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Radiant Historia: Perfect Chronology

Radiant Historia: Perfect Chronology Review

Entwickler:         Atlus
Publisher:          Koch Media
Genre:              Rollenspiel
Plattformen:        Nintendo 3DS
Preis:              ca. 39,99 Euro 
Offizielle Website: https://atlus.com/radianthistoria/

Was lange währt, wird manchmal gut

Fans japanischer Spiele haben es nicht immer einfach. Viele Titel finden nie den Weg in den Westen. In den letzten Jahren hat sich diese Lage erfreulicherweise deutlich gebessert. Der Markt für Nischenspiele ist gewachsen und immer mehr Games japanischer Spieleschmieden kommen früher oder später auch zu uns. Bisweilen dürfen wir sogar ältere Perlen nachholen – wie nun im Fall von Radiant Historia. Der Titel erschien erstmals im Jahr 2010 und fand ein Jahr später sogar den Weg in den Westen. Allerdings nur bis nach Nordamerika. Eine Veröffentlichung in Europa erfolgte erst im Jahr 2018 in Form von Radiant Historia: Perfect Chronology.

Perfect Chronology ist ein Remake, dass mit einigen neuen Inhalten aufwartet. Das Spiel überlässt euch allerdings die Wahl, ob ihr zunächst die Geschichte erleben möchtet und anschließend den neuen Content erkundet, oder ob dieser direkt eingebunden werden soll. Darüber hinaus gibt es einige neue Features und optische Änderungen in der Neuauflage. Ich bin für euch in die Rolle des Protagonisten Stocke geschlüpft und habe das JRPG für mein Radiant Historia: Perfect Chronology Review unter die Lupe genommen.

Beginnen wir mit der Geschichte des Spiels. Das Spiel führt euch auf den Kontinent Vainqueur, der ein sandiges Problem hat. Die Wüstenbildung bedeckt immer weitere Bereiche mit Sand und das Land liegt brach. Als wären die Tonnen von Sand nicht tragisch genug, herrscht ein verbitterter Krieg, in dem um die letzten fruchtbaren Flächen gekämpft wird. Daher wird Stocke auf eine wichtige und streng geheime Mission geschickt. Bevor er diese antritt, wird ihm das mysteriöse Buch „White Chronicle“ überreicht. Ein Buch, welches blanke Seiten hat.

Glücklicherweise hat Stocke die Fähigkeit, sich durch die Zeit zu bewegen. Er kann so einen Blick in die Zukunft werfen und den Lauf der Geschichte beeinflussen – indem er vergangene Fehler vermeidet. Dadurch ergeben sich zahlreiche Wege – von denen nicht wenige beim Tod enden. Praktischerweise könnt ihr dem ein Schnippchen schlagen, indem ihr die Zeit zurückdreht und es beim nächsten Mal besser macht. Das Spiel bietet zudem mehrere Erzählstränge. Vor Wiederholungen müsst ihr euch bei der ganzen Reiserei durch die Zeit zum Glück nicht fürchten. Ihr könnt in Dialogen den Automodus aktivieren oder direkt vorspulen. Lästig wird es daher erst, wenn ihr einen harten Gegner gleich mehrfach vergeigt und es immer wieder nötig ist, die Dialoge zu überspringen.

Radiant Historia: Perfect Chronology Screenshot 05

Eine Erkundungsreise voller Entscheidungen

In Radiant Historia: Perfect Chronology erkundet ihr die Welt, indem ihr euch auf einer Karte von Ort zu Ort bewegt und so die Spielbereiche betretet. Diese sind wiederum in kleine Abschnitte unterteilt. Während eures Abenteuers werdet ihr zahlreiche Möglichkeiten zum Kämpfen finden. Gegner sind dabei auf einer 3×3 Matrix platziert. Je näher ein Gegner an der Front steht, desto höher fällt sein Schaden aus. Dank euren Skills könnt ihr den Kampf allerdings zu euren Gunsten entscheiden und Gegner nach hinten schlagen. Gekämpft wird rundenbasiert, wobei ihr auf dem unteren Bildschirm vom Handheld seht, wie die Zugreihenfolge aussieht.

In den Kämpfen ergeben sich diverse taktische Möglichkeiten. So könnt ihr etwa schon vor Kampfbeginn Gegner von hinten angreifen und diese betäuben. Im Kampf könnt ihr Züge via Change wechseln und Gegner stoßen. Landen so mehrere Gegner auf einem Spot und ihr greift an, könnt ihr dank Kombos reichlich Schaden austeilen. Im weiteren Spielverlauf gesellen sich dazu noch Elemente, die je nach Stärke oder Schwäche des Gegners mehr oder weniger viel Schaden anrichten. Besonders viel Power haben sie sogenannten Mana Bursts, die ihr im Laufe eures Abenteuers erlenen könnt. Das komplexe Kampfsystem überzeugt und macht auch nach zahlreichen Spielstunden noch Spaß. Dank verschiedenen Schwierigkeitsgraden habt ihr die Wahl, wie anspruchsvoll es sein soll.

Ein Highlight des Kampfsystems ist für mich die Tatsache, dass eure Party tatsächlich strikt euren Befehlen folgt. Ihr lasst gleich drei Charaktere einen Trashmob angreifen, der schon nach einem Schlag seinen letzten Lebenspunkt einbüßt? Pech gehabt! In Radiant Historia: Perfect Chronology greifen eure Partymember dann nicht einfach andere Feinde an, sondern den eh schon geschlagenen Gegner. Dadurch kann der Kopf auch bei scheinbar banalen Kämpfen nicht einfach ausgeschaltet werden. Gerade zu Spielbeginn würde sich dies böse rächen. In vielen Rollenspielen kann man sich einfach mit der A-Taste durch die Standardkämpfe quälen. In Radiant Historia nicht.

Während dieses nette Feature sehr erfrischend wirkt, nervt der Grindfaktor gelegentlich. Das Spiel verleitet schon früh dazu, zunächst etwas Zeit in Grind zu stecken. Die Party hält zu Beginn von Kapitel 1 wenig aus und die Trashmobs nerven mit Gift. Ihr solltet euch also darauf einstellen, während einiger Spielabschnitte zu grinden. Dies ist zum Teil auch nötig, um sich gute Ausrüstung zu beschaffen. Wie bei so vielen Atlus-Spielen gibt es übrigens diverse DLCs, von denen einige auch in Sachen Grind entlasten.

In den erkundbaren Arealen des Spiels wird nicht nur fleißig gekämpft, sondern auch erkundet. Ihr könnt bergeweise Schatzkisten finden, die mehr oder weniger gut versteckt sind. Einige erreicht ihr erst, wenn ihr die passende Fähigkeit erlernt habt. Die Jagd nach Schätzen ist eine willkommene Abwechslung.

Habt ihr im Spiel die falschen Entscheidungen getroffen, dürft ihr als Träger des White Chronicle die Vergangenheit ungeschehen machen und euch anders entscheiden. Zumindest bedingt. Die Macht des Artefakts kennt Grenzen. Ihr könnt zwar in der Zeit zurückreisen, allerdings nur zu entscheidenden Momenten – auch Knoten genannt. Darüber hinaus kann Stocke trotz seiner Zeitreisefähigkeit Verletzungen davontragen, weshalb auch seine Handlungsmöglichkeiten begrenzt sind. Dank Manakristallen könnt ihr Stocke und seine Begleiter heilen – diese wollen allerdings zunächst gefunden werden.

Aus all diesen Elementen ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild. Die Zeitreisen machen viel Spaß und das Kampfsystem fängt nicht nach wenigen Kämpfen an zu nerven. Die taktischen Möglichkeiten überzeugen genauso, wie die Option endlich einmal „Was wäre wenn …?“ Fragen zu beantworten. Eben weil Radiant Historia: Perfect Chronology so viel richtig macht, kann man die kleinen Macken, an denen es krankt getrost übersehen. Sicher ist Grind nicht unbedingt unterhaltsam und Speicherpunkte sollten im Jahr 2018 auch endlich Mal zu Grabe getragen werden. Dazu kommt die nicht vorhandene deutsche Lokalisation. Ohne grundlegende Englischkenntnisse werdet ihr also kaum Freude mit dem Rollenspiel haben. Auch rein optisch hat der Nintendo 3DS schon hübschere Titel gesehen. Hier merkt man, wie alt das Original ist durchaus. Nichtsdestotrotz lassen sich diese Punkte verschmerzen. Sie wirken eher wie Kleinigkeiten, wenn man den großartigen Rest vom Spiel betrachtet.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten mit Gaming finde ich selten Spiele, die sich noch wirklich frisch anfühlen. Eines dieser wenigen Spiele ist Radiant Historia: Perfect Chronology. Nicht weil der Titel das Rad komplett neu erfinden würde – das tut er mitnichten. Das Spiel schafft es allerdings, klassischen Elementen eine frische Note zu verpassen und eigene Wege zu gehen. Oft nur dezent – aber diese feinen Noten ergeben ein stimmiges Stück.

Radiant Historia: Perfect Chronology Screenshot 06

Mein Fazit:

Der Nintendo 3DS ist um ein gutes Rollenspiel aus dem Hause Atlus reicher – zumindest in unseren Gefilden. Endlich dürfen auch wir zur Rettung von Vainquer eilen und durch die Zeit reisen. Das Spiel hat ein paar Ecken und Kanten, sollte aber nicht in der Sammlung fehlen, wenn ihr Rollenspiele zu schätzen wisst. Vor allem dann nicht, wenn ihr Spiele mit Wiedererkennungswert sucht. Obwohl Radiant Historia: Perfect Chronology ein klassisches Rollenspiel ist und Atlus im Laufe der Jahre einiges hervorgebracht hat, fühlt sich der Titel einzigartig an. Das Kampfsystem ist fordernd, die Zeitreisen begeistern und das Gesamtbild wirkt stimmig. Apropos Bild – die Optik hat daran keinen sehr großen Anteil. In dieser Hinsicht merkt man dem Titel an, wie alt Radiant Historia ist. Dafür begeistert der Soundtrack umso mehr. Überzeugen können auch Story und Charaktere.

Natürlich kann der Titel das Rad nicht gänzlich neu erfinden. Den Entwicklern ist es allerdings gelungen, ein klassisches Rollenspiel zu erschaffen, das sich frisch anfühlt. Auf einige Rollenspiel-Urgesteine wie Speicherpunkte verzichtet das Spiel leider trotzdem nicht. In Anbetracht der Plattform sind die allerdings verschmerzbar. An alte Rollenspielzeiten erinnert auch der teilweise nicht vermeidbare Grind. Nichtsdestotrotz ist Radiant Historia: Perfect Chronology eine Bereicherung für den Nintendo 3DS, die Genrefans Dutzende Stunden beschäftigen wird.

Was ist neu in Radiant Historia: Perfect Chronology?

Radiant Historia: Perfect Chronology basiert auf dem Spiel Radiant Historia, welches 2010 in Japan erschienen ist. Perfect Chronology bietet einige Neuerungen:

  • neues Opening-Video
  • eine dritte Zeitlinie
  • den neuen Charakter Nemesia
  • den Ort Vault of Time, der über Historia erreicht werden kann
  • neue Charakter Sprites
  • überarbeiteter Soundtrack mit fünf neuen Stücken
  • neue Artworks, die in der Geschichte zum Einsatz kommen
  • Support Fähigkeiten
  • Schwierigkeitsgrade
  • überarbeitete Lokalisation
  • erweiterte Einstellungsmöglichkeiten
  • Shop-Einkäufe könnt ihr direkt den gewünschten Charakteren anlegen, auch wenn die kein Teil eurer Party sind und so auch Werte vergleiche
  • diverse kleine Änderungen an Waffenstats, Händlerpreisen und anderen Dingen

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Pi mal R Quadrat

Ein gutes Review zu einem sehr guten Spiel. :)
Ich hatte es mir damals tatsächlich importiert und auch ne ganze Zeit lang gespielt. Der Wechsel zwischen den Zeitsträngen ist sehr gut umgesetzt, fand ich, und das Kampfsystem bot einigen Spielraum für fiese Taktiken. Auch die Handlung fand ich erfrischend anders allein durch das höhere Alter der Protagonisten und die Handlung, die auch dunklere Seiten besitzt.
Ich weiß leider nicht mehr, warum ich nicht fertig gespielt habe, aber die Neuauflage sitzt hier und bietet mir eine zweite Chance. Wenn so ein Spiel schon mal den Weg nach Europa findet, muss das genutzt werden.