Yonder: The Cloud Catcher Chronicles

Yonder: The Cloud Catcher Chronicles Review

Entwickler:         Prideful Sloth
Publisher:          Prideful Sloth
Genre:              Erkundung, Entspannung
Plattformen:        PC, PlayStation 4
Preis:              ca. 22,99 Euro
Offizielle Website: https://www.yonderchronicles.com/

Vergleiche vs. Realität

Kürzlich erschien Yonder: The Cloud Catcher Chronicles. Schon vor der Veröffentlichung weckte der Titel bei vielen Spielern Interesse. Dafür waren nicht zuletzt zwei Vergleiche verantwortlich. Es hieß, dass Spiel erinnere an The Legend of Zelda und Stardew Valley. Diese beiden Vergleiche könnt ihr allerdings getrost vergessen. Wenn ihr tatsächlich an das Spiel herangeht und auf einen Klon in Richtung Zelda oder Farmsimulation hofft, wärt ihr am Ende vermutlich ziemlich enttäuscht. Yonder legt den Fokus stattdessen auf die Erkundung der Spielwelt.

Diese setzt auf einen schlichten Grafikstil. Obwohl der Titel auf hochaufgelöste Texturen verzichtet, wirkt die Spielwelt stimmig und sehr liebevoll gestaltet. Die Landschaft ist abwechslungsreich und optisch sehr schick. Es gibt zum Beispiel verschneite Berge, Wälder voll mit blühenden Bäumen und einen Sandstrand samt Palmen. Mein Screenshot-Ordner ist verdammt voll geworden, da es einige sehr hübsche Landstriche gibt.

Ihr schlüpft in Yonder: The Cloud Catcher Chronicles in die Rolle eines Kindes. Nach einem Schiffbruch verschlägt es euch auf die Insel Gemea. Das einst idyllische Königreich wird von der Düsternis bedroht, die viele Bereiche unzugänglich macht – zumindest zunächst. Ihr findet nämlich bei der Erkundung jede Menge Geister. Je mehr ihr habt, desto mehr Düsternis könnt ihr beseitigen. Teilweise umschließt sie nur kleine Bereiche, in denen eine Truhe als Belohnung wartet. Manchmal versperrt sie aber auch Wege, über die ihr in neue Regionen und zu einem anderen kleinen Dorf kommt. Gemea ist nämlich bewohnt.

In den Städten warten sogenannte Gildenmeister auf euch. Erfüllt ihr einen simplen Auftrag, könnt ihr Mitglied von Schneidergilde, Konstrukteurgilde und Co. werden. Dadurch erhaltet ihr Craftingrezepte und eine weitere Gildenaufgabe. Stellt ihr genug Items her, steigt ihr im Rang auf und bekommt neue Rezepte. Die Missionen wirken aber ziemlich uninspiriert, genauso wie der Rest der Quests im Spiel. In der Regel sammelt ihr Materialien und gebt die Quest dann ab. Story findet man in den Missionen kaum. Auch die Hauptquest ist ziemlich unspektakulär, da sie schon früh durchschaubar ist. Wer sich nur auf die Geschichte konzentriert, ist zudem nach weniger als fünf Stunden durch.

Yonder: The Cloud Catcher Chronicles Screenshot 01

Es wäre schön gewesen, wenn das Spiel mehr Tiefe haben würde. Die NPCs bleiben oberflächlich, was sie nicht sonderlich interessant macht. Im Grunde genommen sind sie nur belanglose Questgeber. Ähnlich belanglos sind übrigens die Farmen, die man errichten kann, wenn man genug Rohstoffe gesammelt hat. Die Idee ist ganz nett, aber Harvest Moon oder Stardew Valley Konkurrenz dürft ihr hier auf gar keinen Fall erwarten. Ihr könnt wilde Tiere mit Futter zu euch locken, ein paar Kleinigkeiten wie Futtertrog und Stall platzieren und Personal anheuern. Das Interesse am Farmleben verflog bei mir aber rasend schnell. Selbst wenn man Monate nicht auf seiner Farm vorbeisieht, hat es keine Auswirkungen. Irgendwann stapeln sich dann halt die Erzeugnisse in der Truhe. Kein Vergleich zu Farmsimulationen und auch nicht zu Hybriden wie Rune Factory oder Return to PoPoLoCrois: A Story of Seasons Fairytale.

Trotzdem macht Yonder: The Cloud Catcher Chronicles Spaß. Vorausgesetzt, ihr habt die passende Erwartungshaltung. Wer sich auf Yonder einlässt, sollte Freude am Erkunden haben. Der Star ist hier ganz eindeutig die liebevoll gestaltete Spielwelt Gemea, mit seinen farbenfrohen Landschaften. Man erkundet das Land, sucht neue Wege, sammelt hier und dort ein paar Ressourcen, handelt eventuell mit NPCs und löst nebenher ein paar Quests. Handelssystem, Farmleben, Missionsdesign, Crafting … all diese Dinge verzichten auf viel Tiefgang und komplexe Systeme. Dadurch ist der Titel ideal für jene Spieler, die es gern einfach mögen. Ein gutes Spiel, um abzuschalten, die Seele baumeln zu lassen und einfach nur die Welt zu genießen.

Wenn man länger am Stück spielt, wird es dann allerdings schon wieder schwierig. Yonder: The Cloud Catcher Chronicles ist für ein Stündchen oder zwei ganz nett. Sitzt man zu lang davor, kann es schnell monoton und ermüdend werden. Eben weil alles einfach gehalten ist und dem Spieler nicht viel abverlangt wird. Es gibt keine Kämpfe und man kann nicht sterben. Ich habe über drei Tage hinweg 11 Spielstunden gesammelt und dabei auch einen Großteil der Quests erledigt. Ich hätte aber einige Spielsitzungen deutlich früher beendet, wenn da nicht mein Review gewesen wäre. Viele Quests lassen sich noch an Ort und Stelle erledigen. Man erhandelt sich rasch die nötigen Items, oder liest die 10 Meter weiter auf. Nur selten muss man deutlich mehr Aufwand betreiben. So kommt flott Routine rein.

Der fehlende Anspruch mag nicht allen Spielern gefallen. Eltern sollten sich den Titel aber unbedingt näher ansehen, wenn sie für den Nachwuchs Spiele ohne Kämpfe suchen. Leider findet man in diese Richtung nur wenig. Yonder gehört zu diesem kleinen Kreis dazu. Es gibt zwar Werkzeuge wie Axt und Co., diese dienen aber nur der Beschaffung von Rohstoffen. Feinde und Kämpfe sucht man vergeblich. Auch der Grafikstil ist kindgerecht. Die Geschichte hat zwar durch die Düsternis einige etwas finsterere Momente, aber die sind harmloser Natur. Dadurch können auch relativ junge Spieler Gemea erkunden. Da der Titel sehr einfach ist, dürfte der Nachwuchs ohne große Schwierigkeiten den Abspann erreichen. Auch für Kids ohne viel Spielerfahrung eignet sich Yonder: The Cloud Catcher Chronicles.

Die größte Hürde ist meiner Meinung nach die Spielkarte. Die ist meistens in Ordnung, manchmal aber kaum hilfreich. Ich bin zum Beispiel zig Mal an einem Ort herumgerannt, weil dort laut Karte ein Stein der Weisen (Schnellreiseort!) sein sollte. Letztlich fand ich den unterirdisch in einem Höhlensystem, dessen Eingang ein ganzes Stück entfernt ist. Leider kennt die Map nicht mehrere Ebenen, was in solchen Momenten ärgerlich ist. Auch Wege sind nicht immer klar erkennbar. Ein Dorf in den Bergen ist gar nicht Mal so einfach zugänglich und ich musste ziemlich viel rumlaufen, bis ich endlich den Weg gefunden hatte. Etwas nervig ist es auch, wenn man Sprünge machen muss. So gibt es zum Beispiel eine Katze auf einem Felsvorsprung, den ich bis heute ums Verrecken nicht erreicht habe, weil meine Spielfigur immer wieder von den Felsen „abprallt“. Trotzdem kann ich über diese Dinge hinwegsehen. Ich mag diese Art von schlichten Spielen, die nur wenig Anspruch haben. Es gibt so Tage, da stresst einen der Alltag massiv und man möchte einfach nur noch Ruhe, den Tag hinter sich lassen und sich berieseln lassen. Spiele wie Yonder sind für diese Gelegenheiten ideal.

Lobenswert ist auch der offene Umgang der Entwickler. Bei Steam zeigen sich die sehr aktiv und hilfsbereit. Man darf gespannt sein, welche ambitionierten Pläne das Team in Zukunft umsetzen wird. Die Rede ist da unter anderem von Hochzeiten, mehr zum Erkunden und einem freien Baumodus. In jedem Fall wurden rasch einige Bugs beseitigt. Ich selbst bin über solche übrigens in meinen 11 Stunden nicht gestolpert. Yonder ist eines dieser Spiele, welches von einer konsequenten Weiterentwicklung und Contentupdates sehr profitieren könnte. Das Grundgerüst ist gut, lässt nach oben hin aber reichlich Luft. Daher hoffe ich, dass die Macher am Ende wirklich einige ihrer Ideen noch umsetzen und integrieren. Da ich trotz einiger Wermutstropfen meine Freude mit dem Titel hatte, werde ich auf jeden Fall die weitere Entwicklung verfolgen.

Yonder: The Cloud Catcher Chronicles Screenshot 04

Mein Fazit:

Yonder: The Cloud Catcher Chronicles ist ein gutes Spiel – wenn man mit der richtigen Erwartungshaltung rangeht. Die Vergleiche, die man im Vorfeld häufig gelesen hat, sind meiner Meinung nach völliger Blödsinn. Das Spiel hat weder viel mit Zelda gemeinsam noch sind da nennenswerte Einflüsse aus Stardew Valley oder Harvest Moon zu finden. Sicher, man kann Farmen haben – aber ein Reifen macht auch noch lange kein Auto. Ihr solltet das Spiel lieber als das betrachten, was es ist: ein eigenständiges Spiel. Das Spiel ist leider ein Paradebeispiel dafür, wie schädlich Vergleiche sein können.

Yonder: The Cloud Catcher Chronicles ist für jene Spieler interessant, die es gern entspannt mögen. Außerdem solltet ihr Freude am Erkunden haben. Es gibt keine Kämpfe und auch sonst keinerlei Möglichkeit, ins virtuelle Gras zu beißen. Stattdessen erkundet ihr eine liebevoll gestaltete Spielwelt, die optisch einiges hermacht. Ich habe etwa 11 Stunden für die Story und den Großteil der Quests benötigt. Dazu muss ich aber sagen, dass ich erst spät auf das Schnellreisesystem aufmerksam geworden bin. Das Spiel nimmt einen nach den ersten Erklärungen nicht mehr an die Hand. Muss es auch nicht – da die Mechaniken bei Crafting, Farmbetrieb, Handel und Co. sehr einfach gehalten sind. Für viele womöglich zu einfach, da man hier als Spieler kaum gefordert wird.

Ihr solltet euch Yonder: The Cloud Catcher Chronicles daher vor allem dann näher ansehen, wenn ihr Gefallen an der Erkundung findet. Darüber hinaus ist das Spiel für Kinder sehr gut geeignet. Es ist einfach und es kommen keinerlei Kämpfe im Spiel vor. Natürlich kann man hier auch als Erwachsener seine Freude mit haben. Vorausgesetzt, man hat kein Problem mit geringer Tiefe. Das typische Spiel, mit dem man ein paar schöne und entspannte Spielstunden verbringen kann. Als Mama genieße ich derlei Abenteuer sehr gern. Actionliebhaber dürfte das Game hingegen völlig kalt lassen.

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