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Bully Hunters
Bully Hunters, Quelle: Twitch

Bully Hunters: Männliche Spieler werden Opfer einer Werbekampagne

„Bully Hunters – Ein Kollektiv von Spielern, Marken und Organisationen kämpft dafür Ingame-Belästigung zu eliminieren“ So heißt es sinngemäß auf dem Titelbild der Bully Hunters Facebook-Seite.

Derzeit sorgt das Kollektiv für reichlich Furore im Internet. Hinter den bully hunters soll sich eine Reihe von Elitespielerinnen verbergen, die auf der Suche nach einer bestimmten Gruppe männlicher Spieler ist. In dem Spiel Counter Strike: GO macht Bully Hunters Jagd auf Spieler, die weibliche Spielerinnen mobben, schikanieren und ihnen gegenüber sexistisch auftreten. Zumindest angeblich. Mittlerweile gibt es erhebliche Zweifel an der Echtheit der Aktion.

Bei Twitter brachte eine Mental Health Forscherin den Stein des Anstoßes zum Rollen. Eine Vertreterin von Bully Hunters beruft sich auf eine Studie, laut der drei Millionen Frauen Videospiele aufgrund von Belästigungen und Schikane aufgegeben haben. Nach aktuellem Kenntnisstand gibt es eine solche Studie nicht. Die Zahl erscheint allein schon deshalb unglaubwürdig, da in der Regel nicht mehr als einige Tausend Personen an umfangreichen Studien teilnehmen. Studien dieser Größenordnung finden in der Regel den Weg an die Öffentlichkeit. Nicht selten werden diese von Regierungen oder großen Unternehmen in Auftrag gegeben und anschließend publiziert.

Die Studie, die tatsächlich zugrunde liegt, scheint aus dem Jahr 2012 zu stammen. Initiiert wurde diese von Emily Matthew. 874 Personen nahmen an der Umfrage teil, von denen 356 dem weiblichen Geschlecht angehören. Der Umfrage zur Folge werden Frauen viermal häufiger in Spielen belästigt als Männer. 63 Prozent der Frauen gaben an, schon einmal in Spielen diffamiert worden zu sein. 35,8 Prozent der Frauen gaben an, ein Spiel wegen solcher Ereignisse verlassen zu haben. 9,6 Prozent haben sogar mit einem Spiel komplett aufgehört, weil sie belästigt wurden. Von diesem beschränkten Personenkreis ausgehend extrapolierte Bully Hunters drei Millionen betroffene Frauen.

Ein Video zeigt die Arbeit der Bully Hunters. Für Laien wirkt dieses durchaus legitim. Erfahrenen CS: GO Spielerin sind jedoch einige Ungereimtheiten aufgefallen. Wie unter anderem Reddit-User „roboticmumbleman“ festgestellt hat, ist es überhaupt nicht möglich, mitten in ein Spiel einzusteigen. Darüber hinaus gibt es kein Cross-Team-Chat in dem gezeigten Spielmodus. Es ist daher nicht möglich, die Stimmen der Gegner zu vernehmen. Dies wird allerdings in dem Video gezeigt. Eine kurze Recherche der Community führte schließlich zu dem Ergebnis, dass das gezeigte Opfer und die gerufene bully hunterin ein und derselbe User bei Steam sind. Screenshots im Internet belegen dies. Auch Twitch kam den Vorfällen auf die Schliche und nahm den Stream und die Aufzeichnung offline.

 

Die Sache scheint jedoch noch größer, als zunächst angenommen. Steelseries wirbt zur Unterstützung der scheinbaren Organisation mit einem Special Edition Bully Hunter Headset. Es scheint so, als wären Bild- und Videomaterial von der Werbeagentur FCB Chicago erstellt wurden. Offenbar im Auftrag von Steelseries. Bully Hunters ist womöglich nicht mehr als eine aufwendig produzierte Werbekampagne.

Selbstjustiz im Namen einer Werbekampagne? Als Frau kann ich selbst bestätigen, dass Belästigungen durch männliche Spieler vorkommen. Ich heiße diese nicht gut und finde solche Vorkommnisse lästig. Nichtsdestotrotz halte ich eine inszenierte Werbekampagne nicht für einen geeigneten Ansatz, um auf dieses sensible Thema aufmerksam zu machen. Steelseries rückt sich damit in ein zweifelhaftes Licht. Gewonnen hat dabei niemand etwas. Am wenigsten die Opfer.

Quellen: Twitter, Reddit, NeoGAF

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