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State of Mind Review

State of Mind Review

Entwickler:         Daedalic Games
Publisher:          Daedalic Games
Genre:              Modern Adventure
Plattformen:        Nintendo Switch, PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 29,99 Euro
Offizielle Website: https://www.daedalic.com/state-of-mind

Düstere Vision der Zukunft

Daedalic Entertainment kennen viele vor allem durch großartige Point-and-Click Adventures wie Edna & Harvey und Deponia. In den letzten Jahren hat das Unternehmen allerdings bewiesen, dass es nicht darauf festgelegt ist und wandelbar ist. Mit Titeln wie The Long Journey Home, Silence und Die Säulen der Erde hat sich Daedalic von einer gänzlich anderen Seite gezeigt. Eine Seite, die mir sehr gut gefällt. Die jüngeren Adventures aus dem Hause Daedalic sind sogenannte Modern Adventures, die den Fokus auf die Geschichte legen und weniger auf das Gameplay. Auch der neueste Streich von Daedalic schlägt in diese Kerbe ein. State of Mind zeichnet eine düstere Zukunftsvision, die ich mir näher angesehen habe. In meinem State of Mind Review erfahrt ihr, ob das Modern Adventure bei mir punkten kann.

Das Spiel führt euch in das Jahr 2048. Berlin hat sich zu einer düsteren und dreckigen Stadt gewandelt, in der Neonreklamen und triste Bauten das Stadtbild prägen. Ressourcenknappheit, Kriminalität, digitaler und technischer Fortschritt, schmutziges Trinkwasser und Luftverschmutzung haben die Erde in einen ungastlichen Planeten verwandelt. Viele Menschen zieht es daher fort. Sie sehnen sich nach einem Neuanfang und einer besseren Welt.

Inmitten dieser stürmischen Zeiten lebt der Journalist Richard Nolan, der nach einem Unfall in einem Krankenhaus aufwacht. Dieses darf er zwar rasch wieder verlassen, doch zuhause angekommen beginnen seine Probleme erst. Seine Frau und sein Sohn sind wie vom Erdboden verschluckt. Warum? Dieser Frage werdet ihr nachgehen. Wenn ihr euch nicht plötzlich in der Haut eine der anderen Protagonisten wiederfindet. Da ist zum Beispiel Adam, der in City 5 lebt und der wie die fast schon makellose Version von Richard wirkt. City 5 ist der krasse Gegensatz von Berlin. Die Stadt wirkt fast schon perfekt – hell, freundlich … einladend.  Alles nur Utopie, oder Wirklichkeit?

State of Mind wagt sich an ein aktuelles und sehr schweres Thema. Wohin wird sich die Menschheit in den nächsten Jahren entwickeln? Wohin führen technischer Fortschritt und Digitalisierung? Die nächsten Jahre und Jahrzehnte können uns großartige Möglichkeiten eröffnen, doch bergen sie auch große Gefahren, die wir heute womöglich nicht einmal abschätzen können. State of Mind greift Themen wie Transhumanismus gekonnt auf und konfrontiert den Spieler schonungslos mit seiner glaubhaft wirkenden Spielwelt. Ihr werdet Robotern in Menschengestalt begegnen und mit ihnen Dialoge führen.

Oberflächlich betrachtet würde eine aufpolierte Grafik mit schicken Effekten, toller Physik und fotorealistischer Grafik sicher gut zu dem Spiel und seiner Thematik passen. Dergleichen ist allerdings nicht nötig, um eine nachvollziehbare und glaubhafte Zukunftsvision zu erschaffen, die den Spieler zum Nachdenken bewegt. Die Low Poly Grafik wirkt so fragmentiert wie das Leben von Richard Nolan – im positiven Sinn. Der teilweise sehr düstere Soundtrack unterstreicht das schmutzige und wenig zuversichtlich wirkende Bild der Zukunft. Grafik, Soundtrack und Geschichte harmonieren sehr gut miteinander und ergänzen sich gegenseitig zu einem stimmigen Gesamtbild.

State of Mind Nolan

Die Story im Mittelpunkt

State of Mind ist eines der sogenannten Modern Adventures und konzentriert sich daher voll auf seine Geschichte. Damit ihr aus der nicht herausgerissen werdet, bleibt es spielerisch eher anspruchslos. Rätseleinlagen und Minispiele gibt es nur selten und diese sind eher einfacher Natur. Komplexe Denkaufgaben, an denen Spieler hängen bleiben könnten, müssen draußen bleiben. Jeder wird daran keinen Gefallen finden, da das Spiel so an Walking Simulatoren erinnert. Ich persönlich kann damit gut leben, da ich diese entspannte Form von Spiel schätze. Sie lässt den Spieler eine spannende Geschichte erleben, ohne diese mit komplexem Gameplay zu unterbrechen. Es wäre einfach nur langweilig, wenn alle Spiele nach einem Schema F funktionieren und nur die Zutaten ein bisschen anders mischen. Spiele mit geringem Gameplay-Fokus sind ideal, um nach einem stressigen Tag entspannt zu zocken. Es muss nicht immer ein Dark Souls oder ein tiefgründiges Strategiespiel im Laufwerk liegen.

Die Geschichte von State of Mind überzeugt und besticht mit Glaubwürdigkeit. So utopisch vieles auch wirken mag – wir sind technologisch inzwischen auf einem Niveau, welches viele Elemente aus State of Mind in greifbare Nähe rückt. In Verbindung mit der Handlung des Spiels, ist diese Erkenntnis bisweilen erschreckend. Erwartet uns eine ähnlich düstere Zukunft?

Das Spiel schlägt überwiegend dunkle Töne an und erzählt eine sehr erwachsene Geschichte, die gut ausgearbeitet ist. Es dauert ein wenig, bis die Story Fahrt aufnimmt, doch dann zieht sie den Spieler in ihren Bann. Düstere Modern Adventures scheinen die neue Paradedisziplin von Daedalic zu sein. Eine Richtung, die mir richtig gut gefällt. In Sachen Tiefe darf hier und dort gern noch etwas passieren. Einige Nebencharaktere sind zum Beispiel ein wenig flach und nur unbefriedigend ausgearbeitet. Hier hätten die Entwickler zugunsten der Spielzeit ruhig noch ein wenig an Details rauskitzeln können. Auch in Sachen Steuerung und Kollisionsabfrage ist mehr drin. Manchmal fühlt sich die Steuerung etwas hakelig an und es verwundert, wenn der Charakter um einen Tisch geführt werden muss, weil vor ihm ein Roboter steht – aber trotzdem genug Platz vorhanden wäre. Beim Feinschliff bleibt also noch Luft nach oben.

Auch wäre es schön, manuell speichern zu können. Auch wenn das Spiel meist in relativ kurzen Abständen speichert, stört dies manchmal. Es gibt einfach Situationen, in denen möchte ein Spieler rasch aus einem Spiel aussteigen, ohne Fortschritt zu verlieren. Diese kleinen Makel werden hoffentlich noch via Patch behoben.

State of Mind

Mein Fazit:

State of Mind ist ein spielbarer Thriller, mit packender Story und düsterem Setting. Das Spiel zeichnet eine erschreckende Zukunftsvision, die glaubhaft wirkt und nachvollziehbar ist. Das Spiel legt den Fokus auf die Story und verzichtet auf komplexe Gameplaymechaniken. So könnt ihr euch auf die Story einlassen und werdet aus dieser nicht herausgerissen. Nur selten sind kleinere Rätsel zu lösen, die keine große Hürde darstellen. Umso wichtiger ist dafür die Story und deren Erzählung. Hier und dort gibt es ein paar Längen, insgesamt kann die Geschichte allerdings überzeugen. Das Thema Transhumanismus ist spannend und passt gut in die heutige Zeit. Mir gefällt, dass Daedalic sich zunehmend an schwerere Themen wagt und diese gekonnt in Szene setzt. Grafik und Soundtrack tragen zum stimmigen Gesamtbild bei. Dieses ist meiner Meinung nach noch besser, wenn ihr das Spiel auf Englisch spielt. Dass ist aber Geschmackssache.

Für rund 30 Euro erhaltet ihr einen spannenden Thriller, mit interessanter und zeitgemäßer Story, hervorragendem Soundtrack und Wiederspielwert. Mehreren Enden sei Dank. Erfreulicherweise ist State of Mind ein Spiel, welches auch nach dem Durchspielen in Erinnerung bleibt. Mehr noch – erst dann lässt es den Spieler aus seinem Bann und in die eigene Gedankenwelt. Werden wir selbst eines Tages in einer solch hochdigitalisierten Welt leben und in einem solch extremen Ausmaß überwacht? Müssen wir uns vor Transhumanismus fürchten? Wird unsere Zukunft ebenso düster und schmutzig? Dies gelingt dem Spiel so gut, weil es nicht auf stumpfe Action mit tonnenweise Ballereien in effektüberladenen Settings setzt, sondern sich auf die Erzählung einer meist sehr starken Geschichte verlässt. Weniger ist eben manchmal mehr.

Bildquelle: Daedalic

Offenlegung: Für dieses Review hat mir Daedalic die PC-Version kostenlos zur Verfügung gestellt.

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