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Mehr als 20 Jahre Gaming – Mein Spielgeschmack im Wandel der Zeit

Meine persönliche Ära Nintendo

Inzwischen spiele ich schon weit über 20 Jahre Videospiele. Eine verdammt lange Zeit, wenn ich darüber nachdenke. Gleichzeitig eine höchst faszinierende. Ich könnte nun eine lange Liste erstellen, welch tollen Spiele ich in all diesen Jahren gedaddelt habe. Möchte ich aber nicht. Stattdessen blicke ich lieber auf diese Zeit und darauf, wie sich dabei mein Geschmack gewandelt hat. Habt ihr Lust auf eine kleine und sehr persönliche Zeitreise? Dann kommt mit mir mit und erlebt meinen Spielgeschmack im Wandel der Zeit.

Natürlich war auch ich einmal jung – oder noch jünger, als ich es jetzt bin. Mit 30 bin ich schließlich nicht wirklich alt, aber ich war eben noch jünger. Als ich anfing zu spielen, hatte ich lediglich den GameBoy Classic meines Bruders und The Legend of Zelda: Link’s Awakening. Lange Zeit blieb dies auch sein einziges Spiel und damit meines. Es folgten später weitere Sachen wie Mario und irgendwann das Nintendo 64. Mein Lieblingsspiel dort war Ocarina of Time.

Rückblickend betrachtet fanden zu jener Zeit vor allem Spiele den Weg in unsere Kinderzimmer, die angesagt waren. Quasi diese Spiele, die man heute wohl als AAA-Titel bezeichnen würde. Jene Spiele, die die Cover damals bekannter Magazine zierten und denen seitenlange Artikel gewidmet waren. Über den Tellerrand wurde nur selten geblickt, was nicht zuletzt an den Kosten lag. Heute hört man regelmäßig Sprüche darüber, wie teuer Gaming geworden ist. Spiele wären früher – so sagt man gern – viel billiger gewesen. War dem tatsächlich so? Nein! Für ein Spitzenspiel musste man seinerzeit schon Mal 150 D-Mark auf den Ladentisch legen. Zu dieser Zeit auch dann kein Pappenstiel, wenn beide Elternteile gearbeitet haben.

Wirklich schlimm war diese Tatsache aber nicht. Die damaligen Toptitel haben uns gereicht, trotz der Abstriche, die wir aus Kostengründen machen mussten. Letztlich waren wir zu dieser Zeit nur solche Spieler, die man heute als Generation Call of Duty bezeichnet. Nur hatte man dafür noch keinen Namen – oder aber ich kann mich nicht daran erinnern. Warum etwas kaufen, was bekannte Magazine als Gurke abstempelten? Den Magazinen, die ich las, vertraute ich blind. Die Namen der Redakteure? Konnte ich rauf und runter beten, wie die Namen der Charaktere in Ocarina of Time. Die Schreiberlinge wurden förmlich angebetet und heimlich bewundert. Der große Traum? Irgendwann selbst einmal so ein Redakteur sein. Geld mit Spielen verdienen und dafür bezahlt zu werden, über Spiele zu berichten.

Wenn ich nun auf diese Zeiten zurückblicke, kann ich guten Gewissens sagen, dass das eine wirklich geile Zeit war. Ich möchte sie nicht missen wollen und ich hatte damals jede Menge Spaß. Hat es mich damals gestört, nur Spitzenspiele zu zocken? Nöö! Lange war ich völlig damit zufrieden, nur Spiele, die vor Release zig Coverstorys bekamen zu daddeln. Auch in Sachen Systemen war ich viele Jahre sehr eingeschränkt. Wenn irgendwo Nintendo draufstand, hat es gereicht. Mehr war finanziell auch gar nicht drin.

Erst als ich die Schule fast beendet hatte, schenkte mir ein Onkel seinen alten ausrangierten PC und einige Disketten. Ich hatte Spiele wie Sim City 2000, Syndicate und Der König der Löwen. Gemocht habe ich vor allem Syndicate und Sim City. Zunächst war der Computer aber überwiegend ein Gerät für die Arbeit. Er half mir bei Vorträgen für die Schule, da ich damals ein paar Lexika hatte. Gezockt wurde immer noch vorrangig auf Konsolen und Handhelds. Als ich dann mit 16 meine Ausbildung begann, ging ein Teil vom ersten Monatsgehalt direkt für den GameCube drauf. Ein tolles Ding!

The Legend of Zelda: Link's Awakening
Damit fing vor über 20 Jahren alles an. Damals allerdings noch nicht in Farbe. 😉

Zaghafte Blicke über den Tellerrand

Mit meiner Ausbildung begann gleichzeitig auch eine Zeit, in der es finanziell etwas rosiger für mich aussah. Endlich eigenes Gehalt. Ich begann die Spalten über andere Systeme gründlicher zu begutachten und wurde dabei immer neugieriger. Hey, die Sachen klangen gar nicht Mal so schlecht. Vielgelobte Reihen wie Halo und Project Gotham Racing zogen mich immer mehr an. Vielleicht lag es ein Stück weit auch an der rebellischen Teenagerphase, dass ich mit der Zeit aus meinem Trott ausbrechen wollte. Ich überlegte lange, ob ich mir eine PlayStation oder eine Xbox holen sollte. Letztlich entschied ich mich dann aber für die Xbox, da mich die japanischen Titel abschreckten. Ein Hohn, wenn man bedenkt, wie sehr ich diese inzwischen mag.

Als ich vor über 10 Jahren eine Entscheidung treffen musste, griff ich also zur Xbox. Mit dieser wuchs auch meine Leidenschaft für Arcade-Racer, die zu dieser Zeit ziemlich angesagt waren. Außerdem entdeckte ich rasch Morrowind. Jenes Spiel, welches meine Liebe für Rollenspiele mit großer und offener Welt entfachte. Ich habe zahlreiche Stunden mit dem Spiel verbracht, auch wenn es mich lange Zeit überforderte. Der Reiz dieser wunderschönen Spielwelt gefiel mir trotz der Tücken, die so eine gigantische Fläche mit sich bringt.

Gleichzeitig entdeckte ich auch eine andere Art des Rollenspiels: Japano-RPGs. Der GameCube war zwar nicht so oft in Betrieb, wie meine Xbox, aber ich mochte den Würfel. Da ich gleichzeitig neue Dinge ausprobieren wollte, fiel mein Blick damals auf Skies of Arcadia Legends. Spiele habe ich in dieser Zeit kaum noch aufgrund von Berichten in Magazinen gekauft. Ich schlenderte lieber durch die Geschäfte und sah mir die Cover an. Wenn mir etwas gefiel, nahm ich es in die Hand und studierte die Rückseite. In aller Regel fuhr ich damit gut. Hin und wieder erwischte ich in dieser Phase etwas, was mir letztlich nicht so gut wie erhofft gefiel. Dabei muss ich vor allem an die Xbox-Version von Pirates denken – oder war es schon für die Xbox 360? Ich weiß es nicht, spielt aber auch keine Rolle. Die Steuerung war mäh, das Spielprinzip damals noch nicht mein Ding und überhaupt landete das Ding ziemlich schnell in der Ecke.

Dafür konnte ich mich in dieser Phase des Wandels zunehmend für neue Genres begeistern. Ich entdeckte mit 18 zunächst zögerlich Shooter. Halo mag ich übrigens noch heute. Den Sci-Fi-Shootern bin ich generell bis in die heutige Zeit treu geblieben. Zu meinen Lieblingen gehören die Halo- und Gears of War-Reihe. Außerdem fand ich heraus, dass ich Action mag, Strategie nicht abgeneigt bin und Rollenspiele total mein Ding sind. Im Laufe der Zeit fand dann auch der PC immer mehr Beachtung – wenngleich die nicht lang anhielt.

Konsolen waren damals so bequem wie heute und Handhelds ebenso. Spiel reinlegen, Controller anstöpseln und fertig. Ich mochte diesen Komfort, auch wenn ich es eine Weile ganz spannend und aufregend fand, meinen PC aufzuschrauben, Teile zu wechseln und später auch erste Schritte im Internet machte. Irgendwann hatte ich dann ein schlichtes Notebook und das Spiel Guild Wars. Viel mehr brauchte und wollte ich nicht, um zu zocken.

Guild Wars
PC-Spiele haben mich lange nicht interessiert. Eine der wenigen Ausnahmen war Guild Wars. Ich liebe die Landschaften in dem Spiel.

Von den Konsolen zum PC und hin zu den Indies

Der PC spielte ziemlich lange eine sehr untergeordnete Rolle in meinem Zockerleben. Wenngleich ich berufsbedingt lernte damit umzugehen und wusste, was in so einem Ding steckt. Als Spieleplattform war er mir weitestgehend egal. Ich mochte zwar Guild Wars, habe ihn sonst aber kaum angerührt. Der Sinneswandel kam letztlich aber doch, was schlicht daran lag, dass ich kaum Leute kannte, die auf einer Konsole gezockt hätten. Leute die mit mir spielen wollten? Kein Problem, wenngleich man als Frau lange eher belächelt wurde und sich kaum einer um Zockerweibchen riss. Ich bin mir nicht Mal sicher, ob es damals den Begriff Zockerweibchen überhaupt schon gab. Was aber lange ein Problem war, waren die Plattformen.

Mein Freundeskreis bestand vor allem aus PC-Spielern, was mich häufig ausschloss. Natürlich gab es auch viele tolle Spielesessions mit meinen Konsolen und denen meines Bruders. Wir hatten freilich auch Freunde, die genauso auf Konsolen standen und zu uns kamen und im Koop mitspielten – oder zu denen wir gingen. Mit der Zeit wurde ich aber immer „einsamer“ mit meinen Konsolen. Nicht einsam im Sinne von einsam – aber einsam bei meiner Zockerei. Darüber hinaus war ich ein sehr aktives Mädchen. Ich habe lange Gerätturnen gemacht, war viele Jahre bei der Jugendfeuerwehr, oft draußen und später Stammgast im Fitnessstudio. Sport war quasi mein Leben. Neben Sport, Feuerwehr und Büchern waren Games aber eines meiner liebsten Hobbys. Ein Hobby, welches ich zunehmend nicht mehr allein betreiben wollte, sondern mit Freunden.

Letztlich freundete ich mich also immer mehr mit dem PC als Spieleplattform an. Aus dem Notebook wurde irgendwann wieder ein Desktop-PC. Zunächst versuchte ich dabei den Konsolen möglichst nah zu kommen, indem ich mich Maus und Tastatur versperrte, wenn ich nicht gerade Guild Wars spielte. Ich zog Controller vor, da die vertraut waren. Also schloss ich ein 360-Gamepad an. Mit der Zeit blieb dieses immer häufiger weg. Irgendwann spielte ich dann mit Freude auch Shooter wie Unreal Tournament und ich kam mit der furchtbaren Fahrzeugsteuerung in Saints Row klar. Irgendwann erreichte ich sogar einen Punkt, da spielte ich Kram mit Maus und Tastatur durch, bei dem gefühlt jeder darauf schimpfte und Controller empfahl. Heute komme ich mit Controller und PC-Steuerung gleichermaßen gut klar. Mir ist egal, womit ich spiele – Hauptsache Spaß.

Doch auch etwas anderes wandelte sich immer mehr. Es gab Zeiten, in denen ich und mein Mann jeden Monat einige neue Blockbuster gekauft haben. Egal ob das neue Halo, Gears of War, Forza oder Assassin’s Creed – oft waren wir dabei. Versteht mich nicht falsch – diese Zeit war toll. Aber durch die immer mehr werdenden Spiele nutzte sich auch einiges ab. Irgendwann begann man zu vergleichen: „Oh schau Mal, ein schlechter Horde-Klon.“ und „Hm, noch ein Shooter mit Perk-System.“ Im Laufe der Zeit nahm auch die Zahl der Neuveröffentlichungen drastisch zu und es kam in Mode, zu kopieren. Den Höhepunkt erleben wir wohl derzeit. Dieser Tage jagt ein Survival-Spiel das andere, ein Sandkasten den nächsten und ein Hybrid den nächsten.

Ich habe nix gegen Hybriden, Sandkästen und Survival – aber irgendwann sehnt man sich nach Abwechslung. In den letzten Jahren fiel mein Blick daher immer häufiger auf die Indieszene. Auf einmal sorgten Spiele wie Bastion, Minecraft und Co. für Aufregung. Durch die zunehmende Berichterstattung wurde ich aufmerksam. Ich probierte mehrere dieser Games aus und ich war begeistert. Sachen wie Bastion boten mir Dinge, die mir viele AAA-Titel zu der Zeit oft schon nicht mehr boten. Ich hatte immer wieder das Gefühl, etwas wirklich Einzigartiges zu erleben. Eine Art Spiel, die ich so nicht schon zig Mal gesehen und erlebt hatte.

Natürlich kam mir dabei auch die Tatsache entgegen, dass ich vor einigen Jahren die Schreiberei aus einer Laune heraus begann und später auch Spiele testete. Zunächst noch etwas, was ich selbst bezahlt hatte. Quasi ein Testlauf. Später bekam ich dann auch Spiele gestellt und entdeckte so Dinge, die ich sonst vielleicht nie angerührt hätte. Mein zu dieser Zeit eh schon breitgefächerter Geschmack dehnte sich noch einmal deutlich aus und Indiespiele wurden zu einem wichtigen Teil meiner Sammlung.

Natürlich kaufe ich ein Spiel nicht, weil es AAA ist oder Indie. Ich sehe mir etwas an und finde es ansprechend – oder eben nicht. Warum ist egal. Wer es entwickelt ist ebenfalls egal und welches Budget da drinnen steckt auch. Ich liebe AAA und ich liebe Indie. Das wirklich Faszinierende daran ist aber der lange Weg zu der Zockerin, die ich heute bin.

Hätte ich nicht im Laufe der Jahre so viele Games gespielt, würde ich wohl heute Dinge wie Snake Pass nicht so toll finden. Daher kann ich jeden Gamer verstehen, der nur Bock auf Fifa, Call of Duty und Co. hat. Schließlich fing ich ganz ähnlich an. Erst die vielen Spiele, die ich im Laufe vieler Jahre angerührt und gedaddelt habe, haben mich geprägt und die Gamerin geformt, die ich nun bin. Eine Spielerin, die PCs mag, Konsolen mag, Handhelds mag, Indies mag, AAA-Spiele mag und heute noch so viel Lust auf Spiele hat, wie vor über 20 Jahren. Nun sitze ich hier, nach fast 2.000 Wörtern und frage mich, wo ich wohl in 20 Jahren stehe. Werde ich noch immer Games mögen? Welche Art von Spielen werde ich mögen? Freunde ich mich sogar noch mit Genres wie Sport an? Die Zeit wird diese und andere Fragen klären. Für den Moment bin ich so glücklich, wie es ist. Ich freue mich auf ein Red Dead Redemption 2 genauso, wie auf ein KARAKARA 2. Ein Figment wird von mir genauso ungeduldig erwartet, wie ein Super Mario Odyssey.

KARAKARA 2
KARAKARA 2 – ich freue mich riesig auf das Spiel.

4 Kommentare auf "Mehr als 20 Jahre Gaming – Mein Spielgeschmack im Wandel der Zeit"

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Gurki
Gurki

Cool. Ein schöner Artikel. Hab mich das eine oder andere mal wieder gefunden. Ich bin jetzt Seit 28 Jahren dabei und mich hat dieses Hobby extrem geprägt. Danke 🙂

Lisa

Wirklich schöner Artikel 🙂
Bei mir dürften es mittlerweile 18-19 Jahre sein. Davor war es noch die Autowaschstraße in der Krabbelgruppe.

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