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Star Wars Jedi: Fallen Order Review

Entwickler:         Respawn
Publisher:          Electronic Arts
Genre:              Action, Adventure
Plattformen:        PC, PlayStation 4, Xbox One
Preis:              ca. 69,99 Euro
Offizielle Website: https://www.ea.com/de-de/games/starwars/jedi-fallen-order

Star Wars boomt, dieses Jahr kommt der letzte Film der Skywalker-Saga in die Kinos, auf Disney+ dürfen sich ein paar Wenige bereits an „The Mandalorian“ erfreuen. Bei der guten Aussicht auf all die filmischen Inhalte, dürfen natürlich auch die Spiele nicht zu kurz kommen. Mit Star Wars Jedi: Fallen Order schicken Electronic Arts und Respawn Entertainment ein reines Singleplayer-Spiel ins Rennen. Die Prämisse: ein vollumfängliches Abenteuer, ohne Gedanken an DLC, Lootboxen oder Mikrotransaktionen. Klingt zu schön, um wahr zu sein?

Order 66

In Star Wars Jedi: Fallen startet ihr als Cal Kestis auf dem Planeten Bracca. Infolge der Order 66 ist er als junger Padawan untergetaucht und fristet nun sein Dasein als Schrottsammler. Doch es kommt natürlich wie es kommen muss: Ein gibt einen Zwischenfall und der Padawan setzt seine bisher verborgenen Kräfte als Jedi ein. Dies bleibt nicht unbemerkt und schon bald steht das Imperium auf der Matte. Sie zwingen Cal in die Flucht, während der Spieler mit den grundlegenden Spielmechaniken konfrontiert wird. Ein Glück hat der Padawan das Lichtschwert seines Meisters aufgehoben. Angriffe Blocken, Parieren, Salven reflektieren, für Cal alles kein Problem.

Cal Kestis Macht ist jedoch nicht grenzenlos und obgleich euch das Spiel deutlich macht, dass ihr den meisten Gegnern überlegen seid, müsst ihr dennoch mit Köpfchen vorgehen. Manche Fähigkeiten von Cal Kestis liegen in seinen Erinnerungen verborgen, in seiner Ausbildung zum Jedi vor Order 66. Diese Erinnerungen geben dem Padawan schrittweise seine Fähigkeiten zurück, die euch in der Spielewelt neue Wege öffnen. Gleichzeitig dienen sie aber auch der Geschichtserzählung, klären über die Beziehung des Padawans zu seinem Meister auf und zeigen die Ereignisse rund um Order 66.

Über diese speziellen Fähigkeiten hinaus stellen die Talente, die ihr freischaltet, neue Spielmöglichkeiten zur Verfügung. Egal ob der berüchtigte Laserschwert-Wurf, der Machtschub oder die Möglichkeit Gegner zu verlangsamen. Mittels eines Talentbaums könnt ihr all diese Spielmöglichkeiten freischalten, Schritt für Schritt.

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Star Wars Baby!

Nach der turbulenten Einführung in den Kampf gegen das Imperium, gelingt Cal Kestis schließlich die Flucht an Bord der Mantis. Im vorerst neuen Zuhause lernt er Greez Dritus und Cere Junda kennen, die maßgeblich zu seiner Flucht beigetragen haben. Sie erzählen ihm vom versteckten Planeten Bogano und einer uralten Zivilisation von Machtausübern. Auf dem Planeten gelandet, gibt euch das Spiel einen Ausblick auf seine Mechaniken und den Aufbau. Jeder der fünf Planeten hat Bereiche, die nur mit speziellen Fähigkeiten zu erkunden sind. Damit ihr genug Gründe habt zurückzukehren, verstecken sich in diesen Bereichen Möglichkeiten, eure Lebenspunkte und den Machtpool durch sogenannte Macht Echos zu vergrößern und die Option zusätzliche Skins freizuschalten.

Damit euch die Erkundung in Star Wars Jedi: Fallen Order leichter fällt, steht euch euer kleiner Freund BB-1 zur Verfügung. Der Druide ist nicht nur putzig animiert und gestaltet, sondern entpuppt sich als wahrer Helfer. Er durchwühlt für euch Kisten, gibt euch Hinweise bei Rätseln, hält eine Holokarte der Planeten bereit und unterstützt euch später sogar bei der Fortbewegung. Zu dieser spielerischen Implementierung kommt noch die emotionale Bindung die Cal Kestis zu BB-1 aufbaut. Der Druide zeigt eben die emotionalen Regungen, die auch R2D2 und BB-8 so beliebt machen. Kein Wunder, dass er bald zum besten Freund des Padawans wird.

Star Wars Jedi: Fallen Order – Eine neue Hoffnung

Natürlich könnt ihr auch das Äußere von BB-1 anpassen, so wie das der Mantis und die Kleidung von Cal selbst. Das Spiel hält versteckt eine echte Fülle an Skins bereit, wobei diese sich oft auf farbliche Variationen beschränken. Sammler werden zwar einen Spaß beim Erkunden haben, der Nutzen hält sich jedoch in Grenzen. Zwischen all diesen versteckten Skins sind  jedoch immer mal wieder nützliche Erweiterungen versteckt. Dennoch bleibt das Gefühl: Hier hätte man mehr rausholen können. Beispielsweise wären Kategorien von Skins mit Eigenschaften eine Möglichkeit gewesen, diese hätten jedoch zusätzliche Arbeit beim Balancing bedeutet. Auch die zahlreichen optischen Veränderungen des Lichtschwerts haben keine Auswirkungen auf die Waffe selbst.

Das mag vor allem daran liegen, dass das eigentliche Kampfkonzept einfach gehalten ist. Es gibt in Star Wars Jedi: Fallen Order keine Angriffs- oder Verteidigungswerte, keine Boni oder sonstige Elemente aus Rollenspielen – das ist schlicht und ergreifend nicht der Anspruch. Ihr habt Lebenspunkte, eine gewisse Machtreserve und euer Lichtschwert.

Jeder Gegner im Spiel wartet mit gewissen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen auf. Spieler die im niedrigsten Schwierigkeitsgrad spielen, wird das wenig interessieren. Doch bereits ab der zweiten Stufe, müsst ihr lernen, diese Schwächen zu nutzen und euren Kampfstil anzupassen. Das Spiel wird hier deutlich anspruchsvoller und geht in die Richtung eines Dark Souls im Weltall. In den oberen beiden Stufen werden die Kämpfe erbarmungslos, eine gute Frusttoleranz ist hier essenziell.

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BB-1 – dein Freund und Helfer

Damit ihr nicht den Überblick über die vielen, teilweise grandios animierten Gegnertypen verliert, stellt euch BB-1 die Möglichkeit bereit, diese zu scannen. Die Gegner werden dann in ein Kompendium aufgenommen, wo ihr noch einmal Hintergrundinfos erfahrt. Da BB-1 sehr gerne neugierig ist und gerne scannt, finden in dieses Kompendium noch allerhand andere Infos aus den Welten. Leider sind die meisten davon eher belanglos, hier haben die Entwickler Potenzial beim Storytelling liegen lassen.

Bei der Erkundung kann es euch passieren, dass ihr auf besonders starke Gegnervarianten trefft. Diese erfordern extra Geschick bei der Bekämpfung. Als Belohnung winken dafür zahlreiche Erfahrungspunkte. Verliert ihr jedoch, ist auch die gewonnene Erfahrung seit dem letzten Mal meditieren an einem der Speicherpunkte dahin. Wie bei Dark Souls, müsst ihr dann den Gegner neu konfrontieren. Ist er euch zu schwer oder zu leicht, könnt ihr jederzeit den Schwierigkeitsgrad anpassen. Apropos Meditation, füllt ihr eure Macht und Lebenspunkte wieder auf, respawnen auch alle Gegner. Das Farmen der Gegner macht jedoch nur bedingt Sinn. Das Spiel versorgt euch bei der ausgiebigen Erkundung mit genügend Erfahrungspunkten.

Bei den zahlreichen Speicherpunkten hätten wir uns auch den ein oder anderen Schnellreisepunkt gewünscht. Zwar verfügen die Welten über zahlreiche Abkürzungen, dennoch gestalten sich manche Laufwege als außerordentlich weit. Vor allem dann, wenn man bereits besuchte Areale noch einmal ausgiebiger erforschen möchte oder einfach von der Story her noch einmal über den halben Planeten an ein neues Ziel laufen muss. Dafür entschädigt die wundervolle Weltgestaltung ein wenig. Star Wars Jedi: Fallen Order setzt auf die Unreal Engine und erweckt das Star Wars Universum zum Leben. Besonders die Kulissen sind oft atemberaubend gestaltet, dazu gesellen sich großartige Effekte, filmreife Animationen und Kameraführung sowie super Motion Capture.

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Abzüge in der B-Note

Während die Musik sich dynamisch an die Umgebungen und das Spielgeschehen anpasst, gibt es bei der Technik jedoch bei allem Lob auch Grund zur Kritik. Manchmal wirkt die Erkundung durch Fehler bei der Kollisionsabfrage etwas lästig. Man verpasst einen Wandlauf, weil der Charakter die Wand nicht als solche rechtzeitig wahrnimmt oder springt an einem Vorsprung vorbei, weil Cal trotz betätigen der Taste nicht danach greift. Glücklicherweise zieht euch der Sturz in einen Abgrund nur einen Teil der Lebenspunkte ab, dennoch bleibt man manchmal schnaufend zurück. Darüber hinaus kann der Kampf gegen mehrere Gegner frustrierend werden, da die Anvisierung der Ziele sich als umständlicher gestaltet als notwendig. Eine automatische Anvisierung – die optional vorhanden ist – löst das Problem nur bedingt. Auf der Testplattform (Xbox One X) kam es zudem immer mal wieder zu Einbrüchen der Bildrate. Oftmals an unbedeutenden Übergängen von Bereichen, manche Male aber auch mitten im Kampf.

Mein Fazit

Star Wars Jedi: Fallen Order hat das geschafft, woran die letzten beiden Kinoteile für mich grandios gescheitert sind: Das Spiel hat mich wieder ins Star Wars Universum gezogen. Es ist ein Singleplayer-Spiel mit wenigen Kompromissen und ein Liebesbekenntnis an Star Wars-Fans. Das Spiel ist nicht überragend, kämpft mit Schwächen bei Steuerung und Technik, außerdem hätte mehr Geschichte rund um manche Charaktere und Welten nicht geschadet. Kompromisslos ist Entwickler Respawn Entertainment beim Umfang. Ihr erhaltet ein vollständiges Spiel, mit rund 20 bis 30 Stunden Spielzeit, je nach Tempo und Erkundungsdrang. Es gibt Verknüpfungen mit anderen Star Wars-Geschichten, Gastauftritte bekannter Charaktere und eine tolle Freundschaftsgeschichte zwischen Cal Kestis und BB-1. Es ist außerdem ironisch, dass der kleine Androide oft mehr zum Leben erwacht als der Hauptcharakter selbst.

Die tollen Kulissen, der gute Soundtrack, das ausgeklügelte und gut funktionierende Kampfsystem sowie die Möglichkeiten der Erkundung und ein grandioses Finale entschädigen für die kleinen Schwächen und so manchen unnötigen Frustmoment. Star Wars Jedi: Fallen Order ist ein tolles Spiel und das beste Singleplayer-Erlebnis in der Saga seit den Jedi Knight-Titeln. Es ist also insofern ausnahmsweise traurig, dass keine Erweiterung angekündigt ist. Fallen Order ist aber noch aus einer anderen Sichtweise ein wichtiger und großer Titel. Er zeigt nämlich, dass all der Kritik an Mikrotransaktionen, DLCs und Games-as-a-Service nicht auf taube Ohren gestoßen ist. In dem Sinne: Bitte mehr davon.

Offenlegung: Für dieses Review hat mir Electronic Arts das Spiel kostenlos zur Verfügung gestellt.

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