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Rust

Rust – Wie die ID dich schuf

Von der ID geschaffen

Rust hat es einmal mehr geschafft, reichlich Diskussionsstoff zu liefern. Auch die Spielermeinung ist dieser Tage ziemlich gespalten. Der Grund ist Mal wieder die Steam ID und deren Auswirkungen. Vor längerer Zeit führte das Spiel unter anderem Penisgrößen und verschiedene Hautfarben ein. Wer sich mit der Ankündigung der Features bereits die Hände rieb und sich auf Regler gefreut hat, wurde allerdings enttäuscht. Dinge wie die Hautfarbe werden nicht per Charaktereditor vom Spieler bestimmt, sondern vom Spiel selbst. Die Steam ID ist dabei eine Art Seed – Änderungen sind unmöglich.

Seit einigen Tagen bestimmt diese ID nun auch das Geschlecht der Charaktere in Rust. Seit einem Update sind 50 Prozent der Charaktere weiblich. Sehr zum Ärger einiger Fans. Auf Steam hagelte es prompt einige negative Kritiken. So mancher Betroffener ist unglücklich darüber, eine Frau spielen zu müssen. Für einige sogar ein Grund, das Spiel an den Nagel zu hängen.

Als Frau stellt sich mir dabei vor allem eine Frage: warum? Ich spiele inzwischen schon sehr lange Videospiele. Über die Jahre habe ich Hunderte gezockt – manche mehr, manche weniger. In vielen Fällen hatte ich dabei keine Möglichkeit über den Protagonisten zu bestimmen. Oft musste ich nehmen, was ich bekam. In vielen Fällen ein Mann. Für mich war ein männlicher Protagonist allerdings noch nie ein Grund, ein Spiel nicht zu spielen. Würde mich so etwas stören, hätte ich unglaublich viele Games nie gezockt. Männer dominieren da nämlich ganz klar.

Natürlich freue ich mich, wenn ich in einem Spiel mit einer weiblichen Heldin umherziehen darf, oder die freie Wahl habe. Tatsächlich nehme ich dann häufig einen weiblichen Charakter. Als Frau kann ich mich damit besser identifizieren. Darüber hinaus sind sie für mich persönlich meist hübscher anzusehen. Aber in über 20 Jahren hat es mich niemals gestört, wenn ich Mal wieder einen männlichen Charakter spielen musste. Ich habe mit Link Prinzessin Zelda gerettet, bin mit Mario zur Rettung von Peach aufgebrochen, habe in Pokémon als Ash alle 150 Kreaturen gesammelt und habe mit dem Master Chief die Menschheit gerettet. Warum auch nicht?

Noch immer ein Tabu

Weibliche Protagonisten waren viele Jahre wie ein Tabu. Kaum jemand hat es gewagt, den Spieler in die Haut einer Frau schlüpfen zu lassen. Weibliche Charaktere wurden für gewöhnlich in Form von Belohnungen für den männlichen Held implementiert. Waren alle Gefahren beseitigt, wartete am Ende ein schönes Mädchen. Oft wurde überhaupt erst für dieses all der Aufwand betrieben. Selbst eine weibliche Figur spielen, war hingegen lange undenkbar. Erst mit Lara Croft wurden diese mehr oder weniger salonfähig. Viele Spiele bieten inzwischen sogar an, zwischen Männlein und Weiblein zu wählen.

Haben Games hingegen einen festen Protagonisten, wird bis heute noch oft auf männliche Charaktere zurückgegriffen. Sowohl Spieler, als auch Branche tun sich mit weiblichen Heldinnen teilweise bis heute schwer. Für mich völlig unverständlich. Es hat mich nie davon abgehalten ein Spiel zu zocken, weil ich Mal wieder keine Frau sein konnte. Eines Tages wird es hoffentlich völlig normal sein, eine Frau zu spielen. Es macht mich traurig, dass Rust durch die nicht freie Geschlechterwahl so dermaßen viel Diskussionsstoff liefert. Ist es wirklich so schlimm, als Mann eine Frau zu spielen? Raubt eine Pixel-Frau wirklich den Spielspaß?

Entwickler Facepunch Studios hat sich jedenfalls nicht von der Kritik einschüchtern lassen und geht weiter seinen weg. Die festgelegte Hautfarbe und Penisgröße ist schon länger im Spiel implementiert. Trotz reichlich Kritik hat man nun auch Geschlechter eingeführt, die via Steam ID vergeben werden. Hut ab vor so viel Mut. Andere Entwickler hätten vielleicht schon längst die Reißleine gezogen und rasch ein Update nachgeschoben, welches einen Character Editor mit entsprechenden Reglern einführt. Aber Facepunch geht weiter unbeirrt seinen Weg und lässt die Spieler in Rust spielen, wie die ID sie schuf. Bravo! Wir sehen in Rust also auch weiterhin keine Horden weißer und männlicher Charaktere, mit prächtigem Geschlechtsteil zwischen den Beinen.

Rust Weiblicher Charakter
Damit kam der Stein ins Rollen. Weibliche Charaktere erobern Rust.

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