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Shining Resonance Refrain

Shining Resonance Refrain Review

Entwickler:         Atlus
Publisher:          Koch Media
Genre:              JRPG, Rollenspiel
Plattformen:        Nintendo Switch, PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 49,99 Euro
Offizielle Website: http://www.shiningresonance.com/

Ende einer glanzlosen Wartezeit

Das JRPG Shining Resonance erschien vor gut zehn Jahren für die PlayStation 3. Allerdings ausschließlich in Japan. Dank einer Neuauflage kommen nun auch wir ohne Umwege in den Genuss des Spiels. Dieses wurde inzwischen unter dem Namen Shining Resonance Refrain neuaufgelegt. Dafür hat man dem Spiel eine englische Sprachausgabe verpasst. Darüber hinaus wurden einige neue Inhalte hinzugefügt. Diese findet ihr im sogenannten Refrain Modus, der neben dem Hauptspiel zur Verfügung steht. Ob sich ein Blick lohnt, erfahrt ihr in meinem Shining Resonance Refrain Review.

Ihr schlüpft in die Rolle von Yuma Ilvern und brecht zur Rettung von Astoria auf. Yuma hat die Fähigkeit, sich in den sogenannten Shining Dragon zu verwandeln, da er eine besondere Kraft in sich trägt. Diese verleiht ihm große Macht – vor der er sich fürchtet. Yuma hat geschworen, diese Macht nie wieder zum Einsatz zu bringen. Das Schicksal allerdings hat etwas anderes für ihn vorgesehen. Der junge Mann gerät in Gefangenschaft, aus der ihn zwei Frauen retten wollen. Während der Flucht begegnet ihnen Prinzessin Excella. Die berühmt-berüchtigte Prinzessin des Imperiums befehligt die drei Speere. Drei mächtige Drachen, die Excella zu einer gefürchteten Gegnerin machen. Yuma überwindet seinen inneren Kampf und setzt die Macht des Shining Dragon ein. Dadurch kann die kleine Gruppe entkommen.

Nach anfänglichen Zweifeln beschließt Yuma an der Seite von seinen neugewonnenen Freunden für Astoria zu kämpfen. Dabei begegnet ihr weiteren freundlich gesonnenen Charakteren, die euch im Kampf ebenfalls unterstützen. Mit der Zeit könnt ihr zu euren Begleitern eine tiefere Beziehung aufbauen, was euch bei eurer Mission einen Vorteil verschafft.

Eine besondere Rolle wird den Dragoneers zuteil. Diese besitzen uralte Waffeninstrumente und sind in der Lage Runenlider zu spielen. Damit ihr ein solches Lied spielen könnt, müssen zunächst genug Battle Performance Mana Punkte gesammelt werden, die euch eine Leiste am Bildschirmrand anzeigt. Ihr könnt im Spielverlauf mehrere Runenlieder erlernen, die unterschiedliche Effekte ermöglichen. Diese hängen allerdings auch davon ab, welchen Charakter ihr in der Mitte platziert. Dadurch könnt ihr die Effekte der aktuellen Situation und eurem Spielstil anpassen. Das sogenannte B.A.N.D.-System gibt dem Spiel eine taktische Note. Zum Tragen kommt die aber – wie in den meisten anderen Genrevertretern auch – nur bei größeren Gegnern und Bossen.

Nichtsdestotrotz gefällt mir das Kampfsystem von Shining Resonance Refrain gut. In den ersten Spiestunden wirkt es noch etwas träge und lahm, mit der Zeit kommt aber Schwung rein. Praktischerweise steigen die Gegner in der Spielumgebung immer wieder im Level, sodass es nicht langweilig wird. Ihr werdet zwar stärker, doch die Gegner werden es auch. Die seht ihr übrigens in der Spielwelt. Auf Zufallskämpfe verzichtet das Spiel glücklicherweise. Worauf das Spiel nicht verzichtet, sind Speicherpunkte und Grind. In den ersten Spielstunden bleibt letzterer noch aus. Geht es dann später an einige Bosse, werdet ihr womöglich erst einmal Erfahrungspunkte farmen müssen. Beherrscht ihr das Kampfsystem gut und nutzt all seine Feinheiten, könnt ihr zwar etwas Grind vermeiden – so ganz ohne wird es aber schwer. Die im Schwierigkeitsgrad steigenden Gegner trösten übrigens über einen eher unschönen Aspekt hinweg: die kleinen Spielbereiche werdet ihr unzählige Male durchqueren.

Keine Risiken

Hier hätte ich mir einige Elemente moderner JRPGs gewünscht. Shining Resonance Refrain basiert auf einem Spiel der PlayStation 3-Ära. Zu dieser Zeit fingen japanische Entwickler erst an, alte Mechaniken Stück für Stück über Bord zu werfen und das Genre zu modernisieren. Viele inzwischen sehr beliebte Quality of Life Features kamen erst deutlich später. Dennoch wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Entwickler für das Remaster einige moderne Features integriert hätten. Es dürfte keine große Sache sein, im Hauptmenü eine Speicherfunktion einzubauen und ein Menü mit ein paar Reglern zu implementieren, die bestimmen wie viele Gegner dem Spieler begegnen und womöglich auch die Menge der erhaltenen Erfahrungspunkte. Seit Bravely Default schätze ich derlei Features sehr. Diese passen das Spiel an den Spieler an und beugen zu viel Grind vor.

Shining Resonance Refrain bietet sehr viele Nebenaufgaben. Wenn ihr die wie ich mitnehmt und auch Mal gezielt der Story vorzieht, werdet ihr oft ohne viel Gegrinde auskommen. Wer sturr der Story folgt, wird es da rasch schwerer haben. Schade, dass das Spiel keine Möglichkeit zum Ausgleich bietet. Moderne JRPGs sind hier deutlich komfortabler.

Dies dürfte sich spätestens dann rächen, wenn ein Spieler zum ersten Mal durch ist und wie vom Spiel empfohlen, den Refrain-Modus für einen zweiten Spieldurchlauf aufgespart hat. Bei so manchem dürfte die Luft nach einem Durchgang erstmal raus sein. Schade eigentlich. Im Refrain-Modus könnt ihr nämlich zwei zusätzliche Charaktere spielen. Darunter auch Prinzessin Excella.

Wenig modern hin oder her – ich hatte sehr viel Spaß mit Shining Resonance Refrain. Das JRPG hat eine interessante Geschichte und eine Reihe gelungener Charaktere. Nur vom Protagonisten bin ich kein großer Fan. Der ist weder optisch sonderlich einprägsam, noch charakterlich überzeugend. Dies scheint aber eine Art JRPG-Krankheit zu sein. Warum haben so viele Genrevertreter eher nervige Protagonisten? Yuma erfüllt hier gleich eine ganze Reihe von Klischees. Klischees bedienen auch die anderen Charaktere zur Genüge. Mit denen bin ich aber trotzdem schnell warmgeworden.

Trotz viel Gemecker ist Shining Resonance Refrain ein gutes und empfehlenswertes JRPG. Die Kämpfe gegen Trash-Mobs erfordern die Aufmerksamkeit vom Spieler, es gibt eine Reihe von Nebenbeschäftigungen wie Quests und den Aufbau von Charakterbeziehungen und die einzelnen Aspekte sind gut miteinander verzahnt. Spieler bekommen eine sehr klassische JRPG-Erfahrung, weshalb sich Kenner des Genres schnell einfinden werden. Die Entwickler sind hier auf Nummer sicher gegangen und haben sich erst gar nicht an innovativen oder gar ausgefallenen Ideen versucht.

Besonders konnten bei mir der Soundtrack und die Zwischensequenzen punkten. Bei der musikalischen Untermalung haben sich die Entwickler sehr viel Mühe gegeben – was bei der Thematik des Spiels auch wichtig ist. Schließlich spielt Musik für die Geschichte eine große Rolle. Dies hört der Spieler zum Glück auch raus. Der Soundtrack überzeugt und bietet viele Facetten. Wie so viele JRPGs wird die Story zudem gut in Szene gesetzt. Ihr werdet zwar auch zahlreiche Dialoge lesen, aber es gibt immer wieder gelungene Zwischensequenzen, die sehr schön gestaltet sind. Die Gesamtgrafik des Spiel ist eher durchschnittlich – wie es Genrefans gewohnt sind. In Sachen Zwischensequenzen haben sich die Entwickler damit aber nicht zufrieden gegeben.

Ebenfalls gut gefallen hat mir die Integration von DLCs, die einst für das Original erschienen sind. So könnt ihr schon zu Spielbeginn eure Charaktere in diverse Kostüme stecken. Darunter befinden sich nicht nur typisches Klischee-Geschichten wie Badebekleidung und Schuluniformen, sondern einige – wie ich finde – sehr ansprechende Sachen.

Mein Fazit:

Gut zehn Jahre mussten wir auf Shining Resonance Refrain warten, doch es hat sich gelohnt. Ich bin froh, das Spiel nun doch noch spielen zu dürfen, da es ein gutes JRPG ist. Man merkt hier und dort zwar das Alter des Originals, aber dies tut dem Spielspaß keinen Abbruch. Die Entwickler haben beim Remaster darauf verzichtet, einige Quality of Life Features zu implementieren, die man aus aktuellen Genrevertretern kennt. Daher ist die Spielerfahrung sehr klassisch. Den Grind hätten die Entwickler ein wenig entschärfen können, da so etwas vor allem Neulinge abschreckt. Auch Speicherpunkte und Backtracking müssen 2018 nicht mehr sein. Mit dem Rest kann ich als JRPG-Fan sehr gut leben. Die Entwickler haben auf Risiken verzichtet und gehen auf Nummer sicher.

Vor allem musikalisch kann Shining Resonance Refrain punkten. Auch die Inszenierung der Story überzeugt. Diese wird durch optisch ansprechende Zwischensequenzen erzählt. Dazu kommt ein Kampfsystem mit einer taktischen Note. Zu den Highlights gehört für mich die englische Sprachausgabe. Die Sprecher machen einen guten Job und die Entwickler haben bei der Auswahl ein gutes Händchen bewiesen. Deutsch wird hingegen nicht unterstützt. Weder in Wort, noch in Schrift.

Ein solides, wenngleich nicht herausragendes, JRPG. Für Genrefans gibt es eine Empfehlung. Auch für Einsteiger ist das Spiel nicht uninteressant. Das Rollenspiel bietet eine gute Balance zwischen Komplexität und Einsteigerfreundlichkeit. Hier fällt dem Spiel allerdings ein wenig sein Alter auf die Füße. Das Genre hat sich seit dem Original stark gewandelt. Wer Quality of Life Features möchte und eine moderne JRPG-Erfahrung mit wenig Grind und vielen Anpassungsmöglichkeiten sucht, ist hier falsch.

Bildquelle: Atlus

Offenlegung: Für dieses Review hat mir Koch Media die PlayStation 4-Version kostenlos zur Verfügung gestellt.

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