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Nioh: Complete Edition

Nioh: Complete Edition Review (PC)

Entwickler:         Koei Tecmo
Publisher:          Koei Tecmo
Genre:              Action
Plattformen:        PC
Preis:              ca. 49,99 Euro 
Offizielle Website: http://teamninja-studio.com/nioh/lang/

Nioh erobert den PC

Schon in der letzten Konsolengeneration zeichnete sich ein klarer Trend hin zu immer einfacher werdenden Spielen ab. Publisher und Entwickler entdeckten den rasant wachsenden Markt der Casualgamer für sich und versuchten zunehmend ihre Spiele entsprechend zu entwickeln. Immer mehr Zielgruppen sollten angesprochen werden. In Rollenspielen bürgerten sich überdeutliche Wegweiser ein, deutliche Markierungen machten ein Verlaufen beinahe unmöglich und dem Spieler wurde zunehmend verwehrt zu sterben. Grundsätzlich eine lobenswerte Entwicklung. Zwischen den Stühlen sitzen geht aber nicht immer ohne Probleme. So mancher Coregamer sah sich immer weniger gefordert. Bis Dark Souls kam. Plötzlich war da dieses Spiel, welches auf umfangreiche Tutorials, Schwierigkeitsgrade und Wegweiser verzichtet. Stattdessen knallen einem die Entwickler schon nach wenigen Spielminuten einen Boss vor die Füße, der nur mit viel Geschick und Siegeswillen zu legen ist. Es folgten weitere Teile und um die Spiele entstand ein enormer Hype.

Auch ich bin der Souls-Reihe schon vor Jahren verfallen. So sehr ich mich über einfache Spiele freue und so gern ich diese nach stressigen Tagen zur Entspannung einwerfe – ich möchte auch hin und wieder so richtig gefordert werden. Die Souls-Reihe selbst mag Geschichte sein, doch sie hat einige Erben hervorgebracht. Einer dieser Erben ist Nioh, welches im Februar für die PlayStation 4 erschien und schon im Vorfeld viel Aufmerksamkeit bekam. Nun hat es das Spiel unter dem Namen Nioh: Complete Edition endlich auch auf den PC geschafft. Der Name ist übrigens Programm. Ihr bekommt neben dem Hauptspiel auch sämtliche DLCs. Davon gibt es drei Stück: „Drache des Nordens“, „Unbeugsame Erde“ und „Ende des Blutvergießens“.  Neben diesen drei Storykapiteln ist in der PC-Version ein exklusiver Helm enthalten. Ob die Portierung für den PC etwas taugt, verrate ich in meinem Nioh: Complete Edition Review.

Bevor ich auf die PC-Version eingehe, möchte ich aber zunächst ein paar Worte zur Story verlieren. Die ist im Zeitalter der Samurai angesiedelt. Ihr schlüpft in die Rolle eines einsamen Kriegers, der am Ufer Japans eine lange Reise beginnt. Die Rede ist vom herrenlosen Samurai William. Auf ihn warten zahlreiche Krieger und die gefährlichen Yokai. Auf eurer Reise durch das virtuelle Japan zu Zeiten des 16. Jahrhunderts werdet ihr so manchen bekannten Helden treffen – falls ihr euch denn für diese Thematik interessiert. Die Macher haben sich großzügig bei der japanischen Mythologie bedient und zahlreiche Elemente aus dieser einfließen lassen.

Das Gameplay orientiert sich stark an Dark Souls. Ihr sammelt als William allerdings keine Seelen, sondern das sogenannte Amrita. Habt ihr genug, könnt ihr euch ab einem gewissen Punkt in der Story dafür ein Level-Up ertauschen. Mit jedem Aufstieg wird es teurer. Auch in Sachen Schwierigkeitsgrad schlägt der Titel ähnliche Wege ein. Eine einzige unüberlegte Handlung genügt, um ins Gras zu beißen. Ihr steckt nur wenige Schläge ein und müsst lernen, mit den Gegnern, deren Angriffsmustern und Schwächen umzugehen. Selbst der Online-Part orientiert sich an den Souls-Spielen. Ihr könnt an Schreinen einen Becher opfern und im Gegenzug einen Spieler in eure Welt rufen. Der begleitet euch, bis ihr den nächsten Boss besiegt habt oder er stirbt. Die Schreine sind das Pendant zum Souls-Lagerfeuer. Dort gebt ihr euer Amrita aus, ihr ruft Verbündete und ihr könnt euch Boni erkaufen, wenn ihr vorher die dafür notwendigen kleinen Wesen gefunden habt. Betet ihr an einem Schrein, kommen alle Gegner – besondere Feinde und Bosse ausgenommen – zurück.

Nioh Complete Edition Screenshot 06

Gelungenes Kampfsystem und kleine Macken

Auf den ersten Blick wirkt Nioh wie ein dreister Abklatsch. Das Spiel ist aber viel mehr. Spürbar wird dies vor allem beim Kampfsystem. Dieses ist relativ schnell. Dazu kommen verschiedene Haltungen und Fähigkeiten. Nioh bietet euch ein großes Arsenal unterschiedlicher Waffen. Dazu gehören unter anderem Katana, Odachi, Tonfa, Speer, Axt, Bogen und Kusarigama. Jede Waffe bietet Vor- und Nachteile wie die Reichweite, Angriffstempo und Schaden. Eine schnelle Waffe macht nicht immer auch viel Schaden, während eine schwere Waffe mit großer Reichweite zwar viel austeilen kann, aber dafür sehr langsam ist. Benutzt ihr eure Waffen, erhaltet ihr mit der Zeit Punkte und könnt besondere Fähigkeiten erlernen. Wie auch in Souls gibt es zudem Attribute, die sich auch auf eure Ausrüstung auswirken. Mit jedem Levelaufstieg dürft ihr einen Punkt verteilen. Es ist also Strategie gefragt.

Die ist auch darüber hinaus nötig. Es gibt eine tiefe, mittlere und hohe Haltung. Außerdem habt ihr die Möglichkeit mit Fernkampfwaffen einzelne Gegner aus dem Hinterhalt heraus zu eliminieren. Die Munition dafür ist jedoch stark begrenzt. Das Kampfsystem ist in seiner Gesamtheit sehr komplex und fordernd. Was uns direkt zu einem der größten Mankos der Nioh: Complete Edition bringt: die Steuerung. Maus und Tastatur werden nur teilweise unterstützt. Ihr müsst auf eure Tastatur zurückgreifen. Empfehlen kann ich diese Variante jedoch nur bedingt. Nioh spielt sich mit Controller wesentlich angenehmer und intuitiver. Die Souls-Spiele habe ich am PC viel mit Maus und Tastatur gespielt, womit ich wohl einer Minderheit angehöre. In Nioh scheitere ich an der Tastatursteuerung selbst bei längerer Übung. Wer partout nicht mit einem Controller spielen möchte, könnte also sehr unglücklich werden.

Ein wenig verwunderlich ist auch, wie stiefmütterlich man den Port teilweise behandelt hat. Leider tun sich einige Entwickler noch immer schwer mit PC-Versionen. Nioh wurde zwar an PCs angepasst, aber nicht ideal. Für viele Einstellungen muss man erst beim Start des Spiels in das entsprechende Menü wechseln oder über Steam die Eigenschaften aufrufen. Über das Spielmenü kommt man an diese nicht ran. Dieses Vorgehen ist nicht neu, aber noch immer wahnsinnig unkomfortabel. Warum kann man nicht alle Optionen in ein Menü packen, welches immer und auch bei laufendem Spiel angesteuert werden kann? Weder möchte ich über die Steam-Eigenschaften gehen, noch mein Spiel neu starten müssen. Optisch ist übrigens auch am PC nicht viel drin. Die Nioh: Complete Edition sieht o.k. aus – mehr aber nicht. Auch hier kann man wieder gut den Vergleich zur Souls-Reihe ziehen. Es ist optisch nicht schlecht, aber eben auch nicht der Rede wert. Gerade bei dieser Art von Spiel ist der Look aber zu verkraften. Viel wichtiger ist die Performance und die stimmt. Wer möchte schon ins Gras beißen, weil es beim Boss plötzlich beginnt zu ruckeln?

Was ich für die Nioh: Complete Edition wesentlich mehr gewünscht hätte, wären einige Änderungen an den Mechaniken des Spiels. Dabei ist mir vor allem das Lootsystem ein Dorn im Auge. William bekommt die Items förmlich nachgeschmissen. Ständig bekomme ich ein neues gutes Teil für meine Ausrüstung und was ich nicht brauche, opfere ich für Amrita. Dadurch verfliegt schnell der Reiz am Belohnungssystem. Es fühlt sich einfach nicht verdient an. Ironischerweise gibt es im Spiel noch einige Möglichkeiten, die Droprate zu verbessern. Ich habe auf sämtliche Möglichkeiten in diese Richtung verzichtet, schwimme aber trotzdem in Loot. Manchmal nervt diese Flut einfach nur. Ich möchte spielen, aber stattdessen muss ich Dutzende Items verwerten, um nicht den Überblick zu verlieren. Selbst die besseren Seltenheitsstufen findet man verdammt oft. Vor allem wenn man sein Spiel auf online stellt und gefallene Spieler bekämpft.

Ebenfalls störend sind einige Bugs. Sterbt ihr in Nioh, bleibt euer Schutzgeist – in der Theorie – an dieser Position zurück. Kehrt ihr an den Ort zurück, ohne ins Gras zu beißen, gehört euch das zuvor erspielte Amrita wieder. Leider ist mein Schutzgeist ein paar Mal überhaupt nicht aufgetaucht. Dies passierte an Orten, die relativ verwinkelt waren. Vermutlich hat das Spiel den Geist einfach falsch positioniert und in ein Objekt gesetzt. Einmal passierte mir so etwas nur wenige Punkte vor dem nächsten Stufenaufstieg. Frust ist dabei vorprogrammiert.

Trotz kleiner Schwächen bin ich mit dem Gesamtprodukt mehr als nur zufrieden. Die Nioh: Complete Edition ist nicht perfekt – aber sie ist richtig gut. Das schnelle Gameplay weiß dank seiner Komplexität zu gefallen, die Story macht Spaß und das Spiel motiviert langfristig. Die Fehler überdenkt man hoffentlich und baut darauf auf – einen zweiten Teil.

Nioh Complete Edition Screenshot 03

Mein Fazit:

Die Nioh: Complete Edition wirkt wie ein Spiel mit Dark Souls-Grundgerüst, welches durch eigene Ansätze erweitert wird. Statt Seelen sammelt ihr Amrita, ihr müsst auch hier die Bewegungsmuster der Feinde erlernen und nach einem Gebet am Schrein sind sämtliche Trash-Mobs wieder lebendig. Doch Nioh kann mehr. Das Kampfsystem ist schnell und sehr komplex. Ihr dürft auf ein umfangreiches Waffenarsenal zugreifen und eure Fähigkeiten mit den Waffentypen verbessern. Haltungen und Fernkampf verschärfen die taktische Note. Wenn euch Souls zu langsam ist, solltet ihr euch Nioh unbedingt genauer ansehen.

Auch wenn ihr von Spielen gern gefordert werdet, ist Nioh ein Kandidat für euch. Das Spiel mag hier und dort noch Verbesserungspotenzial haben, aber es hat das Zeug einen über Wochen zu fesseln – mindestens. Dazu kommt eine ansprechende Thematik: ihr spielt als herrenloser Samurai im feudalen Japan. Die Missionen schicken euch zwar oft an zuvor besuchte Orte und die Bosse sind nicht ganz so beeindruckend, wie die vom großen Bruder, aber das Gesamtpaket stimmt. Ich habe lange auf Nioh gewartet und es hat sich gelohnt. Der knackige Schwierigkeitsgrad weiß auch hier zu gefallen und die PC-Version ist – weitestgehend – gut umgesetzt. Für die Steuerung rate ich dringend zu einem Controller, da die Tastatursteuerung eher unglücklich ist. Außerdem lassen sich viele Einstellungen nur über ein zu umständlich erreichendes Menü vornehmen. Trotzdem lohnt sich der Griff zur PC-Version. Manchmal ist gut kopiert eben gar nicht so verkehrt. Zumal man fairerweise sagen muss, dass Koei Tecmo mit Ninja Gaiden schon vor zig Jahren Erfahrungen mit knackig schweren Titeln gesammelt hat. Ein Dark Souls hat dieses Rad keineswegs allein erfunden. Vielmehr hat es Spiele mit derlei Anspruch wieder salonfähig gemacht, wovon nun auch Nioh profitiert. Mehr davon!

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