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The Crew 2

The Crew 2 Review

Entwickler:         Ivory Tower
Publisher:          Ubisoft
Genre:              Rennspiel
Plattformen:        PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 59,99 Euro
Offizielle Website: https://thecrew-game.ubisoft.com/the-crew-2/de-de/home/

Mehr als Autos

Das Rennspiel The Crew 2 lässt euch Land, Wasser und Luft erobern. Ihr nehmt hinterm Steuer von Autos Platz, steigt in Boote und werdet in der Luft zum Pilot. Ein Konzept, mit dem das Game mein Interesse geweckt hat. Die meisten Rennspiele beschränken sich auf Autos, Boote oder Fluggeräte. Dazu gesellt sich die Tatsache, dass The Crew 2 ein waschechter Arcade-Racer ist. Ein Genre, mit dem ich vor einigen Jahren noch viel Zeit verbracht habe. In den letzten Jahren ebbte dies allerdings ab, da es kaum interessante Genrevertreter gab. Kann der Titel aus dem Haus Ivory Tower frischen Wind bringen? In meinem The Crew 2 Review erfahrt ihr, ob das Spiel in mein Herz rasen konnte.

Der Wechsel zwischen Booten, Flugzeugen und Autos gefällt mir richtig gut. Besonders positiv haben mich die Flugzeuge überrascht. Ich tue mich normalerweise in der Luft eher schwer und muss gerade an meine Flugversuche in Ace Combat denken. In The Crew 2 geht die Fliegerei leicht von der Hand – so wie auch der Rest. Die offene Spielwelt passt gut dazu, da ihr zum Beispiel mit einem Flugzeug die Freiheit des Luftraums genießen könnt.

The Crew 2 Screenshot 5Sofern ihr davon überhaupt Gebrauch macht. Die Kampagne des Spiels scheint sich alle Mühe zu geben, den Spieler für die Blitzreise zu begeistern. Die Gefahr ist daher groß, schnell von Event zu Event zu springen. Schade – die Spielwelt sieht stellenweise nämlich richtig toll aus. Hier und dort wird es etwas langweilig, aber das Gesamtpaket überzeugt. Ich mag die Spielwelt des Racers, da sie abwechslungsreich gestaltet ist und viel bietet.

Die Spielwelt gibt auch sogleich zu verstehen, dass das Spiel ein Arcaderacer ist. Ihr findet zum Beispiel diverse Sprungmöglichkeiten, bei denen ihr waghalsige Manöver machen könnt. Die Entwickler hätten diesbezüglich aber gern noch etwas großzügiger sein können. Die Spielwelt wirkt ein wenig, als sei man um viel Realismus bemüht gewesen, der nur gelegentlich zu Gunsten für ein paar Sprungschanzen und Co. beiseitegeschoben wird.

Dabei dreht sich in The Crew 2 alles um Follower. Ihr sollt andere beeindrucken, was nicht nur über die erfolgreiche Teilnahme an Events möglich ist. Nach kurzer Spielzeit genügt schon das Fahren in der offenen Welt, um neue Fans zu finden. Vorausgesetzt, ihr agiert dabei auffallend. Dies geht zum Beispiel mit Sprüngen, Drifts und Fast-Treffern. Alles in allem wäre hier aber mehr drin gewesen. Die Vielfalt, die ein Forza Horizon 3 in Sachen Fähigkeiten bietet, hätte auch dem Spiel von Ivory Tower gut zu Gesicht gestanden. Genau diese Vielfalt ist es, die zum Experimentieren einlädt und zu immer größeren Kombos motiviert. Ivory Tower übt sich hier in unnötiger Zurückhaltung. Vor allem bei den Autos. In der Luft kann man viele waghalsige Aktionen in schneller Folge machen und auch für die Boote gibt es reichlich Optionen.

Weniger zurückhaltend waren die Entwickler in Sachen Story. Spieler bekommen hier eine typische Arcaderacer Geschichte, die ihre Sache gut macht. Sicher, die Story ist flach und passt auf einen Bierdeckel – aber bei welchem Rennspiel ist dies anders? Mehr als schmückendes Beiwerk muss die Handlung gar nicht sein und diese Rolle füllt sie gut aus. Die Story lässt euch einerseits Spielraum, sodass ihr wählt, welches Event ihr als Nächstes angehen möchtet, lässt euch andererseits aber mit allen Bereichen des Spiels in Kontakt kommen. Dadurch ist Abwechslung garantiert, da ihr immer wieder zwischen Boot, Flugzeug und Auto wechselt. Ihr fahrt in der Story um Ruhm und neue Follower und versucht Popularität zu erlangen. Mit dem Ruhm kommt euch Geld und mit dem Geld die Möglichkeit zusätzliche Fahrzeuge, Boote und Flugzeuge zu erwerben. Die ersten erfahrt ihr euch noch gratis.

Neben Vehikeln sind auch Teile ein wichtiger Bestandteil von The Crew 2. Mit denen könnt ihr eure Gefährte nämlich aufrüsten und die Leistungsklasse ändern. Praktischerweise lassen sich Teile auch aus einem Fahrzeug ausbauen, um sie anderswo zu verwenden. Dabei gibt es aber natürlich Grenzen. Ihr könnt eure Flugzeugteile nicht in ein Auto basteln. Dieser Aspekt gefällt mir sehr gut. Teile erhaltet ihr zum Beispiel als Belohnung durch Events. Manchmal findet ihr sie auch einfach in der offenen Spielwelt, bei einer Art Schatzsuche. Leider geizt das Spiel beim optischen Tuning. Schade eigentlich. Warum ist optisches Tuning bei Entwicklern inzwischen scheinbar weitestgehend abgeschrieben? Gerade in Arcaderacern hat mich dieser Teil immer gereizt.

The Crew 2 Screenshot 2

Gute Grundlage, sparsam an Details

Diese fehlenden Details trüben ein wenig den guten Gesamteindruck des Spiels. Obwohl mich das Spiel überzeugt hat, fehlt das gewisse Etwas. So sind zwar die umfangreiche Fauna und die vielen Menschen ganz nett, aber es ist auch reichlich grotesk, wenn die Menschen in den wildesten Bewegungen ausweichen, weil ihr sie nicht umfahren könnt. Muss auch gar nicht sein – ist ja kein GTA. Trotzdem sieht es komisch aus. Auch die Kollisionsabfrage lässt zu wünschen übrig. Manchmal könnt ihr einfach durch Büsche, Wurzeln und Co. fahren, die wie durch Zauberhand zu Luft werden. Andere Male knallt ihr dann einfach gegen eine solche Wurzel – wobei sich euer Auto daran nicht übermäßig stört. Physik und Schadensmodell könnten etwas realitätsnaher ausfallen. Im Gegensatz dazu steht die KI, die gern Mal zur berühmten Gummiband-KI wird.

Auch die Aufgaben der offenen Spielwelt wollen nicht so richtig zünden. Es gibt eine Handvoll Blitzer, die in Anbetracht der großen Spielwelt irgendwie seltsam fehl am Platz wirken. Die Fotoaufgaben haben einen guten Ansatz, hätten aber auch mehr hergeben können. Sicher kann einem The Crew 2 vorgeworfen werden, dass das Spiel zur Blitzreise drängt. Gleichzeitig kann dem Spiel allerdings auch vorgeworfen werden, dass die Spielwelt zu ungenutzt bleibt und es gar keinen Grund gibt, dort Dutzende Stunden zu verbringen. So nett es auch ist, immer Mal wieder einfach ziellos durch die virtuellen USA zu fahren – es gibt dort eben auf weiten Strecken zu wenig zu tun. Hier hätte eine noch höhere Eventdichte Abhilfe geschafft. Mehr Vielfalt wäre diesbezüglich auch nicht verkehrt gewesen. Wenn schon keine Events, dann wenigstens mehr Stuntmöglichkeiten – vor allem für Autos. Damit könnt ihr schon Mal etliche Kilometer fahren, ohne eine nennenswerte Stuntmöglichkeit zu finden.

Apropos finden … in The Crew 2 findet ihr etliche Bestzeiten aus der Community, was sehr motivierend ist. Fahrt ihr ein Event, tretet ihr zum Beispiel im Normalfall gegen den Geist eines Freundes an. Das Spiel erinnert noch immer ein wenig an MMOs. Gleichzeitig hat man den PvP-Part aber fast komplett außenvorgelassen. Dieser wird erst in einigen Monaten nachgereicht, was ein wenig schade ist. Derzeit könnt ihr euch lediglich eine Crew erstellen und eben um die schnellste Zeit fahren. Dort hört es dann aber auch fast schon wieder auf. Umfangreiche Möglichkeiten für das Zusammenspiel sind Zukunftsmusik.

Trotzdem verzeiThe Crew 2 Screenshot 4he ich einem The Crew 2 all diese Ecken und Kanten gern. Es vermittelt mir genug Fast & Furious Feeling, um zu überzeugen und Spaß zu machen. Ich mag klassische Arcaderacer und einen solchen habe ich hier bekommen. Vielleicht nicht ganz so überzogen, wie ich es mir gewünscht hätte, dafür aber mit einigen erfrischenden Ansätzen. Das Spiel mag nicht die Qualität von Forza Horizon 3 haben, aber es ist eine willkommene Abwechslung, bringt frischen Wind und ein tolles Arcade-Spielgefühl. The Crew kann einem Forza noch nicht das Wasser reichen und Forza Horizon bleibt der Platzhirsch – aber The Crew 2 hat gezeigt, dass es dort nicht bis in alle Zeiten stehen muss. Die Entwickler haben ein ambitioniertes Projekt zum Leben erweckt, mit dem Potenzial etwas sehr Großes zu schaffen. Im Moment mag es noch ein Underdog sein, aber ein Underdog, den die Konkurrenz im Blick haben sollte.

Mein Fazit:

Eines hatte und habe ich mit dem Spiel definitiv: Spaß. Gleichzeitig bedaure ich das ungenutzte Potenzial. The Crew 2 ist ein gutes Rennspiel, hätte aber noch viel mehr sein können. Vielleicht wird es das sogar irgendwann sein, da künftige Inhalte durchaus vielversprechend sind. In seiner jetzigen Form gleicht das Rennspiel eher einem soliden Grundgerüst. Dabei sind die meisten Einzelteile für sich gut. Story, Fuhrpark, Spielwelt … diese Dinge machen ihre Sache gut. Nur harmonieren sie noch nicht immer so gut, wie sie es könnten.

Enttäuschend sind vor allem die KI und die Umgebung. Die Spielwelt selbst macht eine gute Figur. Es wirkt allerdings etwas merkwürdig, wenn ständig Personen auf groteske Weise eurem Fahrzeug ausweichen oder ihr mir eurem Boot ungestraft gegen Beton knallt und dieses noch aussieht wie neu. Ein wenig mehr Physik und ein realistischeres Schadensmodell hätten hier sicher nicht geschadet und die Interaktion mit der Spielwelt aufgewertet. Auch hätte die hier und dort mit zusätzlichen Stuntmöglichkeiten aufgepeppt werden können. Davon gibt es zweifelsohne einige – aber es hätten noch viel mehr sein können.

The Crew 2 macht auf der einen Seite vieles richtig, spart dann allerdings zu sehr an Details. Es reicht zwar zu einem guten Racer, aber eben nicht für die Poleposition. Das Potenzial der Spielwelt wird nicht genug genutzt und das bisher noch fehlende PvP trübt ein wenig die Freude. Rennspielfans sollten trotzdem einen Blick riskieren. Trotz Ecken und Kanten macht das Spiel Spaß. Dies ist vor allem dem Fuhrpark geschuldet, der euch Boote, Autos und Flugzeuge bietet. Das Spiel ist zudem Arcaderacer, wie kaum ein anderes Spiel und macht in dieser Hinsicht vieles richtig. Wenn ihr wie ich gern waschechte Arcaderacer spielt, werdet ihr hier gut bedient. Jeder wird dies allerdings nicht mögen. Leider fehlen dem Spiel umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten, durch die das Fahrgefühl mehr in Richtung Simulation angepasst werden kann. Wer die guten alten Need for Speed Games oder Burnout mag, hat damit sicher kein Problem.

Bildquelle: Ubisoft

Offenlegung: Für dieses Review hat Ubisoft die PC-Version kostenlos zur Verfügung gestellt.

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p Borchert
p Borchert

Tuning : bevor in ein Fahrzeug Teile eingebaut werden, kann in das Pro-Tuning gewechselt werden (am unteren Bildschirmrand steht die Taste zur Anwahl).
Im Pro-Tuning kann für jede Fahrzeugklassen das Feintuning gemacht werden : ABS, Grip usw. …
Somit kommt man im Handling der Fahrzeuge Richtung Simulation.

Viel Spaß wünscht Fuchsloch007 :-)