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Dynasty Warriors 9

Dynasty Warriors 9 Review

Entwickler:         Omega Force 
Publisher:          Koei Tecmo
Genre:              Musou, Action, Hack and Slash 
Plattformen:        PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 59,99 Euro 
Offizielle Website: http://www.koeitecmoeurope.com/dw9/?lang=eu

Musou auf neuen Pfaden

Mit Dynasty Warriors 9 beschreitet die Serie völlig neue Pfade. Die Entwickler haben die Musou-Elemente in eine gigantische offene Welt gepackt und garnieren diese mit zahlreichen neuen Spielelementen. Zwischen den Kämpfen könnt ihr euch eure Zeit im Teehaus vertreiben, eine Angel auswerfen oder auf dem Rücken eures Pferdes zur nächsten Sehenswürdigkeit reiten. Wie gut funktioniert das Wandeln auf neuen Pfaden? Diese Frage kläre ich in meinem Dynasty Warriors 9 Review.

Während ihr in Dynasty Warriors sonst von Schlacht zu Schlacht eilt, wirft euch der neueste Serienableger in eine offene Spielwelt, nachdem ihr euren Charakter gewählt habt. Zu Spielbeginn stehen euch nur wenige Offiziere zur Verfügung. Im Verlauf der Geschichte schaltet ihr weitere Charaktere frei. Darüber hinaus erhaltet ihr Zugriff auf den sogenannten Free Mode, sobald ihr zum ersten Mal den Abspann erreicht habt. Durch ist das Spiel dann aber noch lange nicht. Einige Charaktere begleiten euch nur durch die ersten Kapitel, während andere Protagonisten erst später auf den Plan treten. Wirklich ideal ist dieses Konzept in Anbetracht der offenen Welt meiner Meinung nach nicht, da sich dadurch auch die ein oder andere Wiederholung ergibt.

Dynasty Warriors 9 bietet außerhalb der Kämpfe zahlreiche Möglichkeiten. Doch wie sind die Kämpfe, die eine zentrale Rolle in Dynasty Warriors spielen? Müsste ich sie mit einem Wort beschreiben, fiele meine Wahl auf durchwachsen. Schuld ist daran die KI. Während die Reihe mit Dynasty Warriors 9 zahlreiche Schritte nach vorn macht, begibt man sich in Sachen KI einen gigantischen Schritt zurück. Gegner stehen einfach in der Gegend rum, setzen nur gefühlt alle Jubeljahre Mal zum Schlag an und wirken wie planlose Komparsen in einem Kriegsepos. Liebe Dynasty Warriors-Reihe, das kannst du doch deutlich besser? Im Laufe zahlreicher Spiele haben die Entwickler die KI auf ein brauchbares Level gehievt. Davon spürt man im neuesten Ableger nicht sehr viel.

Dafür punkten die Kämpfe in anderen Bereichen. Die offene Spielwelt ermöglicht es zum Beispiel auf dem Weg zum nächsten großen Schauplatz Außenposten zu erobern. Stück für Stück darf sich der Spieler an das Geschehen herantasten. Bei den entscheidenden Schlachten habt ihr die Wahl, ob ihr euch mit einem Greifhaken einen Weg über die feindlichen Mauern schafft, oder auf die Belagerungswaffen eurer Verbündeten wartet. Mit Belagerungstürmen sind Mauern kein Problem mehr und Rammen öffnen die Tore. Gut gefallen haben mir auch Details, wie die mit zahlreichen Papiertalismanen bestückten Häuser von Zivilisten. Die Inszenierung ist gelungen. Vorausgesetzt, ihr nehmt euch Zeit diese zu genießen. Grundsätzlich ermöglicht das Spiel auch, dass ihr euch einfach Zugang zum wichtigen Feind verschafft, diesen erlegt und damit die Schlacht beendet. Einheiten auf dem Weg dorthin können ignoriert werden.

Zwiegespalten bin ich auch beim Kampfsystem. Dieses ist grundsätzlich gut, ermöglicht aber für meinen Geschmack zu wenig Kombos. Mächtige Angriffe verbergen sich hinter simplen Tastenkombinationen. Dadurch hat der Spieler leichtes Spiel.

Leider zieht sich diese Ungleichheit durch das gesamte Spiel. Dynasty Warriors 9 macht häufig Spaß, lässt den Spieler aber auch so manches Mal den Kopf schütteln. Da gibt es zum Beispiel die Aussichtstürme, die man mit dem Greifhaken schnell erklimmen kann und die dann in einer kurzen Sequenz einen Blick auf die Spielumgebung gewähren. Wer nun auf die prächtigen Aussichten eines Assasssin’s Creed Origins hofft wird enttäuscht. Mit jedem Turm deckt ihr in Warriors einen Teil der Weltkarte auf. Runter geht es anschließend auf eine recht merkwürdige Art – ihr springt einfach.

Erwartet erst gar nicht, dass ihr anhand des kurzen Blicks über die Spielwelt den Turm bestimmen könntet. Dafür ist die Umgebung zu detailarm. Natürlich lassen sich Unterschiede beim Standort ausmachen, da beispielsweise die verschneite Bergkette im Hintergrund Mal nah an eurer Position ist und ein anderes Mal in sehr weiter Ferne. Nichtsdestotrotz ist die Spielwelt fast schon zu groß geraten. Weniger Größe und dafür dichter gesäte Spots, die interessante Orte bereithalten oder etwas abwechslungsreichere Objekte hätten dem Spiel gut getan. Sieht man sich beispielsweise die weiten Wälder an, wirken die Bäume alle wie aus einem Guss. Innerhalb der Spielwelt gibt es zwar verschiedene Areale wie die verschneiten Berge, bewirtschaftete Felder, von Wildtieren bewohnte Wälder und Flüsse, aber die Spielwelt ist weit von Welten wie denen in Assassin’s Creed Origins oder The Witcher 3 entfernt. Warriors vermittelt das Gefühl als käme alles aus einem Baukasten mit zu wenigen Teilen. Die groben Texturen machen die Sache nicht besser. Während die Bauwerke optisch ansprechend aussehen, ist die Landschaft teilweise zu trostlos – was nicht am feudalen China als Setting liegt.

Dynasty Warriors 9 Screenshot 06

Cool, aber …

Feinheiten und Details sind jene Dinge, die Dynasty Warriors 9 am meisten vermissen lässt. Das Grundgerüst ist wunderbar, aber darüber hinaus ist man noch nicht gar zu weit gekommen. Die meisten Bereiche wirken so grob wie die Umgebungstexturen des Spiels. Die vielen Quests sind beispielsweise nett – aber es sind fast ausschließlich Fetch Quests mit magerer Belohnung. Auch in Sachen Text bleibt der Spieler schnell genervt zurück. Immer wenn ihr euren Killzähler um 100 erhöht habt, gibt es einen Spruch von euren Verbündeten. In großen Schlachten hört der Spieler dann schon Mal im Sekundentakt, dass er es richtig draufhat und wie toll er doch sei.

Die Möglichkeiten in Dynasty Warriors 9 sind fantastisch. Leider macht das Spiel nicht genug daraus. Los geht es schon beim Tutorial. Startet ihr die Story, ploppen regelmäßig große Textkästen auf, die euch passend zur jeweiligen Situation eine Erklärung liefern. Glücklicherweise sind wichtige Tastenkombinationen im Text sofort zu erkennen – auf Dauer macht es nämlich keinen Spaß, die Textwände zu lesen. Als wären diese nicht schlimm genug, sind manche Erklärungen sehr oberflächlich und lassen Fragen offen. Die Sache mit der Angel habe ich beispielsweise erst irgendwann zufällig herausgefunden. Zunächst stand ich völlig hilflos am Wasser und wusste nicht, wie ich jetzt mit meinen Ködern an einen Fisch komme. Erst in einem anderen Spieldurchgang hatte ich dann die zündende Idee.

Im Teehaus darf der Spieler nicht nur Zeit verstreichen lassen, sondern auch Mahlzeiten zubereiten. So viel zur Theorie. In der Praxis bin ich immer wieder erstaunt, wie viele Zutaten mir dafür fehlen. Es wirkt ein wenig ironisch, wenn der Spieler unterwegs bergeweise Zeug aufliest, dann aber nicht einmal ein paar Kräuter für ein stärkendes Mahl hat. Ähnlich zwiegespalten stehe ich auch dem Housing gegenüber. Habt ihr euch einiges an Geld erarbeitet, könnt ihr euch einen Unterschlupf kaufen und diesen mit Möbeln bestücken. Eine nette Sache – teilweise allerdings nur schwer nachvollziehbar. So erklärt mir das Spiel beispielsweise, dass ich meinen Verbündeten Briefe schicken kann und so Beziehungen vertieft werfen dürfen. In der Praxis sind meine Verbündeten ausgegraut und ich sehe keinerlei Möglichkeit, wie ich denn nun einen Brief verfassen darf. Schade, dass sich das Spiel immer wieder selbst im Weg steht und den Spieler rätselnd allein lässt. Während manche Spiele viel zu selten die Hand loslassen möchten, hätte ich mir in Dynasty Warriors 9 gelegentlich das Gegenteil gewünscht.

Das Spiel vermittelt dadurch den Eindruck, vor allem ein Grundstein zu sein. Ein Grundstein für eine Neuausrichtung von Musou-Spielen. Die neuen Spielelemente machen zweifelsohne Spaß und bieten ein neues Musou-Spielerlebnis. Grundsätzlich passt das Konzept auch ganz wunderbar zum Inhalt des Spiels. Nur die Umsetzung bedarf noch einiger Verbesserungen und Feinheiten. Im aktuellen Zustand dürfte das Spiel daher vor allem Genrefans ansprechen und Mühe haben, neue Spieler an Bord zu holen. Erste Updates haben die Spielerfahrung verbessert und vor allem die vor Launch häufig einbrechende Framerate verbessert. Trotzdem bleibt noch einiges an Arbeit – auch bezüglich der Performance. In manchen Regionen des Spiels ist diese spürbar schlecht. In den Bergen portieren sich trotz PlayStation 4 Pro die Gegner teilweise durch die Spielwelt und Kämpfe gleichen manchmal sogar mehr einer Diashow, als einem Actionspektakel. Ich bin gespannt, ob die Entwickler einige der Baustellen aus der Welt schaffen, oder wir auf Dynasty Warriors 10 hoffen müssen.

Aus Sicht eines Musou-Fans macht mir das Spiel viel Spaß und ich genieße die Neuausrichtung mit all ihren Möglichkeiten. Wer sich ein westliches Spiel mit Massenschlachten auf aktuellem AAA-Niveau erhofft, dürfte enttäuscht werden. Schade, dass das Spiel an so vielen Stellen noch krankt und so wieder vor allem auf seine Fans beschränkt bleibt. Apropos Fans – unter diesen dürften in der Zeit nach Launch rege Diskussionen entflammen. Das neue Konzept ist gelungen und überzeugt – wird aber nicht jeden begeistern können. Wenn ihr einfach nur von Schlacht zu Schlacht ziehen möchtet, kann ich euch an dieser Stelle allerdings beruhigen. Niemand ist gezwungen auf die Jagd nach wilden Tieren zu gehen, Banditenlager zu räumen, die Weltkarte aufzudecken, Zivilisten bei Quests zu helfen oder die Angel auszuwerfen. Ihr könnt auch einfach mit der Schnellreisefunktion von Schlacht zu Schlacht eilen und euch auf klassische Elemente wie die Freischaltung neuer Charaktere konzentrieren. 90 Offiziere sind im Spiel vertreten. Viele sind Fans der Reihe vertraut. Einige Neuzugänge sind ebenfalls an Bord.

Dynasty Warriors 9 Screenshot 03

Mein Fazit:

Für Dynasty Warriors 9 haben die Entwickler das klassische Musou-Spielprinzip über den Haufen geworfen und die Massenschlachten stattdessen in eine offene Spielwelt verpackt. Diese bietet euch zahlreiche Möglichkeiten wie Angelausflüge, Jagd, Sidequests, den Erwerb eines Hauses und Crafting. Auf dem Papier klingt dies gar wie ein modernes, westliches Open-World-Spiel. Leider nur dort. In der Praxis entpuppt sich Dynasty Warriors 9 zwar als spaßig, aber auch weit weg von makellos. Viele Spielelemente sind sehr einfach gehalten und das Gesamtbild vermittelt den Eindruck als haben die Entwickler hier nur ein Grundgerüst für künftige Titel geschaffen. Als wären die Fetch Quests, das banale Crafting und das simple Angelsystem nicht genug, kränkelt der Titel auch bei Elementen wie der KI. Warum hat die nicht das Niveau eines Dynasty Warriors 8? Die Reihe hat viele Teile benötigt, um eine brauchbare KI zu schaffen, die ich gern auch im neuesten Ableger gesehen hätte. Es ist wenig reizvoll, wenn ich als Spieler mit dem Bogen auf einen entfernten Gegner schieße und nur durch Zufall neben mir einen Gegner erspähe, der dort regungslos verharrt. Huch, hab ich mich etwa ins Wachsfigurenkabinett verirrt?

Als Musou-Fan bin ich einiges gewohnt und glücklich mit Dynasty Warriors 9. Ihr mögt das Genre ebenfalls? Dann stehen die Chancen gut, dass das Spiel euren Geschmack trifft. Nach so vielen Spielen mit sehr ähnlichen Konzepten tut die Neuausrichtung geradezu gut und die daraus entstehenden Möglichkeiten liefern frische Anreize. Der Massenmarkt dürfte sich trotz des neuen Konzepts nicht angesprochen fühlen. Dafür gibt es im Moment einfach noch zu viele Baustellen. Der Großteil der Funktionen erfüllt zwar seinen Zweck und funktioniert, ist aber zu einfach gehalten, um eine Vielzahl neuer Spieler an Bord zu holen.

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