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History in Letters – The Eternal Alchemist

History in Letters – The Eternal Alchemist

Entwickler:         Z-Software
Publisher:          Z-Software
Genre:              Adventure
Plattformen:        PC
Preis:              ca. 12,99 Euro
Offizielle Website: http://z-software.net/site/history-in-letters-the-eternal-alchemist/

Auf den Spuren von Nicolas Flamel

Eines Morgens betritt Marlon Lucas das Büro von Philologe Remy Chaveau. Noch bevor dieser seinen ersten Kaffee genießen kann, überreicht ihm Marlon das Tagebuch seines Großvaters. Das überwiegend kryptisch verfasste Werk beinhaltet immer wieder das Wort Flamel – gibt darüber hinaus aber eine Menge Rätsel auf. Nach einem kurzen Gespräch dürft ihr schließlich direkt loslegen und euch an die Entschlüsselung eines Wortes machen.

Schnell gelangt Remy zu der Überzeugung, dass das Tagebuch mehr als nur ein Fantasie-Gebilde sein könnte. War der Verfasser tatsächlich dem Geheimnis von Nicolas Flamel auf der Spur, der als Alchemist in die Geschichte eingegangen ist? Es heißt, er habe den Stein der Weisen entdeckt und so die Unsterblichkeit erlangt. Schnell fallen bei History in Letters – The Eternal Alchemist die historischen Züge auf – die mir persönlich sehr gut gefallen.

Gleich zu Beginn zeichnet sich auch der ziemlich eigenwillige aber gelungene Humor des Spiels ab. Die Scherze von Remy sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. Könnte beinahe ich sein. Doch Remy Chaveau habe ich nicht nur wegen seiner schlechten Scherze ins Herz geschlossen. Der Philologe ist – bei seinem Beruf kein Wunder – ein echter Bücherwurm. Und so kommt es, dass er in der Bibliothek über diverse Autoren fachsimpelt. Diese und andere Kleinigkeiten machen Remy verdammt sympathisch.

In History in Letters – The Eternal Alchemist sind allerdings auch die anderen Charaktere liebenswert. Egal ob der etwas zerstreute Priester, oder die durstige Bibliothekarin mit Vorliebe für Kitschromane … Entwickler Z-Software hat hier ein paar interessante Charaktere geschaffen. Übermäßig viel Tiefe dürft ihr dabei allerdings nicht erwarten. Das Spiel hat rund drei Stunden Spielzeit. Da bleibt nicht viel Zeit für Charakterentwicklung. Viele Figuren spielen nur kurz eine Rolle.

In diesen drei Stunden erwarten euch selbstverständlich diverse Rätsel. Einiges sind klassische Adventure-Rätsel, die sich mit Logik lösen lassen. Zwischendurch gibt es aber auch immer Mal wieder eine Wimmelbildeinlage. Wirklich anspruchsvoll sind die Aufgaben nicht, weshalb Genrefans keine Schwierigkeiten beim durchspielen haben sollten. Wer nichtsdestotrotz auf Probleme stößt, kann ein Rätsel sogar per Mausklick überspringen – verzichtet dann allerdings auf die jeweilige Errungenschaft. Obwohl das Feature praktisch ist, würde ich eine Warnung begrüßen. Beim ersten Spieldurchgang hab ich aus reiner Neugier auf den Button geklickt und so unfreiwillig ein Rätsel übersprungen. Die Beschriftung ist zwar mehr als eindeutig, aber eine Art Sicherheitsabfrage hätte nicht geschadet.

Das wohl nervigste an History in Letters – The Eternal Alchemist sind die langen Ladezeiten. Obwohl das Spiel nur eine Handvoll Schauplätze hat, vergeht beim laden eine gefühlte halbe Ewigkeit. Dann und wann schien sich das Spiel sogar aufgehangen zu haben. Trotz Fehlermeldung ging es dann aber weiter. Unglücklich ist auch die Textgeschwindigkeit, die nicht immer ideal ausfällt. Während bei einigen Texten die Zeiten gut passen, bleiben andere Texte zu lang. Letztlicht klickt man sich also durch die Dialoge, was dann und wann langatmig ist. Schade sind auch die kaum vorhandenen Änderungen, wenn man sich in den Dialogen auf die eine oder andere Art entscheidet. Grundsätzlich ist es gut, dass man oft die Wahl hat. Bei einem zweiten Spieldurchgang stellt man allerdings fest, dass das in den meisten Fällen kaum eine spürbare Änderung hat.

Mich hat es ein wenig an die Bücher von Kathleen E. Woodiwiss erinnert, die ich so sehr mag. Sie sind keine literarischen Meisterwerke und auch nicht sonderlich anspruchsvoll – aber sie sind eine kurzweilige Unterhaltung und machen trotz offensichtlicher Schwächen Spaß. Die Charaktere mögen nicht die Tiefe eines Tolstoi haben, die Geschichte mag nicht so episch wie ein Werk von Tolkien sein, die Story mag nicht solche Wendungen wie ein Buch von Martin nehmen und die Schauplätze mögen nicht so greifbar wie bei einem Follett sein – aber ein Buch muss kein Meisterwerk sein, um zu überzeugen. Genauso wenig muss ein Spiel in die Riege der AAA-Titel gehören, um Spaß zu machen.

Mein Fazit:

History in Letters – The Eternal Alchemist ist ein kurzes und entspanntes Adventure. Genrefans dürften wenig gefordert werden, da die Rätsel leicht zu lösen sind. Trotz der kaum vorhandenen Herausforderungen weiß das Abenteuer mit Remy Chaveau zu gefallen. Die Jagd nach dem Geheimnis von Nicolas Flamel birgt viele historische Züge und einige sympathische Charaktere. Auch der sehr eigenwillige Humor von History in Letters – The Eternal Alchemist konnte überzeugen. Weniger stark zeigt sich das Spiel in Sachen Gameplay. Die Textboxen bleiben oft viel zu lang, weshalb man sich letztlich durch die Dialoge klickt, was ein wenig lästig ist. Störend sind zudem die langen Ladezeiten.

Um das Abenteuer zu meistern, müsst ihr kein großer Adventure-Fan sein, da die Rätsel per Mausklick sogar übersprungen werden können. Hier wäre allerdings eine Sicherheitsabfrage nett, ob man tatsächlich voranschreiten möchte. Trotz einiger Kinderkrankheiten hat der virtuelle Ausflug durch Frankreich Spaß gemacht, was vor allem am Witz und den Charakteren liegt. Ich würde mich über ein Wiedersehen mit Remy Chaveau freuen. History in Letters – The Eternal Alchemist mag kein perfektes Vorzeigeadventure sein und könnte einige Dinge besser machen – aber es hat seinen Charme. Die wichtigen inneren Werte stimmen – was meiner Meinung nach viel entscheidender ist, als der Rest.

Wer Lust auf einen ruhigen Abend hat, ins Genre Adventure hineinschnuppern möchte, oder ein kurzweiliges und nicht zu anspruchsvolles Vergnügen sucht ist bei History in Letters – The Eternal Alchemist richtig. Schon erfahrenere Adventure-Fans sollten beachten, dass sie hier keine Kopfnuss erwartet.

Vielen Dank an Z-Software für die freundliche Bereitstellung eines Download-Codes.

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