Divinity: Original Sin 2

Divinity: Original Sin 2 Review

Entwickler:         Larian Studios
Publisher:          Larian Studios
Genre:              Rollenspiel, 
Plattformen:        PC
Preis:              ca. 44,99 Euro 
Offizielle Website: http://divinity.game/de

Deine Entscheidungen, dein Spiel!

Nur wenige Tage nach Launch von Divinity: Original Sin 2 gab es die erste Erfolgsmeldung. Mehr als 500.000 Mal wurde der Titel nicht einmal eine Woche nach Release verkauft. Warum dieser Erfolg absolut verdient ist und vermutlich diverse Meilensteine folgen werde, verrate ich in meinem Divinity: Original Sin 2 Review.

Auf den ersten Blick ist Divinity: Original Sin 2 einfach ein Rollenspiel alter Schule. Auf den zweiten versteht es sich vorzüglich darin, dem Wort Rollenspiel tatsächlich gerecht zu werden. Los geht es bereits bei Spielstart. Ihr entscheidet, ob ihr in eine vorgefertigte Rolle schlüpft und einen der Origin-Charaktere wie den Untoten Fane oder die Elfe Sebille nehmt oder ihr euch nach eigenem Gusto einen Charakter erstellt. Die „fertigen“ Charaktere bieten eine eigene Vorgeschichte, die auch im Spiel selbst zum Tragen kommen wird. Ich rate daher dazu, unbedingt einen Spieldurchgang mit einem solchen Origin-Charakter zu wagen.

Steht ihr schließlich nach der Charaktererstellung in der Spielwelt von Divinity: Original Sin 2, wartet ein Abenteuer voller Entscheidungen auf euch. Teilweise sind dies nur banale Dinge wie die Frage, ob ihr einen Diebstahl wagen wollt oder lieber auf ehrliche Weise euer Brot verdient. Oft entscheidet ihr aber auch über Leben und Tod von Charakteren. Erfreulicherweise beschränkt sich das Spiel dabei nicht nur auf den gängigen Klassiker gut, böse und neutral. In Divinity kommen viel mehr Facetten zum Tragen. Jeder Charakter hat seine ganz eigenen Züge und kann häufig dementsprechend handeln. Auch ist eine scheinbar sinnvolle Antwort keineswegs immer zielführend. Wie gut eure Überzeugungskünste sind, hängt unter anderem auch davon ab, wie der Gegenüber zu euch steht und ob ihr entsprechend geskillt habt. Sehr gut haben mir auch die vielen humorvollen Antwortmöglichkeiten gefallen. Sie passen zwar nicht zu meinem Spielstil, ich habe aber immer viel Freude, sie zumindest zu lesen. Die Qualität der Dialoge ist übrigens gut – auch in der deutschen Übersetzung. Das Spiel setzt euch zwar relativ viel Text vor, der liest sich aber sehr gut.

Divinity: Original Sin 2 ist ein Rollenspiel voller Details und Feinheiten. Vergleichbar mit einem Geflecht voller kleiner Zahnräder, die ein großes Ganzes antreiben. Aus Sicht eines Rollenspiel-Fans bin ich absolut begeistert. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass ich mein Rollenspiel des Jahres bereits gefunden habe. Beim Spielen habe ich das Gefühl, ich schlüpfe tatsächlich in eine Rolle und bestimme deren Entwicklung. Sowohl durch mein Build als auch durch meine getroffenen Entscheidungen.

Die ultimative Lösung gibt es hier nicht. Ihr habt die Wahl, ob ihr es offensiv angehen möchtet, zunächst versucht viele Informationen zu beschaffen oder ihr es unauffällig angehen lasst und im Schatten agiert. Ihr könnt eine Situation mit roher Gewalt lösen – oder ihr habt eine goldene Zunge und überzeugt mit Worten.

Divinity: Original Sin 2 Screenshot 05

Knackige Kämpfe und noch verbesserungsfähige Balance

Apropos offensiv: die rundenbasierten Kämpfe werden euch viel Geschick abverlangen. Selbst im einfachsten Schwierigkeitsgrad werdet ihr nicht durch das Spiel durchmarschieren. Es ist wichtig, eine Gruppe zu haben, die zu eurem Spielstil passt. Darüber hinaus solltet ihr euch gründlich mit dem Kampfsystem, Umgebungseffekten und euren Fähigkeiten auseinandersetzen. Andernfalls kann es eure Gruppe sehr schnell zerlegen. Wer es besonders herausfordernd mag, kann sich auch als Einzelgänger durch das Spiel schlagen und sämtliche möglichen Partymitglieder am Wegesrand zurücklassen. Für Rollenspiel-Veteranen ein interessantes Angebot. Die meisten Anfänger dürften daran allerdings scheitern.

Anfänger sind übrigens ein guter Stichpunkt. Ich habe mir für mein Review viel Zeit gelassen und daher auch mitbekommen, wie sich der Titel über mehrere Updates hinweg entwickelt hat. In Sachen Schwierigkeit ist der Titel inzwischen deutlich ausgeglichener. Die Balance war zunächst wesentlich unausgereifter. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der Titel im einfachsten Schwierigkeitsgrad noch ein wenig nach unten korrigiert werden sollte. Divinity: Original Sin 2 ist ein herausragend gutes Rollenspiel. Umso schöner wäre es, wenn man mehr Spielern die Chance geben würde, den Titel zu genießen. Natürlich sind sämtliche Situationen mit der richtigen Taktik zu meistern. Wer weniger Erfahrung mit derlei fordernden Spielen hat, dürfte aber rasch an seine Grenzen stoßen.

Das Rollenspiel ist sehr komplex und das Kampfsystem bietet viele Feinheiten. So entscheidet eure Position zum Beispiel über die Höhe des Schadens. Eine erhöhte Position bringt euch einen Vorteil ein, während eine niedrige Position den Schaden reduziert. Umgebungseffekte können neutralisiert werden – zum Beispiel indem ihr Giftfelder einfach verbrennt. Dabei sind allerdings Kenntnis und Dynamik gefragt.  Die Gegner können zum Beispiel Ölfässer zerstören und dann mit einem Feuer eine Brandfläche schaffen. Ihr müsst lernen, euch auf derlei Situationen einzustellen. Selbstverständlich könnt ihr sie euch auch zunutze machen. So könnt ihr zum Beispiel selbst Ölfelder entzünden, nachdem ihr die Feinde hineingelockt habt. Damit Gegner überhaupt Schaden einstecken, müsst ihr deren Verteidigung allerdings senken. Die Tiefe des Kampfsystems ist für Rollenspiel-Fans ein Gewinn. Macht den Einstieg allerdings für unerfahrene Spieler schwer.

Die Balance ist trotz einiger Updates noch nicht perfekt. Dadurch haben nicht nur Anfänger zu knabbern, sondern auch Spieler, die auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad ins Abenteuer starten. Ich habe den ein oder anderen Spielstand während meiner Spielzeit geladen, da ich an manchen Situationen schlicht gescheitert bin. Hier darf man aber zuversichtlich sein. Larian hat nach Launch diverse Bugs ausgemerzt und die Balance spürbar verbessert. Daher kann angenommen werden, dass das Studio die letzten Schnitzer auch noch ausradiert.

Da wir gerade bei Änderungswünschen sind, möchte ich auch die Kampfkamera erwähnen. Die ist von der Idee her wirklich super. Sie soll es euch ermöglichen, im Kampf einen besseren Überblick zu haben. Manchmal funktioniert genau das auch sehr gut. Manchmal hingegen überhaupt nicht. Vor allem in „verschachtelten“ Kampfszenarien ist es manchmal sehr unübersichtlich. Teilweise ist die Kamera mehr Fluch als Segen.

Divinity: Original Sin 2 Screenshot 03

Guten Freunden gibt man …

… einen Platz in der Party. Divinity: Original Sin stand vor allem deshalb sehr hoch im Kurs bei mir, weil man auch mit Freunden spielen kann. Diese Möglichkeit habt ihr auch in Divinity: Original Sin 2. Ihr könnt bis zu drei Freunde zu eurem Spiel einladen. Divinity ist ein wunderbares Koop-Rollenspiel und macht sehr viel Spaß mit Mitspielern. Erfreulicherweise gibt es sogar die Möglichkeit im Splitscreen zu spielen. An dieser Stelle geht ein Lob an die Entwickler. Leider wird dieses Features bei PC-Spielen gern ignoriert. Wer besonders mutig ist, kann sich auch online auf Abenteuer mit Randomspielern einlassen. Wenn ihr einfach nur kämpfen möchtet, bieten sich ein paar Runden im Arena-Modus an.

Oder aber ihr begebt euch auf völlig neue Abenteuer, indem ihr euch am sogenannten Spielleiter-Modus versucht. Hier könnt ihr eigene Abenteuer erstellen. Damit der Einstieg leichter fällt, gibt es ein Tutorial, welches euch anhand einiger Stickies erklärt, welche Optionen ihr als Spielleiter habt. Diese könnt ihr übrigens per Mods noch erweitern. Divinity: Original Sin 2 bietet einen umfangreichen Mod-Support, der von der Community schon jetzt fleißig genutzt wird. Mehr als 500 Modifikationen stehen zum aktuellen Zeitpunkt zur Verfügung. Darunter finden sich unter anderem Erleichterungen für das Spiel, Möglichkeiten es noch schwerer zu machen, neue Klassen, die Möglichkeit eurem Spiel mehr Gegner hinzuzufügen und vieles mehr. Wenn ihr gern mit Mods spielt, lohnt sich ein Blick in den Steam Workshop. Gerade im Rollenspielbereich ist Mod-Support eine super Sache, die das Interesse für ein Spiel sehr lange oben halten kann. Langeweile dürfte so oder so aber nicht so schnell aufkommen. Das Spiel verspricht auch ohne Mods viele Stunden Spielspaß, die locker in den dreistelligen Bereich kommen. Darüber hinaus ist der Wiederspielwert aufgrund der vielen Lösungsmöglichkeiten und Entscheidungen sehr hoch.

Divinity: Original Sin 2 Screenshot 04

Kleine Schattenseiten

Divinity: Original Sin 2 ist eines dieser Spiele, die beinahe alles richtigmachen. Gemeckert wird hier also nur auf sehr hohem Niveau. Wie bereits erwähnt ist die Übersicht manchmal nicht so gelungen. Sowohl bei der Erkundung als auch in den Kämpfen geht die manchmal leider flöten. Darüber hinaus bergen die vielen Entscheidungen auch Schattenseiten. Manchmal werden die vom Spiel nämlich an anderer Stelle ignoriert. Ein zweischneidiges Schwert ist auch das Händlersystem. Schon im Startgebiet könnt ihr mit zig NPCs Handel betreiben. Auf den ersten Blick klingt das total nützlich und irgendwie cool. Mit der Zeit wird es aber schwierig den Überblick zu behalten. Obwohl ich ein gutes Gedächtnis habe kam ich irgendwann ins Schlittern, mich an die „richtigen“ Händler zu erinnern.

Ein wenig schade ist auch, wie blass die Begleiter bleiben – sofern man sich für eine Party entscheidet und nicht solo ans Werk geht. Das Spiel bietet euch einige wunderbare Charaktere, die alle einen interessanten Hintergrund haben. Schade, dass sie trotzdem nur schmückendes Beiwerk bleiben und eine zu kleine Rolle spielen. Natürlich ist es noch viel reizvoller, wenn man in weiteren Spieldurchläufen selbst als Fane, Lohse und Co. ins Abenteuer zieht. Es gibt im Spiel einige Situationen, in denen man seinen Begleitern das Ruder für eben jene Situationen überlassen kann. Davon hätte das Spiel aber gern noch mehr bieten dürfen. Obwohl solche Situationen nicht ganz ohne Risiko sind, da man im Vorfeld nicht weiß, wohin sie sich entwickeln, empfand ich diese Szenen als sehr gelungen und hatte meine Freude damit, zu sehen was meine Begleiter so für Herangehensweisen haben. Mit denen könnt ihr übrigens auch jederzeit Gespräche führen. Aber auch hier hätte ich mir noch mehr gewünscht. Es gibt zu selten neue Dialogoptionen.

Bei den Begleitern findet sich zudem eine weitere Schwäche – die Wegfindung. Ich habe mich so manches Mal gewundert, welches Wege meine Gefährten eigentlich einschlagen. Nicht selten habe ich es erlebt, dass mir zwei artig folgten, während ein dritter einen riesigen und nicht nachvollziehbaren Umweg genommen hat. Etwas ärgerlich ist auch die Tatsache, dass die Begleiter frei heraus durch Giftfelder und Co. laufen, wenn ihr sie nicht einzeln daran vorbeimanövriert. Es empfiehlt sich daher, entsprechende Stellen bei der Erkundung vor dem Passieren unschädlich zu machen. Entengang kennt eure Party nämlich nicht.

Divinity: Original Sin 2 ist also nicht perfekt – doch welches Spiel ist das schon? Trotz kleiner Schwächen gehört das Spiel zu den besten klassischen Rollenspielen, die derzeit angeboten werden. Der Titel bietet sehr viel Umfang für einen überraschend schmalen Preis. Dazu kommen zahlreiche Möglichkeiten, die dem Wort Rollenspiel so gerecht werden, wie man es nur selten erlebt. Es gibt kaum etwas, was ihr hier nicht tun könnt – die richtige Skillung vorausgesetzt. Sogar mit Tieren sprechen ist möglich. Klingt banal, beschert euch aber viele nützliche Informationen. Gerade am Anfang können einen all diese Möglichkeiten ein wenig überfordern. Als Spieler solltet ihr hier allerdings ohnehin Zeit mitbringen. Zeit und den Willen, sich einzuarbeiten. Der Einstieg dauert ein wenig. Divinity: Original Sin 2 ist kein Casualspiel, das in 5 Minuten erlernt ist und dann lockerflockig von der Hand geht. Dafür könnt ihr in ein packendes Abenteuer eintauchen, welches euch über Wochen beschäftigen kann. Natürlich wird nicht jeder RPG-Fan auf Mehrspieler, Arena und Co. stehen. Letztlich bleibt es aber eure Wahl, was ihr davon mitnehmen möchtet. Das Spiel bietet euch Optionen, ihr könnt sie nutzen. In jedem Fall gibt das Game sehr viel her. Selbst wenn ihr es „nur“ als Einzelspieler-RPG betrachten möchtet.

Divinity: Original Sin 2 Screenshot 08

Die technische Seite von Divinity: Original Sin 2

Zum Abschluss meines Divinity: Original Sin 2 Reviews möchte ich noch auf die technische Seite eingehen. Das Spiel sieht optisch sehr ansprechend aus. Die Umgebung überzeugt optisch genauso wie die darin lebenden Kreaturen und Charaktere. Die sind liebevoll gestaltet und ansehnlich. Die jeweiligen Situationen werden durch einen gelungen Soundtrack unterstrichen, der mit seiner Qualität überzeugt. Egal ob es im Kampf etwas wilder zugeht oder ihr eine geheimnisvolle neue Umgebung erkundet – der Soundtrack schlägt immer die richtigen Töne an. Nicht minder überzeugend ist die Vertonung der Charaktere. Larian hat ein gutes Händchen bei der Auswahl der Sprecher bewiesen, was dem Gesamtbild sehr gut tut. Die Sprecher wirken motiviert und sie geben den jeweiligen Charaktere eine glaubhafte Stimme. Ein Höhepunkt sind die wunderschön gezeichneten Zwischensequenzen, deren Stil mir persönlich gut gefällt. Musik, Vertonung und Grafik verschmelzen zu einem schönen Gesamtbild, bei dem Ohren und Augen auf ihre Kosten kommen. Während meiner Testzeit lief das Spiel flüßig und sauber. Es gab keinerlei Abstürze. Das Spiel ist also auch aus technischer Sicht ein gelungenes Abenteuer.

Divinity: Original Sin 2 Screenshot 07

Mein Fazit:

Wow, was für ein Rollenspiel. Divinity: Original Sin 2 macht beinahe alles richtig. Egal ob ihr euch allein in einen Epos von Spiel stürzen möchtet, oder mit Freunden unvergessliche Abenteuer erleben wollt – mit Divinity Original: Sin 2 macht ihr nichts verkehrt. Das Spiel ist eines der besten klassischen Rollenspiele, die es gibt. Der Bezeichnung Rollenspiel wird das Spiel übrigens so gerecht, wie kaum ein anderer Titel. Ihr bestimmt, als wer ihr spielt und wie ihr spielt. Selbst Nebenquests bieten in der Regel mehrere Lösungswege. Wer gern vor Entscheidungen gestellt wird, wird hier seine Freude haben.

Dazu kommt ein forderndes Kampfsystem, dass Köpfchen verlangt. Während man in vielen Rollenspielen Standardkämpfe im Halbschlaf absolvieren kann, ist hier stets Taktik gefragt. Entsprechend viel Aufwärmzeit solltet ihr euch und dem Spiel auch gönnen. Erwartet nicht, dass ihr diesen Epos in wenigen Minuten durchschaut und wisst, was zu tun ist. Divinity:  Original Sin 2 ist sehr komplex, voller Feinheiten und Details. Der fantastische Umfang gepaart mit der Komplexität und der Vielzahl an Entscheidungen macht Divinity: Original Sin 2 zu einem Must Have. Man merkt dem Spiel an, wie viel Liebe und Arbeit hineingeflossen ist. Danke Larian, für dieses wunderbare Rollenspiel alter Schule im modernen Gewand. Der Vorgänger war bereits toll, aber Original Sin 2 schlägt diesen noch einmal mühelos. Ich bin schon jetzt gespannt, wohin die Reise in Zukunft gehen wird. Ich bin auf jeden Fall dabei.

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