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Blue Reflectoin

Blue Reflection Review

Entwickler:         Koei Tecmo
Publisher:          Koei Tecmo
Genre:              Rollenspiel, JRPG, Slice of Life
Plattformen:        PC, PlayStation 4
Preis:              ca. 59,99 Euro 
Offizielle Website: http://www.koeitecmoamerica.com/bluereflection/

Slice of Life gepaart mit Magical Girl

Als junges Mädchen entdeckte ich dank Sailor Moon Magical Girl für mich. Ganz normale und nicht perfekte Mädchen, die sich dank magischen Kräften zu einer Art Superheldinnen verwandeln können und für das Gute kämpfen. Magical Girl hat bei mir einen Nerv getroffen. Mit Blue Reflection habe ich nun die Möglichkeit selbst ein solches Mädchen zu sein und die Welt zu retten. Gepaart wird das Ganze mit Slice of Life. Eine wunderbare Kombination, die mir einige tolle Spielstunden beschert hat.

Slice of Life kennt man bei Spielen vor allem aus dem Visual Novel Bereich. Es gibt allerdings auch eine breite Palette entsprechender Anime und Manga. Slice of Life steht für eine alltägliche Handlung – diese ist quasi ein Ausschnitt aus dem Leben. Daher auch die Bezeichnung „Slice of Life“, die mit „Stück vom Leben“ übersetzt werden kann. Tatsächlich erinnerte mich Blue Reflection stark an Visual Novels. Das Spiel ist sehr dialoglastig und beinhaltet entsprechend viel Text. Durch den klickt ihr euch. Ein Teil davon ist vertont – alles nicht. Aufgrund des vielen Textes kommen wir auch direkt zum ersten Contra: das Spiel ist nicht lokalisiert. Es gibt lediglich englische Untertitel. Entsprechend gut sollten eure Fremdsprachenkenntnisse sein. Gesprochen wird grundsätzlich japanisch.

Doch worum geht´s in Blue Reflection überhaupt? Ihr übernehmt die Rolle der Schülerin Hinako Shirai, die im bereits laufenden Schuljahr das Lernen aufnimmt. Einst war sie eine beliebte und ausgesprochen begabte Balletttänzerin. Dies änderte sich aufgrund einer Knieverletzung schlagartig. Bedingt durch einen Unfall musste sie eine lange Reha über sich ergehen lassen und den Traum vom erfolgreichen Ballettstar aufgeben. Sie ist frustriert, wird von Zweifeln geplagt und fragt sich, welchen Sinn das Leben nun noch für sie hat. Einen solchen findet sie schließlich als Reflector. Dadurch kann sie sich in ihre Reflector-Gestalt verwandeln und die Welt beschützen. Wie es sich für Magical Girl gehört, hat sie an ihrer Seite andere Mädchen. Kurz nach Start des Spiels lernt ihr Lime und Yuzu kennen. Beide sind ebenfalls ein Reflector. Die Mädchen helfen Hinako dabei, sich in ihre neue Rolle einzufinden. Viel Zeit habt ihr dafür nicht – das Böse schläft nicht. Das junge Mädchen hat allerdings gute Gründe, sich den bösen Mächten zu stellen. Sollte sie am Ende erfolgreich sein, wird ihr ein Wunsch gewährt. Kann Hinako so wieder ihren großen Traum leben? Die Geschichte erinnert vom Aufbau stark an bekannte Magical Girl-Reihen.

Einen großen Teil des Spiels verbringt ihr an der Hoshinomiya Girl’s High School. Dort schließt ihr neue Freundschaften, indem ihr euch mit anderen Mädchen unterhaltet. Dabei habt ihr üblicherweise verschiedene Dialogoptionen. Außerdem habt ihr ein Smartphone, mit dem ihr über eine Art Social Media Plattform Kontakte pflegen könnt. Auf eurem Smartphone lässt sich zudem Musik abspielen oder auch ein Minispiel spielen. Dieses erinnert an ein Tamagotchi. Ihr könnt bedingt selbst beeinflussen, wie ihr die Zeit nach Schulschluss verbringt. Euch steht eine Vielzahl an Missionen zur Verfügung, durch die ihr neue Freundinnen gewinnen könnt. Mit der Zeit wird dies aber ein wenig monoton, da die Aufgaben nicht sehr abwechslungsreich sind. Für die Missionen müsst ihr euch in das sogenannte Common begeben. Dort sammelt ihr Fragmente, die euch stärker machen. Eure Missionen lassen euch meist bestimmte etwas stärkere Gegner töten oder eine festgelegte Zahl einer Gegnerart. Das Common bietet einige unterschiedliche Regionen – die Anzahl bleibt aber überschaubar. Mal wirkt es sehr idyllisch, ein anderes Mal ist Wasser das prägende Element. Die erwähnten Fragmente geben dem Titel eine taktische Note. Jedes Fragment kann einmal verwendet werden und einem Skill zugeordnet werden. So könnt ihr zum Beispiel MP regenerieren. Nicht jedes Fragment ist für jede Fähigkeit geeignet. Zudem ist es ratsam, diese auf die Mädchen zu verteilen. Hier ergeben sich also einige Möglichkeiten, da ihr im Laufe der Zeit durch Levelaufstiege reichlich Fähigkeiten erlernen werdet.

Gekämpft wird in einem recht typischem JRPG-Kampfsystem. Am oberen Bildschirmrand ist die sogenannte Timeline. Dort gibt es für jeden Kampfteilnehmer einen Avatar. Diese Avatare bewegen sich auf die Mitte zu. Erreicht ein Avatar diesen Punkt, ist der zugehörige Kampfteilnehmer am Zug. Idealerweise natürlich ihr in Form von Hinako, Yuzu oder Lime. Im Kampf stehen euch Standardangriffe zur Verfügung, die keine Magiepunkte verbrauchen. Außerdem habt ihr Support- und Kampffähigkeiten. Diese verbrauchen MP. Angriffsfähigkeiten können – geschickt eingesetzt – reichlich Schaden verursachen. Vor allem dann, wenn ihr die Schwächen eurer Gegner ausnutzt. Supportfähigkeiten können euch mit Buffs versorgen oder auch die Lebenspunkte auffrischen. Gehen die MP zur Neige, kann reflektiert werden, was sehr praktisch ist. In den Bosskämpfen wird dies mehr als einmal nötig sein, da diese ein Weilchen dauern. Die Standardkämpfe lassen sich gut ohne Auffrischung der MP absolvieren.

Im späteren Spielverlauf werdet ihr außerdem Support-Charaktere nutzen können. Dafür müsst ihr aber erst ein paar Mädchen helfen und ihnen einen Ring überreichen. Dank diesem können sie als Support-Charakter zum Einsatz kommen und euch im Kampf unterstützen. So können sie zum Beispiel euer Team mit Buffs versorgen oder die MP auffrischen. Außerdem könnt ihr gelegentlich eure Aktionsmöglichkeiten verdoppeln. Support-Charaktere spielen in den Standardkämpfen keine nennenswerte Rolle. Sie bringen allerdings zusätzliche Dynamik in die Bosskämpfe. Die sind manchmal unnötigerweise in die Länge gezogen.

Der Mix aus Slice of Life und Magical Girl funktioniert wunderbar und macht viel Spaß. Obendrein sehen die Charaktere toll aus – von den nicht ganz so gelungenen Haaren abgesehen. Die sind o.k., aber nicht weiter beeindruckend. Weniger ansprechend sind die Hintergründe. Während das Common hübsch anzusehen ist, sind die Hintergründe in der realen Welt teilweise zu steril und detailarm. Das Gesamtbild ist nichtsdestotrotz schön anzusehen. Steril ist leider auch das Verhalten der NPCs. Zunächst fällt dies nicht weiter auf, im späteren Spielverlauf wird allerdings deutlich, dass die immer an denselben Spots stehen, sich von dort nicht fortbewegen und oft auch ziemlich tatenlos sind. Hier hätte dem Spiel etwas mehr Leben nicht geschadet. Es wirkt mit der Zeit ein wenig komisch, wenn man über die relativ leeren Flure der Schule läuft und die wenigen Mädchen starr an ihrer Position verweilen.

Untermalt wird das Spielgeschehen von einem angenehmen Soundtrack, der sich meist dezent im Hintergrund hält. In den Kämpfen tritt die Musik stärker zum Vorschein. Einige Stücke empfand ich manchmal als etwas nervig und zu viel Gedudel, insgesamt konnte die musikalische Untermalung allerdings bei mir punkten. Über das virtuelle Smartphone kann man die Stücke übrigens anhören. Eine tolle Spielerei.

Rein optisch und vom Kampfsystem her ist Blue Reflection ein typisch japanisches Spiel. Tatsächlich könnt ihr – für eine beachtliche Summe Echtgeld – sogar die typischen Maid- und Badebekleidungs-DLCs erwerben. Im Spiel kommt es dann und wann zu einigen Szenen, die viele Menschen in unseren Breitengraden wohl als merkwürdig bezeichnen würden. Diesbezüglich hält sich der Titel aber sehr zurück. Dadurch ist das Spiel auch für jene Leute interessant, die mit dem Fanservice einiger japanischer Titel ein Problem haben. Die erwähnten DLCs sind preislich gewohnt heftig. Koei Tecmo ist dafür bekannt, die Spieler für DLCs tief in die Tasche greifen zu lassen. Da es sich lediglich um Kostüme handelt, lässt sich die DLC-Politik aber verschmerzen. Ich persönlich bin sogar der Ansicht, dass die Mädchen in ihren Schuluniformen wesentlich hübscher aussehen, als in Badebekleidung oder Maid Klamotten. Es wirkt ein wenig fehl am Platz, wenn Hinako und Co. auf dem Schulgelände in einer Art Bikinioberteil rumlaufen. Interessant ist so etwas wohl noch am ehesten für Waifu-Fans. Fraglich bleibt, was das via Season Pass erhältliche Special Event sein wird. Derzeit ist nur ein Teil der DLCs verfügbar. Der Rest soll bis Ende November folgen.

Mein Fazit:

Blue Reflection ist wie ein wahrgewordener Mädchentraum. Endlich darf ich selbst ein Magical Girl sein. Ihr rettet in dem Spiel in der Rolle von Hinako die Welt und habt dabei zwei andere Mädchen an eurer Seite. Die liebevoll gestalteten Mädchen überzeugen. Wenn ihr nicht gerade in eurer Reflector-Form gegen das Böse kämpft, schließt ihr nach Schulschluss neue Freundschaften an eurer Schule, verabredet euch zu Treffen oder nutzt euer Smartphone für Social Media. Das Spiel ist ein Mix aus Magical Girl und Slice of Life. Der spielerische Anspruch hält sich in Grenzen und bei den zahlreichen Nebenmissionen wäre etwas mehr Abwechslung schön gewesen. Trotz kleiner Mängel lohnt sich das Spiel. Das Kampfsystem macht Spaß und die Handlung passt gut zum Thema Magical Girl. Ballett ist ein tolles Grundgerüst und nicht so ausgelutscht, wie viele andere Bereiche. Ich möchte mehr!

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