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A Way Out

A Way Out Review

Entwickler:         Hazelight
Publisher:          Electronic Arts
Genre:              Action, Adventure, Koop 
Plattformen:        PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 29,99 Euro 
Offizielle Website: https://www.ea.com/de-de/games/a-way-out

Willst du mit mir spielen?

In den letzten Jahren habe ich eine Sache bei Spielen schmerzlich vermisst: Splitscreen. Während der Onlinemultiplayer seinen Siegeszug feierte, starb der einst beliebte Splitscreen beinahe aus. Selbst der letzte Ableger von Halo ermöglicht es nicht, die Kampagne zu zweit an einer Konsole zu spielen. Dabei gehörte die Reihe in Sachen Splitscreen jahrelang zu den Vorzeigespielen. Immer wieder fanden Entwickler Gründe, warum spielen mit geteiltem Bildschirm nicht möglich sei.

A Way Out ignoriert diesen schon viel zu lange anhaltenden Trend und setzt auf ein kooperatives Erlebnis. Natürlich könnt ihr dieses auch ganz modern online antreten. Ihr habt allerdings auch die Möglichkeit, den Titel ganz altmodisch im Splitscreen zu zocken. Sogar am PC ist dass möglich und gut umgesetzt. Egal ob ihr lieber online oder lokal zusammenspielen möchtet – der Koop ist in A Way Out Pflicht. Ich habe das Abenteuer von Leo und Vincent mit meinem Mann erlebt.

Leo und Vincent sind Insassen in einem Gefängnis und kommen sich bei einer Prügelei erstmals näher. Eines Tages beschließt Leo, aus dem Gefängnis auszubrechen. Dabei stößt er allerdings schon bald an seine Grenzen. Vincent bekommt Wind von der Sache und kann ihn davon überzeugen, dass das Vorhaben nur zu zweit gelingen kann. Da beide außerhalb der Gefängnismauern einen gemeinsamen Feind haben, tun sie sich schließlich zusammen. So gelingt es euch schon nach kurzer Spielzeit, eure Gefängniszellen zu verlassen. Weit kommt ihr allerdings nicht, da ihr schon bald auf ein Hindernis trefft. Und so beginnt eure Flucht auf Raten. Stück für Stück versucht ihr euch einen Ausweg zu schaffen, indem ihr zusammenarbeitet. Nur wenn das Timing beider Spieler stimmt, kommt ihr eurem Ziel näher.

So gibt es zum Beispiel immer wieder Szenen, bei denen ein Spieler den Rücken des anderen Spielers freihalten muss. Manchmal reicht schon ein Gespräch, um die nötige Ablenkung zu schaffen. Bisweilen muss aber auch die Aufmerksamkeit an einen anderen Ort gelenkt werden. In solchen Situationen ist es wichtig, schnell eine solche Möglichkeit ausfindig zu machen und zu handeln, da der Kumpane sonst auffliegt. Dieser wiederum muss vorsichtig agieren, um nicht entdeckt zu werden. Ans Ziel kommt ihr nur, wenn beide Spieler ihren Teil erledigen.

Besonders gelungen ist zum Beispiel eine Szene, in der ihr mit eurem Partner Rücken an Rücken einen Schacht nach oben klettern müsst. Euer Timing sollte möglichst synchron sein. Tanzt einer zu sehr aus der Reihe, stürzt ihr in die Tiefe. Alleingänge bringen euch in A Way Out nicht weit. Genau dadurch ist das Konfliktpotenzial sehr hoch. Es genügt nicht, wenn ein Spieler einen Abschnitt meistert … am Ende müssen beide ihr Soll erfüllen. Scheitert ein Spieler, müssen beide nochmal ran. Die Stimmung kann dadurch schnell kippen, wenn ein Spieler schnell ungeduldig wird oder die Fassung verliert. Eine ideale Beziehungsprobe. Können beide Mitspieler auch bei Fehlschlägen die Haltung bewahren?

Interessant wird es auch an jenen Stellen des Spiels, die eine folgenreiche Entscheidung verlangen. Manchmal habt ihr die Wahl, wie ihr weiter vorgehen möchtet. Viele Spiele würden einfach alle Abstimmungsergebnisse in einen Topf werfen und das Los entscheiden lassen. A Way Out ist anders. Erst wenn beide für dieselbe Option abstimmen, geht es weiter. Eine Einigung ist alternativlos. Man merkt dem Spiel immer wieder an, dass es als Koopspiel entwickelt wurde. Oft bedeutet Koop einfach, mehrere Spieler können sich zusammentun. Ob die nun wirklich gut zusammenarbeiten oder lieber ihr eigenes Süppchen kochen, spielt nur eine nebensächliche Rolle. Vincent und Leo hingegen müssen eine funktionierende Einheit bilden. Je besser ihr mit eurem Mitspieler zu einer Einheit werdet, desto besser harmonieren die Protagonisten im Spiel. Für Egotrips ist da kein Platz.

A Way Out zeigt eindrucksvoll, wie ein Koop funktionieren kann. Es ist eine gute Entscheidung gewesen, diesen zur Pflicht zu machen, statt alternativ einfach die KI ran zu lassen. Das Spiel lebt vom Zusammenspiel der Gamer, obwohl auch die Story und das Gameplay nicht uninteressant sind. Die Story ist allerdings auch mit Klischees vollgeladen. Als Singleplayerspiel würde der Titel vermutlich kaum jemanden vom Hocker hauen. Die zwei ungleichen Protagonisten und deren Teamwork machen den Reiz aus. Folglich steht und fällt hier aber auch viel mit eurem Mitspieler. Stimmt die Chemie nicht, kann der Spielspaß schnell flöten gehen. Ein wenig erinnert dies an Mario Kart. Es ist gar nicht so wichtig, wie gut eure Mitspieler sind – die Stimmung macht am Ende den Spaß. Auch wenn etwas nicht auf Anhieb funktionieren möchte.

Besonders lobenswert ist der Splitscreen-Modus der PC-Version. Sehr viele Spiele die Koop mit geteiltem Bildschirm anbieten behalten dies den Konsolenversionen vor. Beim PC heißt es häufig online, im LAN oder gar nicht. A Way Out lässt euch auch an einem PC zusammenspielen. Ein Spieler kann dabei Maus und Tastatur nutzen, ein Zweiter einen Controller. Koop funktioniert so auch an einem PC wunderbar.

Natürlich ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt. So sind die Entscheidungen zum Beispiel eher banaler Natur, was ihr spätestens beim zweiten Spieldurchlauf merken werdet. Dazu kommen viele Quick-Time-Events und wenig spielerischer Anspruch. Letzterer hat allerdings auch seinen Vorteil. Da der Koop Pflicht ist, könnt ihr als Mitspieler auch durchaus euren Partner fragen, wenn er oder sie sonst nicht sonderlich viel mit Games am Hut hat. Das Spiel ist für Paare nicht uninteressant und verspricht ein paar unterhaltsame Abende.

A Way Out Screenshot 04

Mein Fazit:

Genau so stelle ich mir ein Koop-Spiel vor! A Way Out bietet mir die Möglichkeit im Splitscreen zu zocken und ist von vorne bis hinten auf das kooperative Spielerlebnis zugeschnitten. Der Koop-Modus ist der Star des Spiels. Sofern ihr mit eurem Spielpartner gut harmoniert, werdet ihr viel Freude mit dem Spiel haben. Bei der Wahl eures Mitspielers solltet ihr allerdings vorsichtig sein – denn mit ihm steht und fällt auch der Spielspaß. Alleingänge führen nicht weit. Nur wenn beide Spieler abgestimmt spielen, werden Leo und Vincent vorankommen. Genau da liegt auch der Reiz des Spiels. Es reicht nicht, einfach einen Spielpartner zu suchen und dann doch ein eigenes Süppchen zu kochen. Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg.

A Way Out sollte sich auch die Konkurrenz genauer ansehen. Das Spiel beweist eindrucksvoll, wie gut Koop-Spiele – auch im Splitscreen – noch heute funktionieren und wie der Koop sogar zu einem zentralen Spielelement werden kann. Entwickler und Publisher haben in Zeiten, in denen Splitscreen weitestgehend ausgestorben ist, viel Mut bewiesen. Dieser Mut dürfte belohnt werden, da das Spiel mit Sicherheit auch nach dem erfolgreichen Start noch zahlreiche Fans gewinnen wird. Natürlich könnt ihr das Spiel auch ganz modern im Online-Koop spielen. Nur ein Solospiel ist nicht mögich, da der Titel kein Singleplayer unterstützt. Egal ob ihr lieber offline oder online spielt – entgehen lassen solltet ihr euch das Spiel nicht. A Way Out ist eines der besten Spiele, welche ich dieses Jahr gezockt habe. Ich hätte mir zwar noch etwas mehr spielerischen Anspruch gewünscht und ein paar Spielstunden mehr begrüßt, diese kleinen Macken wiegt das kooperative Erlebnis allerdings auf. Das Spiel bietet einen der besten Koop-Modi, die ich je gespielt habe und ich kann euch das Game wärmstens empfehlen.

Bildquelle: Electronic Arts

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