The Long Journey Home

The Long Journey Home Review

Entwickler:         Daedalic Studio West 
Publisher:          Daedalic 
Genre:              Erkundung, Simulation, Rollenspiel 
Plattformen:        PC
Preis:              ca. 39,99 Euro 
Offizielle Website: http://www.daedalic.de/

Wahrgewordener (Kindheits)-Traum

Schon als Kind faszinierte mich der Blick in den Sternenhimmel. Die Himmelskörper wirkten fast schon zum Greifen nah und doch befinden sie sich in unerreichbarer Ferne. In Filmen und Co. waren zudem Aliens ein beliebtes Thema. E.T. wollte unbedingt nach Hause telefonieren, in Independence Day wurden Außerirdische zur echten Bedrohung und Men in Black nahm sich der Sache mit viel Humor an. Solche Filme weckten bei mir die Neugier. Gibt es tatsächlich Aliens oder sind wir allein in den Weiten des Weltalls? Ich habe mich gefragt, wie Kreaturen auf anderen Planeten wohl aussehen könnten. Brauchen diese dieselben Lebensbedingungen, wie Lebensformen auf der Erde?

Ich habe mich immer gefragt, ob wir wohl zu meinen Lebzeiten außerirdischen Spezies begegnen werden und wie ein solches „Treffen“ wohl ablaufen würde. Immer vorausgesetzt, es gibt diese Spezies überhaupt. Wirklich weiter sind wir auf dem Gebiet aber nicht. Einige Forscher behaupten dieses, andere behaupten jenes – klare Antworten gibt es nicht. Außer man möchte Verschwörungstheorien als bare Münze nehmen. Nichtsdestotrotz begeistert mich das Thema bis heute und es reizt nach wie vor.

Genau deshalb habe ich mich auch lange auf The Long Journey Home gefreut. Das Spiel erinnerte mich vor der Veröffentlichung ein wenig an Star Trek Voyager. Ein Raumschiff strandet durch eine unglückliche Fügung des Schicksals weit weg von Zuhause und versucht wieder dorthin zurück zu kommen. Dabei warten Begegnungen mit anderen Spezies, fremde Händler, Ressourcen und schwierige Situationen auf die Besatzung.

Tatsächlich machen gerade diese Dinge in The Long Journey Home reichlich Spaß. Weniger spaßig ist der Part dazwischen. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um überhaupt Mal Land in dem Spiel zu sehen. Ein Stück weit ist daran wohl die Tatsache schuld, dass ich zunächst mit Maus und Tastatur gespielt habe. Das Manövrieren des Schiffs wird so schnell zur Geduldsprobe. Selbst wenn man reichlich Fingerspitzengefühl hat, kann der Versuch die Umlaufbahn eines Planeten anzusteuern zur Fummelarbeit ausarten. Meine ersten Abenteuer endeten daher oft sehr früh und tödlich. Das Spiel erklärt einem zwar was nötig ist, könnte in der Hinsicht aber gern den Spieler noch etwas mehr an die Hand nehmen. Vor allem Casuals macht man es so leider verdammt schwer.

Inzwischen ist es zum Glück deutlich besser geworden. Trotzdem habe ich – vor allem mit Maus und Tatstatur – nach wie vor meine Probleme, heil durch ein Meteoritenfeld zu kommen. Der Versuch dort Ressourcen zu bergen endet daher schon Mal mit Knochenbrüchen und Schürfwunden bei den Crewmitgliedern. Das Manövrieren im Weltall gehört definitiv nicht zu meinen Lieblingsaufgaben. Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass das noch nie meine Stärke war. Egal ob ich Stark Trek Online, Ace Combat oder GTA zocke – alles, was in der Luft oder im Weltraum ist, fordert meine Geduld heraus.

Project Daedalus: The Long Journey Home Sternensystem

Reise mit Höhen und Tiefen

Obwohl mir das Spiel zunächst gar nicht so sehr gefallen hat und ich die Lernkurve als etwas zu steil empfand, bin ich bei der Stange geblieben und es hat sich gelohnt. Trotz einiger Schwächen ist The Long Journey Home mehr als nur einen kurzen Blick wert. Zunächst einmal ist da die Tatsache, dass das Game nicht in irgendeine prall gefüllte Schublade passt. Es ist eines der wenigen Spiele, die ihren eigenen Weg gehen und nicht einfach übernehmen, was anderswo bereits funktioniert hat. Ich habe einige Spiele gezockt, die im Weltraum spielen – von Strategie bis Action. Keines davon ist auch nur ansatzweise mit diesem hier zu vergleichen. Natürlich erfindet das Game das Rad nicht gänzlich neu. Hier und dort erinnert es an bekannte Titel wie Faster Than Light und No Man’s Sky. Dennoch sind die Entwickler konstant ihren eigenen Weg gegangen und haben so etwas Einzigartiges erschaffen. Dadurch wirkt das Spiel erfrischend.

Der hohe Wiedererkennungswert ist aber nicht das einzige Plus des Spiels. Ich war bereits von No Man’s Sky fasziniert, weil mich auch dieses Spiel sehr an meine Kindheitsvorstellungen und -träume erinnert hat. The Long Journey Home macht einiges aber deutlich besser. Vor allem die Begegnung mit Aliens ist hier ausgesprochen gut gelungen. Es gibt mehr Vielfalt, deutlich umfangreichere Interaktionsmöglichkeiten und die ein oder andere unerwartete Wendung. Ein zunächst freundlich erscheinender Alien kann sich plötzlich als Lebensbedrohung entpuppen, während an anderer Stelle ein Konflikt dank Diplomatie doch noch begraben werden kann. Untermalt wird dies alles durch eine einfache und doch wunderschöne Grafik und einen hevorragenden Soundtrack.

Leider sind die eigenen Crewmitglieder nicht annähernd so interessant, wie die Lebewesen, denen ihr begegnet. Um es einmal ganz banal auf den Punkt zu bringen – ich könnte euch nicht Mal aus dem Stehgreif die Namen der zur Verfügung stehenden Charaktere aufzählen. Bevor ihr euer Abenteuer startet, wählt ihr nicht nur Schiff und Landungskapsel aus, sondern auch vier Crewmitglieder. Dabei stehen euch diverse Charaktere wie Forscher, Astronaut und Botaniker zur Verfügung. Die Idee ist nett – die Umsetzung aber nur durchschnittlich. Leider bleiben die Crewmember verdammt flach. Hin und wieder kommt es zu kurzen Dialogen und wenn Arbeit zu erledigen ist, habt ihr die Qual der Wahl und müsst entscheiden, wer wohl dafür am ehesten geeignet ist.

Letztlich nimmt euch das Spiel diese Entscheidungen allerdings ab, da entsprechende Textfelder Hinweise liefern, wen man mit welcher Aufgabe betreuen sollte und wen nicht. Ihr solltet hier um Himmels Willen auch keine tiefgründigen Beziehungen der Charaktere untereinander erwarten, wie man sie vor allem aus diversen Party-RPGs – zum Beispiel aus dem Hause BioWare – kennt. Schade, hätte man hier weniger Potenzial verschenkt, wäre der Wiederspielwert noch höher, da man von 10 wählbaren Charakteren nur vier mit auf die Reise nehmen darf. Aber gut, man kann schließlich nicht alles haben.

The Long Journey Home hat zweifelsohne ein paar Ecken und Kanten. Nichtsdestotrotz ist das Ding ein echter Knaller. Zwar ein Knaller, mit dem man nur sehr langsam warm wird, ist man aber erstmal in den Bann gezogen, will man so schnell nicht mehr mit dem Spiel aufhören. Überall warten neue Planeten, Aliens, Quests und Herausforderungen auf den Spieler. Alles wirkt lebendig, abwechslungsreich und überzeugend. Selbst die von mir nicht sehr geliebte Steuerung ist aus rein physikalischer Sicht nachvollziehbar und korrekt. Trotzdem hätte es mir persönlich besser gefallen, wenn man hier entweder eine optionale Variante für Dummies eingebaut hätte, oder ein wenig von den Gesetzen der Physik abgewichen wäre, um es zumindest ein Ticken einfacher zu machen.

Zum Glück ist der Rest vom Spiel viel zu interessant, um einfach aufzugeben und ihn zu ignorieren. Mich motivieren dabei vor allem die Rogue-like Anleihen des Spiels. Bei jedem Anlauf darf man hoffen, ein Stück weiter zu kommen, es endlich nach Hause zu schaffen, alle Crewmitglieder heil zu lassen und ein paar neue Dinge zu entdecken. Dank den Seeds kann man zudem schauen, wie man sich in Welten schlägt, die Freunde bereits bereist haben. Wenn man sich wie ich gern durchbeißt, darf man sich auf ein forderndes, packendes und einzigartiges Spiel freuen.

Ich bin schon jetzt gespannt, was mich auf meinem nächsten Abenteuer erwartet. Im Letzten sollte ich eine Prinzessin „entführen“. Nun eigentlich sollte ich nur diesen Anschein erwecken, da ein Verehrer der eigentlich überhaupt nicht gut genug für sie ist, ihre Aufmerksamkeit erlangen wollte. Also stöberte ich das Schiff ,auf dem sie reiste auf, stellte die Kommunikation her und feuerte nach gescheiterter Verhandlung mit Worten kurzerhand ein paar Warnschüsse ab, woraufhin man mir liebend gern die Prinzessin überlassen hat. Ein Händler weigerte sich, mir die Prinzessin als Sklavin abzukaufen, wies aber darauf hin, dass andere Händler sicher Interesse an einer Sklavin hätten. Als ich schließlich ziellos durch das Weltall reiste und auf die Übergabe wartete, ging mir der letzte Rest Treibstoff aus und ich musste hilflos mit ansehen, wie ein Crewmitglied nach dem anderen erstickte.

Für solche Erlebnisse liebe ich dieses Spiel, ganz egal, wie schwer es mir manchmal die Reise macht. Eigentlich möchte ich gar nicht, dass die Reise je zu Ende ist. Dort draußen warten so viele spannende Abenteuer auf mich. Ich möchte neue Wörter der Aliensprache lernen, mein diplomatisches Geschick ausreizen und den zahlreichen Gefahren die Stirn bieten. Jeder neue Tod motiviert mich mehr, beim nächsten Mal ein besserer Captain zu sein. Ich habe in diesem Review zwar nicht wenig gemeckert, aber der Gesamteindruck ist definitiv ein positiver. Der atmosphärische Soundtrack, die vielen Entscheidungen, die toll gestalteten Aliens, die Missionen, die sich immer ändernden Reisen, das einzigartige Spielgefühl, die vielen liebevollen Details und ganz viel Charme machen The Long Journey Home trotz Ecken und Kanten zu einem unvergesslichen Spiel – und mich zu Captain Janeway. Leider bin ich manchmal nicht ansatzweise so gescheit wie sie und steuere mein Schiff samt Crew schon Mal ausversehen in einen Gelben Zwerg. Im einfachen der beiden Schwierigkeitsgrade kann man dann zum Glück zurückspulen. Aber hey, niemand hat je behauptet, so ein Schiff weit weg von Zuhause befehligen wäre einfach!

Project Daedalus: The Long Journey Home Ruinen

Mein Fazit:

The Long Journey Home macht vieles richtig und unglaublich viel Spaß – verlangt vom Spieler jedoch viel Geduld. Kennt ihr diese Spiele, die ihr installiert, startet und bei denen ihr dann direkt so richtig abgeht? Hier dürft ihr ein solches Erlebnis auf gar keinen Fall erwarten. The Long Journey Home braucht ein wenig Eingewöhnungszeit und Geduld. Vor allem die Steuerung im Weltraum kann viele Nerven kosten, obwohl es physikalisch betrachtet sofort nachvollziehbar ist. Habt ihr euch irgendwann eingefunden, erwartet euch eine wunderbare Reise durch die Weiten des Weltalls, die mich sehr an Star Trek Voyager erinnert hat – im absolut positivem Sinne. Ihr landet durch ein unglückliches Ereignis weit weg von der Erde und müsst mit eurer vierköpfigen Crew den langen Heimweg antreten.

Dabei begegnet ihr Aliens, setzt auf Diplomatie, lasst Waffen sprechen und erlebt unerwartete Wendungen. All das, ohne dass The Long Journey Home sich wie die Kopie von irgendeinem anderen Titel anfühlt. Daedalic ist es hier tatsächlich gelungen, etwas Einzigartiges zu schaffen. Einzigartig ist auch jeder Spieldurchgang, weshalb der Wiederspielwert sehr hoch ist. Das Spiel bietet einen bunten Blumenstrauß aus Drama, Humor und natürlich dürfen auch ein paar Easter Eggs nicht fehlen. Und jetzt: Kaffee! Schwarz! Ich muss weiterreisen. Danke Daedalic Studio West, ihr habt mir einen Kindheitstraum erfüllt. Ich durfte zu den Sternen reisen und so unglaublich viel sehen und erleben. Bitte, bitte – bringt noch viel mehr Content für dieses Spiel raus.

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