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Pokémon: Let’s Go, Evoli! und Pikachu!

Pokémon: Let´s GO Evoli und Pikachu Review

Pokémon erobert die Nintendo Switch

Die Ankündigung der Spiele Pokémon: Let´s GO Evoli und Pikachu hat mich relativ kalt gelassen. Als Fan der ersten Stunde habe ich auf neue Editionen und eine neue Generation gehofft. Wie so mancher Spieler, war ich zunächst ein wenig enttäuscht. Im Laufe der letzten Monate hatte ich dann jedoch mehrfach die Gelegenheit, das Spiel vor Release auszuprobieren und meine anfängliche Entgeisterung wich Begeisterung. Letztlich habe ich die Let´s GO Spiele mit Tränen in den Augen begonnen. Tränen der Freude. Die Spiele basieren auf der Gelben Edition, die ich als Kind rauf und runter gespielt habe. Viele Dialoge sind wie im Original, andere zumindest sehr ähnlich.

Als Professor Eich begann über die Welt der Pokémon zu sprechen, kullerten Tränen über meine Wangen. Plötzlich fühlte ich mich wieder wie das kleine Mädchen, dass von ihrem Taschengeld zum ersten Mal ein Videospiel gekauft hat: die Rote Edition von Pokémon. Damals habe ich mich sofort in die niedlichen Taschenmonster verliebt. Noch heute bin ich ein Fan der Franchise.

Die Let´s GO Spiele sind eine kleine Sensation. Erstmals gibt es ein klassisches Pokémon-Abenteuer für eine Heimkonsole. Die Taschenmonster hatten zwar schon auf der Nintendo 64 ihren Auftritt, allerdings in Spin-offs. Die Editionen waren bisher stets den Handhelds von Nintendo vorbehalten. Pokémon Let´s GO unterscheidet sich zwar teilweise von den klassischen Editionen, im Kern ist es jedoch ein Remake der Gelben Edition.

Die Let´s GO Spiele wagen einen Spagat zwischen Pokémon Gelb und Pokémon GO. Die Spiele richten sich vor allem an neue und jüngere Spieler. Zum Beispiel an jene, die Pokémon erst durch das Mobile-Spiel Pokémon GO kennengelernt haben. Doch was heißt dies konkret? Handlung, Orte, Charaktere und Co. sind Pokémon Gelb entnommen. Die Fangmechanik entstammt Pokémon GO. In den klassischen Pokémon-Spielen begegnet ihr im hohen Gras wilden Pokémon. Dieses Vorgehen ist Geschichte. Neu ist, dass ihr die Pokemon jetzt seht bevor ihr ihnen begegnet – das tut der Immersion einen großen Gefallen. Berührt ihr eines der Taschenmonster, kommt es zu einer Begegnung. Kämpfen könnt ihr nicht. Ihr ergreift entweder die Flucht oder versucht es zu fangen. Dabei habt ihr – wie in Pokémon GO – Ringe. Je kleiner der innere Ring ist, desto höher die Fangchance. Zumindest dann, wenn ihr in die Mitte trefft. Auch die Beeren wurden aus Pokémon GO übernommen.

Pokémon GO Spielern wird der Einstieg so erleichtert. Für alte Hasen mag dies zunächst eine Umstellung sein. Gekämpft wird nur noch gegen Trainer und einige wenige Pokémon. Dadurch werdet ihr viele der Taschenmonster immer und immer wieder fangen. Wie in Pokémon GO könnt ihr sie verschicken und erhaltet im Gegenzug Bonbons. Wer die Hauptspiele kennt, mag diese neue Variante ein wenig befremdlich finden. Sie funktioniert jedoch überraschend gut. Da ihr für das Fangen von Pokémon Erfahrungspunkte erhaltet, ist das leveln eures Teams kein Problem. Wie In Pokémon GO richten sich Erfahrungspunkte nach der Güte des Wurfs.

Pokémon: Let´s GO Evoli Screenshot

Überraschungen für alte Hasen

Für uns alte Hasen gibt es trotzdem ein paar Bonbons. So lassen sich zum Beispiel Mega-Entwicklungen einsetzen, die erst mit Pokémon X und Y ins Spiel kamen. Alola-Formen gibt es ebenfalls. Diese tauchten erstmals mit Pokémon Mond und Sonne auf. Das Geschlecht eures Charakters dürft ihr wählen. Ebenfalls ein Feature, welches die Gelbe Edition noch nicht zu bieten hatte. Erst ab Pokémon Kristall hatte der Spieler die Wahl zwischen weiblich und männlich. Als Fan der ersten Stunde gefallen mir diese Kleinigkeiten ausgesprochen gut. Ich muss nicht auf sämtliche Errungenschaften verzichten, die es im Verlauf der Jahre gab. Dank diesen Ergänzungen haben auch Fans Grund zur Freude, auch wenn die Spiele in erster Linie neue Zielgruppen erschließen sollen.

Euer Starter-Pokémon – Evoli oder Pikachu – könnt ihr übrigens einkleiden und frisieren. Euer erstes Pokémon hängt von der Edition ab, für die ihr euch entscheidet. Käufer von Pokémon: Let´s GO Evoli erhalten zu Spielbeginn Evoli, während Käufer von Pokémon: Let´s GO Pikachu mit der Elektromaus Pikachu beginnen. Euer Starter-Pokémon wird auf eurem Kopf (Evoli) oder eurer Schulter (Pikachu) sitzen. Ihr könnt mit ihm spielen, es streicheln und füttern. Darüber hinaus bietet jede Version des Spiels einige exklusive Pokémon, die das Gegenstück nicht zu bieten hat. Via Tausch kommt ihr trotzdem an die Taschemonster. Dies geht im Jahr 2018 natürlich ganz ohne lästiges Kabel und online. Pokémon aus Pokémon GO könnt ihr ebenfalls auf euer Switch-Spiel übertragen.

Eine Sache vermisse ich dann aber doch schmerzhaft: ein schwerer Modus. Die angestrebte Zielgruppe der Let´s GO Spiele dürfte bei etwa 8 bis 12 Jahren liegen. Es ist allerdings kein Geheimnis, das Pokémon eine ganze Reihe älterer Fans zu verzeichnen hat. Diese sind es gewohnt, wie einfach die Spiele sind. Dennoch wären verschiedene Schwierigkeitsgrade eine wünschenswerte Neuerung. Schon aus Nostalgiegründen werde ich Pokémon nicht den Rücken kehren. Ich verbinde damit viele schöne Erinnerungen an meine Kindheit und ich habe mit jedem neuen Ableger meinen Spaß – egal wie einfach er ist. Dennoch hoffe ich mit jedem neuen Spiel, dass die Franchise endlich auf den von unzähligen Spielern geäußerten Wunsch nach Schwierigkeitsstufen eingeht. Die aktuellen Spiele bieten hier zwar einige interessante Ansätze, wie die Meister-Trainer und widerholbare Arenakämpfe, aber es sind eben wirklich nur Ansätze. Da ist noch deutlich mehr drin liebe Entwickler!

Was mir hingegen gut gefällt, sind die Fangketten. Die entschärfen die Jagd nach schillernden Pokémon ein wenig. Diese ist zwar auch in Let´s GO mit einer Menge Zeitaufwand verbunden, doch die Fangserien machen es ein wenig einfacher. Fangt ihr ein Pokémon immer wieder, baut ihr eine Serie auf. Je höher diese ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einem Shiny zu begegnen. Andere Faktoren können dies ebenfalls positiv beeinflussen.

Dieses System hat allerdings auch eine Schwäche. Die Kette reißt, wenn euch ein Taschenmonster entkommt oder das Spiel schließt. Jagt ihr Taubsi, ist diese Gefahr relativ gering. Leider hat nicht jedes Pokémon eine solch gute Fangquote. Jagt ihr zum Beispiel Chaneira, ist die Wahrscheinlichkeit einer Flucht viel höher. Selbst dann, wenn ihr Beeren und gute Bälle verwendet. Für die müsst ihr zudem erst mal genug PokéDollar haben.

Eine weitere Neuerung nach meinem Geschmack ist der Koop. Ein zweiter Spieler kann jederzeit einsteigen, wenn im Tisch- oder TV-Modus gespielt wird. Dafür muss einfach der zweite Joy-Con geschüttelt werden. Eine simple Geste, die auch einem Kind keine Schwierigkeiten bereitet. Allerdings bringt auch diese Neuerung eine kleine Schwäche mit sich. Der Koop gleicht einem Easy Mode. Spielt ihr im Koop, können bei wilden Pokémon beide Spieler Bälle werfen und in Kämpfen kommen gleich zwei Taschenmonster zum Einsatz. Damit sind Trainer schnell besiegt. Der Mitspieler profitiert zudem nur indirekt von der Teilnahme. Spielspaß ist gegeben, mehr jedoch nicht. Als Mitspieler könnt ihr kein Profil auswählen und so etwa die eigenen Taschenmonster trainieren oder wenigstens ein paar Bonbons abstauben.

Pokémon: Let´s GO Evoli Screenshot

Steuerung per Joy-Con oder Pokéball Plus

Apropos Joy-Con … mit denen habt ihr hoffentlich kein Problem. Der Nintendo Switch Pro Controller wird nicht unterstützt, obwohl augenscheinlich alle technischen Funktionen dafür vorhanden sind. Ihr könnt entweder im Handheld-Modus mit beiden Joy-Con spielen, was dem Spielgefühl der Handheld-Ableger nahekommt, oder mit einem Joy-Con. Alternativ bietet sich der Pokéball Plus an, den es entweder im Bundle mit Spiel gibt oder einzeln für etwa 50 Euro. Der Pokéball Plus ist relativ klein. Für Kinderhände genau richtig. Mancher Erwachsene mag sich an der Größe stören. Die hat allerdings auch ihren Vorteil. Den Pokéball Plus könnt ihr nämlich nicht nur für Pokémon: Let´s GO Evoli und Pikachu verwenden, sondern auch für Pokémon GO. Durch die geringe Größe ist es unkompliziert, den Ball mitzunehmen.

In dem Pokéball Plus könnt ihr zudem eines euer Taschenmonster mitnehmen. Dieses sammelt unterwegs Erfahrungspunkte. Ein nettes Gimmick. Auf der Post E3 und der gamescom hatten wir Gelegenheit den Pokéball Plus zu testen. Die Steuerung ist Geschmackssache. Ich persönlich spiele ganz gern damit und störe mich auch nicht an der Größe, da ich ohnehin sehr kleine Hände habe. Es braucht ein wenig Übung, mit dem Ball zu „werfen“, aber mit der Zeit habt ihr den Dreh raus. In den Vorabeindrücken wirkte der Pokéball Plus genauer als der Joy-Con. Einen Wermutstropfen hat dieser aber in jedem Fall: Mew. Mit jedem Pokéball Plus kommt auch ein Mew. Ein Mew ist wörtlich zu nehmen. Pro Ball gibt es tatsächlich nur ein Exemplar der begehrten Kreatur.

Erfreulicherweise bieten die Let´s GO Spiele die Möglichkeit, mit jedem Profil auf der Nintendo Switch einen Spielstand anzulegen. Ihr müsst also nicht mehr ein zweites Spiel erwerben, damit zwei Spieler einen eigenen Spielstand haben können. Eine Grundvoraussetzung bei einem System mit mehreren Nutzern. Mew aber gibt es nur einmal – pro Ball, nicht pro Account. Löscht ihr euren Spielstand, ist euer Mew weg. Lebt ihr nicht in einem Singlehaushalt, könnt ihr euch um das Mew streiten. Ich zum Beispiel lebe in einem 5-Personen-Haushalt. Mein Mann spielt Pokémon und meine Kids lieben die Spiele ebenfalls. Möchten nun alle Personen ein Mew, muss ich fünfmal den Pokéball Plus kaufen. Dieser Spaß würde mich schlappe 250 Euro kosten. Nicht gerade familienfreundlich, geschweige dem erschwinglich. Natürlich ist der Pokéball Plus auch mit der Begrenzung nicht zu verachten. Möchte mein Mann allerdings ein Pokémon mitnehmen, muss er meins erst rauswerfen. Ein Singleusergadet für ein Multiusersystem.

Die Steuerung mit Joy-Con bringt zwar einen Erfahrungspunktebonus beim Fang, allerdings ist sie oft ungenau, weshalb ihr sehr viele Pokebälle einfach in die falsche Richtung werft. Besonders bei Pokémon, die sich viel Richtung Bildschirmrand bewegen, ist der Joy-Con zu unpräzise. Hinzu kommt eine deutlich spürbare Verzögerung beim Wurf. Hier sollte via Patch nachgebessert werden.

Pokémon: Let´s GO Evoli Screenshot

Der Look von Pokémon Let´s GO Evoli und Pikachu

Im Kern gleichen die neuen Spiele Pokémon Gelb, rein optisch hat sich allerdings viel bewegt. Die Gelbe Edition erschien zu einer Zeit, die andere Möglichkeiten bot. Diese waren deutlich überschaubarer. Die Grafik der Let´s GO Spiele ist ansprechend und dürfte vor allem dem jungen Zielpublikum sehr gut gefallen. Auch mir sagt der Look zu, diese Meinung mag aber nicht jeder teilen. Alles ist recht niedlich inszeniert, ohne dabei zu übertreiben. Als erwachsene Frau hat mich der Niedlichkeitsfaktor nicht gestört.

Die Gesichtsausdrücke der Charaktere sind recht cartoonmäßig, sprich ein wenig überspitzt. Die Entwickler haben hier jedoch ein gutes Maß gefunden. Die Emotionen sind so gerade für jüngere Spieler gut erkennbar, werden aber nichts ins Lächerliche gezogen. Apropos Charaktere. Bei den Charaktermodellen gibt es die altbekannte kaum vorhandene Vielfalt. Alle Knirpse, Gören, Techniker, Matrosen und Co. sehen identisch aus. Nur Name und Dialog ändert sich. Es wäre schön gewesen, wäre man hier mit der Zeit und den Möglichkeiten der Vielfalt gegangen. Während die Taschenmonster nun in der Spielwelt sichtbar sind und sogar deutliche Größenunterschiede aufweisen, tragen die NPCs noch immer wenig zur Immersion bei. Eindimensional sind auch die Charaktere in der Geschichte. Diese wurde zwar mit schönen Feinheiten ergänzt. Unterm Strich sind die Ergänzungen allerdings konservativ. Das fördert die Nähe zum Original, bleibt aber hinter dem zurück, was möglich gewesen wäre.

Pokémon: Let´s GO Evoli Screenshot

Christines Fazit:

Pokémon: Let´s GO Evoli und Pikachu richten sich vor allem an neue Spieler, die noch nicht viel oder gar nichts mit Pokémon am Hut haben. Dies mag den alten Fans nicht unbedingt schmecken, doch es tut der Franchise gut. Die Editionen sind im Verlauf der Jahre deutlich komplexer geworden – wenn wir von den noch immer leicht spielbaren Storys einmal absehen. Der Neustart ist daher verständlich und nachvollziehbar.

Für alte Hasen wie mich gibt es einige Leckerbissen in Form der Megaentwicklungen, Alola-Pokémon und Koop. Ein Pluspunkt ist die Möglichkeit mit einem Exemplar des Spiels mehrere Spielstände zu haben. Einen pro Account auf der Switch. Dafür werden Cloud-Spielstände nicht unterstützt.

Für neue Spieler lohnt sich der Ausflug in die Welt der Pokémon. Ob auch langjährige Fans ihre Freude haben, ist schwer zu beurteilen. In meinem Fall kann ich diese Frage klar mit einem Ja beantworten. Manch einer mag in den neuen Spielen nur einen unnötigen Aufguss sehen. Ich bin dankbar für die Spiele und begrüße die Reise in meine Kindheit. Ich würde mich sogar über eine Fortsetzung freuen, wenngleich ich in erster Linie auf die neuen Editionen gespannt bin. Langjährige Fans werden bei den Spielen wohl nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Die Let´s GO Spiele mögen Geschmackssache sein und polarisieren, doch sie machen unbestreitbar einige Dinge richtig, die so hoffentlich auch in die kommenden Ableger übernommen werden. Ich möchte nie wieder darauf verzichten, Pokémon in der Spielwelt zu sehen. Nie wirkte die Welt der Pokémon glaubwürdiger und realistischer.

Tims Fazit:

Altbewährte Mechaniken und frische Akzente machen Pokémon: Let´s GO Evoli und Pikachu zu einem interessanten Spiel. Fans der klassischen Editionen können viele alte und neue Geheimnisse entdecken. Schöne Ergänzungen in der Geschichte und neue Mechaniken hauchen den Taschenmonstern neues Leben ein.

Während mich die Editionen der letzten Jahre nicht begeistern konnten, hat mich Pokémon: Let´s GO vollgepackt. Daran mag zu guten Teilen die Nostalgie schuld sein. Auf der anderen Seite macht der Titel wenig falsch und viel richtig. Manche Dinge sind ärgerlich, wie der fehlende Pro Controller Support, die hakelige Joy-Con Fangmechanik und der teure Pokéball Plus. Darüber hinaus ist das Spiel für uns Erwachsene noch immer zu einfach und es ist unerklärlich, wieso ich mein Spiel nicht in der Cloud sichern kann.

Auf der anderen Seite muss man dem Spiel all die vielen Verbesserungen zu Gute halten. Darüber hinaus ist die Zielgruppe ein paar Jährchen jünger als ich. Unsere Tochter hat das Spiel voll in den Bann gezogen. Die Faszination rund um Pokémon ist noch so groß wie vor zwanzig Jahren. Wer allerdings ein völlig neues Spiel sucht, wird hier nicht fündig. Obgleich es eine Neuauflage ist, zeigt Pokémon: Let´s GO Evoli und Pikachu im Kern, wie man alte Ideen weiterentwickeln muss. Ironischerweise befreit man sich von Altlasten und schafft sich zugleich mit künstlichen technischen Barrieren neue Mankos.

Bildquelle: Nintendo (Artikelbild), eigene Screenshots aus dem Spiel Pokémon Let´s GO Evoli

Offenlegung: Für dieses Review hat Nintendo das Spiel Pokémon Let´s GO Evoli kostenlos zur Verfügung gestellt.

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