Vorschusslorbeeren

Dank Season Pass, Vorbesteller-Boni, Episoden-Format und Co. sind Vorschusslorbeeren längst allgegenwärtig in der Spielebranche. Wer genug Vertrauen hat, kann oft schon lange vor Release für Inhalte zahlen, die irgendwann in der Zukunft veröffentlicht werden. Im Normalfall gibt es dabei ein Zeitfenster, binnen dem Spiel, DLCs oder Episoden erscheinen sollen.

Natürlich sorgen Entwickler und Publisher für entsprechende Kaufanreize, die es für die Spieler lukrativ machen, schon vorab Geld zu zahlen. So spart man in der Regel die Kosten für einen DLC oder eine Episode, wenn man sich Downloadinhalte oder Spiele via Season Pass holt. Im Gegenzug muss man dafür häufig die Katze im Sack kaufen – zumindest mehr oder weniger. Genau diese Tatsache macht gerade Borderlands: The Pre-Sequel mit seinem Season Pass sehr deutlich. Kürzlich erschien bereits der dritte Downloadinhalt für den Titel und damit auch der vorletzte, der Bestandteil vom Season Pass ist. Himmel, wie die Zeit vergeht. Mir kommt es so vor, als wäre das Spiel selbst gerade erst rausgekommen … dabei liegt die Veröffentlichung schon wieder einige Monate zurück.

Doch warum muss ich eigentlich bei The Pre-Sequel an Vorschusslorbeeren denken? So ganz haben mich die Inhalte vom Season Pass bisher leider nicht überzeugt. Keine Frage, der Jack Doppelgänger ist ein cooler spielbarer Charakter und auch Lady Aurelia macht einen netten Eindruck. Doch angerührt habe ich sie bisher offen gestanden nicht. Irgendwie fehlt nämlich der Content. So langsam frage ich mich, wo DLCs wie The Zombie Island of Dr. Ned, Claptrap’s Robot Revolution und Tiny Tina’s Assault on Dragon Keep bleiben. Nach dem Doppelgänger flaute bei mir das Interesse doch gewaltig ab, schließlich gibt es neben den zwei neuen Charakteren sonst nur noch eine Arena. Nicht gerade aufregend. Zumal es eine solche bereits als Vorbesteller-Bonus gab.

Bleibt zu hoffen, dass man sich beim vierten DLC noch einmal so richtig ins Zeug legt und eine coole Story-Erweiterung bringt. Bisher sind die Inhalte – vor allem in Anbetracht des Preises – doch eher ernüchternd. Nach dem Hauptspiel bin ich mir sicher, dass die Entwickler durchaus das Zeug dazu haben, mich noch einmal zu begeistern. Hoffentlich wird dies dann auch tatsächlich passieren. Was den Fans bisher für ihr Geld geboten wurde, ist schon ziemlich mutig. Da ist es kaum verwunderlich, dass mit jedem weiterem DLC die Kritik wächst und lauter wird.

Genau hier liegt jedoch auch das Risiko, bei Inhalten die man vorab bezahlen kann. Letztlich weiß man erst was man bekommt, wenn alle Inhalte erschienen sind. Im schlimmsten Fall muss man also mit einem Griff ins Klo rechnen. Am Ende gefällt das vorbestellte Spiel vielleicht nicht, oder DLCs treffen nicht den persönlichen Geschmack. Doch dann ist es bereits zu spät und die Euros flöten gegangen. Glücklicherweise ist niemand gezwungen, vorab für irgendetwas Geld auszugeben. Gerade als Fan ist die Verlockung natürlich trotzdem groß und häufig mit entsprechenden Erwartungshaltungen verbunden. Wenn die dann nicht erfüllt werden, ist die Enttäuschung am Ende umso größer.

Für den Käufer bedeuten entsprechende Modelle zudem auch entsprechende Erfahrungen. Wie sagt ein altes Sprichwort so schön? Das gebrannte Kind scheut das Feuer. Wer gar zu oft bei vorab bezahlbaren Inhalten danebengegriffen hat, überlegt zukünftig gleich dreimal, ob er sich noch einmal auf ein solches Abenteuer einlassen soll. Andererseits kann Mut natürlich auch belohnt werden. So habe ich zum Beispiel jede Menge Spaß mit The Long Dark gehabt, obwohl es da fürs Geld bisher nur den Sandbox-Modus gibt. Die Story folgt mit dem finalen Release des derzeitigen Early Access-Spiels.

Zum Glück habe ich bisher immer ein ziemlich zuverlässiges Händchen bei der Auswahl von Spielen und Co. gehabt, weshalb die ganz großen Reinfälle auf sich warten lassen. Trotzdem trüben auch Erfahrungen wie die mit den bisherigen Borderlands: The Pre-Sequel DLCs die Stimmung. Doch vorschnell möchte ich da natürlich keinesfalls urteilen. Noch fehlt eine Erweiterung, mit der der Season Pass dann komplett sein wird. Vielleicht haut mich jener fehlende DLC ja total aus den Socken. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

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