RPG Maker Fes

RPG Maker Fes Review

Entwickler:         Kadokawa
Publisher:          NIS America
Genre:              RPG Maker, Spieleentwicklungstool
Plattformen:        Nintendo 3DS
Preis:              ca. 39,99 Euro
Offizielle Website: http://nisamerica.com/games/rpg-maker-fes/index.html

Eigene Spiele für den Nintendo 3DS entwickeln

Schon seit Jahrzehnten gibt es den RPG Maker, wenngleich der früher teilweise noch einen anderen Namen trug. Die beliebte Software, von der es inzwischen Dutzende Versionen gibt, ermöglicht es auch Laien ein eigenes Spiel zu erschaffen. Die meisten Versionen des RPG Makers erscheinen für den PC. Gelegentlich schafft es aber auch ein Ableger auf andere Plattformen – wie jetzt der RPG Maker Fes. Mit dem gibt es erstmals einen RPG Maker für den Nintendo 3DS.

Mit dem RPG Maker Fes könnt ihr euch an einem eigenen Spiel versuchen. Da die Software ohne Tutorial auskommt, werdet ihr hier zunächst ein wenig mit dem Interface rumprobieren müssen – außer ihr habt schon RPG Maker-Erfahrung gesammelt. Mit ein bisschen Eingewöhnungszeit und dem Stylus geht die Sache dann aber ganz gut von der Hand. Viele Dinge gehen auch ohne Stylus und via Buttons gut, wenn man sich eingewöhnt hat. Nur Dinge wie die Eingabe von Texten ist mit den Fingern eher schlecht. Längere Texte nerven einen aber auch, wenn man den Stylus einsetzt. In solchen Momenten wünscht man sich fix eine ordentliche Tastatur.

In der heutigen Zeit gibt es natürlich diverse Alternativen zum Klassiker. Selbst diverse bekannte und umfangreiche Grafikengines stehen zur Verfügung. Sofern man keine kommerziellen Zwecke verfolgt, häufig kostenlos. Trotzdem ist der Klassiker RPG Maker bis heute eine ideale Option für Einsteiger. So toll die modernen Möglichkeiten sind – selbst ein simples RPG Maker-Spiel erfordert viel Aufwand. Je ambitionierter und umfangreicher das Projekt, desto komplexer wird die Entwicklung. Als blutiger Einsteiger fordert der RPG Maker ausreichend. Eine Spielwelt ist natürlich rasch erstellt. Auch Waffen, Charaktere und Feinde sind keine allzu große Hürde. Wesentlich komplexer wird es dann aber, wenn es an die Ereignisse geht. Ohne diese, wird aber kein Spiel draus. Mit Ereignissen bringt ihr Handlungen, Dialoge und Co. ins Spiel.

So könnt ihr zum Beispiel einen NPC platzieren und bestimmen, dass der bei Berührung zu einem bestimmten Ort geht. Außerdem könnt ihr ihn Handlungen ausführen lassen und Dialoge festlegen. Dabei könnt ihr diverse Variablen verändern und so auch Details wie die Bewegungsgeschwindigkeit festlegen. Die Ereignisse dürften für Neulinge der schwierigste Part sein. Wenn ihr noch nie mit dem RPG Maker herumprobiert habt, empfehle ich einen Blick in das digitale Handbuch oder Tutorials, von denen man im Internet zahlreiche findet. Für den Anfang könnt ihr euch natürlich auch mit relativ einfachen Ereignissen begnügen, bis ihr euch an verzweigte setzt.

RPG Maker Fes Haus

Wenn euer Spielprojekt Kämpfe beinhalten soll, könnt ihr außerdem Gefechte planen, gestalten und entsprechende Spots platzieren. Die größte Schwierigkeit stellt dabei die Balance dar. Ihr müsst hier fleißig mit Werten jonglieren, wenn ihr nicht am Ende einen übermächtigen Helden möchtet oder Gegner, die euch zu Brei schlagen. Gegner müssen übrigens – wie auch Charaktere – zunächst erstellt werden. Insgesamt sind die Möglichkeiten vom RPG Maker Fes überschaubar. Jüngere PC-Versionen bieten deutlich mehr Umfang. Dazu muss man allerdings sagen, dass diese auch deutlich teurer sind, wenn sie nicht gerade im Angebot sind. Dafür bieten die PC-Fassungen die Möglichkeit, ein Projekt gegebenenfalls auch kommerziell werden zu lassen. Spiele die ihr auf dem 3DS mit dem RPG Maker Fes erstellt, können lediglich kostenlos mit anderen Spielern geteilt werden. Diese brauchen dafür nicht etwa den RPG Maker Fes, sondern nur die kostenlose Software RPG Maker Player. Diese gibt es im Nintendo eShop.

Das Angebot dort ist übrigens aktuell noch ziemlich überschaubar. Es gibt einige Projekte, wobei viele noch nicht fertiggestellt sind. Verwunderlich ist diese Tatsache nicht. Ein umfangreiches Spiel ist nicht in ein paar Stunden entwickelt. Spätestens wenn man sich die Bearbeitungszeit fertiger Projekte ansieht, wird einem dies auch bewusst. Obwohl die Möglichkeiten verglichen mit denen aktueller PC-Versionen des RPG Makers überschaubar sind, lässt sich einiges umsetzen. Apropos überschaubar – bevor ihr loslegt, solltet ihr euch die Zusatzinhalte ansehen. Es gibt einige, die kostenlos zur Verfügung stehen. Es lohnt sich, diese vor dem Start zu installieren, da ihr so einiges an Auswahl gewinnt. Wer darüber hinaus bereit ist Geld zu investieren, kann sich einige kostenpflichtige Erweiterungen holen. Bisher ist das Angebot noch sehr schmal.

Obwohl ihr beim RPG Maker Fes einige Abstriche hinnehmen müsst, kann ich diesen vor allem für Einsteiger auf dem Gebiet empfehlen. Wer bereits eine der neueren PC-Varianten ausprobiert hat, wird hier wohl enttäuscht sein. Andernfalls sind die Möglichkeiten des RPG Maker Fes mehr als ausreichend. Darüber hinaus bietet dieser durch seine nicht ganz so umfangreichen Möglichkeiten einen entscheidenden Vorteil: man wird nicht direkt überfordert. Der Aufwand, der hinter der Entwicklung eines Spiels steckt, wird gern unterschätzt. So mancher Nutzer eines RPG Makers war schon überrascht, wie kompliziert der Einstieg selbst mit diesem eher einfach gestricktem Tool sein kann. Wer die Einstiegshürde meistert und Blut geleckt hat, kann später immer noch Geld in eine der umfangreicheren PC-Varianten stecken und dort wenn gewollt mit Plugins und den zahlreichen DLCs arbeiten.

Die wohl ärgerlichsten Abstriche beim RPG Maker Fes sind die fehlende Möglichkeit eigene Sprites und Sounds zu erstellen und die überschaubare Anzahl solcher im Spiel. Daher noch einmal der Hinweis auf die teilweise kostenlosen DLCs, mit denen ihr hier zumindest etwas Abhilfe schaffen könnt. Trotz kleiner Mankos eine super Einstiegsmöglichkeit in den RPG Maker-Bereich. Obendrein profitiert ihr von der Mobilität des 3DS. Ich arbeite zum Beispiel ganz gern während meiner Homebike Sessions ein bisschen an meinem Projekt.

Mein Fazit:

Der RPG Maker Fes ist eine gute Wahl für Einsteiger. So verlockend alternative Angebote sind – die Spieleentwicklung wird oft völlig unterschätzt. So mancher dürfte selbst beim RPG Maker erstaunt sein, wie knifflig es ist, so ein Spiel bis ins letzte Detail auszuarbeiten. Balance und Ereignisse erfordern Geduld. Der RPG Maker Fes kommt dem Nutzer hier mit seinen überschaubaren Möglichkeiten sehr entgegen. Wer bereits die großen Brüder vom PC kennt und damit Erfahrung hat, wird hier hingegen enttäuscht sein. Es gibt in der 3DS-Variante eine überschaubare Menge an Sprites, keine Möglichkeit eigene zu erstellen und auch in Sachen Sounds muss genommen werden, was angeboten wird. Ein wenig kann man die Vielfalt erhöhen, indem man sich die kostenlosen und teilweise auch kostenpflichtigen DLCs installiert. Hier ist das Angebot bisher aber überschaubar.

Für Hobbyentwickler und Laien sind die vergleichsweise doch sehr eingeschränkten Möglichkeiten aber mehr als ausreichend. Wenn ihr erstmals Erfahrung im Bereich Spieleentwicklung sammeln möchtet oder nur kleine Projekte realisieren wollt, kann ich euch den RPG Maker Fes ans Herz legen, da die Lernkurve hier nicht so steil ist, wie anderswo. Wer kreativ ist, kann hier trotz Einschränkungen vieles realisieren – Einfallsreichtum vorausgesetzt. Für die Motivation ist es nicht verkehrt, zunächst bodenständig zu bleiben und in kleinen Dimensionen zu denken. Andernfalls kann rasch Frust aufkommen. Lasst euch nicht von 3D Entwicklung, modernen Engines und Co. blenden. Sicher gibt es viele Anwendungen inzwischen sogar kostenlos. Die Lernkurve ist hier aber eine ganz andere, als bei einem RPG Maker. Wenn ihr erfolgreich kleine Brötchen gebacken habt, könnt ihr euch immer noch an den größeren versuchen. Viele werden aber feststellen, dass die kleinen Bröchten schon ein bisschen was verlangen und es dabei belassen wollen.

 

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