Has-Been Heroes Review (Nintendo Switch)

Entwickler:         Frozenbyte
Publisher:          GameTrust Games
Genre:              Rogue-like
Plattformen:        PC, PS4, Nintendo Switch, Xbox One
Preis:              ca. 19,99 Euro 
Offizielle Website: https://www.nintendo.de/Spiele/Nintendo-Switch/HAS-BEEN-HEROES-1174348.html

Eine Prise davon, ein Hauch hiervon und …

Betrachtet man Has-Been Heroes, hat man rasch das Gefühl, dass das Spiel eine bunte Mischung aus Trine, Dark Souls und Magicka ist. Da wäre zum einen der tolle Erzähler, der mich direkt an Trine hat zurückdenken lassen. Dann sind da noch die überzeugenden Charaktere, die mich ebenfalls an Trine erinnert haben und eine Prise Humor. Tatsächlich beginnt ihr euer Abenteuer sogar mit einem Zauberer, einer Diebin und einem Krieger. Es handelt sich dabei allerdings nicht um die drei Protagonisten einer sehr bekannten Frozenbyte Reihe, sondern um neue Gesichter. Nichtsdestotrotz erscheinen die Charaktere sehr charismatisch und liebenswert. Der Stil weiß zu gefallen.

Was den Schwierigkeitsgrad betrifft, orientiert sich das Spiel an Titeln wie Dark Souls. Genrebedingt liegt dieser aber ohnehin weit oben. Has-Been Heroes ist ein Rougle-like und entsprechend anspruchsvoll. Wie in den beliebten Dark Souls Spielen sammelt ihr Seelen, wenn ihr Gegner tötet. Deren Funktionalität ist hier aber eine andere. In Has-Been Heroes werden die Seelen nach eurem Scheitern auf euer „Konto“ gezahlt. Immer wenn ihr genug zusammenhabt, schaltet ihr etwas frei. Habt ihr etwa alle zwei Teile eines Skills freigeschaltet, wandert dieser dann in einen Pool. Für Items gilt dieses Prinzip ebenfalls.  Alles, was in dem Pool ist, könnt ihr künftig bei euren Spieldurchgängen erhalten – zum Beispiel einen Zauber von einem entsprechenden Händler.

Je mehr ihr freigeschaltet habt, desto mehr mögliche Gegenstände und Fähigkeiten stehen euch zur Verfügung. Starten tut ihr allerdings immer beinahe „nackt“. Jedem Charakter steht zunächst eine Fähigkeit zur Verfügung. Bewegt ihr euch durch ein Gebiet, könnt ihr Händler und Schatzkisten erreichen. Dort könnt ihr euch mit Gegenständen und Fähigkeiten eindecken. Hamsterkäufe sind dabei nicht möglich – da immer nur ein Item oder Zauber zu haben ist. Ihr müsst eure drei Charaktere also Stück für Stück ausrüsten und verbessern. Den Kram behaltet ihr nur, bis eure Gruppe scheitert. Dieses Spielprinzip ist wahnsinnig motivierend – wenn ihr die nötige Geduld mitbringt. Es dauert eine Weile, bis ihr einen angenehm großen Pool zur Verfügung habt. Dafür wird es mit der Zeit auch etwas einfacher. Später könnt ihr zudem auch andere Helden erspielen und in den Kampf schicken.

Aber wie genau funktioniert Has-Been Heroes überhaupt? Ihr beginnt das Spiel mit einer Diebin und zwei in die Jahre gekommenen Helden. Eure Aufgabe ist es, zwei Prinzessinnen in die Schule zu begleiten. Was zunächst einfach klingt, entpuppt sich rasch als bockschwere Angelegenheit. Ihr startet in einem Wald – wobei es davon auch eine verschneite Variante gibt. Der Zufall legt fest, welche euch erwartet. Über Linien bewegt ihr euch über die Karte. Unterwegs könnt ihr an Ausdauerlagern rast machen, Händler besuchen, Kisten öffnen und andere besondere Orte finden. Außerdem kommt es manchen Knotenpunkten zu Kämpfen. Das Ziel jeder Karte ist stets die andere Seite. Dort wartet ein Bosskampf auf euch. Ist der geschafft, geht es in den nächsten Bereich – bis ihr schließlich das Ende erreicht.

Gekämpft wird in Has-Been Heroes in drei Lanes – sprich Linien. Per X, Y und B wählt ihr einen  Charakter, per A schickt ihr eure gealterten Helden in die Schlacht. Nun ist Taktik der Schlüssel zum Sieg. Instinktiv werden sicher die meisten versuchen, einfach sobald wie möglich ihre Kämpfer nach vorn preschen zu lassen. Nach jedem Angriff gibt es nämlich einen Cooldown. Sowohl für Nahkampf, als auch bei Zaubern. Der erste Gedanke ist daher vermutlich, einfach alles wenn fertig zu entfesseln. Falsch! Das Geheimnis liegt darin, nicht kopflos zu agieren, sondern mit Geschick vorzugehen. Priorisiert bei den Feinden und überlegt genau, welche zuerst ausgeschaltet werden sollten. Die Feinde kommen von der rechten Bildschirmhälfte langsam auf euch zu. Damit die überhaupt Schaden einstecken, müsst ihr sie aber zuvor „bearbeiten“, weshalb es am sinnvollsten ist, im Team zu arbeiten und keine Alleingänge zu machen. Haut in der Gruppe die Ausdauer der Gegner runter und stampft sie dann komplett in den Boden. Darüber hinaus spielen die Fähigkeiten eine zentrale Rolle. Diese könnt ihr nämlich kombinieren und so noch effektiver nutzen. An dieser Stelle lässt dann auch Magicka grüßen.

Zum Glück könnt ihr das Spiel via Knopf jederzeit pausieren. Darüber hinaus pausiert das Spiel nach einem Angriff auch automatisch. Am Anfang nervt euch diese Geschichte vielleicht, mit der Zeit stellt sich aber der Nutzen heraus. So könnt ihr in aller Ruhe planen, welche Helden wo und in welcher Reihenfolge angreifen sollen. Eile ist nicht der Schlüssel zum Sieg. Praktischerweise könnt ihr während der Pausen eure Gegner genauer betrachten – da es wichtig ist gezielt anzugreifen, um ordentlich Schaden zu machen. So könnt ihr in aller Ruhe Lane für Lane agieren und eure Feinde zerschlagen. Achtet auf die Ausdauer und prüft, wann ihr bei welchem Gegner Schaden austeilen könnt.

Glücksspiel

Leider spielt bei all euren Abenteuern auch das Glück eine enorm große Rolle. Ihr habt keinerlei Einfluss darauf, welche Items und Zauber ihr in einem Spieldurchgang erhalten könnt. Wenn ihr Glück habt, bekommt ihr gleich zu Beginn ein paar mächtige Zauber. Oder aber ihr habt Pech und könnt euch nur bei der Spielerin versuchen und zieht dann auch noch eine Niete.

Zudem sind manche Kämpfe gefühlt auch mit viel Übung kaum bis nicht zu schaffen. So empfinde ich zum Beispiel den ersten Bosskampf gegen das Skelett als ziemlich lästig. Wenn man hier mit weniger guter Ausrüstung antreten darf, hat man kaum eine Aussicht auf Erfolg. In dem Kampf kommen unglaublich viele Gegner und der Boss steckt auch viel ein – selbst wenn man gebündelt angreift und sich auf die Lane mit dem Boss fokussiert. Stellenweise erscheint der Titel so einfach nur unfair. Ihr solltet unbedingt eine hohe Frustgrenze haben, wenn ihr euch Has-Been Heroes zulegen wollt. Nicht nur weil das Spiel sehr anspruchsvoll ist, sondern auch wegen der Abhängigkeit vom Glück. Während ich manchmal einfach nur so über die Karten marschiere, passiert es mir auch immer wieder, dass ich schon im ersten Abschnitt scheitere.

Hier sollten die Entwickler definitiv noch mit einem Update nachbessern. In seinem jetzigen Zustand ist Has-Been Heroes zwar fordernd und gut, aber manchmal eben auch unnötig frustrierend. Es ist gar nicht weiter schlimm, dass man immer wieder mit einer ganz simplen Ausrüstung und einem Zauber beginnt. Es nervt aber selbst wenn man geduldig ist, wenn man ein paar Spiele hintereinander eine blöde Karte und schwierige Kämpfe erwischt. So mancher wird wohl schnell das Spiel beiseitelegen, weil sich schon die erste Karte als schwierig herausstellen kann. Eine gemäßigtere Lernkurve täte dem Spiel gut.

Ein wenig mehr Beistand vom Spiel wäre ebenfalls nicht verkehrt. Man muss sich vieles mühsam selbst erarbeiten. Wer nicht gut darin ist Mechaniken von Spielen zu durchschauen, wird es eher schwer haben bei dem Game. Ich bin am Anfang immer und immer wieder auf die Fresse geflogen, weil ich einfach in drei Lanes gleichzeitig aktiv war. Völliger Blödsinn – aber das Spiel hat mich auch nicht darauf gebracht, dass das die wohl denkbar schlechteste Strategie ist. Erst die Erfahrungen anderer Spieler konnten mir hier wirklich helfen. Wer zu der Sorte Spielern gehört, die nach wenigen Fehlschlägen ein Spiel einfach verstauben lassen, wird mit Has-Been Heroes definitiv nicht glücklich. Selbst mit dem nötigen Verständnis für das Spielsystem ist noch Übung gefragt. Ihr müsst etliche Stunden einplanen, wenn ihr das Spiel zumindest einmal abschließen wollt.

Übung braucht es in der Switch-Version auch für die Steuerung. Mir fällt kein Titel ein, der auf ein ähnliches Prinzip setzen würde. Ich empfand die Steuerung daher als sehr gewöhnungsbedürftig. Inzwischen mag ich diese sogar – bis dahin war es aber ein steiniger und langer weg. Es hat mich etwa zwei Stunden gekostet, bis ich mit der Steuerung befreundet war. Vorher habe ich sie gehasst … einfach nur abgrundtief gehasst. Ständig habe ich unfreiwillig Charaktere umpositioniert und die Pause beendet. Mäh! Hat man irgendwann drin, wie es funktioniert, ergibt die Steuerung dann aber in ihrer Form tatsächlich Sinn. Jede Lane wird über einen Button kontrolliert – eine Aktion wird dann mit A ausgeführt. Im Prinzip sehr eingängig. Dem Spiel fällt hier eher auf die Schuhe, dass das so nicht weit verbreitet ist. Daher muss sich der Spieler zwangsläufig darauf einstellen, was mit einer Lernphase verbunden ist. Die kostet Zeit und Geduld.

Trotz der Kritikpunkte, ist Has-Been Heroes ein gutes und sehr forderndes Spiel. Es benötigt meiner Meinung nach hier und da noch etwas Feinschliff – vor allem was das Balancing und den Glücksfaktor betrifft. Alternativ könnte man natürlich auf Seite des Entwicklers über einen etwas entschärften Modus oder ein ausführlicheres Tutorial nachdenken. Was ebenfalls wünschenswert wäre, ist mehr Abwechslung bei den Gegnertypen, Karten und Co. Inhaltlich ist der Titel nicht sehr umfangreich, was diese Punkte betrifft. Dafür gibt es tonnenweise Items und Fähigkeiten. Wer 100 Prozent erreichen möchte, wird also sehr lang beschäftig sein. Bei den Helden gibt es ebenfalls ein sehr umfangreiches Aufgebot. Schade, dass hier das Verhältnis so unausgeglichen ist. Das Spiel wirkt so nach einigen Stunden ziemlich repetitiv. Gerade in den ersten Stunden, wird man aus dem Wald wahrscheinlich nicht herauskommen, da man sich noch in der Phase des Erlernens befindet. Den Nerv dafür hat nicht jeder. Von Mainstreamtauglichkeit ist der Titel daher auch weit weg.

Mein Fazit:

Has-Been Heroes ist ein forderndes und interessantes Spiel aus dem Genre Rouge-like. Das Kampfsystem wirkt mit seinen drei Lanes interessant und ist nicht alltäglich. Leider scheitert das Spiel daran, dem Spieler seine Mechaniken zu erklären, weshalb hier Eigeninitiative gefragt ist. Wer langfristig Spaß mit dem Titel haben möchte, sollte eine hohe Frustgrenze haben. Mit der Zeit wird das Spiel etwas einfacher, da ihr durch das Besiegen von Gegnern Seelen sammelt und über diese den Pool der möglichen Items und Fähigkeiten erweitert.

Das Spiel punktet mit seinem taktischen Kampfsystem und den knackigen Kämpfen. Leider spielt hier zum Teil auch das Glück eine Rolle, was die Sache bisweilen frustrierend macht. Unverständlich ist auch, weshalb die Entwickler zahlreiche Charaktere, Items und Zauber eingebaut haben, aber kaum unterschiedliche Gegner und Spielumgebungen. Mit der Zeit wirkt das Game daher repetitiv. Has-Been Heroes ist trotzdem über viele Stunden motivierend – aber nicht für jeden. Wer mit dem Spiel liebäugelt, sollte frustresistent sein und sich nicht an den wenigen Karten und Gegnertypen stören. Wer keine Lust hat zig Mal durch dieselben virtuellen Landstriche zu ziehen, um möglichst bis zum Ende der Story zu kommen, wird hier nicht glücklich. Der Titel ist nicht mainstreamtauglich, sollte euch aber zumindest einen Blick wert sein, wenn ihr fordernde Spiele mögt, die sich trauen neue Wege zu gehen. Obwohl der Titel hier und dort an andere Spiele erinnert, geht er doch seinen ganz eigenen Weg. Ein geglückter Spagat zwischen bekannten und neuen Elementen.

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