Aven Colony

Aven Colony Review

Entwickler:         Motership Entertainment
Publisher:          Team 17
Genre:              Aufbaustrategie
Plattformen:        PC, PS4, Xbox One
Preis:              ca. 29,99 Euro
Offizielle Website: http://avencolony.com/

Die lange Reise nach Aven Colony

Es war einmal vor langer Zeit, da war Sim City der König der Aufbauspiele. Riesige Städte und komplexe Straßensysteme die Wohnung- Industrie- und Kommerzgebiete verbinden sorgten für stundenlange Unterhaltung. Am Horizont starten Flugzeuge, das Atomkraftwerk strahlt fröhlich vor sich her und vor der Nase fährt der Zug vorbei. Von der Maxis Traditionsmarke ist nicht mehr viel übrig. Das Genre der Wirtschafts- und Städtesimulationen ist längst andere Wege gegangen. Während City Skylines mittlerweile auf dem Städtethron sitzt, sind weitere Titel wie Banished aus dem Boden gesprießt, die Wirtschafts- mit Survivalelemente verknüpfen. Tropico geht 2018 mit El Presidente in die sechste Runde und Mothership Entertainment und Team17 möchten mit Aven Colony hoch hinaus.

Kleines Studio, großes Spiel

Es ist ja mittlerweile hinreichend bekannt, dass große Namen kein Garant für große Spiele sind. Immer mehr kleine Studios veröffentlichen Spiele die große Wirkung auf die Branche und Spieler zeigen. Mit vier Köpfen ist die Crew von Mothership Entertainment überschaubar, doch weisen die mit Marken wie Metroid Prime, Star Wars: The Old Republic und Dungeon Siege einiges an Erfahrung vor. Seit 2013 arbeiten sie an Aven Colony lassen jetzt den Titel auf die Spieler von PC, Xbox One und PlayStation 4 los. Seit letzten September hatten Spieler in der Beta bereits Gelegenheit begrenzt das Spiel zu testen und sich in die Entwicklung einzubringen. Wir haben zum Test die PC-Version vorliegen.

Aven Colony Screenshot 02

Unsere Kolonie auf Aven Prime

Zwei kurze Einführungsmissionen machen den Spieler bei Aven Colony mit den Grundlagen des Titels vertraut. Danach geht es los mit der ersten Kolonie in Vanaar. Es wird die erste von neun Kolonien sein, die Spieler auf Aven Prime errichten. Alles was euch die Tutorials nicht beigebracht haben, lernt ihr im Laufe der Missionen. Diese unterscheiden sich nach Haupt- und Nebenmissionen. Während die Nebenmissionen euch beispielsweise zum Handel und der Steigerung der Bevölkerungszahl treiben, haben die Hauptmissionen nur ein Ziel: die Errichtung einer überlebensfähigen Kolonie.

Farmen bieten die Grundlage für unterschiedliche Nahrungsmittel, Pumpen versorgen euch mit Wasser und Energie gewinnt ihr unter anderem durch Wind und Sonne. Luft gibt es aus Filtern und Ansauganlagen und Naniten sind eure fleißigen Helfer beim Bau. Doch Vorsicht vor dem Winter, denn der wird eure Farmen mit Eis bedecken, eure Ernte förmlich gefrieren und die Solarpanele in den Winterschlaf schicken. Schlaue Verwalter sorgen vor, indem sie Energie einspeichern oder auf andere Quellen setzen. Die Ernte kann auch in Gewächshäusern stattfinden, doch die haben einen grundsätzlich niedrigeren Ertrag und verbrauchen mehr Energie. Gewonnene Ressourcen könnt ihr später als nicht essbare in der Chemieanlage und als essbare in der Mühle weiterverarbeiten. So steigert ihr die Vielfalt an Produkten.

Nach ein paar Sonnen habt ihr den Dreh raus und hey, eure Kolonie floriert. Doch ihr werdet merken, je weiter sie wächst, desto mehr Zügel gibt euch Aven Colony in die Hand. Seuchen sind für eure Kolonisten ebenso eine Gefahr, wie riesige Sandwürmer und Blitzeinschläge durch Stürme. Doch all das geschieht Stück für Stück, sodass ihr euch zu keiner Zeit überfordert fühlt, viel mehr gefordert, alles im Auge zu behalten. Die Statusmeldungen tragen dazu bei, damit euch wichtige Dinge nicht entgehen.

Obwohl, manchmal könnte man sich weniger Meldungen unwichtiger Dinge wünschen. Ja schön, es hat ein Blitz im Blitzturm eingeschlagen … sag bloß. Die Meldungen sind im besten Fall eine Hilfe, das Interface solltet ihr nicht aus den Augen lassen. Dieses zeigt in all seiner Übersicht alle wichtigen Informationen an – Nahrungsversorgung, Wassermenge, Energiebedarf, Nanitenzahl, Bevölkerungszahl … Zusätzliche Layouts lassen weitere Informationen zur Kolonie und den Kolonisten einblenden, denn die haben logischerweise auch noch andere Bedürfnisse als Essen, Trinken und für euch zu schuften. Grundsätzlich gilt: Es gibt für jedes Problem eine Lösung, doch verschlaft ihr, weil ihr etwa alle Warnhinweise des Spiels ignoriert, erlebt ihr bald das große Sterben.

Kleiner Tipp: Stellt die Autosavezeit auf 10 Minuten hoch … ihr wollt nicht eine Kolonie mit 500 Menschen untergehen sehen, um festzustellen, dass das letzte Autosave just mitten in der Katastrophe war. Bei einem Standard-Intervall von 2 Minuten ist das höchst wahrscheinlich.

Besonders im hohen Schwierigkeitsgrad werden eure Kolonisten anspruchsvoller. Dann kommt auch das System der unterschiedlichen kleinen „Booster“ zu tragen. So erhöhen spezielle Nahrungsmittel beispielsweise die Moral der Bevölkerung. Aven Colony verzeiht zudem weniger Unaufmerksamkeiten, die Stimmung eurer Kolonisten wird weitaus schneller kippen.

Aven Colony Screenshot 05

Eine vielfältige Kolonie?

Erscheint euch das Spiel auf normalen Schwierigkeitsgrad doch zu schwer, könnt ihr für jede Mission beziehungsweise jede Kolonie den Schwierigkeitsgrad zu Beginn anpassen. So erhaltet ihr beispielsweise mehr Startrohstoffe, weniger Katastrophen und leichter zu befriedigende Bürger. Sind eure Kolonisten nämlich mit euch unzufrieden, werdet ihr über kurz oder lang entlassen und dürft von vorne anfangen. Prinzipiell kann hier von einem Politiksystem nicht die Rede sein, eher von Bespaßung der Bevölkerung. Die Gesamtmoral ist für die Wahl entscheidend und ihr habt viele Maßnahmen um darauf Einfluss zu nehmen. Es macht jedoch keinen merklichen Unterschied, ob die Zufriedenheit bei 70 oder 90 Prozent liegt.

Viel Tiefgang ist auch nicht bei der Geschichte von Aven Colony zu erwarten, Die begleitet die Hauptmissionen mit Dialogen. Diese sind im englischen Original vorhanden und Deutsch untertitelt. Insgesamt wirken die Dialoge in den zwei bis drei Stunden langen Missionen gestreckt, dennoch wecken sie eine gewisse Neugierde rund um die Geheimnisse von Aven Prime. Euer Hauptziel bleibt jede Mission gleich: Eine funktionierende Kolonie zu errichten. Als Belohnung erhaltet ihr neben dem Gefühl der Genugtuung noch ein paar Informationen zu dem Planeten und seiner Vergangenheit. Forschungsexpeditionen ergänzen dieses Erkundungsbild rudimentär, bieten jedoch keinen großen Mehrwert. Hier wäre mehr Luft zum Ausbau gewesen. Auch die Erforschung neuer Ressourcen für die Kolonie ist eher ein „Ich setz mal alles in die Warteschleife und warte bis es fertig ist“.

Bei der Vielfalt der Gebäude mag Aven Colony nicht an andere Titel heranreichen, doch dafür kann man hier tatsächlich von einer qualitativen Auswahl sprechen. Keines dieser ist unnötig, jedes erfüllt seinen Sinn und Zweck und tatsächlich nutzt man sie beinahe alle immer wieder. Das spricht vor allem für die Balance in der Funktion der Spielmechanik, lässt jedoch den Titel nicht ganz so imposant wie andere Genrevertreter erscheinen. Gleichzeitig nimmt es auch ein wenig an Tiefgang und Komplexität heraus, ohne jedoch langweilig zu werden. Für erfahrene Städteverwalter kann die Langzeitmotivation somit aber auch schneller auf der Strecke bleiben. Inhaltsupdates könnten hier Abhilfe verschaffen.

Insgesamt geht es meist darum, Hunderte Kolonisten zu verwalten, doch auch mehrere Tausend sind bei größeren Karten durchaus möglich. Karten gibt es in vier unterschiedlichen Biomen, jedes mit eigenen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Während der Kampagne des Spiels begegnen euch diese abwechselnd, im Open-World-Modus könnt ihr euch abseits der Geschichte eure Karte und die Spielbedingungen frei aussuchen.

Aven Colony Screenshot 07

Mein Fazit:

Aven Colony macht nicht nur Spaß, sondern sieht dank der Unreal Engine 4 auch noch schick aus. Die Musik und die Spielegeräusche halten sich diskret im Hintergrund und begleiten die oft malerische Kulisse. In dieser gestaltet ihr eure Kolonie nach eignen Vorstellungen, schützt sie gegen außerirdische Invasoren, Seuchen und Hungersnöte. Wenn die ersten harten Winter vorbei sind, werdet ihr vielleicht stolz die Nase rümpfen und euch kurz am Sinnbild der wachsenden Kolonie erfreuen, ehe ihr überlegt, was ihr als nächstes ausbaut.

Insgesamt bietet der Titel weniger Inhalt als andere Genrevertreter. Trotzdem kann die Qualität der Inhalte und der Großteil der Mechaniken überzeugen. Besonders die durchdachten Gebäude, das Bauprinzip, Ressourcenmanagement und das Moralsystem wissen zu gefallen. Dem entgegen stehen aber auch Schwächen, wie die mangelnde Komplexität. Insbesondere, was die Forschung und die Erkundung angeht, könnte Aven Colony mehr bieten. Das stört zwar nicht sehr, jedoch sind es unnötige Kanten am sonst runden Gesamtbild.

Für 30 Euro erhaltet ihr mit Aven Colony einen guten und unterhaltsamen Wirtschafts- und Aufbausimulator. Das Setting auf dem fremden Planeten Aven Prime überzeugt und unterhält für viele Stunden. Spaß ist bei dem Titel garantiert, doch auf lange Sicht wird einem der Gesamtumfang ein wenig schmal vorkommen. Bitte mehr davon!

Unterstütze meine Arbeit über ko-fi.com

Siehe auch

Vampyr

PlayStation Plus Oktober 2020: Need for Speed Paypack und Vampyr

Sony hat die PlayStation Plus Spiele für Oktober 2020 angekündigt. Spieler mit einem Plus-Abo erhalten …

Forza Motorsport 7

Xbox Game Pass: Forza Motorsport 7, Doom Eternal und mehr kommen in den Pass

In den kommenden Tagen und Wochen gibt es wieder Nachschub für den Xbox Game Pass. …

Kommentare Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen