Stella Glow

Stella Glow

Entwickler:         Imageepoch
Publisher:          NIS America
Genre:              SRPG
Plattformen:        Nintendo 3DS
Preis:              ca. 39,99 Euro
Offizielle Website: http://www.atlus.com/stellaglow/index.html

Unerwarteter Hit

Ende Mai erscheint in Europa Fire Emblem Fates, womit bald eine lange Wartezeit endet. Auf der Suche nach Lückenfüllern ist wohl so mancher auf das kürzlich erschienene Taktik-Rollenspiel Stella Glow aufmerksam geworden. Tatsächlich ist der Titel allerdings viel mehr als ein kurzes Vergnügen – es ist ein unerwarteter Hit. Schon im Vorfeld ist es dem Projekt gelungen, bei mir Aufmerksamkeit zu erzeugen. In Trailern machte das Spiel regelmäßig eine gute Figur. Inzwischen durfte ich das SRPG spielen und habe mit Erstaunen festgestellt, dass das Game meine kühnsten Erwartungen übertrifft.

Dabei startet das Abenteuer zunächst noch ganz gemächlich. In dem kleinen Ort Mithra leben Lisette und Alto. Lisette hat den Jungen vor gut drei Jahren gefunden und ihm den Namen gegeben, da er ohne Gedächtnis gefunden wurde. Lisette und Alto sind inzwischen wie Geschwister. Eines Tages endet ihr ruhiges Leben allerdings abrupt, als die Hexe Hilda alle Bewohner von Mithra zu Kristall verwandelt – außer Lisette und Alto. Die beiden stellen sich der mächtigen Hexe der Zerstörung in den Weg, wobei Lisette unerwartet selbst zu einer Hexe wird. Trotz ihrer neuen Fähigkeiten und dem Mut von Alto sind sie der Hexe und ihren Schergen nicht gewachsen. In letzter Minute werden sie von den königlichen Rittern unter der Führung von Großmeister Klaus gerettet.

Nachdem man Alto und Lisette in die Hauptstadt gebracht hat, erfahren die beiden, dass es die Kraft von mehreren Hexen braucht, um Hilda zu stoppen. Königin Anastasia ruft das Neunte Regiment ins Leben und entsendet es in die Welt, um die fehlenden Hexen zu suchen. Der Beginn eines wunderbaren Abenteuers.

Die Entwickler haben einige wirklich bezaubernde Charaktere geschaffen, denen man gern auf die Reise folgt. Grundsätzlich dürft ihr in dieser Hinsicht aber nicht zu viel erwarten, da sich alle Figuren in typische Schubladen einsortieren lassen. Nichtsdestotrotz sind die Charaktere gelungen. Besonders gern mag ich die Dialoge zwischen dem fröhlichen Rusty, der jedem Rock nachjagt und dem korrekten Archibald, der sehr auf Ehre und Disziplin bedacht ist. Während Rusty nie auch nur ein Blatt vor den Mund nimmt, ruft ihn Archibald ständig zur Vernunft auf und erinnert daran, dass man sich mitten in einer Mission befindet. Trotzdem erobert Archibald mit seinem breiten Grinsen jedes Herz im Handumdrehen.

Was mir dabei toll gefällt sind die Zwischensequenzen im Stil eines Animes, von denen es etliche gibt. Dabei spielt auch die musikalische Untermalung immer wieder eine große Rolle. Immerhin haben die Hexen die Kraft Lieder zu singen, was euch mächtige Aktionen ermöglicht. Entsprechend viel Wert hat man auf den Soundtrack gelegt, der wirklich gelungen ist. Die Dialoge erinnern hingegen eher an eine Visual Novel. Die betreffenden Charaktere unterhalten sich vor detailliert gezeichneten Hintergründen, wobei die Gesichtsausdrücke je nach Stimmung schwanken. Dann und wann dürft ihr euch zudem für eine Gesprächsoption entscheiden.

Stella Glow Lambert

Mit Köpfchen in den Kampf

Während der Titel optisch niedlich aussieht, hat das Kampfsystem einiges an Tiefgang zu bieten, den man auf den ersten Blick vielleicht nicht erwarten würde. Während der sogenannten Mission Time verlasst ihr Lambert und treibt die Story voran. Dabei stehen euch auf der Weltkarte verschiedene Punkte zur Verfügung. In optionalen Kämpfen könnt ihr Beute einstreichen und Erfahrungspunkte sammeln.

Im Kampf wechselt die Perspektive in eine isometrische Darstellung. Ihr bewegt eure Kämpfer Feld für Feld vorwärts, wobei nicht jeder die gleiche Reichweite hat. Die schweren Guards können richtig platziert Schaden abwenden, pro Zug aber nur wenig Distanz überbrücken. Flinke Charaktere wie Rusty können mit ihren Dolchen auch weiter entfernte Gegner angreifen. Darüber hinaus kann er sich auch mit jedem Zug über viele Felder hinweg bewegen.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Hexen zu, die mit ihren Liedern mächtige Fähigkeiten einsetzen können. So lassen sich beispielsweise über mehrere Runden negative Effekte verteilen. Für die wirkungsvollen Songs benötigt ihr allerdings zunächst Alto. Dieser ist der sogenannte Conductor, was übersetzt so viel wie Dirigent bedeutet. Nur wenn er neben einer Hexe steht und mit dieser ein Band geknüpft hat kann ein Song eingesetzt werden. Darüber hinaus muss erst eine Leiste gefüllt werden, was mehrere Züge dauert. Es möchte also gut überlegt sein, wann ein Lied zum Einsatz kommt.

In den Kämpfen spielen außerdem Faktoren wie Elemente, Höhenunterschiede und Positionierung eine Rolle. Während der Schwierigkeitsgrad vom Spiel nicht verändert werden kann, könnt ihr es euch mit Zusatzielen etwas schwerer machen. So müsst ihr zum Beispiel verhindern, dass ein bestimmter Charakter Schaden nimmt, Skills verwendet oder alle Truhen auf einem Schlachtfeld öffnen. Jedes erfüllte Bonus-Ziel gibt eine zusätzliche Belohnung. Um alle Bonus-Missionen zu meistern, ist einiges an Geschick und Verständnis für das taktische Kampfsystem notwendig. Da ihr im späteren Spielverlauf viele Charaktere freischaltet, habt ihr reichlich Freiraum für die Gestaltung der Kämpfe. Jeder Charakter hat individuelle Stärken und Schwächen. Jeder Spieler kann daher für sich herausfinden, mit welchem Team er in den Kampf ziehen möchte und eine eigene Strategie entwickeln.

Erfreulicherweise ist es während der rund 35 Stunden Spielzeit nicht nötig, eure Charaktere durch Grinden zu leveln. Während man in vielen JRPGs zu Beginn oft Stunden mit Grind beschäftigt ist, kann man sich diesen in Stella Glow (fast) gänzlich sparen. Dann und wann sind ein paar optionale Kämpfe praktisch um ein bisschen Geld zu machen oder wenig genutzte Charaktere auf eine brauchbare Stufe zu bringen. Unterm Strich ist das Spiel aber erstaunlich grindfrei, was im Genre keine Selbstverständlichkeit ist.

Stella Glow Ewan

Geknüpfte Bande

Neben der Mission Time steht euch auch regelmäßig die Free Time zur Verfügung. In eurer Freizeit könnt ihr ein paar kurzweilige Jobs annehmen, um den Geldbeutel aufzubessern, auf Erkundungstour gehen oder optionale Dialoge mit euren Mitstreitern führen. Dabei knüpft ihr mit der Zeit ein inniges Band zu euren Gefährten, was sogar neue Fertigkeiten bedeutet. Da ihr im ersten Spieldurchgang nur wenig Free Time habt, braucht es mindestens zwei Spieldurchgänge um alles zu sehen. Darüber hinaus gibt es ein sogenanntes „True Ending“, welches man nur zu Gesicht bekommt, wenn man seine Free Time „richtig“ verbringt. Im ersten Durchlauf sind vor allem die Dialoge interessant. Geld könnt ihr auch anderweitig verdienen.

Bleibt bei all dem Lob die Frage offen, was weniger gelungen ist. Zunächst einmal ist da ganz klar die große Ähnlichkeit zu anderen SRPGs. Man setzt auf eine bewährte aber eben auch schon häufig benutzte SRPG-Formel. Die ist natürlich nicht zwangsläufig schlecht. Ich persönlich mag SRPGs alter Schule sehr. Es steht allerdings nicht jeder darauf, immer wieder Spiele mit einem doch sehr ähnlichem Aufbau zu spielen. Wer bereits ein paar SRPGs kennt, wird in Stella Glow sofort gewisse Parallelen erkennen können. Wer innovative Games schätzt, wird hier wenig Freude haben.

Schade ist auch, dass es keine Möglichkeit gibt, die japanische Synchronisation zu nutzen. Die englischen Sprecher haben allerdings einen tollen Job gemacht, weshalb sich dieser Punkt verschmerzen lässt, wenn man nicht Wert auf die Original-Sprachausgabe legt. Wer hingegen gern deutsche Texte oder Untertitel erwartet, wird enttäuscht. Englischkenntnisse sind also nötig. Was wirklich schade ist, ist die fehlende Möglichkeit Videos erneut zu sehen. Das Spiel hat so viele tolle Zwischensequenzen, die man sich nicht einzeln anschauen kann.

Letztlich macht Stella Glow aber fast alles richtig. Es ist vom Umfang her zwar überschaubar, für Strategie-Fans aber trotzdem mehr als nur einen Blick Wert. Nintendo 3DS-Besitzer haben es dieses Jahr auf jeden Fall nicht leicht, sich bei den vielen guten Spielen zu entscheiden. Stella Glow reiht sich in das bisher fantastische 3DS Line-up 2016 ein. Bei der derzeit großen Auswahl an Krachern ist es fast schon gut, dass das Spiel verglichen mit anderen Genrevertretern kurz ausfällt. Mit rund 35 Spielstunden und zwei benötigten Durchgängen um alles zu sehen ist das Verhältnis zwischen Preis und Leistung trotzdem hervorragend.

Stella Glow Lisette

Mein Fazit:

Fans von Taktik-Rollenspielen sollten sich Stella Glow auf keinen Fall entgehen lassen. Das Spiel reiht sich problemlos in die lange Liste guter SRPGs für den Nintendo 3DS ein. Dabei muss man sich vor der großen Konkurrenz nicht verstecken. Das Spiel versprüht eine Menge Charme, hat einen tollen Soundtrack, eine Reihe liebenswerter Charaktere und ein gelungenes Kampfsystem. Darüber hinaus bietet es jede Menge Spielzeit. Für den ersten Spieldurchgang könnt ihr rund 35 Stunden einplanen. Wer wirklich alles gesehen haben möchte, muss mindestens einen zweiten Durchgang abschließen. Damit kommt man zwar nicht auf die Spielzeit vieler Genre-Größen, aber auf eine ordentliche Summe an Spielstunden.

Zu viel Innovation solltet ihr von Stella Glow allerdings nicht erwarten. Wer schon andere SRPGs gespielt hat, dürfte gewisse Mechaniken sofort erkennen. Das Spiel setzt auf die typische SRPG-Formel, weshalb ich mich als Genre-Fan sofort heimisch fühlte. Obwohl man viele der Gameplay-Elemente bereits aus anderen Spielen kennt, funktionieren sie nach wie vor prima.

Im Grunde genommen ist Stella Glow zwar „nur“ mehr von altbekannten Dingen, aber es hat mich schnell von seinen Qualitäten überzeugt. Dies liegt nicht zuletzt an den liebenswerten Charakteren. Egal ob die kindliche und naive Popo, der Frauenheld Rusty oder der scheinbar nie unvernünftige Archibald – die Figuren wissen zu gefallen. Es macht einfach unheimlich viel Spaß, mit der bunten Truppe auf Abenteuer zu gehen. Ein Höhepunkt sind dabei zweifelsohne die toll gestalteten Zwischensequenzen in Form eines Animes. Wer sich die Zeit bis zum Release von Fire Emblem Fates vertreiben möchte, findet hier mehr als nur einen Lückenfüller.

Anmerkung: Das Spiel ist nur in Englisch spielbar.

Vielen Dank an NIS America, für die freundliche Bereitstellung eines Download-Codes.

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