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Hellblade: Senua’s Sacrifice Review

Entwickler:         Ninja Theory
Publisher:          Ninja Theory
Genre:              Abenteuer, Action-Adventure
Plattformen:        PC, PlayStation 4
Preis:              ca. 29,99 Euro 
Offizielle Website: http://www.hellblade.com/

Von Action zu Tiefgang

Entwickler Ninja Theory kennt man unter anderem durch Titel wie DmC: Devil May Cry, Heavenly Sword und Enslaved: Odyssey to the West. Alle genannten Spiele sind tolle Games, mit denen man sich einige Stunden gut unterhalten lassen kann. Mit Hellblade: Senua’s Sacrifice wollte das Entwicklerstudio allerdings mehr – viel mehr. Ninja Theory lässt euch in die Rolle der keltischen Kriegerin Senua schlüpfen. Das Setting hätte sich vermutlich wunderbar für einen Actionkracher geeignet. Genau den bekommt ihr mit Hellblade: Senua’s Sacrifice aber nicht. Stattdessen thematisiert das Spiel Mental Health.

Senua ist eine gebrochene Kriegerin, die sich in die Hölle der Wikinger begibt, da sie dort für die Seele ihres Geliebten kämpfen möchte. Dieser ist auf brutale Weise gestorben, was Senua offensichtlich nicht verkraftet hat. Sie leidet unter Psychosen und ihr Abenteuer gleicht dem langsamen Abstieg hinein in den Wahnsinn. Euer Ausflug hinein in eine Welt voller Mythen und Gefahren wird von Stimmen begleitet, die nur im Kopf von Senua existieren – für euch jedoch hörbar sind. Einige dieser Stimmen meinen es gut mit ihr. Sie wollen helfen, geben wertvolle Tipps. Andere verspotten sie frei heraus.

Ninja Theory hat während der Entstehung des Spiels eng mit Wissenschaftlern und betroffenen Personen zusammengearbeitet und so ein unglaubliches Spiel geschaffen. In Sachen Gameplay ist der Titel nicht herausragend, fast schon banal. Die Inszenierung hebt es aber auf ein Level, den nur die wenigsten Spiele erreichen. Senua ist eine tiefgründige Protagonistin, die glaubhaft erscheint. Dadurch fällt es leicht, sie und ihre Reise in die Hölle nachzuvollziehen. Das Spiel eröffnet eine Sicht auf das Thema Mental Health, die in dieser Form kein anderes Medium auftun kann.

Hellblade: Senua’s Sacrifice Screenshot 02

Mit Feingefühl an ein Tabu-Thema

Spiele wie Hellblade: Senua’s Sacrifice sind es, die wichtig für die gesamte Branche sind. Das Spiel zeigt, dass Games viel mehr als nur oberflächliche Unterhaltung sein können. Versteht mich nicht falsch – es muss nicht jedes Spiel dieses Niveau und diese Ernsthaftigkeit haben. Titel dieser Art helfen allerdings dabei, das Verständnis für das Medium Spiele zu ändern. Noch heute haftet Videospielen ein sehr negativer Ruf an. Bewerber überlegen sich nicht selten sehr gut, ob sie Gaming als Hobby angeben sollen. Noch immer schämen sich Menschen dafür, wenn sie Gamer oder Gamerinnen sind. Häufig wird Spielern suggeriert, dass sie ihre Freizeit für sinnlosen „Mist“ verplempern. Natürlich sind derlei Aussagen völlig oberflächlich. Spiele sind aber nach wie vor ein junges und nicht selten verachtetes Medium. Schlägt man eine Zeitung auf, findet man dort zwar Spalten mit Artikeln über Musik, Filme und Serien – aber nur selten über Spiele.

Hellblade: Senua’s Sacrifice ist aber nicht nur ein Gewinn für die Spielebranche. Das Thema Mental Health ist bis heute ein schwieriges. Betroffene werden häufig abschätzig behandelt. Man bedenkt sie mit unpassenden Sprüchen wie „Reiß dich halt zusammen.“ und „Heutzutage behauptet doch jeder Burnout zu haben, wo ist die Arbeitsmoral hin?“ Menschen sprechen, Betroffenen oft ab, tatsächlich krank zu sein. Dabei können seelische Erkrankungen nicht minder schwerwiegend sein, als körperliche Erkrankungen. Viel zu oft stimmt das Bewusstsein für Mental Health hinten und vorne nicht. Daran muss sich dringend etwas ändern.

Hellblade: Senua’s Sacrifice Screenshot 05

Gut gewählte Stilmittel

Hellblade: Senua’s Sacrifice gelingt es, die seelische Erkrankung von Senua nachvollziehbar und verständlich zu inszenieren. Da sind zum Beispiel die zahlreichen Runen, die wir während des Spiels suchen müssen, um weiterzukommen. Bisweilen wirkt dieses System verwirrend, wirr und abstrakt. Wir dürfen dabei aber nicht aus den Augen verlieren, dass Senua eine Psychose hat und es in ihrem Kopf ganz anders aussieht, als in dem eines gesunden Menschen. Sie sieht Zusammenhänge, wo vielleicht gar keine sind. Sie sieht die Welt mit ihren eigenen Augen und nimmt die Dinge gänzlich anders wahr. Die Atmosphäre ist zudem immer ein wenig beklemmend, da immer der Tod im Nacken sitzt. Stirbt Senua, frisst sich die schwarze Fäulnis ihren Arm hinauf. Erreicht diese ihren Kopf, ist das Abenteuer vorbei – gänzlich. Ihr müsst in diesem Fall von vorn beginnen. Mit jedem virtuellen Ableben steigt die Verlustangst. Es ist schwer ersichtlich, wie viele Versuche man hat, ehe die schwarze Fäulnis ihren Kopf erreicht. Daher hat man mit jedem Tod mehr Angst um seinen Speicherstand.

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung wurde reichlich über den Permadeath gesprochen. Als die Mechanik bekannt wurde, erlangte das Thema rasch die Aufmerksamkeit von Spieleseiten, die darüber berichteten. In zahlreichen Kommentarspalten wurde darüber diskutiert, ob man diese Mechanik gut finden soll. Meiner Meinung nach ist sie ein großartiges Stilmittel, dass sich wunderbar in das Gesamtbild einfügt. Ihr müsst übrigens keine Angst haben. Das Spiel lässt sich einerseits auf „Leicht“ stellen, andererseits müsst ihr ohnehin verdammt oft ins Gras beißen, ehe der Permadeath einsetzt. Ninja Theory knallt euch hier also nicht einfach einen fiesen Stein in den Weg.

Eines der wichtigsten Stilmittel ist die musikalische Untermalung. Sofern ihr Kopfhörer zur Verfügung habt, solltet ihr diese nutzen. Ich war zunächst skeptisch, ob ich wirklich meine billigen Kopfhörer nehmen soll. Ich bildete mir ein, ich müsse mit meinem Lautsprechersystem und den um mich herum verteilten Boxen in jedem Fall besser fahren. Diese Annahme war allerdings ein Irrtum. Das Spiel setzt auf einen sogenannten 3D-Sound. Den könnt ihr nur wahrnehmen, wenn ihr auf Kopfhörer zurückgreift. Es lohnt sich! Durch die binaurale Tonaufnahme wird eine beeindruckende Atmosphäre erzeugt.

Zu dieser Atmosphäre trägt auch das nicht vorhandene HUD bei. So könnt ihr die weitestgehend gelungene Spielumgebung ohne Störfaktoren wirken lassen. Die Spielwelt ist düster, mystisch, kühl und unwirtlich. Stellenweise ein wenig zu belanglos. Hier und dort hätte man sicher noch mehr aus der Spielwelt hinausholen können. Sie ist insgesamt doch relativ schlicht. Ebenso schlicht ist auch das Kampfsystem, welches mit sehr wenigen Tasten auskommt. Es ist dadurch auch relativ leicht zu lernen. Trotzdem hat man vor den Kämpfen durch das bereits erwähnte Permadeath-System Respekt. Dazu kommt, dass das Kampfsystem zwar simpel ist, die Gegner aber durchaus knackig sind. Viele Fehler dürft ihr euch nicht erlauben, sonst liegt Senua im Dreck. Bei den Kämpfen kommen zudem die Stimmen in Senua’s Kopf zum Tragen. Diese rufen ihr zum Beispiel eine Warnung zu, wenn hinter ihr ein Gegner erscheint. Aber auch ein Blick in die geweiteten Augen von Senua berührt. Ihre überzeugende Ausdrucksfähigkeit verleiht ihr Glaubwürdigkeit. All diese Stilmittel zeichnen ein sehr stimmiges Gesamtbild, die das Spiel für mich zum besten Game machen, welches ich dieses Jahr gespielt habe. Ich lege euch das Spiel ans Herz und rate jedem Käufer dazu, sich die Zeit für das Video zu nehmen, welches man über das Hauptmenü anwählen kann.

Hellblade: Senua’s Sacrifice Screenshot 04

Mein Fazit:

Hellblade: Senua’s Sacrifice ist ein beeindruckendes Spiel. Ich bin fasziniert, was die Entwickler hier trotz schmalem Budget geschaffen haben. Der Titel mag einige Schwächen haben. Das Rätseldesign ist zwar passend, aber wenig abwechslungsreich und schwach. Die Spielumgebung hätte zudem mehr Potenzial gehabt und das Backtracking nervt. Diese Kleinigkeiten schmälern aber nicht das immer noch fantastische Gesamtbild.

Ninja Theory ist es gelungen mit Senua eine Protagonistin zu inszenieren, deren Psychosen nachvollziehbar wirken. Man bekommt zumindest ein ungefähres Gefühl dafür, wie es wohl sein muss, wenn man Stimmen hört. Das Spiel vermittelt das Gefühl, dass die Erkrankung von Senua immer weiter fortschreitet. Beim Spielen wird man stets von einem beklemmenden Gefühl begleitet. Dafür sorgt unter anderem das interessante Permadeath-System. Eines der Highlights ist zudem der hervorragende 3D-Sound. Schon allein um diesen zu erleben, lohnt sich das Spiel. Abgerundet wird das Spielerlebnis durch seine schlichte aber stimmige Inszenierung. Man verzichtet auf ein HUD und das Kampfsystem kommt mit wenigen Tasten aus. Trotzdem sind die Kämpfe herausfordernd. Dazu kommt eine düstere und ansehnliche optische Gestaltung. Das Gesamtbild ist in Hellblade: Senua’s Sacrifice gut aufeinander abgestimmt. Ton, Bild und Spielgefühl ergänzen sich gut.

Die Entwickler haben mit Feingefühl ein Spiel geschaffen, das einem so schnell nicht aus dem Kopf geht. Es ist schwer einem Thema wie Mental Health gerecht zu werden, Ninja Theory gewährt uns einen interessanten Einblick. Ich ziehe meinen Hut vor dieser Leistung und hoffe, dass wir künftig mehr Spiele bekommen, die sich solch schwerer Tabu-Themen annehmen.

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