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Transistor

Entwickler:         Supergiant Games
Publisher:          Supergiant Games
Genre:              Rollenspiel
Multiplayer:        nein
Plattformen:        PC, PlayStation 4
Preis:              ca. 18,99 Euro
Offizielle Website: http://supergiantgames.com/index.php/transistor/

Stummer Gesang

Im Sommer 2011 hat mich ein Spiel ganz besonders verzaubert: Bastion. Der Titel wurde von Supergiant Games entwickelt und war deren Debüt. Über Nacht wurden das kleine Entwicklerstudio und das Spiel selbst bekannt. Im Mai 2014 veröffentlichte Supergiant Games schließlich nach langer Wartezeit das Action-Rollenspiel Transistor. Selbstverständlich kam ich nicht umhin, mir das Game selbst anzusehen, um herauszufinden, ob den Entwicklern auch hier wieder ein ganz großer Wurf gelungen ist.

Der Spieler taucht in eine geheimnisvolle Science-Fiction-Welt ein und schlüpft dabei in die Rolle der berühmten Sängerin Red. Bewaffnet mit der mysteriösen Waffe Transistor zieht sie durch die Stadt Cloudbank, wo sie von der Camerata angegriffen wurde und immer wieder von Feinden attackiert wird, denen sie sich stellen muss. Durch den Angriff hat man ihr die Stimme genommen, wie man nur wenig später erfährt, wenn man vor einem Poster mit Red steht.

Als Erzähler fungiert dabei wieder der fantastische Logan Cunningham, der schon bei Bastion zum Einsatz kam. Er spricht den Transistor und direkt mit der Protagonistin. Zudem ist Darren Korb erneut für die Komposition des Soundtracks verantwortlich, zu dem auch wieder Ashley Barrett mit ihrer Stimme beiträgt. Stücke wie „We All Become“ sorgen für eine einzigartige Spielatmosphäre. Der Soundtrack fügt sich nahtlos in das Spiel ein und zeigt erneut, welch gutes Händchen Supergiant Games für Soundtracks hat.

Doch nicht nur musikalisch ist Transistor ein echter Leckerbissen – auch die Optik weiß zu begeistern. Wer sich wie ich zu den Screenshot-Enthusiasten zählen kann, wird im Laufe des Spiels sicher häufig auf die entsprechende Taste drücken, um Erinnerungsbilder zu speichern. Obwohl das Setting sehr düster ausfällt, zeigt sich die handgezeichnete Spielwelt farbenfroh. Die Highlights sind dabei ganz klar die Zwischensequenzen, die wunderschön gezeichnet sind.

Red
Red

Klingt alles perfekt? Leider ist es das nicht. Das Kampfsystem soll in der Theorie Action und Strategie miteinander vereinen. Tatsächlich ist den Entwicklern dieses Vorhaben gelungen und das gar nicht einmal schlecht. Allerdings erweist sich das Kampfsystem als relativ schwer zugänglich. Ein einfacher Spieldurchlauf benötigt etwa drei Stunden Zeit, wenn man sich nicht übermäßig lang mit den Herausforderungen aufhält, die teilweise echt knifflig sind. Beinahe genauso viel Zeit habe ich letztlich auch benötigt, um die Feinheiten der komplexen Kampfmechanik komplett zu verstehen.

Natürlich wird zu Beginn des Spiels erklärt, wie der Kampf funktioniert. Dennoch ist es schwer, aus dem Mini-Tutorial wirklich alle nötigen Infos zu ziehen und diese dann auch noch erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Besonders der strategische Part erweist sich hierbei als harte Nuss. Einmal geknackt, ist er wirklich nützlich. Auf Tastendruck könnt ihr die Zeit einfrieren und eure nächsten Handlungen planen.

Hat man endlich die Kampfmechanik begriffen, harmonieren Taktik und Action wunderbar miteinander. Der Weg dorthin ist allerdings viel zu lang und mühsam, weshalb das Kampfsystem vielen Spielern vermutlich nicht zusagen wird. Obwohl ich zu den eher geduldigen Gamern gehöre, habe ich mich immer wieder von den strategischen Möglichkeiten ferngehalten und oft einen Bogen darum gemacht. Letztlich halfen mir die Herausforderungen und eine große Portion Geduld dabei, komplett hinter die Mechanik zu steigen. Dabei musste ich jedoch etliche Rückschläge bei den Herausforderungen in Kauf nehmen – nicht jeder hat hierfür die nötige Ruhe.

Kampf gegen den Prozess
Kampf gegen den Prozess

Ein weiterer Wermutstropfen sind die knapp drei Stunden Spielzeit. Grundsätzlich muss eine so kurze Dauer nicht schlimm sein. Im Falle von Transistor wäre mehr aber tatsächlich mehr gewesen. Red ist eine tolle Protagonistin und auch darüber hinaus glänzt das Spiel mit tollen Charakteren. Leider bleiben die arg blass, da man in den drei Stunden kaum etwas über sie erfährt. Auch Cloudbank und der Transistor bleiben relativ geheimnisvoll, wenngleich die gesamte Geschichte am Ende einen Sinn ergibt und sich nach und nach erschließt, was es mit der Waffe auf sich hat. Supergiant Games hat ein wunderbares Setting mit tollen Charakteren geschaffen, leider gelingt es nicht, aus dem tollen Grundgerüst übermäßig viel Tiefe zu erschaffen. Wirklich schade. Hier hätte noch viel mehr drin sein können.

Habt ihr das Spiel einmal bezwungen, wartet der Rekursion-Modus auf euch. Zudem könnt ihr – auch schon im ersten Durchlauf – mit diversen Begrenzern arbeiten, die ihr nach und nach freischaltet. Mit denen könnt ihr die gewonnen Erfahrungspunkte deutlich in die Höhe schrauben, gleichzeitig erhöht sich jedoch auch der Schwierigkeitsgrad. Im Rekursion-Mode ändert sich rein inhaltlich nichts, weshalb sich der Wiederspielwert in Grenzen hält.

Mein Fazit:

Transistor ist ein gutes Spiel, welches sich selbst jedoch oft im Weg steht. Die Geschichte, der Erzähler und der Soundtrack sind ohne Frage hervorragend. Leider fehlt dem Spiel mit rund drei Stunden Spielzeit die Tiefe. Häppchenweise servieren die Macher die Story, bis sich am Ende ein zusammenhängendes Bild ergibt. Hier wäre jedoch noch deutlich mehr drin gewesen. Viele Charaktere sind kaum mehr als blasse Randerscheinungen, dabei haben die Entwickler einige ausgesprochen interessante Figuren gezeichnet. Auch die Stadt Cloudbank zeigt sich bis zum Ende verschlossen und gibt nur wenig über sich preis.

Der deutlich größte Schwachpunkt ist meiner Meinung nach allerdings das zwar sehr gut durchdachte, aber doch höchst komplizierte Kampfsystem. Dieses ist ein Mix aus Action und Strategie. Leider ist die Einführung in die Kampfmechanik so zurückhaltend wie die Story, weshalb man sich letztlich die Feinheiten selbst erarbeiten muss, was fast so lang dauert wie das Spiel selbst. Ungeduldige Spieler, die gern alles auf einem Silbertablett serviert bekommen, dürften sich hier arg schwer tun. Das Kampfsystem ist im Grunde genommen ausgezeichnet, nur bis man es verstanden hat, dürften nicht sonderlich geduldige Spieler längst das Handtuch geworfen haben und das Spiel völlig zu Unrecht als Müll abgestempelt haben. Ein Easy-Modus, ähnlich wie man es aus Mass Effect 3 kennt, wäre hier sicher eine überlegenswerte Option gewesen.

Trotz allem Gemecker ist Transistor ein tolles Spiel, welches im Gedächtnis bleibt und ohne jede Frage viel Wiedererkennungswert hat. Aufgrund des komplexen und schwer zugänglichen Kampfsystems spaltet es die Gemüter allerdings deutlich mehr als Bastion und ist sicher nicht jedermanns Sache. Das Abenteuer von Kid ist da deutlich entgegenkommender.

Getestet wurde die PC-Fassung.

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