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Never Alone (Kisima Ingitchuna)

Entwickler: Upper One Games
Publisher: E-Line Media
Genre: Puzzle-Plattformer
Multiplayer: Koop-Modus für 2 Spieler
Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis: ca. 14,99 Euro
Offizielle Website: http://neveralonegame.com/

Dokumentation trifft Spiel

Mit Never Alone hat Entwickler Upper One Games versucht, Spiel und Kultur miteinander zu vereinen. Der Titel wurde in enger Zusammenarbeit mit den Iñupiat entwickelt, den Ureinwohnern Alaskas. Erzählt wird die Geschichte von Kunuuksaayuka. Es ist die Erzählung eines endlosen Schneesturms und einer gefährlichen Reise, eine Geschichte über Tapferkeit und Freundschaft. Durch eine solche sind das kleine Iñupiat-Mädchen Nuna und ihr Polarfuchs miteinander verbunden, die gemeinsam die eisige Welt durchstreifen. Entweder könnt ihr selbst zwischen den beiden Wechseln, oder ihr ladet einen zweiten Mitspieler ein, der im Koop-Modus euer Abenteuer begleitet.

Während eurer Reise erhaltet ihr immer wieder Einblicke in das Leben der Iñupiat. In kurzen Videos erzählen einige von ihnen über ihre Kultur und ihr Leben. Die Erzählungen sind ein bunter Mix aus persönlichen Geschichten und Berichten über die Kultur. Der Spieler erfährt dabei, welche Bedeutung Gemeinschaft hat, doch genauso hört er auch, wie ein Iñupiat als Junge einst mit seinem Vater und einem Bruder auf einer Eisscholle abtrieb. Stück für Stück entsteht so ein faszinierendes Bild, welches eine beeindruckende Gruppe von Menschen zeigt. Von den rund fünf Spielstunden, die Never Alone umfasst, sind etwa 30 Minuten Videomaterial.

Spiel und Dokumentation sind dabei gelungen miteinander verwoben. Nuna und ihr Polarfuchs sind ein tolles Gespann, die ein optisch schön in Szene gesetztes Abenteuer meistern müssen. Beide verfügen über sich ergänzende Fähigkeiten. So kann der Fuchs etwa an Wänden hochklettern, die für Nuna unüberwindbar sind und ihr von oben einen Weg ebnen – etwa indem ein Seil herabgelassen wird. Die Rätsel, die es dabei zu lösen gilt, fallen eher schlicht aus, sodass auch weniger erfahrene Spieler relativ reibungslos durch das Spiel kommen sollten. Alte Hasen dürften hingegen wenig Mühe haben, Never Alone zu beenden. Auch die sehr fair gesetzten Speicherpunkte kommen dem Spieler hier entgegen.

Während eurer Reise geht es über treibende Eisschollen, durch ein Küstendorf, wasserdurchflutete Höhlen, auf einen eisigen Berg und durch einen düsteren Wald. Euer ärgster Feind ist dabei für gewöhnlich das raue Klima. Gelegentlich trefft ihr allerdings auch auf Widersacher anderer Natur – etwa einen Eisbären. Die wenigen Kämpfe werden mittels der Bola von Nuna und der Umgebung bestritten. Dabei kommen immer wieder die individuellen Fähigkeiten von dem Mädchen und seinem Fuchs zum Einsatz, die zusammen ihr Umfeld zu ihrem Vorteil ausnutzen können – etwa indem Nuna mit ihrer Bola Eis zerstört.

Spieltechnisch fällt Never Alone sehr schlicht aus, doch genau dies macht meiner Meinung nach auch den Charme des Spiels aus. Die Entwickler haben darauf verzichtet, die Protagonisten mit Superkräften zu versehen und das Spiel mit modernen, aufwendigen Effekten zu überladen. Stattdessen gibt sich das Abenteuer bodenständig. Der Spieler kann so gänzlich in die hübsch gestaltete Spielwelt abtauchen, die schön erzählte Geschichte erleben, dem gelungenen Soundtrack lauschen und das Abenteuer genießen. Dank des geringen Schwierigkeitsgrades ist der Titel eines jener Spiele, welches sich auch gut für ein oder zwei entspannte Abende eignet.

Dennoch wird der Spielspaß dann und wann getrübt. Obwohl der Titel inzwischen einige Patches bekommen hat, gibt es nach wie vor einige Fehler, die bisweilen frustrierend sein können. Am häufigsten ist es mir passiert, dass Nuna oder der Fuchs gegen eine gar nicht vorhandene Wand gesprungen sind, dort kurz hingen und schließlich abstürzten. Nerven kann zudem die KI sein. Wenn ihr allein durch die eisige Spielwelt reist, übernimmt die KI Nuna oder den Fuchs – je nachdem, wen ihr selbst gerade ausgewählt habt. Gelegentlich kommt es dabei vor, dass sich euer KI-Begleiter blöd anstellt und dadurch das Zeitliche segnet. Besonders gern passiert dies in den Geschicklichkeits- und Hüpfpassagen.

Tatsächlich ist es oft schwieriger, den KI-Begleiter heil durch knifflige Passagen zu bekommen, als diese selbst zu überwinden. Selbst wenn man wie ich nicht das größte Naturtalent in Plattformern ist, verlangt euch das Spiel nicht übermäßig viel Können ab. Dafür zerlegt es öfter mal die KI. So kann es zum Beispiel einige Anläufe brauchen, im Küstendorf unbeschadet an den Geistern vorbei zu kommen. Dank der bereits erwähnten sehr großzügig gesetzten Speicherpunkte stellt dies allerdings keinen großen Störfaktor dar. Während des Spielens gibt es zudem etliche Rücksetzpunkte, die in so kurzen Abständen gesetzt sind, dass nie viel Spielfortschritt verloren geht.

Mein Fazit:

Entwickler Upper One Games ist es mit Never Alone gelungen, Spiel und Dokumentation passend miteinander zu verknüpfen. Der Spieler bestreitet ein Abenteuer mit dem Iñupiat-Mädchen Nuna und ihrem Polarfuchs, während kurze Videos immer wieder Einblicke in die Kultur der Iñupiat ermöglichen und so Kultur und Spielelemente miteinander verbinden. Spielerisch verlangt euch der Titel nicht sonderlich viel ab, weshalb er auch für Einsteiger gut geeignet ist. Alte Hasen können sich auf ein oder zwei entspannte Abende freuen. Rund fünf Spielstunden bietet Never Alone, wobei circa 30 Minuten Videomaterial sind, in denen einige Iñupiat zu Wort kommen und über ihr Volk erzählen und so ein faszinierendes Bild einer beeindruckenden Gruppe von Menschen zeichnen. Leider wird das Abenteuer gelegentlich durch nervige KI-Aussetzer und Bugs getrübt, von denen es trotz diverser Patches noch einige gibt.

Obwohl Never Alone kurz und schlicht ausfällt, haben mich die fünf Stunden gut unterhalten und ich bin gespannt auf zukünftige Projekte von Upper One Games. Die vorhandenen Fehler seien dem Entwicklerstudio verziehen – schließlich handelt es sich hier um das Debütprojekt von Upper One Games. Zudem hat man sich seit Release sehr bemüht, nach und nach die vorhandenen Bugs zu beseitigen. Nach wie vor werden in regelmäßigen Abständen Updates für das Spiel veröffentlicht, weshalb inzwischen viele Probleme Geschichte sind. Zudem entschädigt die frische Erfahrung, dank dem Mix aus Doku und Spiel gut für die Schwächen. Bleibt zu hoffen, dass sich andere Entwickler von Never Alone inspirieren lassen.

Getestet wurde die PC-Fassung.

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