tt:
Startseite » Gedanken eines Zockerweibchens » The Witness und die Preisdiskussion – Darf ein Indiespiel 37 Euro kosten?
The Witness

The Witness und die Preisdiskussion – Darf ein Indiespiel 37 Euro kosten?

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist The Witness endlich fertig. Wir nähern uns der Veröffentlichung, weshalb das Spiel derzeit natürlich vermehrt Gegentand von Newsmeldungen ist. So kurz vor Release rühren die Macher noch einmal fleißig die Werbetrommel – schließlich soll sich die jahrelange Arbeit an dem Projekt am Ende auch auszahlen. Dies geht natürlich nur, wenn das Spiel auch einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Ein Game über welches nicht gesprochen wird, kennen auch weniger Leute – weniger potenzielle Käufer.

Doch über The Witness wird derzeit nicht unbedingt wegen der langen Entwicklungszeit oder des auffälligen Grafikstils gesprochen, sondern in erster Linie wegen des Preises. Das Spiel wird 36,99 Euro kosten – so viel steht seit dieser Woche fest. Nach Ansicht vieler Gamer ist dieser Preis allerdings zu hoch. Ein Sturm der Entrüstung brach in den letzten Tagen aus, da offenbar einige Personen die Ansicht vertreten, ein Indie-Spiel darf nicht rund 40 Euro kosten. Geht es nach vielen dieser Leute, sind mehr als 10 bis 20 Euro nicht gerechtfertigt – ist ja immerhin Indie.

Darf ein Indie-Spiel wirklich nur 10 Euro kosten und sind 20 für ein solches Spiel wirklich schon viel? Nein! Meiner Meinung nach sind solche Aussagen völliger Quatsch. The Witness wurde mehr als sechs Jahre entwickelt, ein Team kreativer Köpfe war daran beteiligt, es floss Unmengen Arbeit in das Projekt. Warum sollte man sich die nicht auch bezahlen lassen? Immerhin bietet das Spiel für die 36,99 Euro Hunderte Rätsel und eine laut Bildern wunderschön und liebevoll gestaltete Spielwelt. Rund 70 Stunden soll es dauern, wenn man alle Puzzles mitnimmt – wobei solche Angaben natürlich ein wenig nach unten oder oben abweichen können. Für mich ist Indie kein Grund zu sagen, dass das Ding gefälligst nicht mehr als 20 Euro zu kosten hat.

Ob ein Spiel Indie ist oder nicht sagt letztlich überhaupt nichts über dessen Qualität und die Arbeit dahinter aus. Indie heißt nur, dass das Spiel ohne einen großen Publisher im Nacken entwickelt wurde. Wobei auch hier die Grenzen längst mehr und mehr verschwimmen. Bisweilen unterstützen zum Beispiel Konsolenhersteller die Entwicklung einzelner Indie-Projekte und bewerben diese gleichzeitig als Exklusivtitel. Warum auch nicht, wenn ein Spiel davon profitieren kann?

Für mich ist beim Preis nicht relevant, wer und wie viele Leute ein Spiel entwickelt haben. Mich als Käuferin und Spielerin interessiert, was mir das Ding bieten kann. Werde ich damit Spaß haben? Wie lang kann mich das Spiel unterhalten? Gibt es einen Widerspielwert? Gibt es Alleinstellungsmerkmale? Habe ich einen Bezug zu dem Game? Mag ich die Franchise, sofern es sich denn um eine handelt? Bin ich Freund vom Genre?

Natürlich würde ich für ein Spiel wie den Goat Simulator keine 60 Euro berappen … kostet das Ding allerdings auch nicht. Gleichzeitig sind 60 Euro für mich mehr als nur gerechtfertigt, wenn ich wie bei The Witcher 3: Wild Hunt ein Rollenspiel mit toller Atmosphäre und reichlich Umfang bekomme. Dabei ist es aber völlig irrelevant, wer das Spiel gemacht hat. Letztlich muss natürlich jeder für sich ausmachen, welches Spiel wie viel persönlichen Wert hat. Nicht jeder steht auf Sinnlos-Spiele oder RPGs. Auch geht jeder anders an ein Spiel. Während die einen einfach durch das Hexer-Abenteuer rennen und schnell die (Main-)Quests abgrasen, erkunden andere jeden Winkel und zocken das Ding anschließend mit anderen Entscheidungen noch mal. Dafür gibt es dann allerdings Rabattaktionen. Wer kein großer RPG-Fan ist und nicht sonderlich viel vom Hexer hält, schlägt eben später zu, wenn das Ding weniger kostet.

Wer nicht bereit ist für ein The Witness 36,99 Euro zu zahlen, könnte auch einfach einen Sale abwarten. Aber einem Indie-Spiel grundsätzlich absprechen zu wollen, so „viel“ zu kosten? Jeder mag seine eigenen Kriterien haben, nach dem der Wert von einem Spiel bemessen wird. Für den einen ist Grafik wichtiger, für einen anderen die Spielzeit. Gerade bei The Witness wird jedoch nicht Mal ein Anreiz geschaffen, sich das Ding zwingend noch vor Release zu holen. Man verzichtet gänzlich auf irgendwelche Vorbestellerboni und gewährt keinerlei Rabatte, für Käufer die bis Tag X kaufen. Wer im Zweifel ist, kann also schlicht Reviews und Spielermeinungen abwarten und sich Videos – beziehungsweise Streams – ansehen. Niemand muss die Katze im Sack kaufen. Nach Release kann man also immer noch ganz in Ruhe entscheiden, ob The Witness nun die rund 40 Euro Wert ist, oder eben doch nicht.

Vor Release das Spiel wegen des Preises an den Pranger zu stellen und zu sagen es sei ja Indie und darf daher nicht so viel kosten ist für mich allerdings völlig unverständlich. Meckern hebe ich mir lieber für hinterher auf, falls es dafür überhaupt einen Grund gibt. Der Tag Indie wird dabei allerdings keine Rolle bei meiner Entscheidungsfindung für oder gegen den Kauf spielen. Ich bin schon lange Fan von Indie-Spielen und habe diesen gegenüber keine Vorurteile. Viele meiner Lieblingsspiele der letzten Jahre waren Indie-Spiele.

Life_Is_Strange_Polarized_Scherben

2015 war etwa Life is Strange mein Game of the Year. Per Definition ist der Titel nun nicht unbedingt Indie, da Square Enix dahintersteht. Im Internet gibt es sogar einige interessante Diskussionen darüber, ob das Ding nun Indie ist oder nicht. Spielt aber auch am Ende gar keine Rolle. Ich bin so von dem Spiel begeistert, dass ich mir kürzlich die Limited Edition geholt habe. Unterm Strich habe ich für Life is Strange also etwa so viel gezahlt, wie mich einmal The Witness kosten würde. Dabei hab ich gar nicht sooo viele Stunden mit dem Game verbracht. Diese waren dafür umso emotionaler.

Terraria war in den letzten Jahren sogar ein ziemlicher Dauerbrenner bei mir. Daher habe ich das Spiel auch für Konsole und PC. Aktuell denke ich über den Kauf der Nintendo 3DS-Version nach. Da ich die Steuerung der Konsolen-Version nicht sonderlich mag und ich damit nie richtig warmwerden konnte, ist die 3DS-Fassung allerdings eher ein Sale-Kandidat für mich. Gleichzeitig bin ich froh, dass mein Batman: Arkham Knight nicht einmal ansatzweise die 60 Euro UVP gekostet hat. Obwohl ich die Arkham-Reihe liebe, war das Spiel für mich eine herbe Enttäuschung. Obwohl die PC-Version inzwischen einige Patches spendiert bekommen hat, bin ich kein großer Fan vom Spiel. Die PC-Fassung hat bis heute einige Macken. AAA ist eben keine Garantie für ein gutes Spiel.

Ein gutes Spiel sollte allerdings auch ein paar Euro kosten dürfen – egal, aus welcher Ecke es nun kommt. Wer möchte nicht für seine Arbeit bezahlt werden? Auch wenn in der Werbung lange der Spruch „Geiz ist geil“ benutzt wurde und sich viele diese Phrase offenbar zum Motto gemacht haben … übertreiben muss man es damit nicht. Ganz so geil ist Geiz nämlich gar nicht.

In Sachen Geiz ist allerdings vor allem so mancher PC-Spieler dank Steam und Co. verwöhnt. In Sales bekommt man AAA-Titel samt DLCs für einen 10er nachgeschmissen. Die digitale Bibliothek fühlt sich so bei manchem schneller, als es einem selbst lieb sein kann. Umso schneller wird dann geschluckt, wenn ein Indie-Entwickler für sein Spiel 36,99 Euro haben möchte. Manch ein Gamer ist da rasch nur noch AAA-Games für einen Appel und `nen Ei gewohnt. Bundle-Fans ist vielleicht selbst ein solcher Preis zu hoch, da man für einen Dollar gleich einen Schwung Spiele bekommen kann.

Tatsächlich sind entsprechende Angebote verlockend – gar keine Frage. Neben all den Schnäppchen sollte man allerdings nicht vergessen, dass ein Spiel auch Geld in der Entwicklung gekostet hat. Menschen haben daran unter Umständen sogar Jahre gearbeitet und möchten genauso wie du und ich täglich Essen auf dem Tisch haben. Wenn wir Spieler nur noch bereit sind Spiele zu Ramschpreisen zu kaufen, profitiert am Ende niemand.

8
Schreibe etwas dazu!

avatar
2000
  Kommentare Abonnieren  
neueste zuerst älteste zuerst
Benachrichtige mich zu:
Poly

Sehe das ganz ähnlich. Beim Preis ist für die meisten ja vor allem die Spielzeit ausschlaggebend (was ich auch für fragwürdig halte) und selbst da scheint The Witness ja auf die Stunde gerechnet ein wirklich guter Deal zu sein. Auch ich überlege mir bei einem Preis von 20 € und mehr etwas länger, ob ich mir ein Spiel kaufe, aber auch wenn man selbst nicht sorglos mit Geld um sich werfen kann, bedeutet das ja nicht, dass ein Produkt seinen vermeintlich hohen Preis nicht wert ist. Ein weiteres Beispiel wären auch die aktuellen Diskussionen um das Oculus, wo viele offenbar glauben, dass man High-End-Technologie unbedingt zum Schleuderpreis raushauen muss.

Pi mal R Quadrat

Seh ich so wie du. Ein Indie-Spiel kann problemlos dieses Geld wert sein, ebenso wie dieser Preis und noch viel höhere für so manchen AAA-Titel viel zu viel ist. Hängt vom Spiel ab, und wenn der Inhalt stimmt, zahl ich den Preis auch gerne. Siehe eben Life is Strange, das ist problemlos seine 20+ € wert.

Pi mal R Quadrat

Die spiele sagen mir alle nicht viel, aber das liegt wohl daran, dass die aufm Pc erscheinen, oder? :) Gut, bei Tomb Raider bin ich schon ein wenig neidisch, das hätt ich auch gerne, nicht zuletzt, um das mit meinem Vater spielen zu können. Der hat beim ersten Teil ganz begeistert zugeschaut. :D Aber mein Laptop ist mit 8 Jahren sicherlich zu alt für, und extra ne PS4 anschaffen, das lohnt sich noch nicht. In ein paar Jahren vielleicht. Ah, ok, das passiert ja mal. Ich hatte mich nur gewundert, weil ich vorhin im Gamestop das Spiel gesehen hatte und an dein Review denken musste. :) Die Sache mit den Gutscheinen ist aber toll, so macht Einkaufen Spaß! :D Haha, so soll es sein, ich muss auch mal überraschen. :) Ich hoff, ich bekomm das, aus Nostalgiegründen wöre das schon cool. PS: Ihr entsorgt den Baum aber gescheit, wie viele… Weiterlesen »