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Child of Light

Child of Light

Entwickler:         Ubisoft Montréal
Publisher:          Ubisoft
Genre:              Rollenspiel
Multiplayer:        nein
Plattformen:        PC, PlayStation 3, PlayStation 4, Xbox 360, 
                    Xbox One, Wii U
Preis:              ab 14,99 Euro
Offizielle Website: http://childoflight.ubi.com/

Traumhaft schön, oder nicht? Lies geschwind diesen Bericht! Ins Dunkel bringt er nun ein Licht, willst du wissen meine Sicht.

Am 30. April hat Ubisoft das Rollenspiel Child of Light veröffentlicht. Ein neues Licht am Rollenspielhimmel? Der Spieler schlüpft in die Haut der kleinen Prinzessin Aurora. Die Tochter eines österreichischen Herzogs befindet sich auf der Suche nach den drei Quellen des Lichts: Sonne, Mond und Sterne. Die Dunkle Königin hat sie entwendet und so die Dunkelheit über Lemuria gebracht. Aurora, das Kind des Lichts, bekommt dabei Hilfe von dem Glühwürmchen Igniculus, der stets an ihrer Seite ist. Während ihrer Reise schließen sich ihr zudem Begleiter wie eine bogenschießende Maus, ein Narr und ein alter Krieger an. Klingt wie ein Märchen? Ist es auch. Das Abenteuer der jungen Prinzessin fühlt sich wie ein spielbares Märchen an. Zwerge, ein sprechendes Glühwürmchen, Magie, Gut und Böse … alles erinnert an eine Geschichte, die man abends seinen Kindern vorm Zubettgehen vorliest.

Passend zur Erzählung, ist auch die Inszenierung. Die Welt wirkt wie ein lebendiges und farbenfrohes Aquarell. Das Spiel nutzt die UbiArt—Framework-Engine, die man bereits von Rayman Legends kennt. Eine gute Wahl, wie man bereits anhand vieler Screenshots sehen kann. Optisch ist das Spiel eine wahre Augenweide und sticht zudem aus der großen Menge heraus. Der Look von Child of Light ist einprägsam und fällt positiv auf. Natürlich ist der Niedlich-Look eine Frage des persönlichen Geschmacks und für einige sicher weniger ansprechend, doch er passt sehr gut zum Spiel und fügt sich hervorragend in das Gesamtbild ein.child_of_light_screen_04

Untermalt wird eure Reise durch zumeist sanfte Klänge. Für die ist man eine Partnerschaft mit Cirque du Soleil Media und der Künstlerin Coeur de Pirate eingegangen. Eine gute Wahl, wie man hören kann. Auch der Soundtrack hat meiner Meinung nach eine Menge Wiedererkennungswert und fällt während des Spielens immer wieder auf. Egal ob die Musik während eines Bosskampfes lauter und epischer wird, oder sie die Erzählung sanft unterstreicht – die Klänge unterstreichen das Geschehen auf dem Bildschirm passend.

Bei den Texten hat man sich ebenfalls etwas Besonderes einfallen lassen, die sind nämlich in Reime verpackt. Die Qualität finde ich hier allerdings sehr schwankend. Manche Reime sind wirklich gelungen und schön zu lesen, andere wirken eher gezwungen und fehl am Platz. Über den Stil der Texte kann man sich hier also streiten. Unterm Strich mag ich die gereimten Textzeilen. Diese Meinung wird allerdings nicht jeder teilen. So mancher holpriger Reim wirft den Gedanken auf, ob nicht schlichte Prosa die bessere Wahl gewesen wäre. Am besten schaut ihr euch ein oder zwei Videos vom Spiel an, um festzustellen, ob ihr mit dieser Art der Texte etwas anfangen könnt.

Spielerisch erinnert der Titel stark an ein Japano-Rollenspiel, was zunächst ungewöhnlich erscheint, da das Projekt keinesfalls von einem japanischen Entwicklerstudio kommt, sondern von Ubisoft. Sobald euch ein Kampf erwartet, wechselt Child of Light in den Kampfbildschirm, der unten den altbekannten ATB-Balken anzeigt. Wenn ihr den hinteren, farbigen Teil erreicht, könnt ihr eure Aktion auswählen, die am Ende des Balkens ausgeführt wird – sofern ihr vorab nicht unterbrochen werdet. Gerade zu Beginn sind die Kämpfe sehr einfach zu gewinnen. Dennoch entfaltet sich im Spielverlauf eine gewisse Tiefe.child_of_light_screen_02

Leider haben sich die Entwickler ein Tutorial völlig gespart, weshalb man sich Tricks und Kniffe erst mit der Zeit selbst erarbeitet. So ist zum Beispiel Igniculus ein wertvoller Verbündeter im Kampf. Unter den Avataren eurer Kämpfer seht ihr eine Leiste, die die verfügbare Leuchtkraft des Glühwürmchens anzeigt. Habt ihr genug Energie, könnt ihr entweder eure Gegner blenden und damit verlangsamen, oder aber euch heilen. Mit der Zeit füllt sich diese Leiste wieder auf, oder ihr sammelt die Wünsche im Kampfbildschirm auf. Dennoch möchte der Einsatz wohlüberlegt sein, da nicht genug Energie vorhanden ist, um Igniculus dauerhaft zu benutzen. Hat man das Kampfsystem erst einmal völlig verinnerlichtm kann man etwa einen Gegner gezielt so lang blenden, dass man ihn unterbricht – oder nicht unterbricht, da er dann kontern würden. Das Glühwürmchen kann übrigens von jemand anderem gesteuert werden, quasi ein Koop-Modus.

Bei den Kampfgefährten gibt es die übliche Palette, die sowohl Magier, als auch Direktschaden und eher passive Gruppenmitglieder einschließt. Welche Taktik ihr wählt, bleibt dabei meist euch überlassen. Erst die eigene Gruppe buffen und die Gegner schwächen, oder mit direktem Schaden in die Offensive gehen? In der Regel gibt es mehr als nur einen Weg zum Erfolg. Wer auf diese typischen JRPG-Kampfmechaniken weniger abfährt, kann das Kampftempo auf Wunsch deutlich erhöhen. Wer sich für diesen Schritt entscheidet, nimmt dem Ganzen allerdings auch seinen taktischen Aspekt und die Kämpfe verkommen zu simplen Knopfdruckpartien. Auf der höchsten Geschwindigkeitsstufe werden die Auseinandersetzungen mit Gegnern so schnell, dass es nicht mehr möglich ist, gezielt mit Igniculus zu blenden.child_of_light_screen_01

Trotz allem solltet ihr hier nun keine epischen Bosskämpfe erwarten, die euch stundenlang um euren Schlaf bringen werden. Das Spiel hat nur rund zehn Stunden Gesamtspielzeit und selbst der Endboss ist schnell zur Strecke gebracht. Den im Genre weit verbreiteten Endkampf mit einem sich mehrfach transformierendem Superbösewicht sucht ihr hier also vergeblich. Erfahrene JRPG-Spieler können schon im ersten Spieldurchlauf den zweiten und höchsten Schwierigkeitsgrad auswählen, da der erste keine große Herausforderung darstellt.

Wer den Titel erfolgreich beendet hat, kann im New Game + Modus noch einmal von vorn beginnen. Der Wiederspielwert hält sich allerdings in Grenzen. Die Story ist schön und sehr märchenhaft, verlässt sich aber auf die üblichen Zutaten eines Märchens. Während man vor allem optisch einen eher unkonventionellen Weg eingeschlagen hat, ist die Geschichte nicht JRPG-typisch verrückt und ausgefallen. Auch die Charaktere fallen um einiges „normaler“ aus und nicht so „überzeichnet“ wie man es aus anderen Genrevertreten gewohnt ist. Japano-Rollenspiele fallen meist durch Extreme auf. Dergleichen solltet ihr von Child of Light nicht erwarten. Darüber hinaus gibt es jenseits der Geschichte nur wenig zu entdecken. Ein paar Nebenquests hier, ein paar Sammeldinge dort und jede Menge Schatztruhen. Stellenweise erwarten euch – meist im Zuge von Sidequests – einige kleine Rätsel. Schwer sind die allerdings nicht zu lösen. Der Anspruch des Spiels hält sich generell in Grenzen.

Was mich am meisten stört ist die DLC-Politik, die Ubisoft an den Tag legt. Direkt zum Release wurden sieben Downloadinhalte angeboten. Die meisten sind mehr als nur verzichtbar, eine Erweiterung beinhaltet allerdings eine Aufgabe sowie einen neuen Begleiter. Die Story fühlte sich an keiner Stelle unvollständig an, dennoch erweckt ein solcher DLC den Eindruck, als habe man gezielt Inhalt aus dem Spiel entfernt, den man genauso direkt ins Spiel hätte packen können – schließlich war er zum Release bereits fertig. Doch viel mehr stört mich der Zweifel, ob da in Zukunft vielleicht mehr Aufgaben und Charaktere kommen. Auch Dragon Age und Mass Effect haben diesen Weg eingeschlagen, den ich gerade bei Rollenspielen bis heute sehr zweifelhaft finde. Trotz dieses Vorbehalts hatte ich elf schöne Stunden mit Child of Light.

Mein Fazit:

Child of Light ist mit rund zehn Spielstunden ein kurzweiliges, aber auch schönes Rollenspiel. Der Titel überzeugt dank viel Wiedererkennungswert und einer märchenhaften Geschichte. Die Story setzt auf typische Elemente und ist nicht wirklich ausgefeilt oder herausragend, aber sie ist schön erzählt. Deutlich unkonventioneller fällt die wunderschöne Optik des Spiels aus, die sehr farbenfroh ist und zeigt, wozu die UbiArt-Framework-Engine in der Lage ist. Wunderschöne, meist sanfte Klänge unterstreichen das Gesehene sehr passend und verwöhnen die Ohren. Streiten kann man sich hingegen über die Texte des Spiels. Child of Light ist komplett in Reimen verfasst, was nicht immer passend erscheint und nicht jeden Geschmack treffen wird. Obwohl mancher Reim arg holprig und gezwungen wirkt, trägt diese Form der Texte natürlich zum sehr hohen Wiedererkennungswert des Spiels bei. Der Titel hat etwas, was vielen Games fehlt: Alleinstellungsmerkmale. Child of Light sticht aus der großen Menge an Spielen hervor und vermittelt das Gefühl, tatsächlich einzigartig zu sein und nicht der nächste Aufguss von irgendwas.

Wer Rollenspiele mag, kann ruhigen Gewissens einen Blick auf das Spiel werfen. Obwohl Child of Light die ein oder andere Ecke und Kante aufweist, habe ich die kleine Prinzessin Aurora und die Welt Lemuria in mein Herz geschlossen. Wer seine Freundin von Videospielen überzeugen möchte, hat hier übrigens ein geeignetes Game gefunden. Aufgrund des überschaubaren Umfangs und dem nicht sehr hohen Anspruch ist das Spiel ein guter Einstieg. Erfahrene Gamer können direkt auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad beginnen.

Anmerkung: Das Spiel benötigt ein Uplay-Konto, auch wenn ihr es anderweitig – etwa via Steam – erwerbt.

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Getestet wurde die PC-Version.

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Poly

Sehr schön, dass auch die großen Publisher gelegentlich mal solche Titel bringen und Ubisoft hat da ja offenbar derzeit noch mehr auf der Pfanne.