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Sekiro Easy Mode

Brauchen Spiele einen Easy Mode und ist ein Hard Mode Pflicht?

Die beiden kürzlich veröffentlichten Spiele Sekiro: Shadows Die Twice und Yoshi’s Crafted World lösten im Internet eine Debatte aus. Sollten Spiele einen sogenannten Easy Mode haben und was ist eigentlich mit einem Hard Mode? Während einige Spieler Sekiro als zu schwer empfinden, ist anderen das neue Abenteuer von Yoshi viel zu einfach. Daher wünscht sich aktuell so mancher Spieler einen Easy Mode für Sekiro, um einfach nur die Story zu erleben. Wieder andere hätten gerne einen Hard Mode in Yoshi.

Sollten Spiele pauschal eine Reihe verschiedenster Schwierigkeitsgrade haben? Nein! Ich kann den Wunsch der Spieler verstehen und doch teile ich diesen nicht. Spiele haben – wie andere Dinge auch – eine Zielgruppe. Ein Sekiro richtet sich klar an jene Spieler, die einen gewissen Anspruch schätzen und die nötige Geduld haben, sich so lange an einer Passage im Spiel zu versuchen, bis sie die Lösung gefunden haben. Yoshi hingegen versteht sich als familienfreundliches Spiel, mit dem auch Kids Spaß haben sollen. Es muss daher zugänglich sein, um dies zu gewährleisten.

Niemand muss Sekiro mögen. Niemand muss Yoshi mögen. Es ist an jedem selbst, ein Spiel für gut zu befinden oder eben nicht. Wir sollten uns allerdings nicht der Illusion hingeben, dass ein Spiel Everybody’s Darling sein kann. Wer sollte so etwas überhaupt programmieren? Viele Spiele müssten erheblich umgekrempelt werden, um allen Geschmäckern gerecht zu werden. Ein Sekiro würde den Kern seines Gameplays einbüßen, wenn es zugänglich und leicht sein soll. Sicher gibt es Spiele, die eine Art Storymodus anbieten. Diese fallen so leicht aus, dass auch unerfahrene Spieler zum Abspann kommen können. Dies mag bei manchen Spielen auch wunderbar funktionieren. Nicht jedes Element funktioniert aber mit jedem Game.

Sekiro lebt davon, dass der Spieler das Gameplay verinnerlicht, lernt Angriffe zu blocken, Bewegungsmuster der Gegner einstudiert und scheitert. Scheitern gehört zu Spielen wie Dark Souls und Sekiro: Shadows Die Twice dazu. Nur so kommt es zum berühmten Belohnungsgefühl. Wer solche Spiele schätzt weiß, wie gut es sich anfühlt, endlich einen besonders harten Boss geknackt zu haben oder ein schwer zugängliches Item aufzusammeln. Wahrscheinlich wäre ein Dark Souls oder Sekiro spielerisch sogar völlig uninteressant, wenn das ikonische Gameplay wegfällt und dem Spieler alles auf dem Silbertablet serviert wird. Sekiro hat zwar eine etwas offensichtlichere Story, die dichter erzählt wird, aber es punktet eben nicht zuletzt durch sein knackiges Gameplay.

Sekiro: Shadows Die Twice

Yoshi hingegen ist ein schönes Spiel, um mit der ganzen Familie Spaß zu haben. Die Herausforderung steht dabei nicht im Vordergrund. Es lebt von seiner liebevollen Optik, der Zugänglichkeit und seinem Charme. Ich als alter Hase mag da nicht gefordert werden, aber damit kann ich leben. Was für mich eher einfach ist, ist für meine Kids eine Herausforderung. Die sind aber eben auch Teil der Zielgruppe und nicht ich alter Hase, der zig Spiele dieser Art erleben durfte.

Natürlich könnten die Entwickler das Spiel auch für mich interessant gestalten. Timings, anspruchsvolle Sprungpassagen, schwer zu erreichende Sammelgegenstände, knackige Bosskämpfe … Möglichkeiten gäbe es genug. Dafür müsste aber auch einiges am Spiel rumgeschraubt werden. Aufwand, der letztlich auch Zeit und Geld kostet. Zumal es neben mir und den Kids noch ganz andere Zielgruppen gibt.

Bei manchen Spielen ist es relativ einfach, sie an verschiedene Personengruppen anzupassen. Gegner können ein paar neue Angriffsmuster erhalten, mehr Schaden austeilen, zusätzliche Lebenspunkte erhalten und mehr. Leider ist es nicht immer ganz so simpel. Was zum Beispiel ist mit Spielen, die auf Mathe beruhen? Und selbst dann wird ein Spiel nicht jeden Geschmack treffen können. Dafür gibt es auf der Welt viel zu viele Menschen mit viel zu vielen verschiedenen Geschmäckern. Wir sollten uns von der Idee verabschieden, alles für jeden gestalten zu wollen. Filme werden auch nicht in mehreren Fassungen gedreht, damit jeder zufrieden ist. Gefällt mir der Schreibstil eines Buches nicht, lese ich es eben nicht. Warum sollten Spiele grundsätzlich und immer für alle geeignet sein? Es ist eine Illusion zu glauben, Schwierigkeitsgrade allein reichen aus, damit Spiele jedem Spaß machen. Auch mit Easy Mode würde nicht jeder Sekiro mögen. Dem einem wäre es zu japanisch, dem nächsten gefällt der Grad an Gewalt nicht …

Ich kann den Wunsch der Spieler verstehen, die gerne Sekiro spielen möchten, aber es zu schwer finden. Dennoch ist ein Easy Mode hier keine gute Idee. Brauchen wir den wirklich? Vielleicht können diese Spieler das Spiel ja dank einer Videoreihe trotzdem erleben. Oder aber sie geben sich einen Ruck und versuchen es (noch) einmal? An Herausforderungen kann man wachsen. Das Gefühl endlich ein Stück im Spiel weitergekommen zu sein ist fantastisch.

Grundsätzlich finde ich es positiv, wenn Spiele versuchen möglichst viele Spieler anzusprechen. Wir sollten so etwas aber nicht als selbstverständlich hinnehmen und von jedem Spiel erwarten. Darüber hinaus sollten wir nicht vergessen, wie viele Spiele es inzwischen gibt. Sekiro und Yoshi sind vielleicht nicht euer Ding, doch da draußen gibt es mit Sicherheit Spiele, die genau euren Nerv treffen. Manche davon können sehr viele Spieler ansprechen, andere richten sich an eine deutlich überschaubarere Zielgruppe.

Was haltet ihr von der aktuellen Diskussion zu Easy und Hard Mode? Teilt eure Meinung gern in den Kommentaren.

Yoshi's Crafted World

Bildquelle: Eigene Screenshot aus Sekiro: Shadows Die Twice und Yoshi’s Crafted World

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redmaker

Der Punkt mit dem „wer soll das alles programmieren“ geht eindeutig an dich – mit einer Anmerkung meinerseits: Wenn es die Entwicklung erlaubt, spricht ja nichts gegen beides. Siehe Fire Emblem: Mit Awakening wurde so ein „easy mode“ eingeführt, in dem gefallene Mitstreiter nicht tot blieben. Gab einen kleinen Aufschrei, letzten Endes war der klassische Modus aber ja ebenso vorhanden. Puristen durften sich also fröhlich bis zum letzten Mann durchsterben, ich habe allerdings zum ersten mal überhaupt bei der Reihe zugegriffen (und es nicht bereut).

Syb
Syb

Ich kann dir da nur zustimmen. Ich verstehe die ganze Diskussion um den Schwierigkeitsgrad nicht. Man sollte einfach respektieren, dass die Entwickler genau diese Spielerfahrung erzeugen wollen, da ansonsten bereits optionale Schwierigkeitsgrade in das Spiel implementiert wären. Die Frage ist für die Entwickler, ob sie mehr Spieler gewinnen wollen auf Kosten ihrer Kernzielgruppe oder man verzichtet auf das ganz große Geld und bleibt sich und seiner Kernspielerschaft treu. Dennoch werden immer wieder neue Fans gewonnen, so wie mich.

Ich hab Sekiro zu ca 60% bereits durchgespielt und diese Gefühlsachterbahn, zwischen „Ich zertrümmer gleich meinen Controller“ oder dem Hochgefühl des Besiegen eines Bosses, hatte ich in dieser Form in keinem anderen Spiel. Auch der Zwischenschritt, wenn der Bossencounter „klick“ macht und man langsam in den Fluss des Spiels kommt, ist großartig, dabei bin ich jetzt kein besonders guter Spieler.