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Bounty Train

Bounty Train Review

Entwickler:         Corbie Games
Publisher:          Daedalic 
Genre:              Handelssimulation, Echtzeitstrategie
Plattformen:        PC
Preis:              ca. 24,99 Euro 
Offizielle Website: http://bountytrain.com/

Mit dem Bounty Train in den Westen

Bounty Train ist eines der Spiele, die sich gerne unter dem Radar bewegen. Der Titel von Corbie Games hat am 16. Mai den Early-Access Status verlassen. Wir sind für euch die Ostküste der USA auf und abgefahren und haben uns den Titel genauer angeschaut.

Ihr startet in Bounty Train als der Unternehmer Walter Reed, den es wegen dem Tod seines Vaters nach Portland zieht. Dort erfahrt ihr, dass euer Vater euch Anteile an einem Bahnunternehmen überlassen hat. Gemeinsam mit eurer Familie, Freunden und Fremden gilt es die Anteile zu vereinen und die große Eisenbahnstrecke in den Westen zu verwirklichen. Der ehemalige Geschäftspartner eures verstorbenen Vaters hat das Gleiche vor, jedoch will er die Strecke über Umwege durch Indianergebiete bauen. Das ist natürlich moralisch nicht vertretbar!

So machen wir uns mit hundert Dollar in der Tasche, einer kleinen Lokomotive und einem klapprigen kleinen Güterwaggon auf die Reise zum Eisenbahnmagnat. Es gilt vor unserem Kontrahenten die 51% Unternehmensanteil zu erlangen.

Schon zu Anfang wird uns klar, das wird eine lange Reise. Die Karte ist groß und bietet mit ihren vielen liebevoll gestalteten Städten zahlreiche Fahrtziele. Bevor ihr jedoch fahren könnt wohin ihr wollt, müsst ihr erst einmal die einzelnen Streckenlizenzen erwerben. Manche erhaltet ihr durch Gefallen, andere durch Bares. Hierfür befördert ihr Güter, Post und Passagiere – manchmal auch Halunken –, kämpft euch durch Banditenhinterhalte und flieht vor Indianerüberfällen und hofft unterwegs nicht einen Waggon mit wertvoller Fracht zu verlieren.

Das Leben als angehender Eisenbahnunternehmer ist hart, vor allem wenn man den Konfrontationskurs im Amerika des 19. Jahrhunderts fährt. Dann wird die Welt bissig und rau. Es sind die Jahre großer Männer wie Samuel Colt, der Erfinder des Revolvers und Abraham Lincolns. Größere, schnellere und verbesserte Züge sparen euch langfristig Zeit und Geld. Bounty Train bietet hier einige Möglichkeiten Eisenbahnfahrerträume auszuleben. Darüber hinaus könnt ihr in den Städten noch Immobilien erwerben, Hotels bringen beispielsweise ein regelmäßiges Einkommen, Produktionsstädten versorgen euch mit Rohstoffen. Der Einfluss auf diese geht jedoch über den eigentlichen Erwerb nicht hinaus.

Es ist eine gefährliche Zeit im amerikanischen Hinterland, Bedrohungen lauern an jeder Ecke und es braucht Feingefühl, sie in Schach zu halten oder sie umgehen. Im Zweifelsfall fahrt ihr mit friedlichen Lösungen wie Handel oder der Zahlung von Erpressungsgeldern am sichersten. Für ein wenig mehr Sicherheit könnt ihr eine Crew anheuern, die unterstützt euch dann auch tatkräftig im Gefecht. In den Läden der Städte könnt ihr sie weiter ausrüsten. Ein übersichtliches Fähigkeitensystem erlaubt Spezialisierungen. Das macht die Reise spannender, jedoch ist die Mechanik für Pazifisten weitestgehend unnötig, die meisten der Talente und vor allem die Fähigkeiten sind auf den Kampf ausgerichtet.

Verliert ihr mehrfach eure Fracht, Passagiere oder verpasst Termine fallt ihr im Ansehen bei den Städten. Dies kann so weit gehen, dass ihr als Verbrecher gesucht werdet. Bei einer einzelnen Stadt ist das noch ein lösbares Problem. Fallt ihr allerdings bei den Regierungen der Nord- oder Südstaaten in Ungnade, werden ganze Regionen zur Gefahrenzone und der Handel nur noch sehr schwer möglich. Besonders unbeliebt macht ihr euch, wenn ihr beim Schmuggeln illegaler Ware erwischt werdet. Dann geht’s erst mal hinter schwedische Gardinen, das Rennen um das Unternehmen läuft derweil jedoch ohne euch weiter.

Das kann uns das Ziel, die 51% Unternehmensanteil zu erreichen schon ziemlich knifflig machen. Wie nehme ich an einer Auktion über Unternehmensanteile teil, wenn ich gar nicht erst in die Stadt komme oder nicht beliebt genug bin? Die Strafen in Bounty Train können sehr harsch sein, dabei wartet das nächste Ereignis schon in der nächsten Stadt. Zu blöd, wenn ihr eine Auktion verpasst, weil ihr hinter Gittern wart. Da sind Geschick und Weitsicht gefragt. Seid ihr zu unbeliebt, hat euer Kontrahent leichtes Spiel.

Die vordefinierten Ereignisse werden euch gerade in höheren Schwierigkeitsgraden vermutlich das ein oder andere Mal in Bredouille bringen. Häufiges Speichern und mehrere Spielstände erleichtern das Leben. Das automatische Speichersystem kann euch nämlich mit seinem einzelnen Spielstand in doofe Situationen bringen.

Es dauert nicht lange, bis ihr in Bounty Train regen Handel treiben könnt. Wer es einfach haben will, der fährt nach Aufträgen. Richtige Kaufleute behalten das Warenangebot im Überblick und Handeln nach Angebot und Nachfrage.

Bounty Train St. Louis

Der Bounty Train auf Abwegen

Von Kämpfen hatten wir schnell genug, auch wenn das Pausieren jederzeit möglich ist. Es wird spätestens mit Geschützen lästig, ständig die Feinde neu zu markieren. Du Depp, du siehst doch, dass da ein Bandit rennt, schieß doch einfach! Und wieso zum Geier ist der Winkel der Geschütze so eingeschränkt, wenn das Schlachtfeld so breit ist? Der Kampf wird wegen zu viel Mikromanagement schnell zur Geduldsprobe: Heiltränke nachwerfen, Sanitäter durch die Gegend schicken, Feuer löschen, das wurde uns alles zu viel.

Zu viel wurden uns mit der Zeit auch die ständigen Ladebildschirme zwischen Weltkarte und Städten. Die sind zwar kurz aber lästig. Hier wäre entweder Handel über die Weltkarte eine Lösung gewesen oder ein schnellerer Wechsel. Ein Wechsel kann nach einigen Stunden Spielzeit auch die Musik gebrauchen, die Titelmelodie ist zwar sehr stimmig und entspannend, auf Dauer jedoch nervtötend. Wenn man die gut zwölf Stunden Kampagne hinter sich hat, ist man durch. Das letzte Viertel zieht sich wie Gummi.

Aufgrund der gescripteten Ereignisse ist die Motivation zum erneuten Spielen nur begrenzt vorhanden, denn es steht ohnehin fest, was in welcher Reihenfolge passiert. Höchstens ein höherer Schwierigkeitsgrad könnte hier noch einen Reiz darstellen, den kann man sich übrigens selbst einstellen. Die meisten wird es hier jedoch ins Freie Spiel verschlagen, hier könnt ihr eure Handelstriebe ohne Zeitbegrenzung ausleben. Ziele müsst ihr euch aber selbst setzen und euch auch selbst motivieren.

Mein Fazit:

Bounty Train ist ein spaßiges Zugabenteuer. Der Handel erinnert uns sehr an Port Royal Zeiten, auch die Gesamtatmosphäre passt. Das Spiel weiß zu unterhalten, scheitert jedoch an einigen kleinen Holpersteinen. Nach Abschluss der Kampagne ist die Gefahr groß, nie wieder in die liebevoll gestaltete Welt zurückzukehren. Dabei ist der Ausflug in das 19. Jahrhundert prinzipiell spannend, wenn auch kurzweilig. Gelegenheitsspieler werden hier besser bedient sein als Hardcore-Gamer. Für eine Stunde zwischendurch ist der Titel ideal. Die meisten Mechaniken sind eingängig um auch nach längerer Auszeit noch im Kopf. Ideal um mal wieder einen Blick in die Welt zu werfen, ohne es neu lernen zu müssen. Bounty Train ist ein einfaches Spiel mit einfachen Ansprüchen an den Spieler. Somit ergibt sich ein gutes Gesamtpaket, das jedoch noch ein wenig Feinschliff gebrauchen kann. Dieser hätte vor dem Ende der Early-Access Phase gutgetan. Denn so missen wir Musikvielfalt und Spielanreize und haben etwas zu viel Mikromanagement und Ladebildschirme gesehen.

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