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DayZ

Early Access, oder bei Risiken und Nebenwirkungen …

Downloadcontent, Pre-Load, Mikrotransaktionen, Kickstarter … Early Access – auch das Gaming bleibt von Trends nicht verschont. Während Modetrends bisweilen ganz cool sein können, entpuppen sich viele Dinge, die in der Spielebranche „in“ sind, als ärgerlich für den Spieler. Gäbe es in der Branche eine Wahl zum Unwort des Jahres, hätte Early Access im Moment sicher gute Chancen den Sieg davon zu tragen.

Doch was ist dieses Early Access eigentlich? Kurz wird es häufig auch als EA bezeichnet, wobei EA in diesem Fall nichts mit einem sehr bekannten Unternehmen zu tun hat. Spieler können sich via Early Access quasi Zugang zu Alphas erkaufen. Früher fanden solche meist intern satt, oder man lud dazu einen kleinen Kreis an Spielern ein. Gerade für kleine Indieentwickler hat EA natürlich einen Vorteil, der sich nicht von der Hand weisen lässt: Einnahmen. Im Idealfall kommen so schon während der Entwicklung eines Spiels Gelder rein, eben weil die Spieler das Produkt kaufen können, bevor es fertiggestellt ist. Zudem kann man gezielt mit den Spielern zusammenarbeiten und abgegebenes Feedback nutzen.

So manches Spiel erlangt schon im Early Access-Status jede Menge Popularität. Ein gutes Beispiel ist hier DayZ. Den Anfang nahm das Projekt als Mod für Arma 2. Inzwischen gibt es DayZ auch als eigenständiges Survival-Spiel … zumindest in Form einer Alpha. Für 23,99 Euro kann jeder Teil dieser Alpha werden. Wird das Spiel irgendwann „richtig“ veröffentlicht, muss man nicht noch einmal kaufen, sondern hat es direkt. Klar, man hat ja schließlich schon gezahlt. Doch DayZ ist keine Ausnahme. Weitere sehr bekannte Projekte, die ebenfalls noch Early Access sind, sind Rust, Starbound und The Forest.

Doch wie sagt man so schön? Wo Licht ist, ist auch Schatten. Vom Prinzip her ist Early Access eine feine Sache. Gerade kleine Entwicklerstudios können so Geld für ihr Projekt sammeln, bevor dieses fertig auf den Markt kommt. Die Entwicklung eines Spiels kann immerhin ziemlich kostspielig sein und braucht zudem oft einiges an Zeit. Doch das Modell hat auch Tücken. Ist das Geld erst einmal ausgegeben, ist es weg. Käufer bekommen keine Garantie, dass das Spiel irgendwann tatsächlich erscheint. Im schlimmsten Fall bleibt es auf ewig eine Alpha und ein Projekt wird irgendwann eingestampft.

Ein anderes Problem sind Fahrpläne. Oftmals gibt es gar keine Angaben dazu, wann ungefähr mit dem fertigen Spiel gerechnet werden darf. Auch das Tempo der Updates variiert hier sehr stark. Manche Early Access Spiele bekommen in relativ kurzen Abständen welche, während es von anderen bisweilen Monate überhaupt kein Lebenszeichen gibt. Für den Käufer kann dies sehr frustrierend sein. Nehmen wir etwa Godus. Anfangs kam das Projekt noch relativ gut an. Im Laufe der Zeit schlug die Meinung jedoch stark um. Das Tempo ist eher lasch, die Informationspolitik der Entwickler nur so lala und die Richtung, in welche sich das Spiel entwickelt, heizt die Gemüter ebenfalls an. Von der einstiegen Euphorie der Fans ist nicht mehr viel geblieben.

Doch schlimmer geht immer. Jüngst sorgte Double Fine Productions für jede Menge hitzige Debatten und wütende Fans. Schon seit geraumer Zeit bietet der Entwickler Spacebase DF-9 via Early Access an. Irgendwann gefielen Double Fine die Verkaufszahlen allerdings nicht mehr, was letztlich dazu führte, dass die schon gemachten Pläne völlig über den Haufen geworfen wurden. Doch was bedeutet dies nun für den Käufer? Ganz einfach, das Spiel wird nicht mehr wie geplant weiterentwickelt, sondern kommt schon in Kürze als „fertiges“ Spiel auf den Markt. Da nicht mehr genug Geld geflossen ist, hat man sich einfach dazu entschieden geplante Features nicht umzusetzen und radikal den Rotstift angesetzt.

Nun kann man natürlich argumentieren, dass es ja für Käufer solcher Early Access Spiele eben keine Garantie gibt und man damit rechnen muss. Besser macht es die ganze Sache aber nicht, wenngleich es vielleicht der Wahrheit entsprechen mag. Der Ärger vieler Käufer ist nun verständlicherweise groß, schließlich hat man etwas anderes erwartet. Immerhin war irgendwann einmal von etwas anderem die Rede.

Vorfälle wie diese erregen natürlich nicht nur die Aufmerksamkeit der Käufer, sondern machen auch darüber hinaus die Runde. Letztlich müssen darunter auch andere leiden, da das gebrannte Kind bekanntlich das Feuer meidet. Wie viele enttäuschte Spacebase DF-9-Fans werden in Zukunft wohl noch gutgläubig zu Early Access Spielen greifen? Auch Spieler die bisher damit nicht selbst in Berührung kamen und ohnehin sehr skeptisch waren, dürften nun noch gründlicher über den Kauf solcher sich in Entwicklung befindlicher Spiele nachdenken. Gibt es erst einmal schwarze Schafe, schürt das die Angst vor weiteren.

Natürlich sind auch die Spieler selbst immer wieder ein „Problem“. Viele erwarten für ihr Geld ein funktionierendes, fehlerfreies Spiel. Immer wieder hat man das Gefühl, dass so mancher gar nicht weiß, dass er sich da Zugang zu einem Spiel in Entwicklung kauft. Sicher kann man eine gewisse Funktionalität erwarten. Ein Spiel, bei dem noch überhaupt nichts funktioniert, hat nicht unbedingt etwas auf dem Markt zu suchen – egal ob noch Alpha oder nicht. Doch was kann man eigentlich von Early Access erwarten? Diese Frage lässt sich nur schwer beantworten. Sicher ist allerdings, dass nicht jeder für solche Dinge gemacht ist. Dem einen liegen Alphas, andere sollten lieber die Finger davon lassen. Ein fertiges Spiel und Early Access sollten schon differenziert betrachtet werden.

Abschließend kann man wohl sagen, dass das noch relativ junge Modell Early Access durchaus eine interessante Sache ist. Viele dieser unfertigen Spiele machen eine ganze Menge Spaß und können für zahlreiche Stunden fesseln. Zudem kann jeder sein Feedback kundtun und so den Machern helfen. Dennoch gibt es einige Schattenseiten, wie eine fehlende Garantie für die Käufer. Natürlich kann niemand erwarten, dass jemand eine Garantie für das Gefallen des fertigen Spiels ausspricht. Doch es gibt eben auch keine Garantie dafür, dass ein solches Projekt je fertiggestellt wird. Irgendwie kauft man also die Katze im Sack. Zu vielen Spielern ist zudem einfach nicht klar, was sie da eigentlich kaufen – denn Early Access wird nach wie vor oft völlig falsch verstanden. Mancher sieht dabei nicht ein Spiel, welches noch in Arbeit ist und gegebenenfalls aufgrund des Spieler-Feedbacks weiterentwickelt wird, sondern einfach ein gekauftes Game.

Glücklicherweise haben aber Season Pässe, DLC’s, Mikrotransaktionen, Early Access und Co. alle eine Gemeinsamkeit. Zum Kauf ist niemand gezwungen. Man muss weder jeden Modetrend gut finden, noch jeden Trend in der Spielbranche. Welche Dinge einen selbst ansprechen, muss dabei jeder für sich selbst entscheiden – Geschmäcker sind schließlich verschieden. Ich selbst bin bei Early Access relativ zurückhaltend, greife aber doch dann und wann bei Projekten die mich sehr neugierig machen zu. Es ist zudem relativ interessant zu sehen, wie sich so ein Projekt weiterentwickelt.

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