tt:
Gewinnspiel
Startseite » Review » Pokémon Schwert und Schild Review

Pokémon Schwert und Schild Review

Entwickler:         GameFreak
Publisher:          Nintendo
Genre:              Action, Adventure
Plattformen:        Nintendo Switch
Preis:              ca. 59,99 Euro
Offizielle Website: https://swordshield.pokemon.com/de-de/

Schritt in die richtige Richtung

Schon bevor die Spiele Pokémon Schwert und Schild erschienen sind, polarisierten sie. Nicht zuletzt deshalb, weil die Entwickler entschieden haben, nicht alle Pokémon in die neuen Ableger der Serie zu bringen. Seit Jahrzehnten lautet das Motto von Pokémon „Gotta Catch ‚Em All“ oder bei uns „Schnapp sie dir alle“. Nachdem diese Entscheidung vor Release bekannt wurde, riefen einige Fans sogar zum Boykott auf. Trotz einiger Unkenrufe im Vorfeld wollte ich mir das neueste Pokémon-Abenteuer nicht entgehen lassen. Als Fan der ersten Stunde bin ich selbstverständlich aufgebrochen, um die neue Region Galar zu erkunden. Ob ich mit den neuen Serienablegern zufrieden bin, erfahrt ihr in meinem Review.

Meine Erwartungen an Pokémon Schwert und Schild waren groß. Schließlich bringt eine neue Plattform – in dem Fall die Nintendo Switch – auch neue Chancen mit sich. Schon seit Jahren wünsche ich mir etwas frischen Wind für Pokémon. So sehr ich die Franchise mag, zuletzt trampelte sie merklich an der Stelle. Die Entwickler wirkten wenig risikofreudig und scheuten Innovation. Tatsächlich hat sich daran auch mit der achten Generation nur bedingt etwas geändert. Dennoch bin ich als langjähriger Fan zufrieden.

Endlich traut sich GameFreak aus seinem Schneckenhaus und beweist Mut zu neuen Ansätzen. Zwar gab es im Laufe der Jahre sehr viele Spinoffs, die in alle möglichen Richtungen gingen, doch die Editionen selbst taten sich mit Innovation oft schwer. Pokémon Schwert und Schild erfinden freilich das Rad nicht neu. Die Spiele sind allerdings ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Angefangen bei der Region Galar. Die Spielwelt ist kein Breath of the Wild, aber sie ist für ein Pokémon-Spiel angenehm groß und bietet mit der Naturzone eine Besonderheit. Ihr bereist zwar die Spielwelt noch immer, indem ihr über Routen von Ort zu Ort zieht, doch die Naturzone lässt euch aus diesem Trott gelegentlich ausbrechen. Sie lockert das gewohnte Korsett etwas und ist für mich eines der Highlights.

In der Naturzone begegnet ihr zahlreichen Taschenmonstern. Mit einigen solltet ihr euch jedoch nicht anlegen, da sie weit über eurer Stufe sind. Es würde in dem Fall auch nichts bringen, einfach Bälle drauf zu werfen – das Fangen ist an die Arenaorden geknüpft. Mit jedem Orden erhöht sich die Stufe, bis zu der ihr Taschenmonster fangen könnt. Werft ihr trotzdem einen Ball, wird der abgewehrt.

Eine weitere Besonderheit stellen die sogenannten Dyna-Raids dar. In denen tretet ihr gegen riesige Pokémon an, die besonders stark sind. Ihr könnt entweder mit NPCs an eurer Seite kämpfen oder aber via Onlinefunktion mit anderen Spielern. Ich finde es schade, dass das Zusammenspiel mit anderen nicht ausgeweitet wurde, denn es macht echt Spaß. Ich hätte absolut nichts dagegen, die gesamte Spielwelt Seite an Seite mit einem Freund zu erkunden.

Ganz nett finde ich die Möglichkeit, in der Naturzone ein Zelt aufschlagen zu können. So kann der Spieler einfach Mal Fünfe gerade sein lassen, beim Spiel mit seinen Pokémon Kämpfe und die Jagd nach neuen Pokédexeinträgen vergessen und sich an neuen Curryrezepten versuchen. Curry? Ihr habt richtig gelesen, in Pokémon Schwert und Schild dürft ihr eure virtuellen Kochkünste auf die Probe stellen.

Detailarbeit

Die Raids und die Naturzone gehören mit zu den größten Neuerungen in Pokémon. Doch diese Dinge allein sind es nicht, die die Reihe in die richtige Richtung bringen. Viele kleine Details sind es, die am Ende mindestens genauso überzeugen.

Dinge wie den EP-Teiler haben die Entwickler ersatzlos gestrichen. Stattdessen werden die Erfahrungspunkte in Kämpfen nun einfach grundsätzlich aufgeteilt, wie ihr es vielleicht aus JRPGs kennt. Erinnert ihr euch noch an Zeiten, in denen in euren Boxen Hunderte Taschenmonster schlummerten, die ihr irgendwann Mal gefangen habt und seitdem nicht mehr angerührt habt? Mal eben schnell das Team komplett umkrempeln war manchmal mühsam, da dies oft bedeutete, erst mal eifrig zu leveln. Mit den neuen PokéJobs könnt ihr diese Pokémon quasi nebenher leveln. Obendrein bringen sie euch Belohnungen mit. So verstauben nicht mehr Unmengen Taschenmonster irgendwo in Boxen.

Die Boxen sind ein gutes Stichwort. In Pokémon Schwert und Schild könnt ihr von fast überall auf eure Boxen zugreifen und so noch komfortabler euer Team anpassen. Dazu kommen weitere Quality of Life Anpassungen, wie Autosave. Dieses Feature war längst überflüssig und ist nun endlich an Bord. Selbst die Story bricht etwas aus und überrascht zum Anfang mit einigen unerwarteten Handlungen. Obendrein können viele Erklärungen auch ausgelassen werden. Lobend erwähnen möchte ich auch die Charaktere im Spiel. Schwert und Schild bieten einige der überzeugendsten, besten und tiefsten Charaktere der Reihe. Erwartet hier kein supertiefes Storytelling a la The Last of Us. Doch Pokémon hat definitiv schon glanzloserere, banalere und nichtssagendere Charaktere präsentiert.

Einige alte Hasen werden sich möglicherweise mit diesen kleinen Änderungen im Detail schwertun, da sie einige altbekannte Dinge über Bord werfen, mehr Komfort bedeuten und das enge Korsett lockern. Ich persönlich finde diese Änderungen gelungen und begrüße sie. Klar, selbst brauche ich diese Dinge nicht. Ich bin Fan der ersten Stunde und mit Pokémon aufgewachsen. Ich finde mich gut ohne derlei Anpassungen in der Welt der Pokémon zurecht.

Nur spielt eben nicht jeder schon Jahrzehnte Pokémon. Änderungen dieser Art waren meiner Meinung nach längst überflüssig. Sie machen die Reihe wieder zugänglicher und die Entwickler gehen damit einen großen Schritt auf neue Spieler und Fans zu. Die Reihe profitiert von dieser Entschlackung, auch wenn einige langjährige Fans weniger glücklich darüber sind. Die Pokémon Editionen waren noch nie schwere Spiele – leider, möchte ich beinahe sagen. Schwierigkeitsgrade wünsche ich mir nach wie vor für die Reihe. Ein Wunsch, der sich mit Pokémon Schwert und Schild leider nicht erfüllt hat. Doch unter der Oberfläche schlummern einige doch relativ komplexe Dinge. Zum Beispiel die Zucht und PvP.

Übrigens gehen die Entwickler auch hier auf die Spieler zu. So ist es jetzt im PvP zum Beispiel möglich, die Lieblingspokémon einzusetzen – unabhängig davon, ob die in der Meta sind. Zwar bietet die Zucht immer noch einen Vorteil, aber Spieler sind nicht mehr völlig außen vor, wenn sie eben nicht ganz so tief in der Materie drinstecken. Das PvP ist etwas ausgeglichener und nicht mehr so festgefahren, belohnt aber nach wie vor hohen zeitlichen Aufwand.

Aus diesem Blickwinkel heraus begrüße ich es auch, eben nicht alle 890 Pokémon in den neuen Spielen sammeln zu können. Keine Frage, ich vermisse einige Taschenmonster, die zu meinen Lieblingen gehören. Allen voran mein Lieblingspokémon Sesokitz oder Taschenmonster wie Jirachi, Manaphy, Xerneas oder Absol. Auf Kandidaten wie Pottrott und Schmerbe hätte ich hingegen gut verzichten können. Doch wisst ihr was? Es gibt trotz allem 400 Pokémon in Schwert und Schild. Genug Auswahl, um etwas zu finden. In den meisten Spielen sammle ich – allein schon aus Zeitgründen – ohnehin nicht alle Pokémon. Zuletzt habe ich dies bei Pokémon Let’s Go, Evoli! getan. Dort gibt es allerdings auch nur 153 Pokémon.

Natürlich kann man – gerade als alter Hase – die neuen Spiele einfach blöd finden. Sie sind auch zweifelsohne nicht die Neuerfindung des Rads. Pokémon hat noch immer viel Luft nach oben und mir würden spontan zig Dinge einfallen, die ich mir für die Zukunft wünsche. Die Entwickler scheinen noch immer nicht bereit, die Reihe gänzlich umzukrempeln. Statt frischem Wind hat es so nur für eine frische Brise gereicht. Mir persönlich reicht die aus, anderen wird sie nicht genügen. Technisch wäre sicher noch mehr drin gewesen, wenn man mit anderen Switch-Spielen vergleicht. Auch in Sachen neuen Features und Mechaniken hätten sich die Entwickler gern mehr Mut zutrauen dürfen und die Animationen im Kampf hauen noch immer nicht vom Hocker. Auch die Schwierigkeit lässt weiter viel Spielraum nach oben und altbekannte Marotten – wie die immer gleichen Looks der Trainertypen – gehören endlich abgeschafft. Unterm Strich aber bin ich zufrieden. Ich habe viel Spaß mit Pokémon Schwert und Schild. Mehr wäre schön gewesen und doch hat sich mehr getan, als ich zu hoffen wagte. Die guten Verkaufszahlen motivieren die Entwickler hoffentlich dazu, auch in Zukunft neue Wege zu gehen und dabei vielleicht sogar noch größere Schritte zu machen.

pokemon_schwert_schild_screenshot_02

Mein Fazit:

Ich bin Pokémon Fan der ersten Stunde, habe aber im Laufe der Jahre eine inaktive Phase gehabt und einige Editionen ausgelassen. Vor ein paar Jahren stieg ich mit dem New Nintendo 3DS und Omega Rubin wieder ein und meine alte Liebe entflammte erneut. Noch gut erinnere ich mich an den Spaß, aber auch an den zähen und frustrierenden Wiedereinstieg. Pokémon wird gern als viel zu leicht abgestempelt. Tatsächlich ist es oberflächlich ein leichtes Rollenspiel. Doch unter der Oberfläche verbergen sich komplexe Mechaniken wie PvP und die Zucht. Stunden habe ich damals in Foren verbracht, um wieder rein zu kommen.

Die Entwickler haben dies erkannt und mit Pokémon Schwert und Schild Spiele auf den Markt gebracht, die vergleichsweise einsteigerfreundlich sind. Die Hauptreihe war schon lange nicht mehr so zugänglich für neue Spieler. Ein überfälliger, gelungener Schritt.

Ja, dafür haben die Entwickler einige Dinge noch einfacher gemacht, Quality of Life Verbesserungen integriert und den Pokédex beschnitten. Es gibt nicht alle Taschenmonster in den neuen Spielen. Als alter Hase kann man sich an diesen Dingen stören. Diese Änderungen sind es aber, die die Spiele zu den besten Pokémon-Spielen seit langem machen. Die Spiele gehen nicht nur auf Fans zu, sie öffnen sich auch neuen Spielern.

Endlich beweisen die Entwickler Mut und hören auf, auf der Stelle zu trampeln. Man ist zwar noch immer sehr zaghaft, aber die Richtung stimmt. Für die folgenden Teile wünsche ich mir mehr davon. Zum Beispiel ein Weg weg von den einheitlichen Charaktermodellen für Trainertypen. Trotz einigen Ecken und Kanten bin ich zufrieden mit den neuen Spielen.

Bildquelle: Nintendo

Offenlegung: Für  dieses Review hat Nintendo Pokémon Schild  kostenlos zur Verfügung gestellt.

Schreibe etwas dazu!

avatar
2000
  Kommentare Abonnieren  
Benachrichtige mich zu: