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God of War Fotomodus

God of War Review

Entwickler:         Sony Santa Monica Studio 
Publisher:          Sony 
Genre:              Action
Plattformen:        PlayStation 4
Preis:              ca. 69,99 Euro 
Offizielle Website: https://www.playstation.com/de-de/games/god-of-war-ps4/buy-now/

Göttlicher Vater

Mit God of War verbinden viele Spieler brachiale Action, spektakulär inszenierte Angriffe und natürlich Kratos. Was aber passiert, wenn ein Kriegsgott plötzlich alleinerziehender Vater ist? Diese Idee klingt zunächst völlig absurd und es stellt sich die Frage, was die Entwickler bei der Entwicklung dieser Vorstellung wohl geritten hat. Warum sich diese zunächst abwegig erscheinende Idee letztlich als ganz großer Wurf entpuppt hat, erfahrt ihr in meinem God of War Review.

In God of War führt Kratos ein zurückgezogenes Leben im eisigen Norden. An seiner Seite lebt sein Sohn Atreus. Dessen Mutter Faye ist verstorben, was das Spiel unmittelbar zum Start zu verstehen gibt. Kaum beginnt die Story, müsst ihr auch schon den toten Körper von Faye verbrennen. Damit aber ist es nicht getan. Der letzte Wille von Faye besagt, dass ihre Asche vom Gipfel des höchsten Berges verstreut werden soll. Auf dem Weg dorthin warten zahlreiche Gefahren und Hindernisse, die Kratos und Atreus überwinden müssen.

Zunächst sträubt sich Kratos, überhaupt die beschwerliche Reise zu beginnen, da Atreus lange kränklich war und seiner Meinung nach noch nicht bereit dafür ist. Ein Kampf gegen einen unglaublich starken Fremden ändert dann allerdings seine Meinung und reißt das Leben der kleinen Familie aus den Fugen. Plötzlich ist die Idylle ihrer verborgen liegenden und bescheidenen Heimat einem Albtraum gewichen. Daher ziehen Vater und Sohn bewaffnet mit Leviathanaxt und Bogen los.

Beide Waffen haben eine besondere Bedeutung und eine Verbindung zu Faye. Der Bogen wurde Atreus einst von seiner Mutter überreicht. Die Axt von Kratos wurde von den Zwergen Brok und Sindri geschmiedet. Die talentierten Zwergenbrüder sind zerstritten, was ihr im Laufe der Geschichte herausfinden werdet. Ihr begegnet nämlich beiden. Ein wenig erinnert die Leviathanaxt an den berühmten Hammer von Thor. Kratos kann seine Waffe von sich schleudern und zurückrufen. Die mächtige Axt spielt eine entscheidende Rolle und wird von euch mit der Zeit weiter verbessert – sofern ihr in der Spielwelt die nötigen Ressourcen aufspürt.

Eine besondere Rolle spielt auch das Band zwischen Kratos und Atreus. Das Vater-Sohn-Gespann ist auf beeindruckende Weise inszeniert und trägt sehr viel dazu bei, dass mir das Spiel so gut gefallen hat. Im Internet machen sich viele Spieler über die Vaterqualitäten von Kratos lustig, da dieser seinen Sohn fast ausschließlich „Junge“ ruft und nennt. Tatsächlich ist Kratos auf den ersten Blick kein liebevoller Vater. Hier lohnt es sich allerdings, auf die Feinheiten des Spiels zu achten. Wenn God of War eine Sache richtig gut kann, dann sind es feinste Details und Nuancen, die dem Spiel das gewisse Etwas geben. So kühl und miesepetrig der Kriegsgott auch häufig auftritt – auch erst ist ein liebender Vater. Dies merkt der Spieler zum Beispiel bei einer Situation, in der Atreus weit nach vorn läuft und schließlich aus dem Sichtfeld von Kratos verschwindet. Rufend sucht er den Jungen und verwendet dabei seinen Namen. In seiner Stimme klingt fast schon ein Hauch von Verzweiflung mit.

Diese Momente, in denen Kratos menschlich und nahbar wirkt, sind rar gesät und werden so nicht zur Gewohnheit. Diese feinen Nuancen sorgen dafür, dass die Beziehung zwischen Vater und Sohn Tiefe bekommt. Auf der einen Seite bellt Kratos oft Anweisungen im Befehlston, auf der anderen liegt im sehr viel am Wohl des Jungen. Diese Inszenierung passt besser zu Kratos als einfach ein cooler Vorzeigedaddy. Schließlich hat er mit genug eigenen Dämonen zu kämpfen. Sein bewegtes Leben hat ihn zu einer schwierigen Person geformt, deren Inszenierung überzeugt.

God of War Screenshot 04

Zwischen Bosskämpfen und Junge

Wenn ihr nicht gerade versucht Atreus zu lehren und gegen Gegner oder auch mächtige Bosse kämpft, könnt ihr die Spielwelt erkunden. Zahlreiche Rätsel sind darin versteckt und belohnen Spieler, die sie meistern. Der Anspruch hält sich in Grenzen. Oft müssen Runen gefunden werden, die dann in schneller Reihenfolge mit der Axt aktiviert werden. Als Belohnung winkt zum Beispiel die Erweiterung eures Lebensbalkens. Einfache Truhen sind ebenfalls zahlreich zu finden. In denen findet ihr zum Beispiel Hacksilber, welches ihr bei den Zwergen ausgeben könnt. Rüstungsteile sind ebenfalls zu finden und in großer Zahl vorhanden. Leider bieten die Rätsel wenig Abwechslung. Auch die Sammelaufgaben sind eher banaler Natur.

Die Spielwelt in God of War hat einen zentralen Punkt, von dem ihr eine Weile nach Start eures Abenteuers zu weiteren aufbrecht. Während dieses Areal relativ groß ist, setzt das Spiel darüber hinaus auf eine Art umfangreichere Schlauchlevel. All zu viele Abzweigungen behalten diese nicht für euch bereit, sie sind allerdings groß genug, um mit Rätseln und Nebenaufgaben gespickt zu sein. Die Entwickler haben hier ein gutes Mittelmaß zwischen kompakt und groß gefunden. Auf der einen Seite gibt es genug Platz für zahlreiche Geheimnisse, auf der anderen umschifft der Titel den Open-World-Trend.

God of War kann sich daher ganz der gelungen und hervorragend inszenierten Geschichte widmen, ohne von dieser zu oft abzulenken. Zu Spielen wie The Elder Scrolls oder Fallout passt das Konzept offene Spielwelt sehr gut – ein God of War ist dafür zu dicht und würde nur verlieren. Die Spielzeit bleibt so zudem überschaubar. Möchtet ihr Story und Nebenaufgaben abschließen, könnt ihr mit rund 30 Stunden rechnen. Für 100 Prozent sogar mehr. Zumindest für mich ist dies eine gute Länge. Niemand muss das Gefühl haben, für sein Geld nichts bekommen zu haben. Auf der anderen Seite ist es aber auch eines jener Spiele, bei denen ein Ende absehbar ist. Ideal, wenn ihr nicht gerade in freier Zeit schwimmt und euch auch anderen Titeln widmen möchtet. Bald kommt mit Detroit: Become Human schon das nächste große PlayStation 4-Exklusivspiel.

God of War Screenshot 01

Vorbildliche Inszenierung und anspruchsvolle Kämpfe

Meine ersten Schritte in God of War habe ich im höchstmöglichen Schwierigkeitsgrad gemacht und der hat es ganz schön in sich. Für Fehler bleibt kaum Platz. Stattdessen müsst ihr die Fähigkeiten von Kratos möglichst geschickt nutzen und auf dessen Ausweichfähigkeiten setzen. Natürlich geht es auch leichter. Im einfachsten Schwierigkeitsgrad stellen selbst die Bossgegner keine große Hürde dar, weshalb auch weniger erfahrene Spieler in den Genuss der Story kommen.

Das Kampfsystem lernt ihr Stück für Stück kennen. Zu Start eures Abenteuers ist Kratos eher schmächtig als mächtig. Er hat wenig Lebensenergie, kaum Möglichkeiten auszuteilen und wenig drauf. Im Spielverlauf erlernt ihr neue Fähigkeiten und Kombos, mit denen ihr eure Feinde in Grund und Boden stampfen könnt. Dabei ergeben sich nicht nur mächtige, sondern auch beeindruckend anzusehende Kombinationen. Hin und wieder fliegen dabei auch einige Körperteile.

Im Kampf steht euch Atreus zur Seite. Auf euren Befehl hin verschießt er Pfeile mit seinem Bogen. Der Kampf erhält so eine strategische Note. Das Kind kann nur wenige Pfeile verschießen. Erst mit der Zeit erhält er neue. Mit den Pfeilen kann der Junge Gegner zum Beispiel ablenken. So ist der Sohn von Kratos eine echte Bereicherung im Kampf. Während begleitende Charaktere meist eher zum Nervfaktor mutieren, wirkt Atreus nie fehl am Platz. Im Gegenteil – mit der Zeit gewinnt auch er an Fähigkeiten.

Nicht nur die Kämpfe sind gelungen inszeniert und sehen schick aus. Auch der Rest vom Spiel macht eine gute Figur. Die Charaktere wirken gestochen scharf und die Spielwelt begeistert. Das Spiel gehört zweifelsohne zu den schönsten, die die PlayStation 4 zu bieten hat. Die nordische Mythologie – die in God of War eine große Rolle spielt – wurde hier sehr gut eingefangen und umgesetzt. Leider hat die Vorzeigegrafik ihren Preis. Gelegentlich bricht die Framerate ein und es kommt zu Rucklern. Auch auf der Pro bleiben die nicht aus.

Das Gesamtbild vom Spiel überzeugt. Gut gefallen hat mir auch, dass Kratos nicht einfach auf alles und jeden draufhaut. Es gab die ein oder andere Situation im Spiel, bei der ich zunächst einen Bosskampf erwartet hätte – stattdessen aber eine Zwischensequenz serviert bekam. Welche Begegnungen dies waren, verrate ich an dieser Stelle allerdings nicht. Schließlich ist mein God of War Review nicht dafür da, um euch möglichst viele Spoiler um die Ohren zu hauen.

Mein Fazit:

So oft ich schon auf die ein oder andere Weise mit der nordischen Mythologie konfrontiert wurde – God of War zeigt, dass diese noch immer eine wunderbare Vorlage für fiktive Werke liefert. Das Spiel ist hervorragend inszeniert und ein heißer Anwärter auf den Titel Spiel des Jahres. Besonders gut haben mir die feinen Nuancen gefallen, die dem Spiel Tiefe verleihen. Hier sticht vor allem die Beziehung zwischen Kratos und seinem Sohn Atreus hervor. Dabei wird immer wieder sichtbar, wie schwierig der Charakter von Kratos selbst ist. Das Leben hat ihn geprägt und zu einer mürrischen Gestalt voller Misstrauen geformt. Kratos ist nicht gerade ein Sonnenschein und doch muss er sich als alleinerziehender Vater durch die hübsch in Szene gesetzte Spielwelt schlagen.

Atreus wächst während des Spiels zu einem hilfreichen Begleiter heran, der mich im positiven Sinne an BioShock Infinite erinnert. Die meisten Begleitcharaktere sind lästiges Beiwerk, um welches niemand je gebeten hat. Der Sohn vom Kriegsgott bringt sich auf Anweisung des Spielers in den Kampf ein. Nichtsdestotrotz bleibt er ein Kind und muss bisweilen aus misslichen Lagen befreit werden.

Ist es einmal ruhiger, könnt ihr euch den zahlreichen Rätseln und Geheimnissen widmen oder Schätze suchen. Oder ihr nutzt den Fotomodus, den das Spiel nach Launch erhalten hat und haltet einige Erinnerungen fest. Auch ohne Fotomodus macht das Spiel optisch viel her. Es gehört zu den schönsten auf der PlayStation 4 – auch wenn dies selten zulasten der Framerate geht. Darüber hinaus gibt es wenig zu kritisieren. Die Sammelaufgaben sind sehr oberflächlich und die Rätsel könnten mehr Abwechslung vertragen. Der Gesamteindruck bleibt dennoch sehr gut.

Das Rad muss nicht ständig neu erfunden werden. Manchmal ist ein frischer Anstrich aber doch ganz gut. Im Fall von God of War treffen die Entwickler ins Schwarze und haben ein Spiel geschaffen, welches unter Singleplayer-Fans noch lange im Gespräch bleiben wird. Einzelspieler ist eben doch nicht so tot, wie ihn einige sehen möchten.

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