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The Vanishing of Ethan Carter

The Vanishing of Ethan Carter

Entwickler:         The Astronauts
Publisher:          The Astronauts
Genre:              Mystery, Adventure
Multiplayer:        nein
Plattformen:        PC, PlayStation 4 (noch nicht erhältlich)
Preis:              ca. 18,99 Euro
Offizielle Website: http://ethancartergame.com/

Trügerische Idylle

Entwickler The Astronauts veröffentlichte kürzlich mit The Vanishing of Ethan Carter sein erstes Spiel. Obwohl man dann und wann etwas darüber gehört hat, ging der Titel bis kurz vor Release beinahe spurlos an mir vorbei. Erst als jemand von meiner Steam-Freundesliste das Spiel wenige Tage vor Veröffentlichung vorbestellte, erlangte es wieder meine Aufmerksamkeit. Völlig ahnungslos konnte ich demnach nach Red Creek Valley aufbrechen. Der Spieler schlüpft dort in die Rolle des Detektivs Paul Prosporo. Dieser befindet sich auf der Suche nach Ethan Carter, der um Hilfe gerufen hat.

Sofort besticht das Spiel dabei durch seine Optik. Die Grafik gehört zweifelsohne zu den schönsten, die man je in Spielen gesehen hat. Nachdem man einen Tunnel verlassen hat, erstreckt sich vorm Spieler eine wunderschöne Gebirgslandschaft, die immer wieder von Wasser durchbrochen wird. Screenshot-Fanatiker finden bereits in den ersten Spielminuten jede Menge geeignetes „Bildmaterial“.

The Vanishing of Ethan Carter Screen 01
Schöne Aussichten

Während viele aktuelle Games den Spieler nun sofort an die Hand nehmen, verzichtet The Vanishing of Ethan Carter auf ein Tutorial. Das Spiel lässt euch einfach seinen Weg gehen, ohne euch mit Erklärungen zu konfrontieren. Auch ein klassisches HUD ist nicht vorhanden. Mister Prosporo verfügt weder über Lebenspunkte, noch kann er sterben. Geballer sucht man hier genauso vergebens, wie blutrünstige Zombies und Action-Einlagen. Stattdessen gilt es Red Creek Valley zu erkunden und dabei mehrere mehr oder weniger umfangreiche Rätsel zu lösen.

In welcher Reihenfolge ihr dabei vorgehen möchtet, bleibt weitestgehend euch überlassen. Lediglich das Finale bleibt euch so lange verwehrt, bis ihr alle Aufgaben gelöst habt. Sonderlich schwer sind diese nicht zu knacken, da der Schwierigkeitsgrad durch die Bank weg eher bescheiden ausfällt, was das Spiel für Einsteiger wiederum sehr interessant machen dürfte.

Zu den Rätseln gehören unter anderem diverse Mordfälle, bei denen die besondere Fähigkeit des Protagonisten zum Tragen kommt. In der Umgebung der Leichen lassen sich diverse mit den Morden in Verbindung stehende Spuren und Gegenstände finden. So kann Paul Stück für Stück rekonstruieren, wie die Personen umgekommen sind. Am Ende ergibt sich so schließlich ein vollständiges Bild – welches ähnlich einer Rückblende abgespielt wird, wenn man die richtige Reihenfolge ausgewählt hat. Ein wenig erinnern diese Mordfälle an Sherlock Holmes, gerade da oftmals Schlussfolgerungen und Vermutungen über den Bildschirm schwirren, wenn man ein Teil des Puzzles ausfindig gemacht hat.

Rund vier Stunden Spielzeit umfasst das Abenteuer in Red Creek Valley. Obwohl das Spiel eigentlich in die Horror-Kerbe einschlagen soll, merkt man davon letztlich nur wenig. Der Titel spielt sich eher entspannt und ist meiner Meinung nach eher ein ruhiger Ausklang für einen Tag, als furchteinflößender Horror-Trip. Unterm Strich gab es für mich zwei kurze Schock-Momente.

Nimmt man alle Eigenschaften des Spiels zusammen, ergibt sich ein recht außergewöhnliches und sicher auch gewöhnungsbedürftiges Game. Optisch ist The Vanishing of Ethan Carter ohne jeden Zweifel gelungen. Das Gameplay dürfte hingegen deutlich mehr Geschmackssache sein. Wer hier gut unterhalten werden möchte, sollte auf jeden Fall einen Entdeckerdrang haben, da das Spiel nicht zuletzt davon lebt, dass man sich einfach in die Spielwelt ziehen lässt. Auch eine gewisse Selbstständigkeit ist Voraussetzung, da euch das Spiel wie oben bereits erwähnt nicht an die Hand nimmt und sagt, was es zu tun gibt. Ein roter Faden ist genauso wenig vorhanden, wie eine umfassende Einführung mit Erklärungen.

The Vanishing of Ethan Carter Screen 02
Blick aus dem Fenster

Genau dort kann aber auch die Stärke des Spiels liegen – wenn ihr der richtige Spieler dafür seid. Ihr könnt euch völlig auf die kleine, aber wunderhübsche Welt einlassen und dabei selbst bestimmen, wo euch euer Weg hinführen soll. Durch den niedrigen Schwierigkeitsgrad bleibt euer Ausflug dabei entspannt, frustfrei und stressbefreit – verlangt euch allerdings auch wenig Anspruch ab. Nicht jeder wird diese Art von Spiel mögen, doch wer sich darauf einlassen kann, darf sich über rund vier unterhaltsame Stunden freuen, in denen das Auge immer wieder mit hübschen Bildern erfreut wird und das Ohr durch einen tollen Soundtrack mitgerissen wird.

Für mich stellt das Speichersystem den größten Kritikpunkt dar. Leider gibt es keine Möglichkeit, das Spiel nach Belieben selbst abzuspeichern. Stattdessen muss man sich mit der Autosave-Funktion zufriedengeben. Gesichert wird allerdings nur dann, wenn ihr eine Szene abgeschlossen habt. Obwohl die Rätsel nicht sonderlich schwer ausfallen, kann solch ein Abschnitt schon einmal eine Weile dauern. Als ich das erste Mal The Vanishing of Ethan Carter startete, war es bereits relativ spät, weshalb ich schließlich kurz vor Ende eines Rätsel meinen PC ausschaltete – schließlich konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen, dass die Lösung zum Greifen nah war. Beim nächsten Start folgte dann die böse Überraschung – alles von Anfang, da ich noch kein Rätsel abgeschlossen hatte.

Übermäßig schlimm ist dieser Umstand natürlich nicht, da das Spiel ohnehin so kurz ist, dass man es unter Umständen sogar in einem Rutsch durchspielen kann. Trotzdem ist hier ein Patch wünschenswert – der sogar schon in Arbeit sein soll. Egal wie gut ein Spiel ist – manchmal muss man eben weg. Dann wird es schnell frustrierend, wenn man eigentlich aufhören möchte, aber bei einem Rätsel partout auf dem Schlauch steht. Der aufkommende Zeitdruck macht es dann nicht unbedingt besser.

Mein Fazit:

The Vanishing of Ethan Carter gehört für mich persönlich ganz klar zu den bisherigen Highlights des Jahres. Mit rund vier Stunden Spielzeit ist der Titel zwar eher kurz, dafür hat mich diese vergleichsweise überschaubare Zeit gut unterhalten. Dennoch ist es kein Spiel, welches die Massen begeistern wird, kein Everybody‘s Darling.

Auf ein Spiel wie The Vanishing of Ethan Carter muss man sich einlassen können. Der Fokus liegt hier vor allem auf der Erkundung und Schlichtheit. Der Titel kommt ohne den üblichen Schnickschnack aus und beschränkt sich auf wenige Dinge. Geballer, ein HUD, Stufenaufstiege, Skills, Kämpfe …? Dergleichen werdet ihr hier vergebens suchen. Stattdessen gibt es ein relativ entspanntes Abenteuer, bei dem man sich völlig darauf konzentrieren kann, in die wunderschöne Welt abzutauchen. Dabei lüftet man Stück für Stück das Geheimnis von Red Creek Valley und findet heraus, was es mit dem Hilferuf des jungen Ethan Carter auf sich hat.

Nicht jeder wird dieses schlichte und kurze Spiel mögen. Mir hat’s allerdings gefallen und ich werde mit ziemlicher Sicherheit sehr gespannt verfolgen, was Entwickler The Astronauts als Nächstes ankündigen wird.

Getestet wurde die PC-Fassung.

4
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Poly

Die Verkäufe waren bisher wohl gar nicht schlecht, also darf man noch auf einen weiteren Titel von den Astronauten hoffen :)