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Red Dead Redemption 2 Winter

Red Dead Redemption 2 Review

Entwickler:         Rockstar Games
Publisher:          Rockstar Games
Genre:              Action, Open World
Plattformen:        PlayStation 4, Xbox One 
Preis:              ca. 69,99 Euro
Offizielle Website: https://www.rockstargames.com/reddeadredemption2/

Auf der Suche nach Abenteuern

Müsste ich ein Lieblingsspiel der letzten Konsolengeneration benennen, wäre die Wahl für mich sofort klar: Red Dead Redemption. Die letzte Konsolengeneration brachte eine Reihe hervorragender Spiele mit sich. Dennoch konnte mich keines auch nur annähernd so in den Bann ziehen, wie es Red Dead Redemption tat. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an den Nachfolger. Kann der dritte Teil der Red Dead-Reihe an den hervorragenden zweiten Serienableger anknüpfen? Die Messlatte dafür liegt verdammt hoch.

Der Protagonist von Red Dead Redemption sucht seinesgleichen und das Spiel strotzt nur so vor Details, toller Musik und tollen Schauplätzen. Wer einmal über die Grenze nach Mexiko geritten ist, während Jose Gonzales diesen Moment mit „Far Away“ untermalt, wird diesen Augenblick wohl nicht wieder so schnell vergessen. In meinem Red Dead Redemption 2 Review berichte in von meinen Spieleindrücken und ob mich auch der neue Teil in seinen Bann ziehen kann.

In Red Dead Redemption 2 schlüpft der Spieler in die Rolle von Arthur Morgan. Arthur ist Teil der Van der Linde Gang, die zu Spielbeginn in den verschneiten Bergen Zuflucht sucht. Das Gesetz sitzt der Gang nach einem misslungenen Raubüberfall im Nacken. Der Aufenthalt in den zugeschneiten Bergen dient als Einführung in das Spiel. Diese nimmt sich Zeit den Spieler langsam in eine große Spielwelt einzuführen und ist wunderbar entschleunigt. Manch einer mag sie allerdings auch als langweilig und langatmig empfinden.

Habt ihr die etwa zweistündige Einführung hinter euch gebracht, entlässt euch das Spiel in eine große offene Spielwelt. Das Spieltempo bleibt dabei häufig euch überlassen. Ihr könnt von Mission zu Mission eilen, oder euch in der rauen Spielwelt verlieren. Ihr könnt stundenlang auf die Suche nach Wild gehen und dieses erlegen, oder versuchen jeden Zipfel der Spielwelt zu erkunden.

Rockstar Games hat eine offene Spielwelt geschaffen, ohne an jede Ecke ein Fragezeichen zu setzen. Viele Open Worlds verleiten dazu, von Symbol zu Symbol zu eilen und diese systematisch abzuarbeiten. So einfach macht es euch Red Dead Redemption 2 nicht. Symbole gibt es, ja. Aber ihr werdet nicht mit der Nase auf jedes noch so kleine Detail gestoßen. Fernab von allen Symbolen, Markierungen und Beschriftungen der Karte lassen sich interessante Orte, Details und Easter Eggs finden. Auch im späteren Spielverlauf bleibt die Anzahl an Nebenmissionen überschaubar. Dafür erzählt jede eine eigene kleine Geschichte.

So habe ich zum Beispiel einmal eine ziemlich heruntergekommene Kirche entdeckt. Fern von jeder Zivilisation und gut versteckt zwischen einigen Bäumen. Ich habe das Gebäude betreten, in der Hoffnung drinnen noch ein paar verwertbare Dinge finden zu können. Stattdessen stand ich in einem Gebäude voller Skelette. Auf einem Tisch lag eine merkwürdige Predigt und während ich mir diese angesehen habe, leuchtete der Raum plötzlich grün. Dieses Undead Nightmare Easter Egg setzt voraus, den Ort zur richtigen Zeit zu besuchen. Gefunden habe ich es nur durch Zufall, da ich ziellos durch die Spielwelt geritten bin, auf der Suche nach einem unerwarteten Abenteuer. Red Dead Redemption 2 ist voll mit solchen Abenteuern, doch sie werden euch nicht immer vor die Füße geworfen.

Entscheidet ihr euch dafür den offensichtlicheren Abenteuern nachzugehen, bleibt es noch immer an euch, deren Ablauf zu bestimmen. So werdet ihr zum Beispiel immer wieder NPCs begegnen, die euch um Hilfe bitten. Manchmal erweist sich eine solche Situation als Hinterhalt. Kaum steigt ihr von eurem Pferd ab, wird es euch geklaut und der Dieb tritt die Flucht an. Begegnet ihr in den Wäldern einem Jäger, der in eine Falle gegangen ist, könnt ihr ihn einfach umlegen und ausrauben oder aber ihr versucht sein Leben zu retten. Ihr könnt auch helfen und dann das Pferd des Jägers stehlen und ihn seinem Schicksal überlassen. Ihr entscheidet, ob ihr ein Outlaw ohne Skrupel sein möchtet oder mit Hilfsbereitschaft an eurem guten Ruf feilt.

Red Dead Redemption 2 Jagd

Die Jagd und atemberaubende Kulissen

Obwohl es in Red Dead Redemption 2 unheimlich viel zu tun gibt, hat mich ein anderes Feature besonders lange bei Laune gehalten: die Jagd. Es gibt Hunderte Tierarten im Spiel. Die Jagd nach perfekten Fellen hat mich in zahlreiche Winkel der Spielwelt getrieben. Quasi eine Win-win-Situation. Jagen ist eine vergleichsweise gemächliche Beschäftigung im Spiel, die Geduld verlangt, wenn sie sich auszahlen soll. Ideal also, um nebenbei die Schönheit der Spielwelt zu bewundern.

Die aufgehende Sonne zaubert immer wieder eindrucksvolle Momentaufnahmen, von denen ich gar nicht genug in Screenshots festhalten konnte. Egal ob Nebel, verschneite Berge oder ein strahlend schöner Tag – die Spielwelt ist einer der Stars im Spiel. Selbst wenn ihr ohne weitere Beschäftigung einfach nur die Umgebung beobachtet, weiß Red Dead Redemption 2 zu gefallen. Das Spiel lebt von seinen stimmungsvollen Momenten, die den Spieler verharren lassen.

Vorausgesetzt, ihr lasst es! Natürlich könntet ihr auch zielstrebig durch die Spielwelt hetzen. In diesem Fall wird euch allerdings sehr viel entgehen. Das Westernspiel entfaltet seine Wirkung erst dann, wenn ihr euch die Zeit für die Details nehmt. Haltet kurz inne, um einen virtuellen Sonnenuntergang zu genießen, lauscht in eurem Lager dem Gesang anderer Gangmitglieder und nehmt euch einmal die Zeit, euch von den komplexen Tagesabläufen eines NPCs begeistern zu lassen.

Red Dead Redemption 2 hat eine erstaunliche Tiefe. Legt ihr bei der Jagd einen Kadaver auf euer Pferd, werden sofort Fliegen herumschwirren. Hört ihr genau hin, könnt ihr das bekannte Geräusch summender Fliegen hören. Ein wenig erinnert mich das Spiel an The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Auch dieses Spiel steckt voller liebevoller Details, die dem Spieler leicht entgehen können, wenn er es zu eilig hat.

Red Dead Redemption 2

Arthur Morgan und die Van der Linde Gang

Der Protagonist von Red Dead Redemption spielt sicher keine geringe Rolle, wenn es um die Beliebtheit des Spiels geht. John Marston ist ein interessanter Charakter, mit Ecken und Kanten, einer schwierigen Lebensgeschichte und eine Person, die das Herz am rechten Fleck hat. Keine leichte Aufgabe, solch einen Protagonisten zu beerben. Arthur allerdings macht seine Sache wunderbar. Er ist ziemlich schroff und verhält sich nicht selten wie ein Elefant im Porzellanladen. Doch er besitzt auch Ehre und Güte. Auch Arthur ist eine Person mit Ecken und Kanten. Es fiel mir in den ersten Spielstunden noch relativ schwer, Arthur zu mögen, da John große Fußstapfen hinterlassen hat. Arthur mausert sich jedoch von Kapitel zu Kapitel zu einem überzeugenden Charakter, der John ebenbürtig ist.

Auch die Mitglieder der Van Der Linde Gang überzeugen. Besonders stechen dabei der Anführer Dutch Van Der Linde und Sadie Adler hervor. Dutch ist sehr charismatisch und seine Gang für ihn wie eine Familie. Er geht für sie – im wahrsten Sinne des Wortes – über Leichen. Sadie Adler stößt erst zu Spielbeginn zur Gang hinzu. Gerade zur Witwe geworden, lernt ihr sie als hysterische und verschreckte Frau kennen. Später zeigt sie euch, dass das nur eine Momentaufnahme war. Sadie Adler ist eine taffe Frau, die Wörter in den Mund nimmt, die einer anständigen Dame wohl die Schamesröte ins Gesicht treiben würden. Ihr Wesen erinnert ein wenig an Bonnie MacFarlane, wenngleich beide Charaktere letztlich grundverschieden sind und einen völlig anderen Background haben. Dennoch sind beide vom Leben gezeichnet und dadurch zu starken Frauen geworden.

Auch darüber hinaus bietet die Van Der Linde Gang eine Reihe interessanter Charaktere. Manche von ihnen kommen zwar für meinen Geschmack im Spielverlauf etwas zu kurz, doch für ein Open-World-Spiel macht Red Dead Redemption 2 seine Sache erstaunlich gut. Nicht viele Spiele dieser Art erreichen diesen Punkt. Dem Spiel ist anzumerken, wie viel Zeit Rockstar Games in seine Projekte fließen lässt. Daher schätze ich diese Spiele auch so sehr. Es mag verlockend sein, jährlich einen neuen Ableger eines Spiels zu spielen. Rockstar Games zeigt allerdings, dass die Menge nicht entscheidend ist, sondern die Qualität.  Die weite offene Welt bietet eine Bühne für ein Blick in das Ende des Wildwest-Zeitalters. Die Schauspieler verstehen es diese Bühne zu nutzen und die Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen auf den Punkt zu bringen. Eine wichtige Rolle nehmen dabei die gut gewählten Sprecher ein, die ihre Rollen passende verkörpern. Eine lokalisierte Vertonung gibt es übrigens nicht. Das Spiel bietet deutsche Untertitel und deutsche Menüs.

Ein anderes Highlight ist euer Pferd. Mit der Zeit verbessert sich die Zuneigung eures Pferdes. Ein Pferd ist ein treuer Begleiter. Es trägt Teile eurer Ausrüstung und hilft euch beim Transport von Jagdbeute oder Personen – zum Beispiel gesuchte Verbrecher, die ihr so schnell zum Sheriff befördern könnt. Je vertrauter ihr mit eurem Tier seid, desto mehr Fähigkeiten bietet es. So hilfreich das Pferd auch ist – das volle Potenzial entfaltet es nur, wenn ihr euch gut um euren tierischen Begleiter kümmert. Nach einer Jagd solltet ihr es zum Beispiel striegeln oder durch Wasser reiten, um das Blut abzuwaschen. Andernfalls leiden die Werte des Tieres darunter.

Red Dead Redemption 2 Schnellreise

Was tun im Wilden Westen?

Was tut ein Outlaw wie Arthur Morgan eigentlich den ganzen Tag, außer auf die Jagd zu gehen und die Schönheit der Natur zu bestaunen? Die Van Der Linde Gang hat ein Lager, welches ihr durch Spenden ausbauen könnt, wodurch ihr mehr Komfort freischaltet. Zum Beispiel in Form von Booten, mit denen ihr zu Angelausflügen aufbrechen könnt. Zahlreiche vergnügliche Beschäftigungen wie Poker und Domino sorgen für kurzweilige Zeitvertreibe. Möchtet ihr euch von eurer besten Seite zeigen, könnt ihr im Lager alltägliche Aufgaben übernehmen, indem ihr Wasser holt, Heu zu den Pferden bringt oder Feuerholz schlagt.

Wie es sich für den Wilden Westen gehört, könnt ihr in Ortschaften Fahndungsblätter auflesen und Kopfgeldjäger spielen. Oder doch lieber ein paar Postkutschen überfallen? Damen in Not retten? Einen Zug überfallen? Langeweile kommt so schnell nicht auf. Es gibt in Red Dead Redemption 2 zu viel zu tun. Auch die bereits erwähnte Jagd bietet einige besondere Herausforderung. Ihr könnt eine Reihe einzigartiger Tiere erlegen und besondere Fische angeln.

In der Spielwelt werdet ihr immer wieder über Situationen stolpern, bei denen ihr einschreiten könnt. Oder überfallt ihr doch lieber ein Geschäft, in der Hoffnung den großen Reibach zu machen? Der eher zähe Eindruck der Einführung legt sich im späteren Spiel. Mit fortschreitendem Spielverlauf werden euch immer mehr Aktivitäten und Möglichkeiten offenbart. Es schadet daher nicht, wenn ihr gelegentlich ein paar Missionen absolviert. Wenn ihr doch einmal nichts zu tun habt, könnt ihr euch auf die Suche nach eurem Hut begeben. Arthur verliert in diesem Spiel mehr Hüte, als ein Vogel während der Mauser Federn.

Red Dead Redemption 2 Sauberer Schuss

Wie jetzt, nichts zu mecken?

So großartig Red Dead Redemption 2 auch ist – es ist natürlich nicht perfekt. Perfekte Spiele sind nicht mehr als Utopie. Wo also liegen die Schwächen von Red Dead Redemption 2? Die Steuerung – GTA lässt grüßen – ist manchmal ein wenig zickig. Das Kampfsystem könnte eine Überholung vertragen und gelegentlich werdet ihr wohl mit eurem Pferd gegen einen Baum oder Stein knallen. Gerade bei einer Flucht kann so etwas nervig sein, wenn ihr vom Pferd fallt und dieses stürzt. Bis sich das Tier wieder aufgerappelt hat, vergeht wertvolle Zeit. Das Internet ist schon jetzt voll mit entsprechenden Fail-Videos. Zugegebenermaßen sind derlei Momente manchmal wirklich erheiternd.

Müsst ihr eine Kutsche fahren, ist die Steuerung sehr träge. Es ist vor allem nervig, wenn ihr eine Kutsche durch eine Kurve bringen sollt. Derlei Aufgaben habe ich manches Mal wiederholen müssen. Mit der Zeit gewöhnt ihr euch an diese Zicken der Steuerung. Trotzdem ist es gerade in den ersten Spielstunden ziemlich lästig und nicht mehr zeitgemäß.

Nach einer Anpassung der Steuerungsoptionen können zwar die Unebenheiten etwas geglättet werden, doch von einem reaktionsfreudigen Spiel kann nicht die Rede sein. Im Vergleich zu anderen Titeln fühlt sich Red Dead Redemption 2 in seiner Spielweise zu schwerfällig an. Die jederzeit nutzbare first-person Ansicht leidet zudem unter dem Mangel eines 60 fps-Modus. Dieser wäre auf der Xbox One X und Playstation 4 Pro wünschenswert gewesen. Gerne auch mit optischen Abstrichen.

Ein wenig schade ist auch, wie stumm sich Arthur zum Teil verhält. Es sind tolle Momente, wenn die Gang am Lagerfeuer sitzt und meist ziemlich schmutzige Lieder singt. Bei derlei Szenen kommt definitiv Stimmung auf. Schade nur, dass Arthur oft wie ein Unbeteiligter stumm das Geschehen verfolgt, ohne Teil davon zu werden. Dies stört die Immersion, die das Spiel an anderen Stellen mit vielen kleinen Details aufbaut.

Red Dead Redemption 2 Pferd Befehle

Mein Fazit:

Red Dead Redemption 2 musste in große Fußstapfen treten und hat diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Wie alle Spiele ist es nicht perfekt, doch es ist nah dran. Das Spiel erweckt schnell den Eindruck, es lebt von rauer Cowboy-Action – dieser Eindruck könnte jedoch nicht unzutreffender sein. Red Dead Redemption 2 punktet vor allem mit seinen stimmungsvollen Momenten. Wunderschöne Landschaften, eine hervorragende musikalische Untermalung und viele liebevoll gestaltete kleine Details sorgen dafür, dass ihr selbst nach Dutzenden Spielstunden noch überrascht werdet. Mit jedem Kapitel werden euch viele der Charaktere mehr ans Herz wachsen und jede neue Region begeistert mit ihren Vorzügen. Die Spielwelt ist einer der größten Stars von Red Dead Redemption 2. Auch die Story weiß mit jedem neuen Kapitel mehr zu begeistern – bis hin zu einem überraschenden Höhepunkt. Die Geschichte zeichnet ein facettenreiches Bild vom untergehenden Wilden Westen.

Auf der negativen Seite steht die schwerfällige Steuerung. Am meisten nervt mich die Steuerung von Kutschen, wenn ich diese durch eine Kurve lenken soll. Doch solche Momente sind schnell vergessen, wenn ich in den nächsten Sonnenuntergang reite.

Bildquelle: Eigene Screenshots aus dem Spiel Red Dead Redemption 2.

Offenlegung: Für dieses Review hat mir Rockstar Games das Spiel kostenlos zur Verfügung gestellt.

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