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Nintendo Labo

Nintendo Labo Review

Gegen den Strom

Trends gibt es nicht nur in der Modewelt. Auch in der Spielebranche zeichnen sich immer wieder Strömungen ab. Egal ob Shooter, Survival, MOBA, Mikrotransaktionen, DLCs, Multiplayer oder Battle Royale – Modeerscheinungen kommen und gehen. Das japanische Unternehmen Nintendo scheint allerdings wenig davon zu halten, einfach mit dem Strom mit zuschwimmen und sich aktuellen Bewegungen anzuschließen. Stattdessen überrascht Nintendo immer wieder mit Innovation und kreativen Ideen. Die vielleicht ausgefallenste seit langem ist Nintendo Labo. So mancher Gamer belächelt die Labo-Produkte und tut sie als überteuerte Pappe ab. Dies wird dem neuesten Streich von Nintendo aber nicht einmal ansatzweise gerecht. Warum ihr für euer Geld mehr als nur Pappe bekommt, erfahrt ihr in meinem Nintendo Labo Review.

Nintendo Labo

Was ist Nintendo Labo?

Derzeit gibt es drei Nintendo Labo Produkte auf dem Markt. Das Multi-Set beinhaltet fünf verschiedene Toy-Con und eine passende Software. Das Robo-Set bietet das Roboter Toy-Con mitsamt Software. Außerdem ist ein Design-Paket erhältlich, welches Klebebandrollen, Schablonen und Stickerbögen umfasst.

Doch was ist dieses Nintendo Labo überhaupt? Labo kombiniert Basteln, Videospiele und einfache Programmiermöglichkeiten sehr geschickt miteinander. Die beiden Sets enthalten jede Menge Pappbögen, mit denen ihr nach Anleitung sogenannte Toy-Con bauen könnt. Dafür liegt jedem der Sets eine Software bei, die ihr vor Beginn eurer Bastelarbeit in die Switch einlegt. Diese erklärt euch ausführlich in Wort und Bild, wie ihr vorgehen müsst, um am Ende ein fertiges Toy-Con in Händen zu halten.

Habt ihr ein Toy-Con gebaut, ermöglicht die Software damit zu spielen. Außerdem gibt es noch die Säule Entdecken. Mit Nintendo Labo ist nämlich mehr möglich, als nur ein paar Pappbögen zu einer Bastelarbeit zu formen und ein paar Minispiele zu absolvieren. Ihr könnt ein Toy-Con nach Lust und Laune gestalten, erweitern und umfunktionieren. Außerdem könnt ihr selbst Dinge basteln und einfache Befehle erstellen. Hierfür kommen einfache Programmiergrundlagen zum Einsatz und die Kreativität des Benutzers ist gefragt. Da die Software an Kinder gerichtet ist, bietet diese ausreichend Hilfestellung. Die ist auch dann von Vorteil, wenn Kreativität nicht zu den eigenen Stärken gehört.

Bauen

Dank Pappbögen und Software erschafft ihr Toy-Con. Die ausführlichen Erklärungen der Software sind auf Kinder zugeschnitten und humorvoll gestaltet. Darüber hinaus sind die Anleitungen in mehrere Abschnitte unterteilt. Zwischen diesen erinnert Labo daran, auch Mal eine Pause zu machen. Trotzdem sollte die Bastelarbeit bei jüngeren Kindern von den Eltern begleitet werden, da diese relativ komplex ist. Beim Robo-Set hatte ich bei einem Schritt selbst ziemliche Mühe, da ich auch für eine Frau sehr kleine Hände habe und das Toy-Con relativ groß ist. Soll das Toy-Con möglichst lange leben und stabil sein, ist zudem sauberes Arbeiten nötig.

Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, auch jüngere Kids in die Bastelarbeiten einzubeziehen. Mein 5-jähriger Sohn hat mit Unterstützung von Mama viel Freude daran gehabt und einige Handgriffe selbst übernehmen können. Praktischerweise kommt Nintendo Labo ohne den Einsatz von Schere und Kleber aus. Die Einzelteile eines Toy-Con lassen sich durch vorsichtiges Drücken aus den Bögen entfernen, da diese vorgestanzt sind. Sie lassen sich kinderleicht herausdrücken und verknicken bei vorsichtigem Umgang nicht. Die Toy-Con sind so gestaltet, dass alles durch Laschen aus Pappe zusammengehalten wird, die einen wunderbaren Job machen. Dennoch sollte im Hinterkopf behalten werden, dass es sich eben letztlich doch nur um Pappe handelt. Kleinkindern sollte diese nicht ohne Aufsicht überlassen werden. Bei normalem Umgang müsst ihr um eure Nintendo Labo Kunstwerke keine Angst haben.

Ältere Spieler könnten sich ein wenig an den ausführlichen Erklärungen stören. Auch wenn ein Arbeitsschritt mehrfach wiederholt werden muss, wird dieser jedes Mal komplett gezeigt. Die Erklärungen laufen zudem nicht einfach automatisch weiter, sondern ihr müsst mittels Joy-Con oder Touchpad vorspulen. Besonders geärgert hat mich das Robo-Set. Ich habe dieses über zwei Tage verteilt gebaut und beim ersten Mal bis zu Schritt vier gearbeitet. Leider hat sich die Software dies nicht gemerkt und beim nächsten Start musste ich mich durch alle schon absolvierten Schritte spulen, um weiterbauen zu dürfen. Die Software von Multi-Set und Robo-Set erlaubt es nämlich nicht, einfach zu einem späteren Schritt zu springen. Die ist nur möglich, wenn ihr euch einmal durch eine Anleitung gearbeitet habt. Dann werden auch erst die Bereiche „Spielen“ und „Entdecken“ freigeschaltet.

Beim Multi-Set geschieht das zum Glück für jedes Toy-Con individuell. Es wäre sonst sehr ärgerlich, wenn erst alle Bastelarbeiten abgeschlossen werden müssten. Dafür muss nämlich reichlich Zeit eingeplant werden. Folgende Bauzeiten gibt Nintendo an:

RC-Auto: 10 Minuten
Angelrute: 90 bis 150 Minuten
Haus: 120 bis 180 Minuten
Motorrad: 90 bis 150 Minuten
Klavier: 150 – 210 Minuten
Robo-Anzug: 180 – 240 Minuten

Die Zeiten kommen so auch in etwa hin. Wer geschickt ist, wird vermutlich im niedrigen Bereich oder sogar etwas darunter liegen. Fällt euch Basteln eher schwer, sind die höheren Zeitangaben realistisch. Darüber hinaus spielt es auch eine Rolle, wer die Toy-Con baut. Jüngere Kinder werden ebenfalls eine ganze Weile beschäftigt sein. Egal ob Robo-Set oder Multi-Set. Mindestens zwei Nachmittage sollten eingeplant werden.

Ein weiterer Faktor ist die Kreativität des Erbauers. Grundsätzlich genügt es, einfach ein Toy-Con nach Anleitung zu basteln. Es geht allerdings mehr. Den Sets liegen zusätzliche Pappelemente bei, mit denen ihr weitere Ideen umsetzen könnt. Außerdem kann die Pappe nach Herzenslust dekoriert werden. Ihr könnt ein Toy-Con um eigene erstellte Elemente erweitern, Deko wie Aufkleber anbringen oder es bemalen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Egal ob Wackelaugen, Wattebällchen, bunte Effektfolie oder Washi-Tape – alles ist erlaubt. Wichtig ist nur, dass bestimmte Bereiche zugänglich bleiben. Damit ein Toy-Con funktioniert, müssen die Joy-Con und / oder der Bildschirm der Switch in vorgegebene Halterungen eingefügt werden. Diese sollten nicht verbaut werden. Um eure Switch müsst ihr dabei keine Angst haben, da die Halterungen gut konstruiert sind und Bildschirm und Joy-Con tatsächlich halten.

Nintendo Labo Workshop 01

Spielen

Ist ein Toy-Con erschaffen, könnt ihr damit spielen. Dafür bietet die Software von Nintendo Labo Minispiele am. Beim Robo-Set fällt dieses etwas umfangreicher aus. Nichtsdestotrotz sind die Spiele eher oberflächlich und für jüngere Kinder interessant. Ältere Semester lockt man damit nicht lange hinterm Ofen hervor. Es ist schon ganz cool, mit der Angel einige Fische zu fangen. Geht ihr dabei tief nach unten Richtung Meeresgrund, können euch sogar Lebewesen wie Haie begegnen, die sich nicht gerade einfach fangen lassen. Die Luft ist trotzdem schnell raus. Es gibt nur einen Bereich für die Angel und einige wenige Fischarten. Ähnlich sieht es beim Motorrad aus. So cool es zum Ausprobieren ist – auf Dauer macht ein Mario Kart einfach viel mehr Spaß.

Am interessantesten ist der Faktor Spielen beim Robo-Set und beim Klavier. Dieses ermöglicht euch tatsächlich richtig Musik zu machen. Dabei ist es auch möglich, bekannte Melodien zu spielen. Egal ob das eher banale „Alle meine Entchen“ oder bekannte Melodien wie das „Imperial March“ aus Star Wars – vieles ist möglich. Der Roboter-Anzug lässt euch selbst zum Roboter werden. Dieser hat reichlich Zerstörungskraft und kann seine Umgebung zerstören. Im Automodus wird der Roboter zu einem gepanzertem Fahrzeug.  Außerdem könnt ihr als Roboter bestimmte Fähigkeiten einsetzen, wenn ihr die entsprechenden Bewegungen ausführt. Habt ihr zwei Robo-Sets, könnt ihr sogar im 2-Spieler-Modus antreten. Mehr als einige Stunden dürfte aber auch der Roboter nicht interessant sein.

Bei der Säule Spielen liegt die größte Schwäche von Nintendo Labo. Die Bastelarbeiten machen Spaß und das spätere Entdecken überzeugt. Die mitgelieferten Minispiele sind allerdings zu oberflächlich, einfach und kurzweilig. Jüngere Kids können damit eine ganze Weile bei Laune gehalten werden. Spätestens wenn es dann aus dem Grundschulalter herausgeht, werden die Labo-Minispiele schnell langweilig. Daher fällt und steht vieles mit der dritten und letzten Säule – Entdecken.

Entdecken

Habt ihr ein Toy-Con gebaut könnt ihr nicht nur damit spielen, sondern auch neue Einsatzmöglichkeiten entdecken. Dabei hilft euch die Software. Außerdem liefern die Sets zusätzliche Teile, mit denen ihr sie erweitern könnt. So lässt sich am RC-Auto etwa eine Schaufel anbringen und ins Robo-Set lassen sich Schrauben einbringen, dank denen ihr den Roboter individualisieren könnt. Darüber hinaus könnt ihr selbst kreativ werden und eigene Ideen ausprobieren. So eignet sich das RC-Auto zum Beispiel wunderbar dafür, alle möglichen Tiere und Kreaturen zu erschaffen, da es eine gute Grundform dafür bietet. Egal ob Dinosaurier, Einhorn, Maus oder Tiger – mit ein bisschen Fantasie und eigenem Bastelmaterial könnt ihr das RC-Auto vielfältig umgestalten.

Dank der Software könnt ihr eigene Befehle erstellen und so zum Beispiel bestimmen, dass ein Geräusch erzeugt werden soll, wenn der Bildschirm berührt wird. Je nachdem wo ihr ihn berührt, ist das Geräusch ein anderes.  So erschafft ihr eure eigene Gitarre. Alles was dafür nötig ist, bietet die Toy-Con Garage. Dort entwickelt ihr eure eigenen Toy-Con, was vor allem dann leichtfällt, wenn der Nutzer gern kreativ aktiv ist und ein wenig Fantasie hat. Die Toy-Con Garage vermittelt grundlegende Programmierbasics, weshalb ich diese Säule als Mutter besonders mag.

Die Programmiermöglichkeiten sind zwar begrenzt, aber umfangreich genug, um über viele Stunden zu fesseln und neue Dinge zu erdenken. Kleine Hobby-Erfinder werden damit reichlich Freude habe. Die Beschränkung hat zudem einen großen Vorteil. Die Zielgruppe von Nintendo Labo sind Kinder und die werden nicht mit zu vielen Möglichkeiten überfordert. Mit genügend Kreativität lässt sich trotz der überschaubaren Zahl an Befehlen unglaublich viel realisieren. Beim Multi-Set können zudem die Toy-Con miteinander kombiniert werden. So lassen sich etwa mit dem Klavier Fische für das Angelspiel erstellen.

Nintendo Labo

Robo- oder Multi-Set?

Für viele stellt sich vor dem Kauf die Frage, welches Set die richtige Wahl ist. Spaß machen beiden, gar keine Frage. Das Multi-Set bietet mehrere kleine Toy-Con und ermöglicht es, diese miteinander zu kombinieren. Alles was dazu nötig ist, erklärt die Software. Das Multi-Set eignet sich auch für jüngere Kinder, da einige der Toy-Con relativ leicht zu bauen sind. Das Klavier und das Haus sind allerdings ziemlich anspruchsvoll. Für kleine Kinderhände ist das Robo-Set nicht gut geeignet, da es zu groß und sperrig ist. Letztlich sollte aber bei jedem der Sets ein Erwachsener begleitend zur Seite stehen.

Die interaktiven Anleitungen sind bei beiden Sets leicht verständlich und gut gestaltet. Einen großen Unterschied gibt es bei den Minispielen. Hier punktet das Robo-Set, welches obendrein noch Bewegung ins Spiel bringt. Die Roboter-Bewegungen im Spiel werden nämlich umgesetzt, indem der Roboter-Anzug getragen wird. In diesen sind vier Schnüre verbaut, die zu Händen und Füßen des Anzugs führen. Bewegt ihr diese, werden Schläge und andere Bewegungen umgesetzt. Für Kinder ist das Spielen mit dem Robo-Anzug ein tolles Erlebnis. Zu neuen und kreativen Ideen bieten beide Sets die nötigen Anstöße. Letztlich ist es also eine Frage des Geschmacks. Möchtet ihr ein großes Set – oder mehrere kleine Toy-Con? Bei meinen Jungs kommt vor allem der Roboter richtig gut an. Irgendwie erinnert der auch an Transformers. Der Roboter kann nämlich auch in den Auto-Modus wechseln.

Mein Fazit:

Videospiele werden auch im Jahr 2018 von vielen Eltern noch kritisch betrachtet. Gleichzeitig müssen wir uns mit Themen wie Digitalisierung beschäftigen. Kinder werden heute oft schon früh mit Smartphones, TV und Co. konfrontiert. Digitale Inhalte sind aus unserem Leben kaum noch wegzudenken. Filme und Musik werden von vielen Menschen gestreamt, Einkäufe online erledigt und Freundschaften im Internet gepflegt. Zumindest meiner Meinung nach ist es sogar im Interesse der Kinder, sie auf diese Welt vorzubereiten. Bücher sind wunderbar – aber früher oder später geht kaum ein Weg an modernen Medien vorbei. Nintendo Labo verbindet klassische Bastelei und Videospiele miteinander. Labo ist sehr ausgefallen aber gleichzeitig am Puls der Zeit, wie kaum ein anderes Spiel dieser Tage.

Nintendo Labo setzt auf die drei Säulen Bauen, Spielen und Entdecken. Vor allem die Bereiche Bauen und Entdecken haben mich als Mutter überzeugt. Die Bastelarbeiten mit den Pappbögen machen Spaß und die Anleitungen sind unterhaltsam gestaltet. Auch die Qualität überzeugt. Die Pappbögen sind sehr sauber vorgestanzt, die Falzlinien machen die Arbeit leicht und die fertigen Toy-Con sind stabil. Mit etwas Fantasie können zudem eigene Toy-Con erdacht und gebaut werden. Darüber hinaus lassen sich die Bastelarbeiten nach Herzenslust gestalten. Labo selbst gibt dafür passende Anstöße und hilft so auch nicht ganz so kreativen Köpfen auf die Sprünge.

Leider sind die zugehörigen Minispiele sehr schlicht gehalten und langfristig nur für jüngere Kinder interessant. Dies ist die größte Schwäche von Nintendo Labo. Für Kleinkinder ist Labo zwar nicht uninteressant, aber ohne intensive Begleitung durch die Eltern ungeeignet. Kids, die schon sehr selbstständig die Toy-Con bauen können, werden an den Minispielen schnell das Interesse verlieren. Am meisten punktet hier noch das Robo-Set, welches vergleichsweise viel Umfang beim Spielen bietet. Auch das Klavier aus dem Multi-Set begeistert durch Vielfältigkeit. Der Rest kann kaum zu längerem Spiel motivieren.

Wirklich spannend ist dann erst der Entdecken Teil. Die Toy Con Garage ist eines der Highlights von Nintendo Labo und hilft dabei, neue Spielmöglichkeiten zu finden, zu schaffen und eigene Ideen umzusetzen. Hier liegt für mich auch der Reiz an Labo. Auf der einen Seite fordert das Spiel Kreativität, auf der anderen vermittelt es simple Programmiergrundlagen. Beides harmoniert in Labo wunderbar miteinander. Besonders viel Spaß macht es, Labo mit der ganzen Familie zu entdecken. Kreative Kids und Tüftler kommen bei Nintendo Labo auf ihre Kosten. Für mich als Gamerin ist Labo nur interessant als Mutter bin ich begeistert. Egal ob Robo-Set oder Multi-Set – beides kann überzeugen.

Bildquelle: Nintendo und eigene Fotos

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krieglich
krieglich

Schöner Bericht, die Kritiken entsprechen dem, was schon zu befürchten war, dass es nach dem Zusammenbasteln eigentlich schnell unspannend wird.

Kurze Anmerkung: „Die mitgelieferten Minispiele sind allerdings zu oberflächlich, einfach und kurzweilig.“

„Kurzweilig“ ist keine negative Eigenschaft, sondern das Gegenteil von „langweilig“. :D Du meintest wahrscheinlich eher etwas in Richtung fehlender Langzeitmotivation, denk ich mal.