Startseite » Review » Overkill’s The Walking Dead Review
Overkill’s The Walking Dead Review

Overkill’s The Walking Dead Review

Als Overkill’s The Walking Dead angekündigt wurde, ist der Titel weitestgehend an mir vorbei gegangen. Ich habe mich zwar mit dem The Walking Dead-Universum auseinandergesetzt, doch triggern konnte es mich nie so recht. Umso überraschender war es für mich, dass der Titel auf der letzten gamescom mit ganz oben auf meiner Favoritenliste für dieses Jahr stand.

Overkill’s The Walking Dead versprach in einiger Hinsicht sehr viel. Schließlich konnte Overkill mit der Payday-Serie starke Erfahrungen in der Shooterszene sammeln. Trotz auf und ab, erfreut sich die Reihe noch immer einer großen Beliebtheit und die Entwickler stehen in regen Kontakt mit der Community. Ergänzend dazu gab es die Aussicht auf eine spannende Geschichte, schließlich ist die Story rund um Aiden, Maya, Heather und Grant sogar Teil des The Walking Dead Seriencanons.

Umso enttäuschender ist der Fakt, dass Overkill’s The Walking Dead trotz seiner vielen Ansätze an der Komfortzone eines altangesehenen Entwicklers scheitert. Dabei ist das Spiel selbst kein Scheitern, zumindest noch nicht.

Schleichende Geschichte

Beginnen wir mit der Story: Was im Vorfeld immer wieder betont wurde, beschränkt sich weitestgehend auf Zwischensequenzen vor den Missionen. Diese erzählen nett stilisiert die Geschichtsabschnitte, doch sind sie nicht mehr als ein grober Umriss der Geschichte. Dramaturgische Elemente werden aufgebaut, aber nach Ende der Sequenz in sehr langen Ladebildschirmen wieder fallen gelassen.

Sogar spannende Plot Twists werden somit im Keim erstickt. Interaktion mit den Charakteren innerhalb der Missionen? Sieht eher mau aus. In der Werbebranche gibt es mittlerweile mehr Storytelling als in diesem Spiel. Ein wenig wirkt es so, als sei man mit der Geschichte und den Erzählelementen nicht über die Konzeptphase hinausgekommen.

Die Missionen selbst unterteilen sich dabei grob in drei Arten: Storymissionen, Nachschubmissionen und Verteidigungsmissionen. Letztere sprechen für sich: Ihr verteidigt ein übersichtliches Areal gegen Gegnerwellen. Bei Nachschubmissionen besucht ihr bereits bekannte, kleinere Areale um Vorräte oder Überlebende zu bergen. Storymissionen erzählen die Geschichte der Überlebenden, oder sollten es zumindest. Wobei ihr euch üblicherweise von A nach B durchschleicht oder durchkämpft.

Mit Schleichen ist es bei Overkill’s The Walking Dead im Allgemeinen schwierig. Was merkwürdig ist, denn schließlich bietet das Spiel alle grundlegenden Werkzeuge für Stealth Einsätze. Doch sie sind nur schwer nutzbar. Das hat prinzipiell zwei Gründe: Ganz oben steht die Kommunikation zwischen den Spielern. Ein Chat, der die Nachrichten viel zu schnell ausblendet und das Fehlen eines Voicechats machen die Kommunikation nur schwer möglich. Mit Freunden kann man auf Alternativen ausweichen, mit Fremden ist das aber on the hook schwer. Die meisten Gruppen sind also eher chaotisch.

Jeder liebt die Horde

Ein zweiter wichtiger Faktor ist die KI des Spiels. Gott, mich haben Gegner selten so sehr angepisst wie in Overkill’s The Walking Dead. Ich rede nicht von den Zombies, das sind einfach Zombies. Sie greifen einem gerne mal aus dem Hinterhalt an und du schlägst sie weg oder stichst sie ab. Das ist gut und richtig und baut eine gewisse Bedrohlichkeit auf. In jedem Fall geht es nämlich auf Kosten des eher schmalen Lebensbalken. Es sind viel mehr die menschlichen Feinde, die gerne wie dumm rumballern, bis sie tot sind. Sobald euch menschliche Gegner entdecken, geht es nur noch darum diese so schnell wie möglich auszuschalten. Nicht weil sie eine Bedrohung für euch sind, sondern weil sie mit ihrem endlosen Geballer die Zombiehorden anlocken. Ihr werdet außerdem immer eine Person in der Gruppe haben, die glaubt, sie zockt Unreal Tournament. Diese Person wird auf alles schießen, was ihr Visier kreuzt. Hallooo? Es gibt Schalldämpfer?! Ja, die gehen zwar schnell kaputt aber immerhin gibt es sie!

Der Drop-In Drop-Out des Multiplayers zeigt erstaunlicherweise eine eher geringe Zahl an Leavern. Was daran liegen kann, dass die Missionen (zumindest auf normal und schwierig) oft mit Zombiehorde im Nacken noch irgendwie schaffbar sind. Habt ihr dann mal eine gute Gruppe gefunden, wird die Lobby nach Abschluss einer Mission wieder aufgelöst und der Spaß geht von vorn los. Ohne Gruppe empfiehlt sich das Spielen übrigens nicht, es gibt keine Bots oder Skalierung der Gegner.

Die Lehre unterm Strich lautet: Gut spielbar ist das Spiel nur mit Freunden. Doch wenn die Lobbys teilweise schon schwer mit Zufallsspielern aufzufüllen sind, wie soll ich dann drei Freunde für das Spiel finden? Das Problem mag die Zeit lösen. Doch kommen wir zurück auf die Horde. Zombies werden von Geräuschen und Licht angelockt. Vor allem Waffenlärm lockt nicht nur jeden Walker in eurem Umkreis an, sondern auch die Horde. Quasi ein endloser Fluss aus Zombies, die euch jagen wie Schnäppchenjäger die Angebote am Black Friday. Zum Glück können die Viecher nicht klettern und sind dumm. Also dumm im positiven Sinne, das erlaubt taktisches Spiel und Ablenkungsmanöver innerhalb der Gruppe.

Overkill's The Walking Dead Screenshot

The Walking Dead ist coming for you

Diese taktischen Aspekte setzen allerdings voraus, dass eure Mitspieler die Möglichkeiten erkennen und ihr euch in entsprechenden Levelabschnitten befindet. Das Gelände ist zumeist sehr eng und schlauchförmig aufgebaut. Das steigert zugegebenermaßen die Spannung und trägt zur dichten Atmosphäre bei, schränkt aber oft die spielerischen Optionen sehr stark ein.

Auf hohem Schwierigkeitsgrad spielt es dann auch eine Rolle, wie ihr eure Gruppe zusammensetzt. Die Charaktere sind grob in Klassen mit speziellen Fähigkeiten unterteilt. Es benötigt etwas Erfahrung um diese korrekt einzusetzen. Die Fähigkeiten önnen aber der Gruppe aus schwierigeren Situationen helfen. Wobei ihr eigentlich nicht weiterspielen braucht, wenn ihr auf einem der zwei höchsten Schwierigkeitsgrade die Horde an der Backe habt.

Immerhin gibt es auch für das Scheitern von Missionen Erfahrungspunkte um die Charaktere zu Leveln. Neue Level schalten Fähigkeitspunkte frei, mit denen ihr wiederum euren Charakter verbessert. Allerdings nie in dem Maß, dass die Verbesserung spielentscheidend oder stark vereinfachend wäre. Um eure Fähigkeiten zu verbessern, müsst ihr auch eure Heimatbasis ausbauen. Das geschieht durch das Sammeln von Ressourcen, hauptsächlich durch Nachschubmissionen und Storymissionen. Ressourcen verbraucht die Basis darüber hinaus zur Erhaltung. Nach einer Reihe abgeschlossener Missionen müsst ihr Wartungs- und Unterhaltskosten zahlen. Könnt ihr sie nicht zahlen, sinkt die Moral und ihr erhaltet einen Malus. Hohe Moral hingegen führt zu Boni. Boni gibt es auch, indem ihr Stationen mit Überlebenden besetzt, die ihr aber auch auf Missionen zur Beschaffung neuer Vorräte schicken könnt.

Natürlich benötigt ihr die Ressourcen ebenso um eure Ausrüstung zu verbessern. Wobei diese in Seltenheitsstufen unterteilt ist. Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto höher die Chance auf bessere Waffen und Verbesserungen. Darunter Visiere, Schalldämpfer und Griffe. Doch so recht interessant wirken die Waffen und Mods nicht. Das mag daran liegen, dass sich viele davon im Spiel nicht gut genug anfühlen. Wobei Pistolen und Flinten noch am besten bei wegkommen. So recht Freude kommt beim Gunplay auch nicht auf, da dem Spiel ein zumindest rudimentäres Deckungssystem im Schusswechsel fehlt. Wenn die Gegner schon so zielsicher sind, wäre es schön, wenn nicht nur sie, sondern auch man selbst einfacher die Deckung nutzen könnte.

Overkill’s The Walking Dead Screenshot

Action bitte nur leise

Letztlich müsst oder solltet ihr ohnehin die meiste Zeit lautlos spielen. Schade, dass sich das Nahkampfsystem dann auf Stealthkills, das Ausführen von simplen Schlägen und das Wegstoßen von Gegnern – meist Zombies – beschränkt. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Entwickler das Konzept etwas vertieft hätten. Vielleicht durch die Modifikation von Nahkampfwaffen oder spezielle Nahkampffähigkeiten.

Wenn ihr es an diesen Punkt geschafft habt, dann habt ihr hoffentlich aufmerksam gelesen. Denn viele der oben erwähnten Punkte werdet ihr einfach herausfinden müssen. Wobei wir beim letzten Kritikpunkt angekommen sind: Es gibt quasi keine Erklärung dazu, wie ihr das Spiel spielen könnt oder sollt. Es gibt zwar Tutorialvideos in einem Untermenü versteckt, doch so etwas wie Hinweise oder Hilfestellungen sucht ihr vergeblich.

Overkill’s The Walking Dead Screenshot

Mein Fazit:

Overkill’s The Walking Dead scheitert an der Komfortzone der Entwickler. Das Spiel geht nur selten über die Kompetenzen der spielerischen Vorlage aus dem Payday-Universum hinaus. Die Geschichte ist dünn und trotz ihrer guten Ansätze nur mangelhaft erzählt. Das Gameplay selbst ist solide, allerdings nicht weit genug an die Anforderungen eines Zombies Survivalshooters angepasst. Wobei das Begriff selbst ein Problem ist. Denn der Titel ist zu wenig Stealthaktion und zu sehr als Shooter ausgerichtet. Obwohl er selbst als Survivalabenteuer wahrgenommen werden will.

Die Zombiehorden auf dem Bildschirm sind beeindruckend und unglaublich bedrohlich, die Atmosphäre dicht und packend. Die Möglichkeiten dieser packenden Atmosphäre werden aber in den Spielelementen nicht weit genug ausgereizt. Zombies kommen aus dem Nichts, menschliche KI-Gegner sind hohl und die Hilfestellungen zum Spiel selbst eher mau.

Overkill’s The Walking Dead hätte es gut getan, in eine Early Access-Phase zu starten. Dann wären diese Schwächen offensichtlich geworden und die Entwickler hätten zur Korrektur ansetzen können. Das ist zwar jetzt noch immer möglich, allerdings unter einer wesentlich angespannteren Atmosphäre. Wer einen geistigen Left 4 Dead-Nachfolger erwartet, wird hier nicht fündig. Schade eigentlich, denn das Spiel bietet so ziemlich alle Grundbausteine für ein großartiges Zombieabenteuer. Immerhin haben die Entwickler noch etwas Zeit, um bis zum Release der Konsolenversion im Februar nachzubessern.

Offenlegung: Für dieses Review wurde das Spiel von 505 Games kostenlos zur Verfügung gestellt.

Schreibe etwas dazu!

avatar
2000
  Kommentare Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: