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Death Stranding Review

Entwickler:         Kojima Productions
Publisher:          Sony
Genre:              Action, Adventure
Plattformen:        PlayStation 4
Preis:              ca. 69,99 Euro
Offizielle Website: http://www.kojimaproductions.jp/en/death_stranding.html

In den letzten Monaten gab es reichlich Hype um das Spiel Death Stranding. Nicht zuletzt deshalb, weil das Projekt unter der Leitung von Hideo Kojima entstanden ist. Bis kurz vor Release lies mich das Spiel dennoch kalt. Metal Gear habe ich nie gespielt, weshalb mir auch der Bezug zu Kojima fehlt. Dann jedoch erschien der Death Stranding Launch Trailer und ließ mich sprachlos zurück. Die meisten Trailer schaue ich mir nur auszugsweise oder gar nicht an. Diesen habe ich direkt ein zweites und drittes Mal abgespielt. In diesem Moment wurde mir klar, ich muss dieses Spiel spielen. Kann so ein Game für mich überhaupt funktionieren, wenn ich weder mit Metal Gear noch mit Hideo Kojima bisher etwas am Hut hatte? Für mein Death Stranding Review bin ich dieser Frage nachgegangen.

Da das Spiel nun schon ein paar Tage auf dem Markt ist, gibt es bereits eine Vielzahl an Kritiken und Meinungen dazu. Immer wieder fallen dabei Worte wie DHL Simulator, Postboten Simulator oder Paketdienst der Zukunft. Lässt sich ein Death Stranding tatsächlich auf eine so schlichte Beschreibung herunterbrechen? Sicher, aber gerecht wird es ihm nicht.

Doch beginnen wir ganz vorn. In Death Stranding schlüpft der Spieler in die Rolle von Sam Porter Bridges. Sam ist ein Kurier, oder auch Bote genannt, der tatsächlich ein bisschen mit einem Postboten verglichen werden kann. Bricht man es ganz simpel runter, transportiert Sam Fracht von A nach B. Dies tut Sam in einer gefährlichen Welt, die vom Gestrandeten Tod gezeichnet ist. Trostlos wirkt sie, einsam und doch wunderschön. Die leergefegten Weiten bieten so manche spektakuläre Aussicht. Oft habe ich einen Fotomodus schmerzlich vermisst.

So wunderschön die Welt auch sein mag, ein Spaziergang werden die Aufträge von Sam nicht. Gefahren wie Zeitregen, GDs und MULEs lauern vielerorts. Ersterer ist meist noch das geringste Übel für Sam und seine Fracht. Alles was vom Zeitregen berührt wird, altert schneller. Darunter leiden Frachtbehälter und Fracht von Sam. Zeitregen hat jedoch eine zweite noch viel gefährlichere Eigenschaft – er bringt oft GDs mit sich. Wesen, die kaum wahrnehmbar sind aber brandgefährlich. Sie versuchen Sam in die Totenwelt zu ziehen. Eine Gefahr für Sam, seine Fracht und die Welt. Ein paar falsche Entscheidungen und ein Leeresturz droht. Ein solcher hat das Potenzial, ganze Areale einfach auszulöschen. Sam selbst ist ein sogenannter Wiederkehrer, doch dies bringt verlorenes Gebiet nicht zurück.

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MULEs sind geradezu süchtig nach Fracht und lauern in ihren Gebieten jedem auf, der solche bei sich trägt. In ihren weitläufigen Arealen scannen sie regelmäßig nach Fracht, was es schwer macht, unbemerkt durch solches Gebiet zu gelangen. Ein Sprint kann Rettung bringen – doch so einfach ist es nicht immer. Sind die MULE zunächst noch banal zu Fuß unterwegs, verfolgen sie Sam später auch mit Fahrzeugen und werden so zu einer noch größeren Bedrohung.

Die Fracht, die ihr mit Sam transportiert, ist ausgesprochen empfindlich und das Gelände häufig nicht eben. Eure oberste Priorität ist es, diese sicher an ihr Ziel zu bringen. Beschädigt ihr eure Fracht, sind die Empfänger wenig begeistert. Ist der Schaden zu hoch, scheitert gar der Auftrag. Einmal unglücklich bei der Flucht gestolpert kann genügen, um zu scheitern. Eine eurer wichtigsten Aufgaben ist es daher, das Gleichgewicht zu halten, was über die Schultertasten passiert.

Nicht selten habt ihr die Wahl zwischen Pest, Cholera und langen Umwegen. Death Stranding mag in Trailern und Screenshots relativ düster wirken. Tatsächlich gibt es aber nur einige Kämpfe im Spiel, die unumgänglich sind, da sie Teil der Story sind. Häufig entscheidet ihr. MULE und GD Gebiete lassen sich weitläufig umgehen. Mit der Zeit erhaltet ihr zudem Möglichkeiten, sie einfacher zu bekämpfen. Oder aber ihr setzt auf Stealth.

Ich persönlich mag eine Kombination aus Schleichen und Umwegen. Umwege lassen mich immer wieder sehenswerte Orte entdecken, zu denen mich mein Weg nie geführt hätte, wäre ich zielstrebig zum nächsten Ziel marschiert. Schleichen spannt meine Nerven auf die Folter. Ein Fehler in GD Gebiet und Sam steckt in der Bredouille. Die Kämpfe hingegen sind nicht die Stärke des Spiels. Sie sind schlicht, fast schon mühsam und teilweise zeitraubend. Mir genügen in Death Stranding die Kämpfe, die unumgänglich sind. Vor allem die Blutgranaten fallen hier negativ auf. Es ist nicht sonderlich komfortabel, damit zu zielen,  da die Reichweite zwar theoretisch relativ hoch ist, aber das Ziel nur schwer anzuvisieren ist, wenn es weiter entfernt ist. Andere Waffen – wie die Bola-Gun – sind zum Glück deutlich angenehmer zu benutzen. Trotzdem gehört der Kampf meiner Meinung nach nicht zu den Stärken des Spiels.

Death Stranding brilliert meiner Meinung nach vor allem in seinen ruhigen Augenblicken. Die größte Stärke des Spiels ist die Story. Diese eröffnet sich dem Spieler Stück für Stück. Getragen wird sie von der Leistung ihrer Darsteller. Für die hat Hideo Kojima zahlreiche bekannte Gesichter wie Norman Reedus, Mads Mikkelsen und Léa Seydoux ins Boot geholt. Die Darsteller leisten hervorragende Arbeit und lassen die Figuren im Spiel glaubhaft wirken. Highlight ist für mich Norman Reedus, der Sam spielt. Absolut großartige Leistung hat außerdem Mads Mikkelsen abgeliefert. Er spielt zwar nicht die erste Geige, aber eine so überzeugende Nebenrolle – manchmal hätte ich ihn am liebsten in den Arm genommen. Eine der besten und überzeugendsten Nebenrollen in der Geschichte der Videospielgeschichte. Nicht nur optisch überzeugen die Charaktere. Auch in Sachen Synchronisierung wurde ganze Arbeit geleistet. Die deutsche Sprachausgabe ist ordentlich, kann aber mit der hervorragenden englischen Vertonung nicht mithalten.

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Über das Gameplay von Death Stranding wurden in den letzten Wochen kontrovers diskutiert. Tatsächlich ist dieses nicht die Stärke des Spiels und so etwas wie schmückendes Beiwerk. Das Spiel wird von seinen Storyabschnitten und einer gelungen Spielwelt getragen. Die begeistert vor allem auch in Kombination mit einem starken Soundtrack und einer bedrückenden Atmosphäre. Dennoch würde ich nicht so weit gehen, das Gameplay als schlecht abzustempeln. Vielmehr geht es unverkennbar eigene Wege. Da ist zum Beispiel das Baby, welches Sam bei sich trägt – das BB. Steigt sein Stressniveau, beginnt es zu weinen. Wenn ihr die Einstellung nicht ändert, habt ihr das Geräusch in unmittelbarer Nähe, denn es kommt aus eurem Controller. Eigenartig und faszinierend zugleich. Durch sanftes Wiegen des Controllers beruhigt ihr BB. Im Grunde genommen banal, doch es verdeutlich die Bindung, die Sam zu BB hat und schafft eine solche zum Spieler.

Nicht minder gelungen sind die sozialen Interaktionen. Im Grunde genommen ist Death Stranding ein Singleplayerspiel und doch ist es auch irgendwie ein bisschen Multiplayer. Sam kann für seine Aufträge Werkzeuge wie Leitern und Kletterverankerungen mitnehmen. Auch ist er in der Lage, Straßen zu bauen, die den Umgang mit den später zur Verfügung stehenden Fahrzeugen vereinfachen. Werkzeuge und Konstruktionen könnt ihr mit anderen Spielern teilen und umgekehrt. Zum Beispiel indem ihr an einem Terminal Werkzeuge und Co. im Gemeinschaftsspind platziert. Wesentlich cooler ist aber eine andere Tatsache. Legt ihr über einen Fluss eine Leiter, könnt ihr die einfach dort belassen. Andere Spieler können diese ebenfalls nutzen. Dies gilt auch für andere Konstruktionen und Werkzeuge.

Oberflächlich betrachtet mag dies furchtbar klingen. Hat man dann als Späteinsteoger nicht einen völlig geebneten Weg? Nein! Es gibt nämlich einen Clou an der Sache. Sam transportiert nicht einfach nur Fracht, er knüpft auch ein Netzwerk. Er soll so die letzten Überreste der Menschen miteinander verbinden. Entsteht so eine Verbindung, weitet sich das sogenannte chirale Netzwerk aus. Ohne eine gewisse Eigenleistung geht es also nicht. Erst wenn ein Gebiet Teil des chiralen Netzwerks ist, könnt ihr sehen und nutzen, was andere Spieler hinterlassen haben – oder gar Konstruktionen reparieren und aufwerten. Zudem sorgt Zeitregen für Verschleiß. Eine Straße zerfällt irgendwann, wenn sie nicht von Spielern gepflegt wird. Ihr arbeitet also ein Stück weit mit anderen Menschen zusammen und tut doch auch irgendwie euer Ding. Wenn ihr denn möchtet. Ihr könnt natürlich auch offline spielen. Meiner Meinung nach beraubt ihr das Spiel so aber um eines seiner besten Features.

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Diese Dinge sind es, die Death Stranding zu einem ungewöhnlichen Spiel machen. Ich spiele seit meiner Kindheit und habe ganze Berge von Games gezockt. Nichts was ich in all den Jahren gespielt habe, ist mit Death Stranding vergleichbar. Natürlich kann ich hier und dort Parallelen ziehen. Die Schilder, die ich setzen kann, erinnern untrüglich an die Nachrichten in Dark Souls. Das relativ schlichte Gameplay und die langen Laufwege erinnern zweifelsohne an Walking Simulatoren. Trotzdem hat Death Stranding seine eigene Dynamik, eine eigene DNA. Es ist eines dieser wenigen Spiele, die sich tatsächlich einzigartig anfühlen, die eine Spielerfahrung bieten, wie man sie in der Form noch nie erlebt hat. Genau deshalb habe ich mich auch in das Spiel verliebt. Viele Games fühlen sich für mich wie Routine an. Hier hatte ich seit langem Mal wieder das Gefühl, ich muss mich wirklich in ein Spiel reinfinden.

Für mich ist Death Stranding eines der besten Spiele dieser Konsolengeneration. Dennoch sind die weit auseinanderklaffenden Meinungen verständlich. Spieler, die vor allem auf Gameplay Wert legen, werden hier vermutlich keine Freude haben. Auch wer knackig erzählte Geschichten mag, dürfte eher enttäuscht sein. Death Stranding zieht mit seiner Story zwar den Spieler von Anfang an in den Bann, doch das Spiel nimmt sich verdammt viel Zeit, diese komplett aufzurollen. Damit bietet das Spiel aber auch einen vernünftigen Spannungsbogen. Der Spieler hat nach drei Stunden nicht das Gefühl, alles durchschaut und verstanden zu haben. Die Geschichte ist emotional und packend, doch ihr müsst ihr Zeit geben, sich zu entfalten. Sie startet gut, doch was im späteren Spielverlauf kommt, ist noch deutlich besser.

Auch die zunächst überschaubaren Möglichkeiten werden so manchen Spieler abschrecken. Moderne Spiele kommen oft sofort in Fahrt. Death Stranding erinnert mich an früher. Selbst nach zig Spielstunden bekommt ihr noch neue Möglichkeiten serviert. Überhaupt erhaltet ihr neue Dinge immer nur tröpfchenweise. Sam wächst an seiner Mission und dieses Gefühl vermittelt auch das Spiel. Zunächst kann er wenig tragen und seine Ausrüstung bietet kaum Optionen. Mit der Zeit lernt er zu kämpfen, größere Konstruktionen zu erschaffen, sein Gleichgewicht besser zu halten und andere nützliche Dinge, die ihm einerseits helfen, Gefahren mehr entgegensetzen zu können, andererseits ein wenig Komfort bieten. All dies müsst ihr euch aber erarbeiten und der Weg dorthin ist bisweilen steinig und zäh. Genau dies sorgt aber letztlich dafür, dass es sich tatsächlich wie eine hart erarbeitete Belohnung anfühlt. Es gibt da draußen genug Spiele, die mir alles auf dem Silbertablet servieren. Für Death Stranding braucht ihr Geduld, ihr müsst euch auf die verrückte Geschichte und Welt einlassen und bereit sein, euch dies erschließen zu wollen.

Das Spiel ist weit davon entfernt zu sein, was man von aktuellen Mainstreamspielen kennt. Ihr steht hier nicht sofort mit beiden Beinen fest in der Action. Auch hält Death Stranding überhaupt nichts davon, eure Hand zu halten. Viele Dinge wird euch das Spiel nie sagen oder nur in Form einer Randnotiz. Es ist an euch herauszufinden, was alles möglich ist. Nur wer sich darauf einlässt findet eine Tiefe, die das Spiel auf den ersten Blick so gar nicht vermuten lässt. Vor allem bei den sozialen Interaktionen geht es um mehr als Likes und ein paar Schildchen.

Gerade deshalb wird es aber manchen Spielern schwerfallen, sich darauf einzulassen. Wer es gewohnt ist, von einem Spiel an der Hand gehalten zu werden, mit allen wichtigen Informationen versorgt zu werden und sofort mitten in Handlung und Gameplay zu stehen, findet vermutlich nur schwer Zugang zu Death Stranding. Es ist wie gemacht für Spieler wie mich. Ich bin stets auf der Suche nach ungewöhnlichen und frischen Konzepten. Bereit, einem Spiel Zeit zu widmen, tiefer zu graben und selbst zu probieren, was es mir für Möglichkeiten bietet. Erkennt ihr euch hier wieder? Dann solltet ihr diesem Spiel eine Chance geben. Vor allem zahlt es sich aus, am Ball zu bleiben. Das Spiel startet gut, nimmt aber erst ab Ende von Kapitel 3 so richtig an Fahrt auf. So mancher wird wahrscheinlich vorher entnervt aufgeben. Haltet durch!

Mein Fazit:

Weder Metal Gear noch Hideo Kojima spielten bisher eine Rolle in meinem Leben. Selbst Death Stranding hat mich lange Zeit überhaupt nicht berührt. Erst der Launch Trailer hat meine Neugier geweckt und ich bin dafür sehr dankbar. Wow, was für ein Spiel. Death Stranding ist eines von wenigen Spielen, welches sich wirklich einzigartig anfühlt. Die Geschichte hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen.

Für mich ist Death Stranding nicht nur eines der besten Spiele 2019, es ist eines der besten Spiele dieser Generation. Nicht allein, wegen der packenden Story, nein. Das Gesamtpaket ist es, welches mich überzeugt hat. Ein Singleplayerspiel, bei dem ich doch nie völlig allein bin. Andere Spieler können meine Konstruktionen nutzen, verbessern und reparieren – und natürlich umgekehrt. Allein fühle ich mich nie und doch kann ich einfach meiner Wege ziehen. Die anderen  Spieler, sie sind nicht richtig da. Wir laufen nicht gemeinsam durch die Welt, wir kämpfen nicht Seite an Seite und Fracht wird nur über Spinde getauscht. Ein interessantes, spannendes und fesselndes Konzept.

Ist Death Stranding perfekt? Nein, auf keinen Fall. Es hat seine Ecken und Kanten. Das Gameplay ist zweifelsohne nicht die Stärke des Spiels. Es ist zweckmäßig und manchmal unnötig kompliziert. Ich bezweifle auch, dass das Spiel jedem auch nur annähernd so gut gefällt, wie mir. Manchmal ist es geradezu sperrig. Genau dafür mag ich es aber. Death Stranding ist kein Spiel, welches mich an die Hand nimmt, um mich dann mit festem Griff bis zum Abspann zu geleiten. Hier darf ich viele Dinge selbst herausfinden und muss mir das Verständnis für das Spiel wirklich erarbeiten. Auch die Story wird über Stunden aufgebaut und ich habe nicht nach kurzer Zeit bereits das Gefühl, zu wissen, wohin die Reise geht. Um so etwas zu genießen, müssen Zeit und Geduld da sein, keine Frage.

Wenn ihr ungewöhnliche Spiele mögt, Spiele die eure Hand nicht dauernd umklammern, Spiele die sich etwas trauen, Spiele die ihre Story nicht sofort vor euch ausbreiten und diese über Stunden aufbauen … dann solltet ihr diesem Game unbedingt eine Chance geben. Ihr könntet – wie ich – mit einem großartigen Erlebnis belohnt werden.

Mögt ihr Mainstreamgames, Spiele die euch lange an die Hand nehmen, Spiele mit herausragendem Gameplay und die sich an aktuellen Trends orientieren, werdet ihr von Death Stranding wahrscheinlich enttäuscht.

Im Grunde genommen hat mich nur eine Sache wirklich gestört – es gibt keinen Fotomodus. Der sollte unbedingt via Patch nachgereicht werden! Alles andere verzeihe ich Death Stranding gern. Ich habe gelacht, ich habe geweint, ich habe gehofft, ich saß gespannt vor meinem Fernseher – damit hat mir Death Stranding mehr gegeben als die meisten Spiele.

Bildquelle: Kojima Productions, Sony

Offenlegung: Für dieses Review hat mir Sony das Spiel kostenlos zur Verfügung gestellt.

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