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Shephy

Shephy Review (Nintendo Switch)

Entwickler:         ARC SYSTEM WORKS
Publisher:          ARC SYSTEM WORKS
Genre:              Kartenspiel, Taktik
Plattformen:        Nintendo Switch
Preis:              ca. 4,99 Euro
Offizielle Website: http://arcsystemworksu.com/

Taktisch anspruchsvoll, aber …

Die Nintendo Switch ist eine vielseitige Konsole, bedingt durch ihre Modi. So bietet sich etwa der Handheld-Modus super für kurzweilige Spiele an. Ein solches Spiel ist zum Beispiel das kürzlich erschienene Shephy. Der Titel ist ein Kartenspiel für Einzelspieler. Eure Aufgabe ist es, durch Geschick und Strategie aus einem einzelnen Schaf 1000 Schafe zu machen.

Gespielt wird über mehrere Runden, wobei in jeder ein Deck zur Verfügung steht. In dem finden sich allerlei nützliche Karten, mit denen ihr Schafe zum Beispiel verdoppeln oder aufwerten könnt. Beginnend mit einem Schaf mit dem Wert 1 arbeitet ihr euch zu einer Schafkarte mit dem Wert 1000 hoch. So lassen sich beispielsweise drei Karten mit dem Wert 10 zu einer Karte mit dem Wert 30 vereinen.

Die 1000 sind allerdings nur mit viel Übung und taktischem Geschick zu erreichen. Jedes Deck ist nämlich von zahlreichen Spielkarten mit negativen Effekten gespickt. Da gibt es zum Beispiel den Felsbrocken, der ein Schaf erschlagen wird und den bösen Wolf, der eine Karte im Wert sinken lässt. Die noch fieseren Karten nehmen alle Schafe aus dem Spiel. Passiert dies, ist das Spiel verloren. In jedem Deck sind unzählige Karten, die euren Schafen zu Leibe rücken. Oft hat man durch diese hohe Zahl eine Hand voller negativer Karten. Ausspielen müsst ihr trotzdem. Jeder Zug verlangt von euch, dass ihr eine Karte aus eurer Hand einsetzt. Dafür gibt es eine neue – bis das Deck der aktuellen Runde aufgebraucht ist. In dem Fall wird nur noch gespielt, was auf der Hand verbleibt, bis schließlich alles ausgespielt wurde. Ein einzelner falscher Zug reicht meist schon aus, um das Spiel zu verlieren. Shephy ist gnadenlos und knallhart.

Dabei ist das Spiel nicht einmal unfair, da es tatsächlich darauf ankommt, wann und wie man welche Karten ausspielt. Viele Spieler werden allerdings aufhören, ehe sie das Prinzip verstanden haben. Der Einstieg ist schonungslos und sehr frustrierend. Schnell entsteht das Gefühl, die Karten sind total unfair und man könne überhaupt nicht gewinnen. Als Anfänger lässt man sich rasch dazu verleiten, viele hochwertige Karten zu erzeugen. Schließlich ist es das Ziel des Spiels, am Ende das 1000er Schaf zu haben. Genau diese Idee wird der Schafherde allerdings rasch das Genick brechen. Ihr könnt zwar ein paar negative Karten mit anderen aus dem Spiel nehmen, werdet aber nicht darum herumkommen, die meisten zu spielen. Entscheidend ist auch hier, wann und in welcher Situation ihr die Karten spielt. Die Reihenfolge ist dabei der Schlüssel zum Sieg. Zusammen mit einer vielfältigen Schafherde.

Sofern man jemals den Punkt erreicht, Shephy zu durchschauen, macht das Spiel Spaß. Es ist ein angenehmer Begleiter für Zugfahrten und Co. – eben jene Situationen, in denen man auch ganz gern zu Smartphone-Games greift. Ein großer Teil der Spieler wird aber wohl vorher resignieren, was ich sehr gut nachvollziehen kann. Auch ich hätte es zunächst am liebsten direkt wieder deinstalliert. Wäre ich bei Spielen nicht sehr geduldig und bereit viel einzustecken, hätte ich wahrscheinlich einfach aufgegeben.

Dem Spiel täte ein Casual-Modus definitiv gut. Wer geduldig ist und gerne taktische Titel zockt, kann dem Spiel in seiner jetzigen Form eine Chance geben. Wer eher auf Fast Good Gaming steht sollte hingegen die Finger davon lassen. Shephy ist quasi das Dark Souls der Kartenspiele. In Solitär kann ein guter Spieler mit etwas Übung problemlos mehr als 90 Prozent Siegesquote erreichen. Schon auf dem Weg dahin hat man etliche Erfolgserlebnisse, wenn man sich nicht gänzlich schlecht anstellt. Hat man dann Mal den Dreh raus, kann man sich mit der deutlich schwereren Vegas-Variante bei Laune halten. Genau dieser Aspekt fehlt Shephy leider komplett.  Trotz Tutorial fühlt es sich als Neuling so an, als würde man bei Solitär direkt mit  Vegas anfangen. Dadurch vergrault das Spiel den Käufer zu schnell und es fällt schwer zu glauben, dass das in Japan ein beliebtes Boardgame sein soll.

Eigentlich schade. Die Aufmachung ist nämlich herzallerliebst. Das Design ist schlicht, nicht zu schrill und dadurch sehr angenehm für die Augen. Die Karten sind zudem sehr niedlich gezeichnet. Sofern man gut genug ist, kann man im „post loves“ Modus eine kleine Geschichte erleben. Leider ist der Storymodus auch nicht ohne. Wer je den Punkt erreicht die Spielmechanik zu meistern, kann sich zudem am Challenge-Mode probieren. Den meisten dürfte aber der stinknormale Modus mehr als ausreichend sein. Dabei ist das Spielprinzip richtig cool.

Shephy Screenshot 03

Mein Fazit:

Shephy ist ein taktisch forderndes Einzelspieler Kartenspiel, mit extrem steiler Lernkurve. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, man kann überhaupt nicht gewinnen. Tatsächlich ist es aber nur eine Frage der Strategie. Für Taktik- Fans mag das Spiel eine willkommene Herausforderung sein. Ungeduldige Spieler, die schnelle Erfolge mögen und sich nicht gern mit  Niederlagen aufhalten, sollten hingegen die Finger weit weg lassen. Shephy ist zu schwer, um die breite Masse anzusprechen. So niedlich es auch erscheinen mag – das Ding ist ein Wolf im Schafspelz. Ich persönlich spiele es gern, da es eine echte Kopfnuss ist. Allerdings bin ich schon lange Strategiespielen verfallen und SRPGs gehören zu meinen ständigen Begleitern. Ihr solltet trotz des geringen Preises nur zuschlagen, wenn ihr eine Herausforderung sucht und verlieren könnt, ohne gleich den Controller oder gar die ganze Switch gegen die Wand zu donnern. Wenn ihr es einen Hauch anspruchsloser mögt, stehen diverse Alternativen zur Verfügung. Oder ihr probiert zunächst die kostenlose Version für iOS oder Android aus und macht euch selbst ein Bild vom Spiel. Die Nintendo Switch-Version verzichtet auf Mikrotransaktionen, schlägt dafür aber mit 4,99 Euro zu Buche.

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