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Frauen in Battlefield V

Frauen in Battlefield V – Na und?

Frauen in Battlefield V – Ohne wird es nicht realistisch

Seit Electronic Arts den Battlefield V Reveal Trailer präsentiert hat, gibt es im Internet Unmengen Kommentare von entrüsteten Fans. Was ist passiert? In dem Video ist mehrfach eine Frau zu sehen. Frauen werden in dem Shooter nicht nur schmückendes Beiwerk sein, sondern spielbar. Für einige offenbar ein Skandal. Ein beliebter Deckmantel ist dabei historische Korrektheit. Macht diese Art der Aussage Sinn? Die Antwort darauf lautet schlicht nein.

Spiele sind fiktive Werke und keine Realität. Egal ob in Battlefield V nun Frauen spielbar sind oder eben nicht. Realistisch wird es auch dann nicht, wenn jegliche Frau aus dem Spiel geschnitten wird. Oder habt ihr schon einmal von einem gefallenen Soldaten gehört, der nach dem Tod wieder lebendig wurde? Auch waren Soldaten keinesfalls Multitalente, die mit etlichen Waffentypen, Fahrzeugarten und Co. umzugehen wussten. Vermutlich haben Soldaten im Krieg auch bessere Dinge zu tun als sich mit kosmetischen Fragen zu befassen. Battlefield war noch nie ein korrektes Abbild der Realität und das ist gut so. Oder würdet ihr für ein Spiel Geld bezahlen, bei dem nach dem ersten tödlichen Treffer Schluss ist? Wohl kaum. Die Realität mag eine interessante Vorlage für Spiele bieten. Am Ende funktionieren diese aber vor allem deshalb, weil sie Realität mit einer gehörigen Portion Fiktion paaren.

Wer es realistisch möchte, dem sei zu anderen Medien geraten. Zahlreiche Bücher und Dokumentationen gewähren einen Blick auf die Realität. Korrekt ist aber selbst der nicht immer. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Beiträge häufig auf Erzählungen und Berichten von Zeitzeugen basieren. Die sind – verständlicherweise – nicht immer objektiv. Auch können Details mit der Zeit verloren gehen oder aber bewusst angepasst werden. Völliger Realismus ist also nicht einmal dort garantiert. Der ist bestenfalls ein Ammenmärchen.

Doch zurück zu Battlefield V. Ist es wirklich so schlimm, wenn ein weiblicher Charakter gespielt werden kann? Nein, keinesfalls. Warum sollte es so sein? Realismus erreicht das Spiel ohne nicht. Aus Spielersicht ist die Geschlechterwahl jedoch zu begrüßen. Lange Zeit spielten Frauen in Spielen nur eine nebensächliche Rolle. Weibliche Protagonisten? Lara Croft und ein paar ihrer Kolleginnen waren über viele Jahre sehr einsam. Dabei geht es uns Frauen nicht selten so, wie es so manchem Mann geht. Fragt doch einmal Spieler, warum sie dieses oder jenes Geschlecht bevorzugen. Dabei wird nicht selten das eigene Geschlecht genannt. Spieler geben dabei oft an, dass sie sich so besser mit ihrer Spielfigur auseinandersetzen können und deren Verhalten nachfühlen. Es ist eben durchaus einfacher, sich in das eigene Geschlecht hineinzuversetzen. Warum sollte Battlefield dies den Frauen verwehren? Egal ob Pokémon, Monster Hunter, Gears of War, Borderlands oder Overwatch – weibliche Charaktere sind längst fester Bestandteil von Spielen.

Auch in Games mit festen Protagonisten treten sie immer häufiger auf. Lara Croft ist heute womöglich beliebter als je zuvor, Horizon Zero Dawn ist ein großer Erfolg für die PlayStation 4 geworden, Life is Strange ist ein Hit, Samus Aran würden wohl nur die wenigsten gegen einen Mann tauschen wollen, Senua aus Hellblade ist ein wahnsinnig komplexer Charakter geworden und Hexe Bayonetta muss sich hinter männlichen Kollegen wie Dante keinesfalls verstecken. Es muss nicht immer ein männlicher Protagonist sein. Mir als Frau gefällt diese Entwicklung sehr – da bin ich ganz offen. Lässt man mir die Wahl, ist die für mich sofort klar: ich möchte weiblich sein können! Wert lege ich darauf trotzdem nicht. Ob ich ein Spiel kaufe, hängt nicht von den spielbaren Geschlechtern ab. Spaß muss es machen – dabei spielt Gender keine Rolle.

Es ist traurig, wie sehr diese Battlefield V Sache hochgekocht ist. Dabei haben zuletzt viele Entwickler erkannt, dass mehr als zwei Geschlechter existieren. Während immer mehr Entwicklerstudios bemüht sind weitere Geschlechter in ihre Spiele zu packen, führen sich einige Gamer wie Machos auf. Die Entwickler des Spiels bieten dem allerdings Paroli. Egal ob euch Frauen in Battlefield V nun gefallen oder nicht – ihr müsst mit ihnen auskommen oder werdet einen Bogen um das Spiel machen müssen. Die Macher des Games haben unmissverständlich zu verstehen geben, dass Frauen im Spiel bleiben. Gut so!

So unrealistisch sind die Frauen im Spiel übrigens nicht. Zumindest sind sie nicht unrealistischer als so manch anderer Aspekt vom Spiel. Schon vor Jahrhunderten zogen Frauen in den Krieg – wenngleich diese oft als Mann getarnt waren. Im Zweiten Weltkrieg spielten Frauen ebenfalls eine Rolle. Manche – wie Jacqueline Cochran – nahmen dabei eher eine passive Rolle ein. Frauen wie Ljudmila Michailowna Pawlitschenko waren erfolgreiche Scharfschützinnen. Frauen waren im Zweiten Weltkrieg mehr als Krankenschwestern und Arbeiterinnen, die die in den Krieg gezogenen Männer ersetzen sollten. Es mag nur wenige Frauen direkt an der Front gegeben haben – dennoch waren Frauen aktiv am Krieg beteiligt.

Frauen in Battlefield V

Am Ende wird aber vermutlich eh wieder deutlich weniger heiß gegessen als gekocht. So groß der Aufschrei im Internet gerade erscheint – die aufgebrachten Gamer dürften dennoch deutlich in der Unterzahl sein. Bekanntlich äußern sich eher unzufriedene Personen. Wenn man die letzten Jahre die Berichterstattung über Battlefield und auch den großen Konkurrenten Call of Duty verfolgt hat, fielen dabei viele durchs Dorf getriebene Säue auf. Erfolgreich sind beide Reihen bis heute. Auch die aktuelle Aufregung wird verblassen und Electronic Arts vermeldet vermutlich nur Tage nach dem Launch die ersten Erfolge. Vielleicht verliert Battlefield sogar ein paar Spieler(innen). Gleichzeitig wird es aber auch neue Spieler(innen) gewinnen. Außer viel Drama bleibt am Ende höchstwahrscheinlich nicht viel übrig. Während einer virtuellen Schlacht haben dann die meisten wohl eh bessere Dinge zu tun als nach Geschlechtsmerkmalen Ausschau zu halten. Keine Ahnung wie ihr so zockt … ich achte lieber auf meine Umgebung, mögliche Gegner und das UI.

Jetzt seid ihr dran! Wie steht ihr zu der aktuellen Debatte? Stören euch weibliche Charaktere in Battlefield V? Werdet ihr das Spiel womöglich sogar boykottieren, weil ihr davon wenig haltet? Oder seht ihr die Sache so lässig wie ich? Egal welche Meinung ihr vertretet – bleibt bitte höflich und schießt nicht gegen welches Geschlecht auch immer. Niemand sucht sich aus als was er geboren wird. Wir bestimmen lediglich, wer wir sein möchten. Bitte entscheidet euch nicht dafür, hier gegen Menschen zu schießen.

Bildquelle: Electronic Arts

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Benjamin S.
Benjamin S.

Ich denke einfach, die meisten Menschen haben keine Ahnung von den Weltkriegen. Und selbst „wenn“ es keine Soldatinnen gab, na und? Es gab jedenfalls genug Untergrundbewegungen sowie geheime Einheiten bei denen auch Frauen dabei waren. Die Story soll halt für alle gleichermaßen interessant gemacht werden, das hat nichts mit ethnischer Korrektheit zu tun. Und Innovationen bestimmen halt mal das Kauf- und Erlebnisverhalten. Ich persönlich habe absolut nichts dagegen und bin Battlefieldveteran der ersten Stunde. Ich denke eher dass sich die Community zu sehr verändert hat um zu verstehen was man da eigentlich spielt. Mehr und mehr Script-Kiddies, Cheater und Trolle. Aber so ist der Lauf einfach (leider!).

Pi mal R Quadrat
Pi mal R Quadrat

Am Ende des Tages ist es nur ein Spiel, in dem zig namenlose Charaktere aufeinander schießen. Männlein oder Weiblein hat da doch gar keine tiefere Bedeutung.
Im Gegenteil, ich finde es höchsteZeit, dass nicht nur Männer in Shootern gemetzelt werden. Vielleicht regt das ein wenig zum Nachdenken an bezüglich Sexismus in Games, der in beide Richtungen geht.

Steffen P.
Steffen P.

da kann ich doch nur lachen über solche Kleingeister unter meinen männlichen (wobei, ist das noch männlich ? ^^) Kollegen..

ich spiel zb in Spielen gerne Frauen Charaktere.. in GTA V zb.. oder auch jetzt in FH4