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Ni No Kuni II: Schicksal eines Königreichs

Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs Review

Entwickler:         Level-5
Publisher:          Bandai Namco
Genre:              JRPG, Rollenspiel 
Plattformen:        PC, PlayStation 4
Preis:              ca. 59,99 Euro 
Offizielle Website: https://www.bandainamcoent.com/games/ni-no-kuni-ii

Königlicher Spielspaß

Kaum ein Spiel habe ich in den letzten Monaten so sehr erwartet, wie Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs. Als Fan japanischer Rollenspiele ging für mich daran quasi kein Weg vorbei. Da sich Entwickler Level-5 in der Vergangenheit mit Spielen wie Yo-Kai Watch, Ni no Kuni und Professor Layton einen Namen gemacht hat, waren die Erwartungen entsprechend hoch – auch bei mir. Warum das Spiel bei mir trotz der enormen Erwartungen punkten konnte, erfahrt ihr in meinem Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs Review.

In dem Spiel schlüpft ihr in die Rolle von König Evan. Dieser ist noch sehr jung und musste jüngst den Verlust des Vaters verkraften. Kurz bevor er ihm auf den Thron folgen soll, kommt es im Königreich Katzbuckel zu einem Putsch. Glücklicherweise taucht just zu dieser Zeit der geheimnisvolle Roland im Zimmer von Evan auf. Roland kommt aus einer anderen Welt, in der nur wenige Augenblicke vor seinem Auftauchen in der Welt von Evan ein Atomsprengkopf seine zerstörerische Kraft entfesselte. In einer jüngeren Version steht Roland König Evan zur Seite und flieht mit ihm aus Schloss und Königreich.

Eure Reise führt euch im Laufe des Spiels in verschiedene Länder, die alle sehr eigenwillig sind. Da gibt es zum Beispiel die Glücksspielhochburg Goldorado, dessen Einwohner an Hunde erinnern und das hoch technisierte Land Mechbaum. So unterschiedlich die Länder in Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs auch sind – alle haben doch eine Gemeinsamkeit. Jedes Land wird von Konflikten geplagt und es ist an euch, einen Ausweg aus den jeweiligen Situationen zu finden. Während ihr anderen Ländern zur Hilfe eilt, gründet ihr auch euer eigenes Königreich.

Dies geschieht relativ früh im Spiel, was auch gut so ist. Euer Königreich ist zunächst relativ klein und möchte mit Leben gefüllt werden. Sind die ersten Steine gelegt, könnt ihr euch an das Anwerben von Talenten machen. Dafür müsst ihr ebenfalls die Welt bereisen und nach potenziellen neuen Bewohnern die Augen offenhalten. Habt ihr die ersten Talente von eurer Sache überzeugt, könnt ihr mit dem Aufbau eures Königreichs beginnen. Dieser Ausbau ist ein Kernaspekt des Spiels. Euer Königreich verdient mit der Zeit Kronen. Diese könnt ihr in den Bau von Einrichtungen, Erweiterungen und Forschung investieren. Je mehr ihr habt, desto größer ist euer Einfluss. Je höher der Einfluss ist, desto mehr Kronen nehmt ihr ein. Es lohnt sich also, regelmäßig den Bau eures Königreichs voranzutreiben.

Es ist nicht nur optisch ganz schick anzusehen, wenn ihr euer kleines Reich ausbaut, es ist auch ausgesprochen nützlich. Durch Forschung lernt ihr neue magische Fähigkeiten, ihr könnt bessere Waffen und Rüstungen herstellen, Boni wie mehr Gulden und Erfahrungspunkte einstreichen oder eure Kampftruppen stärken. Ihr könnt zahlreiche Fähigkeiten, Vorteile und Boni freischalten, wenn ihr euer Königreich fleißig ausbaut und die dafür nötigen Talente anwerbt. Das Feature überzeugt fast auf ganzer Linie. Der einzige Wermutstropfen ist der vorgegebene Ausbau. Ihr könnt nicht einmal bestimmen, welche Einrichtung wo gebaut werden soll. Auch die Optik ist nicht individuell. Schade eigentlich. Es wäre zum Beispiel ganz cool gewesen, wenn sich die Umgebung durch Dekoelemente wie Statuen und Parks anpassen lassen hätte. So fehlt ein wenig das Gefühl, tatsächlich das eigene Königreich auszubauen, da ihr als Spieler letztlich nur festlegen könnt, welche aktuell möglichen Gebäude zuerst gebaut werden sollen und wo ihr mit der Forschung beginnt – die nötige Expertise vorausgesetzt.

Ein weiterer Wermutstropfen sind die Talente. Diese werbt ihr über Quests an. Leider sind die viel zu häufig sehr einfach gestrickt. Oft genügt es schon, ein paar Items zu überreichen. Da ihr im Spielverlauf bergeweise Zeug findet und im Königreich ebenfalls Material erhaltet, habt ihr viele der gefragten Gegenstände vermutlich schon bei Annahme der Quest. Anders gestrickte Quests sind nicht wesentlich komplexer. Einige Aufgaben lassen euch zum Beispiel bestimmte Orte aufsuchen, um dort einen besonderen Gegner zu erledigen. Die Quests sind nur selten über dem Niveau von Fetch Quests. Besonders macht sich dies bei langen Spielsitzungen bemerkbar. Nach zwei bis drei Stunden mit Quests bin ich meist zu ermüdet und brauche eine Pause. Es gibt im Spiel zusätzlich noch Aufträge, über die ebenfalls Talente gewonnen werden können. Die Aufträge haben allerdings auch nur Fetch Quest Niveau. Nicht selten konnte ich ein oder zwei Dutzend davon annehmen und diese direkt abschließen.

Ni No Kuni 2 Screenshot 02

Ansprechendes Kampfsystem trifft auf unausgewogenen Schwierigkeitsgrad

Während die Quests nur selten richtig fordernd sind, hat mich das Kampfsystem überzeugt. Dieses ist überraschend komplex und vielschichtig. Die Kämpfe finden in Echtzeit statt und sind für gewöhnlich auf einen kleinen Spielbereich beschränkt. Im Kampf spielen Elemente eine Rolle. Darüber hinaus müsst ihr gegnerischen Angriffen ausweichen und fliegende Gegner mit hohen Angriffen aus der Luft holen. Oder aber ihr setzt auf Fernangriffe. Besonders interessant sind die Fähigkeiten. Während einige richtig genutzt besonders viel Schaden austeilen, können andere Support für eure dreiköpfige Gruppe liefern oder auch Items stehlen. Im Laufe der Zeit könnt ihr etliche Fähigkeiten erlernen.

Als Spieler habt ihr diverse Möglichkeiten, eure Gruppe an euren Spielstil anzupassen. Dabei spielt euer Königreich ebenfalls eine Rolle. Nutzt ihr gern Fernangriffe, könnt ihr diese zum Beispiel über einen Forschungszweig stärken. Da die Forschung sehr langwierig und kostenintensiv ist, lohnt es sich zunächst an euren Stil angepasst zu forschen. Egal wie eure Gruppenzusammenstellung im Kampf aussieht – euer Wächter ist immer an eurer Seite. Dieser wirft gelegentlich Sphären in eure Richtung. Sammelt ihr die auf, könnt ihr erwachen. In diesem Zustand leert sich eine Leiste. In der erwachten Zeit könnt ihr ohne Magieverbrauch Fähigkeiten einsetzen und besonders viel Schaden austeilen.

Ebenfalls an eurer Seite sind die Gnuffis, die ihrem Namen alle Ehre machen und richtig knuffig sind. Es gibt verschiedene Gnuffis. Die grünen sind etwa für Support da. Sie können euch mit Schilden schützen oder heilen. Zu Beginn des Spiels habt ihr nur sehr wenige Gnuffis dabei. Später bekommt ihr mehr und ihr müsst in eurer Gruppenzusammenstellung festlegen, welche euch begleiten sollen. Gnuffis könnt ihr über das Königreich verstärken, indem ihr sie aufzieht. Außerdem lassen sich dort neue Gnuffis erschaffen.

Klingt komplex? Es wird noch tiefer. Ein besonderes Schmankerl ist der Kampfequalizer. Durch Kämpfe erhaltet ihr regelmäßig Kampfpunkte, die ihr im Equalizer ausgeben könnt. Dort könnt ihr mit Schiebereglern Einstellungen vornehmen. So lässt sich zum Beispiel festlegen, ob ihr mehr Schaden gegen weiche oder harte Gegner austeilen möchtet. Ihr wollt euch mit einem der stärkeren Drachen anlegen? In dem Fall könnt ihr euren Schaden gegen Drachen erhöhen. Mit dem Kampfequalizer könnt ihr auch festlegen, ob ihr lieber mehr Ausrüstung, Erfahrungspunkte oder Gulden als Kampfbelohnung vorzieht. Einige Boni lassen sich ebenfalls freischalten. Ein tolles Feature, welches ich mir für mehr Spiele wünschen würde.

Weniger toll ist der Schwierigkeitsgrad. Festlegen könnt ihr diesen nicht – es gibt nur einen. Leider sind die Gegner teilweise ziemlich unausgeglichen. Die meiste Zeit ist das Spiel für erfahrene Spieler sehr einfach und keine große Herausforderung. Im Spielverlauf bin ich allerdings auch mehrfach an meine Grenzen gestoßen und musste zunächst aufleveln. Dies passiert vor allem dann, wen ihr ein Land verlasst und es in ein anderes geht. Obwohl ich fast alle Quests am Wegesrand mitgenommen habe und auch viele der stärkeren besessenen Gegner direkt erledigt habe, waren die Feinde einige Male plötzlich viel stärker als meine Gruppe. Den Entwicklern ist es nicht gelungen, hier zu 100 Prozent eine funktionierende Balance zu finden. Auch der Schwierigkeitsgrad von größeren Gegnern schwankt sehr. Einige waren selbst dann leicht zu legen, wenn meine Gruppe einige Level darunter lag. Andere haben mich trotz identischem Level einige Nerven gekostet.

Selbiges gilt übrigens auch für die Armeemanöver, von denen das Spiel einige bietet. Ihr müsst in Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs nämlich nicht nur eure Gruppe auflevlen, sondern auch eure Truppen. In der Spielwelt sind etliche Banner zu finden, bei denen sich eine Schlacht starten lässt. Dank Kronen könnt ihr euch Vorteile wie mehr Einsatzmittel erkaufen. Maximal lassen sich vier Truppen befehligen, wobei jeder eine besondere Fähigkeit hat. Über die bestimmt der Truppführer. Im späteren Spielverlauf haben mir die Schlachten viel Spaß gemacht. Zunächst hat mich das Feature aber etwas gestört. Aufleveln ist zu Spielbeginn gar nicht so einfach, da es nur wenige Kämpfe gibt und die meisten einfach zu hoch sind. Auch hier ist das Spiel etwas unausgeglichen. Erfahrene Spieler wissen sich zu helfen – Neulinge und jüngere Spieler dürften allerdings ganz schön daran zu knabbern haben. Mit der Zeit relativiert sich dieser Zustand, da man viele Truppen bekommt. Insofern die auch hochgespielt werden, ist später viel Flexibilität gegeben und es ist einfacher, passend gerüstet in die Schlachten zu ziehen. Hierfür muss der Spieler allerdings etwas Zeit investieren und Grind in Kauf nehmen.

Ni No Kuni 2 Screenshot 06

Zauberhafte Spielwelt

Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs punktet trotz kleiner Macken beim Gameplay. Doch wie sieht es beim Rest aus? Beginnen wir mit der auffälligen Optik des Spiels. Der Titel ist optisch auf niedlich getrimmt und sehr farbenfroh. Entsprechend fröhlich ist auch das Charakterdesign. Die Orientierung an der Tierwelt überzeugt und die Charaktere sind liebenswert. Vor allem Evan und Roland haben mich überzeugt. Andere Figuren könnten etwas mehr Tiefe vertragen. Studhio Ghibli hat zwar am zweiten Teil nicht offiziell mitgewirkt, trotzdem hat das Spiel dieses besondere Flair. Kein Wunder. Unter anderem haben Joe Hisaishi und Yoshiyuki Momose an dem Projekt mitgewirkt. Beide arbeiteten einst für Ghibli.

Das Gesamtbild wirkt sehr stimmig, da das Zusammenspiel aus Grafik, fröhlich beschwingtem Soundtrack und niedlichen und oft naiven Charakteren wunderbar funktioniert. Die Vertonung der Charaktere ist übrigens gelungen – wenngleich nicht lokalisiert. Nur die Übersetzung hat mich manchmal verwundert. Die bleibt zwar stets nah am Original, aber trotzdem entspricht der deutsche Text der Untertitel nicht immer ganz der englischen Version. Die Dialoge decken ein breites Spektrum ab. Mal ist die Geschichte richtig traurig, andere Male begeistert sie mit Wortwitz. Ich habe die Dialoge des Spiels bis zum Schluss sehr gern gelesen, da sie gut ins Gesamtbild  passen. Sicher ist es manchmal ziemlich naiv, wenn Evan in einem Land „aufgeräumt“ hat und dann ein Fremder in sein Königreich kommt, weil Evan ihm fünf gewünschte Items übergibt. Irgendwie passen diese Naivität und Unschuld dann aber doch ganz gut ins Bild. Beim erwähnten Soundtrack hätte ich mir etwas mehr Abwechslung gewünscht. Der ist zwar als solcher gut und hebt sich vom typischen JRPG-Soundtrack überraschenderweise ab, aber er ist auch relativ eintönig. Dem Spiel hätten einige Musikstücke mehr nicht geschadet. Mit der Zeit ist man die immer identische Musik bei Kämpfen, Truppangriffen oder der Erkundung der Oberwelt leid. So wäre es zum Beispiel schön gewesen, wenn sich die Kampfmusik in den Ländern ändern würde.

Die erwähnte Oberwelt passt übrigens prima zum Spiel. Viele Spielbereiche erkundet ihr, indem ihr mit an Chibis erinnernden Charakteren über die Oberwelt lauft. Darauf warten allerlei Schätze, Banner für Truppenkämpfe und natürlich unzählige Gegner. Startet ihr einen Kampf, wechselt das Spiel in den Kampfbildschirm und ihr werdet wieder „normal“. Im Spielverlauf erhaltet ihr außerdem diverse Fähigkeiten, die euch an bestimmten Stellen interagieren lassen. So könnt ihr zum Beispiel zuvor nicht erreichbare Orte besuchen oder die besonderen blauen Schatzkisten öffnen. Dadurch erhält das Spiel einen klassischen Touch. Moderne JRPGs bieten kaum noch eine solche Oberwelt. Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs beweist, dass nicht alles modernisiert werden muss. Der Titel bietet einen gelungen Mix aus klassischen und modernen Elementen.

Für Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs solltet ihr auf jeden Fall etwas Geduld mitbringen. Der Einstieg kann verunsichern, da er fast schon zäh ist und das Spiel zunächst nur wenig von seinem Charme zeigt. Erst nach einigen Spielstunden endet diese Phase und das Spiel weiß in seinen Bann zu ziehen. Ihr solltet euch also nicht zu schnell ein Urteil bilden. Nach den ersten Spielstunden wäre mein Resümee noch ziemlich mager ausgefallen. Nachdem ich inzwischen Dutzende Spielstunden auf dem Konto habe, bin ich verzaubert – und bereit für mehr. Von mir aus könnte Bandai Namco noch heute die Season Pass Inhalte veröffentlichen. Ich bin hungrig nach mehr und inzwischen schon im zweiten Spieldurchgang. Etwas, wozu mich heute nur noch selten ein Spiel bewegen kann. Daran können auch Wermutstropfen wie die auf der PlayStation 4 Pro manchmal einbrechende Framerate nichts ändern. Trotzdem hoffe ich, dass das mit der Zeit noch behoben werden kann. Vor allem Effektgewitter auf dem Bildschirm lassen die Framerate einbrechen. Dafür punktet das Spiel mit häufigen Autosaves.

Ni No Kuni 2 Screenshot 01

Mein Fazit:

Ni No Kuni 2: Schicksal eines Königreichs ist ein zauberhaftes Rollenspiel mit liebevoll gestalteten Charakteren und einer ebenso liebevoll gestalteten Spielwelt. Die unterschiedlichen Länder und Rassen bieten reichlich Abwechslung und erfreuen das Auge. Leider sind die Quests im Spiel weit weniger abwechslungsreich und zu oft nur auf Fetch Quest Niveau.

Ein besonderes Highlight ist die Errichtung eures eigenes Königreichs. Ihr fangt ganz klein an und könnt mit der Zeit ein beeindruckendes Schloss und zahlreiche nützliche Einrichtungen errichten. Der Aufbau eures Königreichs erfordert Talente, von denen ihr mehr als 100 anwerben könnt. Der Einfluss des Ausbaus auf das Spielgeschehen macht diesen zu einem gelungenen Feature. Ihr könnt festlegen, ob ihr lieber eure Truppen für Armeeeinsätze stärken wollt, mehr Gulden verdienen möchtet oder zunächst Magie erforscht, die euch an neue Orte führen kann.

Obwohl die Quests oft einfach sind, bleibt unterm Strich auch für ältere und erfahrene Gamer genug Abwechslung, dank Militäreinsätzen, besonderen Schätzen, mächtigen Gegnern und Content nach Abschluss der Story. Als Fan japanischer Rollenspiele hatte und habe ich reichlich Spaß mit Ni No Kuni 2. Ein zauberhaftes Spiel, mit kleinen Macken. Das Spiel bietet einen gelungenen Mix aus klassischen und modernen JRPG-Elementen und ist so eines der zauberhaftesten Spiele seiner Art. Ein einzigartiges JRPG-Juwel.

Bildquelle: Level-5

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