Startseite » Review » Pillars of Eternity Complete Edition Review (Xbox One und PlayStation 4)
Pillars of Eternity

Pillars of Eternity Complete Edition Review (Xbox One und PlayStation 4)

Entwickler:         Obsidian Entertainment, Paradox Arctic
Publisher:          Paradox Interactive, 505 Games
Genre:              Rollenspiel, Party-RPG
Plattformen:        PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 49,99 Euro 
Offizielle Website: https://eternity.obsidian.net/

Klassik trifft auf Moderne

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das Genre Rollenspiel stark gewandelt. Aktuelle Rollenspiele haben oft nicht mehr viel mit Klassikern gemeinsam. Lange Dialoge liest man nur noch selten, die Story wird häufig durch schicke Zwischensequenzen vorangetrieben und Actionelemente lassen so manches Spiel mehr wie einen Actiontitel als ein Rollenspiel erscheinen. Auch die klassische Party ist heute nicht mehr annähernd so häufig zu finden, wie einst. Wer am PC spielt, findet dort aber nach wie vor einige klassische Rollenspiele. Diese scheinen seit einigen Jahren sogar wieder im Trend zu liegen, wenngleich der nicht annähernd so groß ist, wie der um MOBAs und Survivalspiele. Da man sich mit Rollenspielen naturgemäß ziemlich lang beschäftigen kann, hat Langeweile kaum eine Chance. Schwieriger ist es dann schon, wenn man sich im Bereich Konsolen umsieht und es klassisch mag.

Old-school-RPGs sind nicht das geeignetste Genre für Heimkonsolen. Maus und Tastatur fühlen sich bei derlei Spielen deutlich natürlicher an. Trotzdem gibt es immer wieder Entwickler, die bereit sind Arbeit in eine Portierung zu stecken und sich bemühen, die Steuerung an Controller anzupassen. So auch Obsidian Entertainment. Nachdem 2015 Pillars of Eternity für den PC erschienen ist, erscheint der Titel nun auch für PlayStation 4 und Xbox One. Dort allerdings direkt als Pillars of Eternity Complete Edition. Der Name ist Programm. Neben dem Hauptspiel sind auch die zwei Erweiterungen The White March Part I und II enthalten.

Portiert wurde das Spiel von Paradox Arctic. Erfreulicherweise dürft ihr den Titel auch ganz „altmodisch“ als Retailversion erwerben. Fans klassischer Rollenspiele können dem Spiel auch auf der Konsole getrost eine Chance geben. Wer sich zu diesen zählt, sollte sogar. Der Titel wurde ordentlich an die Controllersteueung angepasst und geht gut von der Hand. Sicher erscheinen die Menüs bisweilen etwas verschachtelt und die Steuerung ist nicht so simpel, wie in einem modernen Actionrollenspiel – aber es lohnt sich. Spätestens nach wenigen Spielstunden hat man sich ohnehin an die relativ komplexe Steuerung gewöhnt und findet auf Anhieb den Weg durch die Menüs.

Ich habe die Pillars of Eternity Complete Edition auf der Xbox One gespielt, wo der Titel optisch eine gute Figur macht. Er versprüht den Charme klassischer RPGs und spielt sich auch so. Dadurch entstehen allerdings auch Nachteile. Wer kein Problem mit viel Text hat, darf sich auf unzählige Dialoge, Entscheidungen und Schriftstücke freuen. Lesemuffel dürften hingegen schnell die Lust am Spiel verlieren. Man muss gewillt sein etwas Zeit ins Lesen zu investieren, wenn man etwas von der interessanten Lore mitbekommen möchte. Vieles ist zwar vertont, allerdings nur Englisch.

Der Titel verlangt zudem von euch, dass ihr euch ernsthaft mit der Materie beschäftigt. Da es sich um ein klassisches Party-RPG handelt, müsst ihr eure Gruppe auch verwalten, befehligen und ausrüsten. Dazu ist einiges an Mikromanagement nötig. Klingt alles ein wenig angestaubt? Ist es aber nicht. Obwohl Pillars of Eternity Complete Edition ein Rollenspiel mit viel Retrocharme ist, haben die Entwickler diverse moderne Features implementiert. So könnt ihr Items zum Beispiel leicht miteinander vergleichen und wenn euer Inventar seine Grenzen erreicht, geht gesammelter Loot automatisch in eine sehr großzügige Kiste. Eine der wichtigsten „Neuerungen“ ist aber zweifelsohne das Tutorial. Wer schon zu den älteren Semestern gehört erinnert sich vermutlich noch an Zeiten von fehlenden Tutorials und dicke Handbücher. Aktuelle Spiele sind oft so einfach, dass ein Handbuch völlig überflüssig wäre. Ohnehin sind diese gänzlich aus der Mode geraten. Pillars of Eternity setzt allerdings auf ein komplexes Regelwerk, weshalb das Tutorial auch eingefleischten RPG-Fans Hilfestellung leistet.

Doch wozu all diese Dinge? In Pillars of Eternity erstellt ihr euch einen Charakter nach dem eigenen Geschmack und legt dabei Fähigkeiten, Rasse, Klasse, Aussehen und Co. fest. Ihr schmiedet eure eigene Geschichte und müsst während eures Abenteuers zahlreiche Entscheidungen treffen. Möchtet ihr euch als Rüpel geben, oder sanftmütig agieren? Helft ihr der Mutter in Not, oder lasst ihr sie eiskalt abblitzen? Setzt ihr im Kampf auf rohe Gewalt, oder möchtet ihr lieber zurückhaltender agieren und auf Fernkampf setzen? Zauber oder reine Körperkraft? Fragen über Fragen. Auch eure Gruppe stellt ihr ganz nach eurem Geschmack zusammen. Ihr werdet diversen Charakteren begegnen, die sich euch bereitwillig anschließen – wenn ihr denn wollt. Oder ihr heuert euch im Wirtshaus Söldner an und verpasst denen Aussehen und Co. nach eigenem Gusto.

Euer Abenteuer führt euch in die Fantasywelt Eora. In der werden Lebewesen nach ihrem Tod wiedergeboren. Die Erinnerungen an das alte Leben verschwinden aus dem Gedächtnis. Anders sieht es jedoch bei unserem Protagonisten oder unserer Protagonistin aus. Der ist nämlich ein sogenannter Wächter. Ihr erinnert euch nicht nur an eure eigenen längst ausgehauchten Leben, sondern könnt auch jenes anderer Charaktere sehen. Vorausgesetzt, es sind keine Hohlgeburten. Jene Kinder werden ohne eine Seele geboren. Niemand vermag zu sagen, warum Kinder als solche Hohlgeburten das Licht der Welt erblicken. Sie bringen jedoch großen Kummer über die Bewohner des Dyrwald.

Mein Fazit:

Die letzten Jahre habe ich mich vor klassischen Rollenspielen gescheut. Meine Kinder ließen mir kaum einen Abend Freizeit und ich hatte Angst, mich schnell in solchen Spielen zu verlieren. Inzwischen sieht es zeitlich zum Glück wieder rosig aus und ich darf nun die Pillars of Eternity Complete Edition genießen. Ein Genuss ist das Spiel im wahrsten Sinne des Wortes. Obsidian ist es gelungen, ein klassisches Rollenspiel zu entwickeln, welches ein komplexes Regelwerk bietet und gleichzeitig einige moderne Features einsetzt. Dadurch spielt sich der Titel angenehm und er wirkt keinesfalls angestaubt. Trotzdem bleibt der Retrocharme erhalten.

Wer klassische Rollenspiele mag, kommt auch auf Xbox One und PlayStation 4 nicht um Pillars of Eternity Complete Edition herum. Man kann dem Titel nur wenig ankreiden. Die Framerate neigt selten zu spürbaren Einbrüchen, die Ladezeiten könnten ein wenig kürzer ausfallen und das Mikromanagement ist manchmal etwas anstrengend mit dem Controller. Bei der Qualität des Spiels kann man über diese Kleinigkeiten aber problemlos hinwegsehen und sollte es auch. Das Spiel ist zweifelsohne eines der besten Rollenspiele, welches in den letzten Jahren erschienen ist. Pflichtkauf!

Schreibe etwas dazu!

avatar
2000
  Kommentare Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: