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Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux

Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux Review

Entwickler:         Atlus
Publisher:          Koch Media
Genre:              Rollenspiel, Dungeoncrawler, SRPG
Plattformen:        Nintendo 3DS
Preis:              ca. 39,99 Euro 
Offizielle Website: https://atlus.com/strangejourney/

Rollenspielspaß für Retrofans

Japanische Entwickler neigen derzeit vermehrt dazu, ältere Spiele zu überarbeiten und erneut zu veröffentlichen. Daran mag sich ein Teil der Spieler stören, ich aber begrüße es. Schließlich ist niemand gezwungen, die Titel zu zocken. Dank der Neuauflagen finden allerdings auch immer mehr ältere Games den Weg zu uns, die uns in der Originalfassung verwehrt wurden. Zumindest, wenn wir die Möglichkeit vom Import außenvorlassen. Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux kann auch zu jenen Spielen gezählt werden.

Inzwischen ist Shin Megami Tensei auch bei uns nicht mehr gänzlich unbekannt. Vor nicht all zu langer Zeit sah es anders aus. Noch vor einigen Jahren erntete ich fast ausschließlich fragende Blicke, wenn in einem Gespräch über Rollenspiele Shin Megami Tensei genannt habe. Als ich im Januar letzten Jahres auf einem Nintendo Switch Event zum ersten Mal einen Fan getroffen habe, war ich angenehm überrascht. Mittlerweile ist die Serie deutlich mehr Spielern ein Begriff. Dies mag auch ein Stück weit an der Popularität von Persona liegen. Über die Veröffentlichung von Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux dürften sich also einige Spieler freuen.

Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux ist eine erweiterte und überarbeitete Fassung von Strange Journey. Das Spiel erschien 2009 in Japan. Tatsächlich werdet ihr Redux anmerken, dass das Spiel auf einem schon etwas älteren Titel basiert. Das Rollenspiel setzt auf eine First-Person Ansicht, was im Jahr 2018 ein wenig befremdlich wirken kann. Inzwischen finden sich nur noch wenige aktuelle Titel, die darauf setzen. In den letzten Jahren habe ich neben Redux nur in Demon Gaze II ein solches Konzept erlebt. Ihr solltet euch darauf einstellen, dass das Spiel zunächst ein wenig befremdlich wirken kann. Spiele wie diese erfordern eine kurze Eingewöhnung, da sie weit weg von dem sind, was wir aus der aktuellen Zeit sonst gewohnt sind. Retrofans werden daher eher einen leichten Zugang zum Game finden. Fällt euch die Steuerung in der First-Person Perspektive schwer, hilft die Verwendung vom Steuerkreuz.

Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux Screenshot 04

Quality of Life Verbesserungen und Mondphasen

Sofern ihr schon andere Shin Megami Tensei Spiele auf dem Nintendo 3DS gespielt habt, solltet ihr euch auf ein etwas anderes Erlebnis einstellen. Nichtsdestotrotz tut Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux einiges dafür, um euch das Leben einfacher zu machen. So gibt es in Redux etwa mehrere Schwierigkeitsgrade – beziehungsweise Modi. Damit kommt der Titel auch Anfängern entgegen. Wer sich seiner Sache nicht sicher ist, kann zunächst einen Spieldurchgang im Casualmodus starten. Es gibt einige dieser sogenannten Quality of Life Neuerungen in der Redux-Version.

Das Kampfsystem ist ebenfalls etwas anders gestaltet, als ihr es von den jüngeren Serienablegern gewohnt seid. Nutzt ihr in Redux eine Schwäche des Gegners, löst ihr eine sogenannte Koop-Attacke aus. Bei der greifen alle Verbündeten eures Teams an, die eurer Farbe angehören – sprich die Gesinnung teilen. Es gibt weiß, blau und rot. Daraus könnt ihr einige Vorteile ziehen, wenn ihr euer Team aufeinander abstimmt und im späteren Spielverlauf mit den richtigen Apps arbeitet. Mir persönlich gefällt das Kampfsystem der jüngeren Ableger ein wenig besser, dennoch bleibt auch beim Koop-System viel Spielraum für Taktik. Vor allem dann, wenn ihr auf den höheren Schwierigkeitsstufen zockt.

Dafür ist in Strange Journey Redux die Rekrutierung von Dämonen spannender. In Shin Megami Tensei IV könnt ihr tricksen und einfach alle Forderungen ablehnen. Mit etwas Geduld geben viele Dämonen nach und sind beeindruckt, wie willensstark ihr seid. So leicht macht es euch Strange Journey Redux nicht. Ehe ihr euch hier neue Dämonen ins Team holt, müsst ihr zunächst einen Blick auf die Mondphase werfen – außer ihr habt später eine bestimmte App freigeschaltet. Andernfalls lassen die Dämonen bei Vollmond gar nicht erst mit sich reden. Zu bestimmten Dämonen könnt ihr hingegen überhaupt erst sprechen, wenn gerade Vollmond ist. Auch auf eure Fusionen – die Verschmelzung von Dämonen – hat die Mondphase Auswirkungen. Nicht immer glückt eine Fusion. Ist Vollmond, ist die Chance auf einen Unfall höher. Dies ist allerdings nicht zwingend schlecht für euch. So ist es zum Beispiel nur möglich die Zealot-Dämonen zu erhalten, wenn ihr Fusionsunfälle auslöst. Zealot ist eine Dämonenrasse, die oft auch Irre Götter genannt wird.

Dank der zahlreichen Dämonen – in Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux gibt es 350 – wird die Reihe auch gern als Pokémon für Erwachsene bezeichnet. Ganz falsch ist dieser Vergleich nicht. Ihr kämpft zwar an der Seite eurer Dämonen und entwickelt diese vor allem durch Fusionen zu anderen Kreaturen, aber der Sammelwahn ist auch hier sehr motivierend. Das Fusions-System ist zudem sehr komplex, da es dabei nicht nur die Mond-Phase zu beachten gibt. Für viele Fusionen braucht ihr seltene Dämonen, für andere müsst ihr gar im zweiten Spieldurchgang sein und andere setzen besondere Fusionen als Fusionsmaterial voraus.

Ein zweiter Spieldurchgang lohnt sich gleich aus mehrfacher Hinsicht. Ihr könnt verschiedene Enden freischalten und einen neuen Schwierigkeitsgrad auswählen, wenn ihr euch nach dem Durchspielen noch einmal in die Schwarzwelt wagt. Ihr bekommt für euer Geld reichlich Spielzeit geboten. Die Motivation dafür liefern die Gameplay-Mechaniken und weniger die Geschichte des Spiels. Die bietet gewohnte Shin Megami Tensei Kost. Dieses Mal verschlägt es euch in die Antarktis, wo eine Raumverzerrung aufgetaucht ist. Diese bedroht die gesamte Erde, weshalb Regierungen zahlreicher Länder ihre besten Soldaten und Wissenschaftler auf eine Mission in die sogenannte Schwarzwelt schicken. Ihr spielt dabei als UN-Soldat – der leider ziemlich blass bleibt und nicht gerade viel Charme versprüht. Den anderen Charakteren geht es meist nicht anders. Dafür sind die Entscheidungen und daraus resultierenden Handlungszweige überzeugend.

Strange Journey Redux entscheidet sich einerseits von den jüngeren Serienablegern, bringt andererseits aber ältere Mechaniken wie die Mondphasen zurück. Im Lauf der Jahre hat sich Megami Tensei ziemlich gewandelt. Strange Journey Redux geht Back to the Roots, verwöhnt uns dabei aber mit Quality of Life Neuerungen. Die sind auch wichtig, um neue Spieler ins Boot zu holen. Selbst mit diesen Anpassungen merkt man dem Spiel an, dass es sehr klassisch ist. Daran wird selbst mit etwas Quality of Life nicht jeder Gefallen finden. Sofern euch Spiele mit Retrocharme nicht abschrecken, erwartet euch ein interessanter Ausflug in die Schwarzwelt, bei dem ihr auf die Jagd nach 350 Dämonen gehen könnt. Für mich sind die Fusionen auch hier wieder eine der größten Motivationen. Es macht einfach viel Spaß, Dämonen zu rekrutieren, sie zu fusionieren, Super-Fusionen zu entdecken und das Kompendium zu füllen. Richtig gut ist auch der Soundtrack, der mich immer wieder mitgerissen hat. Den hätte ich gern für mein Regal.

Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux Screenshot 01

Mein Fazit:

Endlich hat es Shin Megami Tensei: Strange Journey nach Europa geschafft. Wir dürfen uns über Shin Megami Tensei: Strange Journey Redux freuen. Eine überarbeitete und erweiterte Version des Originals. Der Einstieg ist etwas schwieriger, als bei jüngeren Serienablegern. Die Erkundung der Dungeons in First-Person-Ansicht wirkt etwas befremdlich, da dies kaum noch üblich ist. Auch das Kampfsystem enttäuscht nach Apocalypse ein wenig, da es nicht ganz so komplex ist. Dennoch lohnt sich der Aufbrauch in die Schwarzwelt.

Ihr dürft euch auf 350 Dämonen, den neuen Charakter Alex und ein typisches Shin Megami Tensei freuen. Das klassische Dungeon-RPG mag technisch veraltet sein, aber die Megami Tensei-Formel geht auch hier auf. Als Fan der Reihe empfand ich den Ausflug in die Schwarzwelt sogar als angenehme Abwechslung. Es hat zwar etwas länger gedauert, in das Spiel zu finden, dafür hebt es sich deutlich von den vorherigen Ablegern ab. Retro bringt hier quasi frischen Wind hinein. Vor allem die Mondphasen und die Rekrutierung der Dämonen haben mich überzeugt. Für Neueinsteiger mag das Spiel allerdings ein wenig zu sehr Retro sein. Strange Journey ist eher für Fans geeignet und weniger, um zu der Reihe zu finden. Wie immer gilt, dass das Spiel keine deutsche Lokalisation bietet. Englischkenntnisse sind also Pflicht. Und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich möchte noch ein paar Dämonen fusionieren und meine Vorfreude auf Shin Megami Tensei V weiter befeuern. Die ist – trotz kleiner Abstriche bei Redux – nun noch größer.

Bildquelle: Koch Media, Atlus

Offenlegung: Für dieses Review hat mir Koch Media das Spiel kostenlos zur Verfügung gestellt.

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