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FAR: Lone Sails Artbook 02

FAR: Lone Sails Review

Entwickler:         Okomotive
Publisher:          Nintendo
Genre:              Indie, Abenteuer
Plattformen:        PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 14,99 Euro 
Offizielle Website: http://www.far-game.com/

Reise in die Ungewissheit

In der postapokalyptischen Welt von FAR: Lone Sails werdet ihr zu Lone. Der Name ist nicht etwa zufällig gewählt, sondern Programm. Lone ist der letzte Mensch und Überbleibsel einer untergegangenen Welt. Woher kommt Lone und warum ist er allein? Mit Erklärungen ist das Spiel sehr sparsam. Genau damit punktet der Titel.

Eure einzige Begleitung ist ein Lokomotiven-ähnliches Gefährt. Ausgestattet mit einem zerlöcherten Leinentuch setzt ihr die Segel. Damit das eigentümliche Fahrzeug überhaupt funktioniert, müsst ihr es mit Energie versorgen. Dafür verheizt ihr, was ihr unterwegs auflesen könnt. Immer wieder müsst ihr anhalten und Kisten in das Fahrzeug schleppen. Auf einer Plattform abgelegt könnt ihr diese per Knopfdruck in Energie umwandeln. Habt ihr Treibstoff, könnt ihr das Fahrzeug in Bewegung setzen. Dabei müsst ihr eine Anzeige für Dampf im Blick behalten. Erreicht diese den kritischen Bereich, müsst ihr einen Knopf betätigen.

Um das unbekannte Ziel eurer Reise zu erreichen, müsst ihr euer Gefährt in Schuss halten. Die Bedienung wird zudem mit zunehmendem Spielfortschritt umfangreicher. Sobald ihr das Segel habt, müsst ihr dieses in günstigen Momenten aufspannen oder wenn nötig wieder einholen. Im Spielverlauf erhaltet ihr weitere Teile, ohne die kein Weiterkommen möglich ist. Mit jedem neuen Teil wird es komplexer, in Fahrt zu bleiben. Es erfordert ein wenig Geschick, bei unvorhergesehenen Hindernissen schnell das Segel einzuholen und das Fahrzeug zu stoppen. Versagt ihr dabei doch einmal, könnt ihr die Schäden beheben. Ein Schlauch lässt euch ausgebrochene Feuer bekämpfen und defekte Teile bringt ihr mit einem Schweißgerät wieder in Ordnung.

Die Bedienung eures maschinellen Begleiters wird zwar mit der Zeit etwas umfangreicher, das Spiel bleibt jedoch einfach zu bedienen und auch zu meistern. An einem Abend könnt ihr das Abenteuer komplett erleben. FAR: Lone Sails wartet zwar mit einigen Rätseln auf, diese sind aber leicht zu lösen – selbst wenn ihr die Lösung nicht auf Anhieb erkennt. Viele Optionen gibt es nicht. In diesem Fall ist dass aber auch gut.

FAR: Lone Sails Screenshot 04

Trostlos und doch wunderschön

FAR: Lone Sails lebt von seiner wunderschönen Spielwelt, der Inszenierung und seiner Atmosphäre. Das Spiel stellt diese in den Fokus und tut alles dafür, nicht unnötig davon abzulenken. Die Steuerung ist simpel und wird mit wenigen dezenten Einblendungen erklärt. Das Symbol für automatisches Speichern ist so dezent, dass es mir erst nach einer ganzen Weile aufgefallen ist. Lone ist sehr schweigsam und das Spiel verzichtet darauf, euch mit Erklärungen aus seiner stummen Erzählung zu reißen. Die Rätselabschnitte sind so gestaltet, dass ihr im Zweifelsfall mit etwas ausprobieren zum Ziel kommt. Dadurch entstehen keine Momente, die euch aus dem Spielgeschehen reißen.

Die Spielwelt setzt auf eine sehr beschränkte Farbpalette. Gerade zu Spielbeginn dominieren dunkle Töne. Die Welt wirkt trostlos und bedrohlich. Lone ist im Vergleich zu seiner Umgebung geradezu winzig. Die Meere sind ausgetrocknet und einer Wüste gewichen. Am Wegesrand findet ihr rostige Schiffswracks, verlassene Häuser – stumme Zeugen der Vergangenheit. Immer wieder entdeckt ihr Gemälde, auf denen häufig Personen abgebildet sind. Wer mögen wohl all diese Menschen gewesen sein, von deren einstiger Existenz nur noch Bilder zeugen? Wie haben sie gelebt und warum sind sie weg?

Wer mit FAR: Lone Sails Freude haben möchte, sollte ein wenig Fantasie haben. Während eurer unbestimmten Reise wirft euch das Spiel nur sehr langsam kleine Häppchen vor die Füße. Seien es die Porträts oder eine alte Werbetafel. Kannte Lone womöglich sogar einige der Menschen auf den Bildern? Jeder neue Ort den ihr erreicht, bringt ein wenig Licht ins Dunkel. Gerade so viel, um euch zur Weiterreise zu motivieren. Im Kopf spinnen sich dabei fleißig Fäden, die versuchen, aus den wenigen Details die richtigen Schlüsse zu ziehen und ein Gesamtbild zu zeichnen.

Während der Reise stellt sich unweigerlich die Frage, ob diese überhaupt ein Ziel hat. Warum reist Lone durch die wunderschöne aber zerstörte Welt? Gibt es überhaupt Hoffnung für Lone? Finden wir als Spieler Antworten oder endet die Reise im Nichts? Gibt es irgendwo in den Weiten dieser trostlosen Welt sogar einen Funken Hoffnung? Eine andere Person, die nicht nur auf einem Bild weiterlebt?

Diese zermürbenden Gedanken erschaffen ein gelungenes Spielgefühl. Auf der einen Seite hätte ich gern nach einer Weile den Kopf in den Sand gesteckt, auf der anderen trieb mich die Neugier immer tiefer in die Spielwelt hinein. Diese ist der heimliche Protagonist in FAR: Lone Sails. Obwohl Details sehr rar gesät sind, zeichnet das Spiel doch eine wunderschön anzusehende fiktive Welt. Einen Moment wähnt ihr euch in einem leeren Meer aus Sand und Schutt, im nächsten holt ihr hastig das Segel ein, weil ein altes Gebäude den Weg versperrt und sich bedrohlich vor Lone und seinem Gefährt aufbaut. Das Gefährt kann nicht ohne Lone fahren und Lone kommt ohne das Gefährt nicht weit. Dies gibt euch das Spiel unmittelbar zu verstehen. Verlasst ihr es um Treibstoff zu beschaffen, könnt ihr nicht weit. Das Spiel zoomt immer weiter hinaus, sodass stets Gefährt und Lone zu sehen sind.

FAR: Lone Sails Screenshot 01

Zombies müssen draußen bleiben

Postapokalyptische Spiele konfrontieren die Spieler häufig mit Zombies. FAR verzichtet darauf und macht die Umgebung zur Bedrohung. So wechselt zum Beispiel abrupt das Wetter und ein Gewitter bedroht euer Segel. Macht euch nicht das Wetter zu schaffen, sind es Hindernisse wie Gebäude. Überwindet ihr ein solches Hindernis, werdet ihr nicht selten mit einem neuen Teil für das Gefährt belohnt. Lone kann dabei scheinbar nicht sterben – oder doch?

Der eigenwillige Grafikstil von FAR: Lone Sails ist nicht der einzige Grundpfeiler der gelungenen Atmosphäre. Eine weitere wichtige Säule ist der Soundtrack. Dieser schlägt zwar ruhige Töne an, fügt sich so aber nahtlos in das Spiel ein. Bilder und Musik ergänzen sich perfekt und verschmelzen zu einem stimmigen Gesamtbild. Eines Tages kann ich den Soundtrack hoffentlich von Vinyl hören.

FAR ist für mich ein beinahe perfektes Erlebnis gewesen. Einmal bin ich über einen Bug gestolpert. Kurz nach Spielbeginn stürzte mein Fahrzeug in die Tiefen des Sands und aus der Spielwelt hinaus. Da meine Reise gerade erst begonnen hatte, war ich mir dessen zunächst nicht einmal bewusst. Beim erneuten Laden eines Spielstands trat das Problem nicht auf. Dies ist aber zugleich mein einziger Kritikpunkt an FAR. Über die leichten Rätsel kann man sich streiten – ich persönlich finde es wie es ist gelungen. So stellen die Entwickler sicher, dass niemand aus der Welt und seiner eigenwilligen Atmosphäre fällt. Auch die Steuerung mit Maus und Tastatur ist Geschmackssache und manchmal etwas Fummelarbeit. Ich habe mich allerdings schnell daran gewöhnt, da es ohnehin nicht viel zu beachten gibt. Die Steuerung ist denkbar einfach.

FAR: Lone Sails Screenshot 06

Mein Fazit:

Das Spiel FAR: Lone Sails schlägt ruhige Töne an. Ihr findet euch in einer trostlosen postapokalyptischen Welt wieder, die wenig Hoffnung ausstrahlt. Sandwüsten, Schiffswracks und verlassene Gebäude wirken wenig einladend. Lohnt es sich überhaupt, durch die karge Landschaft zu reisen? Euer einziger Begleiter ist ein Lokomotiven-ähnliches Gefährt. Im Spielverlauf findet ihr Erweiterungen für das Gefährt und die Bedienung wird komplexer.

Obwohl FAR: Lone Sails nur rund vier Stunden Spielzeit bietet, ist es eine intensive Spielerfahrung. FAR spielt mit den Emotionen des Spielers. Gerade wenn ihr den Mut verliert und den Sinn eures Reise in Frage stellt, belohnt euch das Spiel mit dem Erreichen eines interessanten Ortes, der Details über die Welt hergibt. Diese jedoch sind so rar gesät, dass bald neue Zweifel aufkeimen. Wird euch das Spiel jemals das Geheimnis der wunderschönen aber trostlosen Spielwelt zeigen? Gibt es irgendwo in dieser deprimierenden Umgebung sogar so etwas wie Hoffnung? Worin liegt der Sinn eurer Reise? Die Reise in die Ungewissheit bietet ein einzigartiges Spielerlebnis. Dieses wird vor allem Fans von Indiespielen und eigenwilligen Projekten gefallen. FAR ist keines dieser Spiele, welches ohne Weiteres in eine Schublade gestopft werden kann. Vor allem aber ist es kein Spiel für jene Leute, die Content gern auf dem Silbertablett serviert bekommen. Wer hingegen eine blühende Fantasie besitzt, wird Freude an der Erkundung haben.

Bildquelle: Okomotive

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