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Surviving Mars

Surviving Mars Review

Entwickler:         Haemimont Games
Publisher:          Paradox Interactive
Genre:              Aufbau, Strategie
Plattformen:        PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 39,99 Euro 
Offizielle Website: https://www.paradoxplaza.com/surviving-mars/SUSM01GSK-MASTER.html

Der Mars: Echt jetzt

Surviving Mars verspricht uns den Mars. Der Rote Planet übt seit Jahrhunderten seine Faszination auf den Menschen aus. Dank moderner Technik wissen wir heute ziemlich genau, wie es auf ihm aussieht und wir wissen auch, dass er vor langer Zeit der Erde gar nicht so unähnlich war. Heute ist der Mars eine Wüste. Dennoch träumen Organisationen wie die NASA, SpaceX und die ESA davon den ersten Menschen auf den Mars zu schicken. Während die noch träumen, setzen wir mit Surviving Mars bereits Fuß auf unseren roten Nachbarn und bauen unsere eigene Kolonie auf.

Es liegt an uns, welchen Teil des Mars wir besiedeln, die Oberfläche ist nach aktuellen Daten der NASA generiert. Das Spiel gibt uns eine kleine Hilfe über Häufigkeit verschiedener Ressourcen und Gefahren durch Katastrophen wie Meteoriten. Die zahlreichen Fraktionen variieren im Schwierigkeitsgrad, den Boni und damit auch der verfügbaren Geldmenge. Außerdem birgt das Spiel verschiedene Szenarien – Geheimnisse genannt – die im Verlauf eine Geschichte über den Mars und seine Kolonisten offenbaren. Gibt es wirklich Aliens auf dem Mars und sind sie tatsächlich grün? Das darf jeder selbst für sich herausfinden. Eure Handlungen bestimmen den Verlauf der Geschichte – quasi Aufbauspiel mit Story.

Wer einen leichten Einstieg möchte, startet über „Leichtes Spiel“, hier gibt es Tipps zum Spielstart und verlauf. Diese offenbaren sich jedoch eher als mager. Zwar werden ein paar grundlegende Funktionen erklärt, dennoch werden diese Tutorialtipps nicht der Komplexität des Spiels gerecht. So haben wir uns zu Beginn nicht Minuten, sondern gleich Stunden verloren gefühlt. Erst durch viel ausprobieren sind uns Dinge ins Auge gesprungen, auf die uns das Spiel nicht im Ansatz hingewiesen hat. Dazu gehören Routen von Transportfahrzeugen oder die Verteilung von Bewohnern mit Shuttles. Mittlerweile ist für das Frühjahr ein ausführlicheres Tutorial angekündigt, neben vielen anderen Verbesserungen.

Unsere Kolonie beginnt mit dem Aufbau der Infrastruktur, dabei helfen uns fleißige Arbeitsdrohnen. Wasser, Sauerstoff und Nahrung sind die Grundbedürfnisse der Kolonisten. Dazu benötigt es ordentlich Strom, um all das zu betreiben. Für den Bau halten unter anderem Metall, Polymere und Mikrochips her. Alles wird über Stromkabel und Rohre miteinander verbunden und hier offenbart sich schon der erste Surviving-Aspekt. Ist irgendwo ein Rohr oder ein Kabel defekt, gehen nicht nur wertvolle Ressourcen verloren. Auch die Versorgung zum anderen Ende der Leitung ist unterbrochen. Unsere Kolonisten bestätigen: Ohne Sauerstoff lebt es sich nicht so pralle, darum ist redundantes Bauen das A und O – oder ihr baut Sauerstoff- und Wasserspeicher direkt an die Kuppeln, in denen die Kolonisten leben.

Surviving Mars Screenshot 02

Ein bisschen Truman Show

Damit den Leuten dort nicht langweilig wird, gibt es hübsche Parks und Brunnen. Darüber hinaus sinnvolle Einrichtungen wie Labore, Schulen, Universitäten und vielem mehr, was wir hier nicht spoilern möchten. In Laboren gewinnen wir beispielsweise die wichtigen Forschungspunkte und in Universtäten werden die Nachkömmlinge unserer Bewohner spezialisiert. Natürlich ist der Platz unter der runden Mattscheibe begrenzt, darum müssen wir uns gut überlegen, was wir brauchen und was nicht. Das gilt auch für die Bewohner, denn jeder von ihnen hat positive und teilweise auch negative Eigenschaften. Wen wir uns auf den Planeten holen, entscheiden wir zu Beginn selbst. Die Filteroptionen sind umfangreich und teilweise auch verwirrend. Wählen wir Eigenschaften an oder ab, müssen wir uns jedes Mal neu durch Listen klicken bis wir schließlich die passenden Bewerber sortiert haben. Hier ist dringend eine Optimierung notwendig, die im Verlauf des Frühjahrs folgen soll.

Sind Bewohner erst einmal gelandet, gehen sie im Idealfall der Tätigkeit ihrer Spezialisierung nach. Der Botaniker buddelt also zwischen Pflanzen und der Geologe baut außerhalb der Kuppel Metalle aus der Mine ab, oder war es der Ingenieur? So ganz sicher sind wir uns da anfangs nicht, es braucht etwas Experimentierfreude um die richtige Bewohnerauswahl zu finden. Dann muss man nur noch wissen, wo wer arbeitet. Übersichtlich ist anders. Die Zuweisung funktioniert in der Theorie automatisch, doch gerade beim Austausch zwischen mehreren Kuppeln läuft die nicht immer glatt. Immerhin, Wissenschaftler gehören in Labore und das ist auch gut so!

Die Forschung ist ein zentraler Baustein des Spiels und entsprechend umfangreich. Größere Windräder? Gibt’s im Forschungsbaum. Universitäten für die Sprösslinge? Auch die erforscht ihr. Gleiches gilt für größere Wohngebäude und viele andere Technologien. Die Forschungspunkte dafür gibt es aus den Laboren, durch Boni und gar durch euer Erkundungsfahrzeug. Was nicht nur passiv einen Bonus gewährt, sondern auch aktiv Forschungsfortschritt durch die Untersuchung von Anomalien auf dem Mars. Mit etwas Glück findet ihr dabei auch neue Technologien! Während die kleine Standardkuppel am Anfang noch sehr einschränkt, bieten sich euch ab der mittleren Kuppel viel mehr Möglichkeiten.

Surviving Mars Screenshot 05

Weil Wissenschaft Wissen schafft

All das Erforschte und Gebaute möchte natürlich gewartet werden, das schlägt sich am Verbrauch von Ressourcen wie Metall, Polymere oder Mikrochips nieder. Die müssen wir zu Beginn oftmals noch importieren, im späteren Spielverlauf stellen wir sie dann selbst her. Ihr Ingenieure, ab in die Polymerfabrik, aber flott! Nein! Nicht an die Bar … ach verdammt. Naja, letztlich sind die Bewohner leider auch nicht viel mehr als fleißige Arbeitsdrohnen. Im Gegensatz zu den Robotern durchleben sie jedoch einen Lebenszyklus. Kinder und Alte sind logischerweise nicht die besten Arbeiter, auch das müsst ihr bei der Planung und Verwaltung neben den zahlreichen Ressourcen berücksichtigen. Auch hier würde etwas mehr Übersicht nicht schaden.

Bei dem Materialienlager bemühen sich die Entwickler durch die Sortierung nach Material um Übersicht. Doch die Verwaltung der Ressourcen wird im späteren Spielverlauf nicht einfacher. Wieso werden Ressourcen nicht zwischen den Lagern gleichmäßig verteilt? Das würde viel unnötiges Mikromanagement rausnehmen. Mehr Optionen zum automatischen Verschieben oder Nichtverschieben von Ressourcen wären praktisch. Mit dem Mikromanagement sind wir vor allem im späteren Spielverlauf beschäftigt, wenn wir darauf warten, dass endlich die nächste Forschung fertig ist und sonst nichts weiter im Spiel passiert. Das Shuttlehub nimmt hier übrigens gut Arbeit ab, vor allem beim Langstreckentransport. Die tollen Tunnel, die den Rover förmlich von einem Teil zum anderen der Karte beamen, dürfen fort an nur noch Ressourcen beamen.

All das ist eine Wissenschaft für sich, die neue Spieler erst mit der Zeit erkunden. Darum ist die erste Kolonie nicht viel mehr als ein großer Versuchsaufbau. Ihr jagt etwas in die Luft? Kein Problem, bei der zweiten Kolonie wird alles besser. Dann nämlich, wird Surviving Mars zu einem der besten Aufbau-Strategiespiele die der Markt zu bieten hat. Oben drein gibt es noch den Modsupport, mit dem die Community selbst das Spiel erweitern und verbessern kann.

Surviving Mars Screenshot 03

Mein Fazit:

Surviving Mars ist weder einfach, noch nur ein Aufbauspiel. Der Mix aus Überlebenskampf, Aufbau und Ressourcenmanagement erinnert stellenweise stark an Strategiespiele. Eine gute Überlebensstrategie ist notwendig, um auf dem Roten Planeten erfolgreich zu sein und das Spiel macht es einem nicht leicht diese zu finden. Gerade zu Beginn braucht es viel Experimentierfreude, um die vielen Funktionen und Möglichkeiten des Spiels zu erkunden. Ist die Hürde erst einmal geschafft, geht der Titel dafür streckenweise zu leicht von der Hand. In anderen Augenblicken kann die Überschneidung von Ereignissen überfordern und schwere Konsequenzen nach sich ziehen. Es ist nicht leicht, einen Mix aus Anspruch und Beschäftigung zu finden. Surviving Mars schafft diese Balance die meiste Zeit. Die restliche Zeit dürft ihr eure wachsende Kolonie bestaunen oder einfach beim Sterben eurer Kolonisten zusehen.

Umfangreiche Forschungsmöglichkeiten, spielerischer Umfang und Komplexität versprechen auch über mehrere Spielabende hinweg anhaltende Spielfreude. Damit wird Surviving Mars für mutige Kolonisten zu einem der besten Überlebens-Aufbauspiele auf dem Markt. Wer seichtes Städtebauen bevorzugt, wird hier nicht fündig. Das Leben auf dem Mars ist kein Zuckerschlecken. Zum Glück, denn damit trifft der Titel genau unseren Geschmack. Die anfängliche Frustration ist schon vergessen, jetzt reißen wir uns den Mars unter den Nagel!

Dieses Review wurde dank eines Reviewkeys verfasst, den uns Paradox Interactive und Koch Media freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben.

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