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The Witcher 3: Wild Hunt Blood and Wine Ladys

DLC – Fluch oder Segen? Weder noch!

DLCs als Bereicherung für Spiele

Nintendo gehört zu den wenigen Unternehmen, die sich lange mit DLC zurückgehalten haben. Inzwischen gibt es aber auch einige DLCs zu den Spielen von Big N. Da das japanische Unternehmen jüngst zu The Legend of Zelda: Breath of the Wild Erweiterungen angekündigt hat, wird aktuell wieder heftig zu dem Thema diskutiert. Sind DLCs angemessen? Reinste Abzocke? Sollte man so etwas überhaupt unterstützen?

Meiner Meinung nach ist das Thema DLC viel zu komplex, um diese Fragen einfach zu bejahen, oder zu verneinen. Tatsächlich gibt es so manchen DLC, den ich als reinste Abzocke empfinde. Es gibt aber auch viel Downloadcontent, über dessen Existenz ich mich sehr freue. Qualitativ hochwertige Erweiterungen wie The Witcher 3: Blood and Wine, viele Borderlands DLCs und Burials at Sea für BioShock Infinite sind eine echte Bereicherung gewesen. Auch Erweiterungen wie Red Dead Redemption: Undead Nightmare und die Hyrule Warriors Erweiterungen sind gelungen und eine durchaus lohnenswerte Investition.

Fühlten sich Games wie Red Dead Redemption, Borderlands oder Hyrule Warriors deshalb unvollständig an? Nein, absolut nicht. Borderlands ist ein wunderbares Spiel – mit und ohne DLCs. Ein The Witcher III bietet auch ohne jeglichen DLC zig Stunden Spielspaß. Niemand braucht Blood and Wine oder einen der anderen DLCs, um mit dem Hexer sein Glück zu finden. Wer DLCs nicht mag, kann einfach verzichten und wird trotzdem nicht das Gefühl haben, er hätte etwas verpasst. Wer sich hingegen darauf einlässt, kann noch einmal zahlreiche Stunden in einer liebgewonnenen Spielwelt lassen.

Ich persönlich sehe solche DLCs sogar positiv. Ich freue mich, wenn ich in Spiele wie Red Dead Redemption oder BioShock Infinite noch einmal zurückkehren kann und mir DLCs einen weiteren Anreiz dazu bieten. Früher habe ich meine Lieblingsspiele teilweise etliche Male durchgespielt. Heute macht mir meine weniger gewordene Freizeit einen Strich durch die Rechnung. Natürlich spiele ich auch heute manche Spiele noch mehr als einmal durch. Trotzdem empfinde ich DLCs manchmal als super Anreiz, noch einmal Zeit in einer schönen Spielwelt zu verbringen.

Wenn mir ein Hauptspiel gut gefallen hat, sind DLCs für mich – auch wenn die noch einmal kosten – etwas positives. Ich finde es völlig o.k., wenn ich dafür noch einmal löhnen soll. Wenn ich ins Kino gehe, muss ich für Popcorn und Getränke auch zusätzlich zahlen. Aber warum auch nicht, wenn der Besuch dadurch noch mehr Spaß macht? Ich jedenfalls mag es, wenn ich im Kino eine Tüte Popcorn in den Händen halten darf und knabbern kann. Spiele bieten zudem oft wahnsinnig viel Spaß, für vergleichsweise wenig Geld. Selbst ein kurzes Spiel kann meist über einige Stunden unterhalten. Wenn man den Preis ins Verhältnis stellen würde, kämen Games also gar nicht so schlecht weg.

Hier und da ein kleiner Nachschlag, muss nicht schlimm sein. Wenn mir irgendwo das Essen geschmeckt hat, denke ich auch gerne über ein Dessert nach. Hat es mir nicht gefallen, lasse ich das Dessert halt weg. Natürlich finde auch ich es nicht gut, wenn mir ein Spiel kaum etwas bieten kann, dann aber für DLCs noch mehr Kohle sehen möchte. Doch sofern der Hauptgang stimmt, dürfen gern ein paar weitere her. Dabei würde es mir aber nicht einfallen, zu behaupten ich zahle die ja schon mit dem Hauptgang.

DLC sind immer schlecht? Keineswegs! Erweiterungen wie Burial at Sea sind eine tolle Bereicherung.

Aber DLCs sind doch eh immer rausgeschnitten …

Leider werden DLCs immer wieder verurteilt, weil diese angeblich aus dem Hauptspiel geschnitten werden. Ganz so einfach ist die Materie dann aber doch nicht. Egal ob ein Spiel entwickelt wird, oder eine andere Software – bevor diese wirklich fertig ist, passiert mehr als nur die Entwicklung. Darüber hinaus ist die Entwicklung eines Spiels ein komplexer Vorgang. Oftmals arbeiten viele Menschen an einem Projekt und jeder hat dabei gewisse Aufgabenbereiche. Einige dieser Mitarbeiter braucht man sehr lange, andere nach kurzer Zeit schon nicht mehr.

Ist die Story eines Spiels geschrieben, ist sie fertig. Sind Konzepte angefertigt, braucht es keine weiteren. Die Audioproduktion ist ebenfalls früher oder später abgeschlossen – so wie diverse andere Dinge auch. So werden bereits während der Entwicklung immer wieder Kapazitäten frei. Statt diese Mitarbeiter einfach auf die Straße zu setzen, kann man diese dann auch an DLCs setzen.

Der letzte Teil bei der Spieleentwicklung ist die Testphase. In dieser werden die Spiele über zig Stunden von den Testern getestet, die dafür meist Listen abarbeiten und Rückmeldung an die Entwickler geben. Dabei aufgespürte Fehler werden dann möglichst beseitigt. Diese letzte und für die Entwickler sehr harte Phase wird auch als Crunchtime bezeichnet. In dieser sind viele Mitarbeiter eines Projekts aber gar nicht mehr für dieses nötig. Deshalb können diese sich bereits um Dinge wie Downloadcontent kümmern. Wer DLCs nur ablehnt, weil er meint, diese sind zwangsläufig vorher aus dem Spiel geschnitten wurden, macht es sich also deutlich zu einfach. Spieleentwicklung ist ein komplexer Vorgang.

Natürlich ist nicht jeder DLC super. Dies ist aber eher eine Einzelfallentscheidung und sollte vor allem am Inhalt festgemacht werden und nicht an der Tatsache, dass es sich um einen DLC handelt. Auch in diesen ist Arbeit geflossen und als Außenstehende können wir überhaupt nicht beurteilen, ob etwas wirklich rausgeschnittener Content ist, oder eigens für einen DLC entwickelt wurde. Selbst wenn vor der Veröffentlichung eines Spiels DLCs angekündigt werden, muss dies nicht der Fall sein. Es ist natürlich einfach, sich gegen neue Dinge zu stellen und diese einfach abzulehnen. So leicht sollte man es sich aber nicht machen.

Argumente wie früher gab es etwas nicht sind ja gut und schön …. früher hätte man aber auch mit möglichen Bugs auf ewig leben müssen, weil es gar keine Patches gab. Früher hätte man so etwas wie DLCs auch gar nicht anbieten können – weil man sie gar nicht an den Spieler hätte bringen können. In dieser Zeit hat man freigewordene Mitarbeiter halt einfach vor die Tür gesetzt, oder eine Erweiterung machen lassen, die später gegen Geld in den Laden kommt. Deshalb war es früher aber nicht gleich ausnahmslos besser. Zeiten und Möglichkeiten haben sich schlichtweg geändert. Es gibt heute wunderbare Spiele und es gab sie früher. Es gibt heute tolle Erweiterungen und es gab sie vorher. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob diese nun DLC, Erweiterung, Downloadcontent oder Add-on heißen.

DLCs sind inzwischen längst ein alter Hut und es ist an der Zeit, dass gewisse Klischees ein Ende finden. Weder ist jeder DLC im Vorfeld rausgeschnitten worden, noch sind die immer zum Release schon fertig. Niemand ist gezwungen, einen DLC zu kaufen oder Gefallen daran zu finden. Viele nicht gerechtfertigte Vorwürfe sollten aber langsam aus der Welt geschafft werden.

Borderlands: The Pre Sequel Claptrap
Borderlands ohne DLCs? Nööö!

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Michael

Toller Artikel, ehrlich. DLCs sind ein zweischneidiges Schwert, es ist bei großen Publishern schon vorgekommen, dass Inhalte aus dem Spiel rausgenommen wurden und später als DLC „nachgereicht“ wurden. Ich selber finde DLCs gut, da oft genug das Spiel bereichert wird, sei es nun durch ein komplett neues Gebiet wie bei Witcher 3 oder auch durch neue Klamotten, wie es bei einigen Spielen der Fall ist (neues Aussehen von Autos bei Rocket League als Beispiel). In den mir bekannten Fällen ist niemand gezwungen, sich einen DLC zu holen, um das Hauptspiel zu spielen. Der mir bisher schlimmste Shitstorm bezüglich eines DLCs war in meinen Augen bei ARK, als Scorched Earth veröffentlicht wurde. Kommentare wie „die sollen das Hauptspiel stabiler machen und keinen DLC rausbringen“ waren da noch harmlos. Es ist keiner gezwungen, sich SE zu holen, wer es auf einem Server spielen möchte, braucht dafür einen extra Server, da man das… Weiterlesen »

APFELKRAUTROCKS aka Zeophra der Schnuckischreck

Uh, oh, mein erster Kommentar hier^^ Ich persönlich habe leider von den wenigsten DLCs noch etwas. Die erste Erfahrung habe ich damals mit Borderlands gemacht – was mich einfach gefesselt hatte, noch weitere tolle Geschichten zu erfahren rund um Pandora. Danach folgte aber bald mal auch die Ernüchterung – vieles waren „nur“ Skins oder sonstige „Goodies“, die ich als Sammler haben will, mich aber dennoch geschmerzt haben zu bezahlen. Beispielsweise Borderlands 2. Klar – fakultativ, ob man jetzt in den Standardklamotten rumrennt oder nicht, ist ja egal, dennoch wollte ich immer alles freispielen/-kaufen. Heute muss ich sagen, dass ich mit der Flut an Spielen und der Liebe zu MMORPGs gar nicht mehr dazukomme, DLCs zu spielen. Ich habe so schon grösste Mühe wegen Zeitmangels Spiele durchzuspielen – zu einem „nur wegen einem DLC“ zurückzukehren, das funktioniert bei mir nicht mehr. Was ich aber interessant finde ist die Entwicklung von Steams… Weiterlesen »

YesterPlay80

Ich sehe es ähnlich wie TGG: DLC kann gut sein, kann aber auch nur Schund sein, den sich Entwickler und Publisher vergolden lassen wollen. „Burial at the Sea“ wäre jetzt auch eines meiner ersten Beispiele für einen guten DLC gewesen. Wer ein schlechtes Beispiel sucht, sollte einfach mal in Steam nach „Capcom+Costume“ suchen (oder einfach hier drauf klicken: http://store.steampowered.com/search/?snr=1_4_4__12&term=capcom+costume).

Ein Problem, dass zumindest ich mit fast allen DLCs habe, ist aber, dass ich ungeachtet der Art und der Qualität des DLC immer irgendwie das Gefühl habe, nur ein unvollständiges Spiel zu haben. Ich hoffe nur, dass weiterhin die Vernunft siegt und ich nicht doch irgendwann anfange die ganzen bescheuerten Capcom-Kostüme zu kaufen. ;)