entwickler:         Irrational Games
Publisher:          2K Games
Genre:              Shooter
Multiplayer:        nein
Plattformen:        PC, XBox 360, PlayStation 3
Preis:              ca. 19,99 Euro (Season Pass)  
Offizielle Website: http://www.bioshockinfinite.com/home

Ende vom Lied

Aus und vorbei, das war’s. Vergangene Woche ist der letzte Downloadinhalt für BioShock Infinite erschienen. Burial at Sea Episode 2 führt noch einmal in die Unterwasserstadt Rapture und in die hoch in den Lüften versteckte Stadt Columbia. Infinite ist damit nun endgültig abgeschlossen – und die Zukunft der Marke BioShock ungewiss. Vor einigen Wochen gab man überraschend bekannt, dass Entwickler Irrational Games geschlossen wird. Doch dies ist eine andere Geschichte. In diesem Artikel soll es um Burial at Sea gehen.

Los ging es im Herbst 2013 mit dem ersten Teil der Erweiterung. Man schlüpft in die Haut von Booker DeWitt, der in Rapture von Elizabeth aufgesucht wird. Sie beauftragt ihn damit, ein kleines Mädchen zu finden – Sally. Dabei sieht man die bekannte Unterwasserstadt in einer Zeit, bevor sie begann zu zerfallen.

Was in der Theorie Unmengen von Potenzial hat, ist in der Praxis leider weniger spektakulär. Zu Beginn hat das Ganze etwas von Film Noir und die Kulisse ist einfach zauberhaft. Im Verlauf der Handlung geht es allerdings sehr schnell in die engen Gänge Raptures, die sich nicht großartig von dem unterscheiden, was man bereits kennt. Es wird eben gewohnt schmutzig. Der anfänglich ganz nette DLC beginnt vor sich hin zu plätschern und endet schließlich, wobei er einige Fragezeichen zurücklässt.

Deutlich ansprechender fällt meiner Meinung nach der zweite Teil von Burial at Sea aus. Erstmals darf man bei BioShock in die Rolle einer weiblichen Protagonistin schlüpfen – bei der es sich natürlich um Elizabeth handelt. Besser gesagt um eine ihrer vielen Versionen. Dabei begegnet ihr einer Vielzahl alter Bekannter und versucht nun selbst an die Little Sister Sally zu kommen. Die befindet sich inzwischen in den schmierigen Händen von Atlas, der Elizabeth das Leben fortan schwer macht.

Zu viel möchte ich an dieser Stelle nicht über die Geschichte des zweiteiligen Downloadinhalts verraten, da auch beide Episoden zusammengenommen nur einige Stunden Spielzeit bieten. Mit meiner Entdeckerwut und Sammlerleidenschaft bin ich insgesamt auf sieben Stunden gekommen, wobei die zweite Hälfte daran einen deutlich größeren Anteil hatte. Wer es etwas eiliger hat als ich, kann von der genannten Zeit noch einmal ein paar Stunden abziehen. So viel sei jedoch verraten: Die Story ist stellenweise ziemlich kompliziert und lässt am Ende nach wie vor einige Fragen im Raum stehen. Das Ende kommt zudem qualitativ nicht an das sehr starke Ende von BioShock Infinite heran.bioshockinfinite_burialatsea_01

In der ersten Episode erwartet euch das gewohnte BioShock Gameplay, wobei ihr in Rapture nun auch euren Greifhaken benutzen könnt. Die Möglichkeiten sind jedoch nicht annähernd so prickelnd, wie man es aus dem Hauptspiel gewohnt ist. Rapture ist einfach viel zu beengt, um sich hier wirklich austoben zu können, weshalb das Ding bei mir letztlich fast nie zum Einsatz gekommen ist. Durchballern funktioniert prima. Der Greifhaken wirkt hingegen unnötig und deplatziert.

Viel spannender gestaltet sich da die zweite Hälfte von Burial at Sea. Während sich Booker mit viel Waffengewalt durch Rapture bewegt hat, geht Elizabeth deutlich bedachter vor. Reinlaufen und losballern ist hier nicht mehr. Stattdessen heißt es Gegner mit Betäubungsmunition und Armbrust lautlos ausschalten, mit Alarmpfeilen für Ablenkung sorgen, mit Gaspfeilen ganze Gegnergruppen einnebeln und mit dem Plasmid Peeping Tom unsichtbar werden, oder durch Wände sehen. Kurz und gut: BioShock goes Stealth.

Seebestattung Episode 2 – so der deutsche Name der Erweiterung – spielt sich demnach anders, als man es bisher von der Franchise gewohnt war. Doch der neue Anstrich ist den Entwicklern gut gelungen und steht dem Spiel sehr gut. Wer es besonders knifflig mag, sollte sich unbedingt den neuen 1998-Modus ansehen. In dem ist es nicht vorgesehen, eure Feinde zu töten, was das Abenteuer noch einmal bedeutend anspruchsvoller gestaltet. Während euch Elizabeth im Hauptspiel regelmäßig mit Munitionsnachschub versorgt hat, geht euch der im DLC deutlich schneller aus.

Bleibt die Frage offen, ob sich ein Ausflug nach Rapture lohnt? Ja und nein. Der erste Teil, der bereits nach Release viel Kritik einstecken musste, ist keine nennenswerte Bereicherung für BioShock. Der zweite Teil macht diesen Umstand allerdings wett und überzeugt mit frischem Gameplay. Die Geschichte ist interessant gestaltet und rundet das Hauptspiel gut ab, lässt aber dennoch viele offene Fragen zurück. Zudem ist es besonders für den zweiten Teil der Erweiterung ratsam, einige Kenntnisse mitzubringen. Wer mit der Handlung der Franchise nicht gut vertraut ist, könnte sonst ziemlich verwirrt sein und wird vieles nicht verstehen.bioshockinfinite_burialatsea_02

Es werden sehr viele bekannte Figuren wie Atlas, die Little Sisters, Tenenbaum und natürlich Booker und Elizabeth aufgegriffen. Obwohl ich alle BioShock-Teile gespielt habe, empfand ich die Geschichte stellenweise als anstrengend und schwer nachvollziehbar.

Im Gesamten betrachtet, hat mich der DLC gut unterhalten. Ein Must Have ist er meiner Meinung nach allerdings nicht. BioShock Infinite hat ein wirklich gelungenes Ende, ein würdiger Abschluss. Es wäre nicht nötig gewesen, hier noch einmal Content zu bringen. Ihr solltet zudem nicht erwarten, dass sich mit Burial at Sea nun alle Fragen klären werden, die euch eventuell noch im Kopf herumschwirren. Auch der zweite DLC lässt am Ende viel Spielraum für Spekulationen.

Den größten Kaufanreiz stellt Episode 2 dar, welche durch den Stealth-Ansatz frischen Wind in die Franchise bringt. Zum Verständnis sollte man – sofern man sich zum Kauf entschließt – allerdings auch die schwächere erste Episode mitnehmen. Zu bemerken sei zudem noch, dass die Sprachausgabe, anders als beim Hauptspiel, nur in Englisch zur Verfügung steht. Deutsche Untertitel sind jedoch auf Wunsch aktivierbar.

Mein Fazit:

Burial at Sea hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Auf die erste Hälfte hätte ich gut und gern verzichten können. Der zweite Teil hat mich hingegen überzeugt und mit seinem Stealth-Gameplay positiv überrascht. Zudem ist die Story für Fans interessant. Ist man weniger mit der BioShock-Franchise vertraut, dürfte es hingegen mit dem Verständnis sehr schwer werden.

Für Fans wird sich ein erneuter Ausflug in die Unterwasserstadt Rapture lohnen. Als Must Have würde ich die zweiteilige Erweiterung allerdings nicht bezeichnen. Das Hauptspiel wird mit einem tollen Ende abgeschlossen, welches man auch als solches bedenkenlos stehen lassen kann.

Grenzwertig finde ich vor allem den Preis, der selbst wenn man zum Season Pass greift nicht zu verachten ist. Insgesamt kann man, dank der etwas längeren zweiten Episode, rund fünf Spielstunden für Burial at Sea einplanen. Für die knapp 20 Euro – so viel kostet der Season Pass – gibt es zwar noch Clash in the Clouds, dort wird allerdings nur gekämpft.

Für mich hat sich die Investition trotz allem gelohnt und ich hatte ein paar unterhaltsame Spielstunden. Wer auch immer nun nach Irrational Games BioShock bekommt, tritt ein großes Erbe an. Ich würde mir wünschen, dass man in einem Nachfolger – sofern ein solcher je erscheinen wird – das Gameplay von Burial at Sea Episode 2 aufgreift. Stealth steht BioShock meiner Meinung nach ausgesprochen gut. Allein für dieses Erlebnis hat es sich schon gelohnt, die zweite Hälfte zu spielen. Irrational Games werde ich definitiv vermissen – daran ändert auch die eher belanglose erste Episode von Burial at Sea nichts.

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Getestet wurde die PC-Version.

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